Start Aktuelles Japan aktuell: Radioaktiv belasteter Fukushima-Fisch ins offene Meer gelangt

Japan aktuell: Radioaktiv belasteter Fukushima-Fisch ins offene Meer gelangt

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Teil des Schlickzauns am 8. April 2013 (Foto: TEPCO)
Teil des Schlickzauns am 8. April 2013 (Foto: TEPCO)
Teil des Schlickzauns am 8. April 2013 (Foto: TEPCO)
Teil des Schlickzauns am 8. April 2013 (Foto: TEPCO)

Auch nach unseren beiden Sonderartikeln am Wochenende, bleiben die Lecks in zwei der unterirdischen Wassertanks am AKW Fukushima aktuell das bestimmende Thema. Doch auch weitere Entwicklungen am gleichen Kernkraftwerk sind Teil der heutigen Fukushima News.

Daneben gibt es auch einige Meldungen, die nicht in Zusammenhang mit der Anlage stehen und dennoch von Interesse sind. Einzelheiten zu den Geschehnissen nicht nur am AKW Fukushima, heute im Spreadnews Japan-Ticker vom 8. April 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Ungewollte Öffnung im Schlickzaun am AKW Fukushima
  • Abpumpen aus Lagertank mit Kapazitätsproblemen
  • Regierung setzt TEPCO wegen Sicherheitspannen unter Druck
  • Überwachung von Lagertanks mit Einschränkungen
  • Experte erklärt Fukushima-Krise für noch nicht beendet
  • Regierung verklagt Atomkraftgegner
  • Erste Gedenkveranstaltung für den „japanischen Schindler“ in Israel

Ungewollte Öffnung im Schlickzaun am AKW Fukushima: Am heutigen Tag entdeckte der Angestellte eines Partnerunternehmens gegen 10:10 Uhr eine Lücke im Schlickzaun zwischen der Öffnung des Triebwasserkanals der Reaktoren 5 und 6 sowie dem Schlickzaun am Kai.

Diese Anlage war bereits vor Beginn der Arbeiten an der Spundwand dort eingerichtet worden, um zu verhindern, dass radioaktiv kontaminiertes Material, insbesonders die Fische aus dem Bereich des Hafenbeckens der Kraftwerksanlage, ins offene Meer gelangen.

Ursächlich ist vermutlich der schwere Sturm, der am Wochenende über Japan fegte und mindestens drei Todesopfer forderte. Wie TEPCO mitteilte, könne die Öffnung in der Barriere aufgrund des starken Seegangs nicht sofort geschlossen werden. Die Reparaturen sollen bei günstigeren Wetterverhältnissen nachgeholt werden.

Das Unternehmen erklärte, man werde noch am heutigen Tag zusätzliche Wasserproben entnehmen.

Bis zur Fertigstellung der Reparatur werden an dieser Stelle radioaktiv kontaminierte Fische ins Meer gelangen können.

Abpumpen aus Lagertank mit Kapazitätsproblemen: Am heutigen Morgen wurden zwischen 6:25 Uhr und 7:00 Uhr die Abpumparbeiten aus dem leckgeschlagenen Tank Nr. 2 unterbrochen.

Ursache hierfür war ein steigender Wasserstand im unterirdischen Tank Nr. 1, der nun zu 57 Prozent gefüllt ist. Die Pumparbeiten von Nr. 2 in Tank Nr. 6 dauern dagegen weiter an.

Das bislang im Tank Nr. 2 verbliebene Wasser soll zu einem späteren Zeitpunkt weiter in den Lagertank Nr. 1 abgepumpt werden. Die Probleme hatten sich durch die unterschiedlich starken Leistungen der Pumpen ergeben.

Regierung setzt TEPCO wegen Sicherheitspannen unter Druck: Bei einem Treffen zwischen TEPCO-Präsident Naomi Hirose und Toshimitsu Motegi, Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie, fand letzterer klare Worte und erinnerte das Unternehmen an die besondere Verantwortung.

TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO-Hauptsitz in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)

Motegi wies nicht nur auf die große Besorgnis hin, welche die Stromausfälle und Wasserlecks in der Bevölkerung hervorriefen, sondern erklärte, auch der Fortschritt bei der Stilllegung der Reaktoren könnte in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn es zu weiteren Problemen dieser Art käme.

TEPCO wurde angewiesen geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um eine Kontamination des angrenzenden Pazifiks zu verhindern.

Auch Japans Atomaufsicht NRA nahm sich den Geschehnissen an. Nach einem Gespräch mit TEPCO-Vizepräsident Zengo Aizawa, erklärte Toyoshi Fuketa von der NRA, man nehme die Situation ernst. Allerdings habe man noch einen gewissen zeitlichen Spielraum um Maßnahmen zu treffen, bis sich die Kontamination tatsächlich außerhalb der Anlage verbreite.

TEPCO lieferte zudem Bildmaterial zu einem Besuch von Außenminister Fumio Kishida am AKW Fukushima Daiichi, jedoch ohne begleitende Informationen bereitzustellen. Über die Reaktionen aus der Politik berichteten Kyodo und NHK.

Überwachung von Lagertanks mit Einschränkungen: Nachdem die Lecks an den Lagertanks Nr. 2 und Nr. 3 festgestellt worden waren, will TEPCO an den jeweils zwei Ablassöffnungen der Behälter Nr. 1 bis Nr. 7, also insgesamt 14 Standorten, sowie den Öffnungen zur Leckkontrolle entsprechende Kontrollen durchführen.

Insbesondere der Wasserstand der bereits betroffenen Behälter werde sorgfältig überwacht.

TEPCO kündigte zwar an, zweimal täglich Wasserproben zu entnehmen, schränkte diese Aussage jedoch gleichzeitig ein. Sofern die Probe am Vormittag keine Auffälligkeiten aufweist, werde die zweite Kontrolle nicht durchgeführt. Die Ergebnisse sollen täglich veröffentlicht werden.

Der Kraftwerksbetreiber sicherte zu, sobald deutliche Schwankungen entdeckt werden sollten, werde man die Öffentlichkeit umgehend informieren.

Experte erklärt Fukushima-Krise für noch nicht beendet: Kiyoshi Kurokawa, früherer Vorsitzender eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses zur Fukushima-Katastrophe vom März 2011 erklärte heute auf einer Sitzung des Unterhauses anlässlich der neusten Probleme am AKW Fukushima, die Krise sei immer noch nicht überwunden.

Japanisches Parlamentsgebäude (Foto: Kim Ahlström cc-by)
Experten beklagen Handhabung der Fukushima-Krise (Foto: Kim Ahlström cc-by)

Als Begründung führte er an, der bisherige Zustand vor Ort – hereingepumptes Kühlwasser reichere sich durch die geschmolzenen Brennelemente mit radioaktivem Material an und Dringe durch Risse im Beton in andere Bereiche der Anlage – zeige deutlich, dass die Situation keineswegs unter Kontrolle sei.

Zustand und Vorgänge in Reaktoren seien noch nicht gänzlich geklärt.

Auch andere Mitglieder des früheren Untersuchungsausschusses haben bedenken und erklärten nach Angaben von jiji und Mainichi Shimbun, es sei nicht angemessen, dass es TEPCO und den Atombehörden vorbehalten sei, über das Vorgehen zu entscheiden. Eine Aufsicht durch das Parlament, als Vertreter des Volkes sei notwendig und diese müssten stärker einbezogen werden.

Regierung verklagt Atomkraftgegner: Im September 2011 hatte eine Gruppe von Atomkraftgegner ein Zelt auf dem Gelände des Ministeriums für Wirtschaft, Handel und Industrie aufgebaut und dies als eine Art Basis für die jeden Freitag stattfindenden Proteste genutzt.

Am 15. März 2013 hatte Industrieminister Toshimitsu Motegi angekