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Japan aktuell: Premierminister Noda trifft Fukushima 50

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AKW Fukushima Reaktor 01 am 12. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Reaktor 1 am 12. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima Reaktor 01 am 12. März 2011
AKW Fukushima Reaktor 01 am 12. März 2011

Der von Japans Premierminister in der Präfektur Fukushima aktuell absolvierte Besuch hatte mehr zum Inhalt, als nur einen Überblick über den Zustand zu erhalten, in dem sich das Kernkraftwerk Fukushima heute befindet.

Vielmehr machte sein Gespräch mit den Arbeitern, die auf dem Höhepunkt der Krise dort arbeiteten wieder einmal die Belastung der Menschen, unter derartigen Umständen deutlich.

Weitere Fukushima News und sonstige Meldungen jenseits der Reaktoranlage, etwa zum Senkaku-Streit, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 8. September 2012.

 

Unsere heutigen Themen:

  • Premier Noda besucht Präfektur und AKW Fukushima
  • Premier Noda spricht mit Fukushima 50
  • Premier Noda drängt auf zügige Dekontamination
  • Videokonferenz belegt Probleme beim Autobatterie-Kauf
  • Unternehmen entwickeln Dekontaminationsmittel
  • Japaner gewinnt Nobelpreis für Medizin/Physiologie
  • Senkaku
    • Toter nach anti-japanischen Protesten in China
    • Koreas Propaganda auf dem Time Square
    • Denkmal in China verunstaltet
    • Acht chinesische Schiffe in Grenzzone
    • Japans Ex-Premier könnte sich mit Koreas Führung treffen

Premier Noda besucht Präfektur und AKW Fukushima: Japans Premierminister Yoshihiko Noda besuchte am Sonntag die Präfektur Fukushima, um sich einen Eindruck vom Stand der Arbeiten am Atomkraftwerk Fukushima Daiichi zu verschaffen. Zuvor sprach er jedoch mit mehreren Personen – etwa  mit den Polizeibeamten, deren Aufgabe die Patrouillengänge der Evakuierungszone ist.

Ihnen gegenüber erklärte er, dass er große Anerkennung für die wichtige Rolle und den Einsatz hätte, den die Polizisten zeigten, während sie die Sicherheit dort gewährleisten.

Bei seinem anschließenden Besuch des Kraftwerks am Nachmittag, besichtigte der Premierminister auch den fünten Stock des Reaktorgebäudes Nummer 4, um den Fortschritt bei der Stilllegung zu begutachten. Dem schloss sich ein Besuch der Kontrollräume für die Reaktoren 1 und 2 an.

Premier Noda spricht mit Fukushima 50:  Sie und ihr dramatischer Einsatz am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi während der ersten 48 Stunden nach Ausbruch der Krise, sind bereits jetzt Teil einer modernen Legende von tragischen Helden, die alles taten um aufzuhalten, was nicht mehr aufzuhalten war.

Bei seinem Besuch des AKW am Sonntag, sprach Japans Premierminister auch mit jenen Helfern der ersten Stunde, die unter dem Namen „Fukushima 50“ international bekannt wurden – nur um im Laufe der nachlassenden Berichterstattung langsam wieder in Vergessenheit zu geraten.

Die acht Teilnehmer – Angestellte von TEPCO und Mitarbeiter von Subunternehmen – berichteten dem Gast von den schwerwiegenden Entscheidungen und der Situation, denen sie sich damals gegenüberstanden.

Zu ihnen gehörten Masatoshi Fukura, Leiter der Einsatzgruppe der Fukushima-Reaktoren 1 bis 4 und sein Kollege Atsufumi Yoshizawa, Gruppenleiter für die Reaktoren 5 und 6. Die übrigen sechs Arbeiter zogen es vor, namentlich ungenannt zu bleiben.

Während Noda den Arbeitern für ihren Einsatz dankte, erklärte Yoshizawa zu Beginn des Treffens, er wolle sich als erstes bei den Menschen in Japan entschuldigen, dass es ihnen nicht gelungen sei, den Atomunfall zu verhindern. Dann schilderten Angestellte ihre Erlebnisse.

AKW Fukushima Daiichi: Kontrollraum für Reaktor 5 am 11. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima Daiichi: Kontrollraum für Reaktor 5 am 11. März 2011 (Foto: TEPCO)

Jeweils 20 Personen, die sich in den beiden Kontrollräumen aufgehalten hatten, hielten 48 Stunden lang die Stellung, ohne das Hilfe eingetroffen wäre, berichtet etwa Fukura. Alles was  sie gehabt hätten, sei Schiffszwieback und Wasser gewesen.

Nach der Explosion an Fukushima-Reaktor 1 sei die Deckenverschalung herabgestürzt und die Arbeiter wären durch den Staub weiss geworden. Sie hätten ihre Arbeit in Schutzanzügen und Atemmasken fortgesetzt.

Zwar war den Arbeitern das Herunterfahren der Reaktoren und damit das Einsetzen einer Kettenreaktion gelungen. Als der Tsunami dann jedoch die Stromgeneratoren praktisch fortspülte, war die Kühlung der Reaktoren nicht länger gewährleistet.

Der Verantwortliche für die Stromversorgung erklärte, als durch den Tsunami die Energieversorgung für das Kühlsystem ausfiel, hätte er praktisch keine Hoffnung gesehen:  „Jetzt ist es aus. Das wars dann wohl„. Dennoch habe er seine  Untergebenen angewiesen den Versuch zu unternehmen, die Stromversorgung wiederherzustellen.

Es sei Nacht gewesen und stockdunkel, sie hätten leicht einen elektrischen Schlag erleiden können. Die Arbeiter hatten Angst und ihn gefragt, ob er garantieren könne, dass sie wieder unbeschadet zurück kämen, wenn sie nun hinausgingen.

AKW Fukushima: Provisorische Energieversorgung für Geräte am 22. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Provisorische Energieversorgung für Geräte am 22. März 2011 (Foto: TEPCO)

In dem verzweifelten Versuch, eine Quelle für Elektrizität zu finden, um wichtige Messgeräte zum Laufen bringen zu können, die Aufschluss über den Zustand im Inneren des Reaktors geben könnten, hätten seine Mitarbeiter sogar insgesamt 20 Autobatterien aus ihren Autos entfernt und sie trotz des Gewichts zwischen 20 bis 30 Kilogramm in den Kontrollraum geschafft, während die gesamte Anlage von schweren Nachbeben erschüttert wurde.

Meine Kollegen und ich haben unser bestes gegeben„, erklärte er.

Ein Arbeiter der sich zum Zeitpunkt der Wasserstoffeplosion an Fukushima-Reaktor 3, im erdbebensicheren Gebäude befand, erzählte, er zittere immer noch, wenn er an den lauten Knall und die Wucht der Explosion denke. Ein Kollege, der gerade zurückkam, sei im Gesicht blau angelaufen.

Nach dem Treffen, dass im J-Village, einem ehemaligen Sportgelände, auf dem nun die Kraftwerksarbeiter untergebracht sind, stattfand, dankte der Premierminister den Arbeitern für ihre Bemühungen um die Rettung der Situation:

Ich möchte ihnen meine Anerkennung für ihre Anstrengungen zum Ausdruck bringen, da ich davon überzeugt bin, dass sie sich Schwierigkeiten gegenüber sahen, die mit Worten nicht zu beschreiben sind. Bitte nehmen sie meine Dankbarkeitsbekundungen an, die ich, als Teil dieser Nation, für ihre harte Arbeit unter derart schrecklichen und schweren Umständen, zum Ausdruck bringe„.

Premier Noda drängt auf zügige Dekontamination: Nach seinem Besuch das Kraftwerks erklärte Japans Premier in Naraha (Präf. Fukushima), der Wiederaufbau hänge vom Fortschritt der Dekontamination ab. Daher habe er den Umweltminister Hiroyuki Nagahama jetzt angewiesen, die Bemühungen zur Dekontamination zu verstärken.

Japans Premierminister Yoshihiko Noda (Foto: Leon E. Panetta cc-by)
Japans Premierminister Yoshihiko Noda (Foto: Leon E. Panetta cc-by)

Um die Arbeiten zu beschleunigen, müsse dem Ortsbüro des Umweltministeriums in Fukushima mehr Kompetenzen zu Dekontamination und Abfallentsorgung gegeben werden. Zusätzlich müsse die Zusammenarbeit zwischen den jeweiligen Ministerien und Behörden verbessert werden. Bis Ende des Monats will das Umweltministerium konkrete Maßnahmen zusammenstellen.

Die Dekontamination von insgesamt 11 Gemeinden in der Präfektur Fukushima, stehen unter direkter Kontrolle des Ministeriums –  dennoch wurden bislang lediglich in drei Gemeinden die Arbeiten in vollem Umfang aufgenommen.

Bei dem Besuch in Naraha besuchte Noda ein temporäres Lager für kontaminiertes Erdreich und verschaffte sich einen Eindruck von der Durchführung der Dekontamination, bevor er anschließend eine Kontrollstelle für geernteten Reis in Motomiya besichtigte. Dem Bürgermeister des Ortes versprach Noda, mehr Fukushima-Reis in Kantinen von Ministerien und Behörden in Tokyo nutzen zu lassen, um dessen Sicherheit zu demonstrieren.

Über den Besuch des Premierministers in Fukushima berichteten mehrere japanische Medien, darunter die Kyodo, NHK, Yomiuri Shimbun und  Asahi Shimbun.

Videokonferenz belegt Probleme beim Autobatterie-Kauf: Inoffizielle Übersetzungen der Videokonferenzen zwischen der Leitung des AKW Fukushima Daiichi und der Firmenzentrale in Tokyo belegen, was zuvor bereits schriftlich bekannt war: Nach dem Stromausfall habe man Autobatterien gekauft, um Überwachungsgeräte betreiben und ein Ventil schließen zu können.

Interessant sind die Einzelheiten, denn der Erwerb hatte sich als schwierig erwiesen. Am 13. März 2011 hatte man zunächst 20 Autobatterien aus den Autos der Angestellten entnommen. Für den zusätzlichen Kauf mehrerer  Batterien mussten zunächst die Finanzmittel vom Firmensitz in Tokyo mobilisiert werden. Als das Geld schließlich verfügbar war, hatten jedoch bereits alle Geschäfte in der Stadt Iwaki geschlossen.

In dem Video heisst es dann: „Morgen werden wir ein „Do-it-Yourself“ Laden aufsuchen. Falls sie etwas kaufen wollen, kommen sie bitte zur Materialabteilung und teilen sie uns mündlich ihre Einkaufsliste mit“. Am folgenden Tag, dem 14. März 2011 ereignete sich dann eine Explosion an Reaktor 3.

Unternehmen entwickeln Dekontaminationsmittel: Mehrere japanische Unternehmen entwickeln derzeit neuartiges Material, durch deren Einsatz die Entsorgung radioaktiven Materials der Fukushima-Katastrophe erleichtert werden soll.

So verband etwa Toyobo, ein führendes Unternehmen für Kunstfasern zwei Elemente kombiniert, die in der Lage sind, Cäsium aufzunehmen. Ein Test zeige, dass das neue Material 99 Prozent von 10 Milligramm Cäsium, das in einem Liter Wasser gelöst wurde, aufnehmen kann.

Das Chemie-Unternehmen Union Showa hat dagegen ein Material entwickelt, dass unter konstant  hoher Hitze dazu in der Lage ist, Cäsium einzuschließen. Diese Eigenschaft könnte etwa bei der Lagerung von radioaktiv kontaminierten Abfällen von Vorteil sein.

Eine weitere Innnovation von der die NHK berichtet, ist ein Eisenpulver, dass in Wasser gelöstes Cäsium absorbieren und dadurch den Gehalt halbieren kann. Anschließend könnten die Partikel einfach mit einem Magneten entfernt werden, teilte das metallverarbeitende Unternehmen Dowa Holdings mit.

Japaner gewinnt Nobelpreis für Medizin/Physiologie: Shinya Yamanaka, Professor an der Universität Kyodo erhält den diesjährigen Nobelpreis für Medizin. Diesen teilt er sich mit dem britischen Forscher John Gurdon. Ausgezeichnet wird die Entdeckung, dass erwachsene Zellen wieder pluripotent gemacht werden können. Damit hätten sie einen wichtigen Betrag zum Verständnis von Entwicklung von Zellen und Organismen geleistet.

Bislang war man davon ausgegangen, dass eine Umkehrung zurück in den Zustand von Stammzellen nicht möglich sei. Über die Ernennung berichteten etwa Asahi Shimbun und Kyodo.

Todesopfer in China und Senkaku-Propaganda in New York: Das Wochenende bot erneut Meldungen im Senkaku-Konflikt zwischen Japan und seinen Nachbarstaaten. Einzelheiten zu den jüngsten Geschehnissen jetzt in einer Zusammenfassung:

Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)
Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)

Toter nach anti-japanischen Protesten in China: Ein 27 Jahre alter Mann aus Hubei hatte sich am 16. September durch einen Sturz beim Überklettern eines Zauns schwere Kopfverletzungen zugezogen.

Nun wurde gemeldet, dass der Mann am Dienstag vergangener Woche verstorben sei. Es handelt sich damit um den ersten Todesfall mit Bezug zu den Demonstrationen.

Ob es sich um einen Demonstranten, oder einen Schaulustigen handelte, ist offenbar unklar.

Als besonders tragischen Umstand nennen die chinesischen Medien, dass der Verstorbene genau an diesem Tag seine Verlobte heiraten wollte.

Koreas Propaganda auf dem Time Square: „Erinnern Sie sich?“ Mit dieser Frage und dem Bild des früheren deutschen Bundeskanzlers Willy Brandt, der auf Knien um Vergebung für die Verbrechen der Nazis bittet, beginnt die koreanische Propaganda auf einer zehn Meter messenden Reklametafel am New Yorker Time Square.

Diese Geste aus den 1970ern habe die „Versöhnung in Europa unterstützt“ und fährt fort: „Im Jahr 2012 warten Frauen, die gezwungen waren, als Sexsklavinnen für japanische Soldaten zu dienen, immer noch auf eine von Herzen kommende Entschuldigung Japans“.

Man geht davon aus, dass es sich bei den koreanischen Aktivisten, um dieselbe Gruppe handelt, die auch die großformatige Propaganda-Anzeige in US-Zeitungen hatte drucken lassen.

Das japanische Generalkonsulat in New York reichte ein Beschwerdeschreiben ein und erklärte gegenüber dem zuständigen Werbeunternehmen die Haltung der japanischen Regierung.

Denkmal in China verunstaltet: Ein sechs Meter hohes, steinernes Denkmal in Xian, auf dem die chinesische Übersetzung eines Gedichts von Abe no Nakamaro, einem japanischen Gesandten zur Zeit der Tang-Dynastie in China angebracht ist, wurde Abbildungen, die im sozialen Netzwerk Weibo kursieren, offenbar von Unbekannten mit roter und schwarzer Farbe verunstaltet.

Das Monument war 1979 anlässlich eines Freundschaftsabkommens zwischen Xian (China) und Nara (Japan), die zur Zeit der Tang-Dynastie die Hauptstadt des jeweiligen Landes waren, enthüllt worden.

Acht chinesische Schiffe in Grenzzone: Zum siebten Tag in Folge halten sich chinesische Patrouillenschiffe in der Grenzzone zu japanischen Gewässern auf. Am Samstagnachmittag hielten sich dort insgesamt acht Schiffe auf.

Japans Ex-Premier könnte sich mit Koreas Führung treffen: Möglicherweise beabsichtigt Japans früherer Premierminister Taro Aso, während eines dreitägigen Besuchs auch ein Treffen mit Südkoreas Präsident Lee Myung Bak. Aso, Mitglied der LDP, wird sich als stellvertretender Vorsitzender des Japanisch-Koreanischen Kooperationskomitees mit seinem südkoreanischen Kollegen treffen.

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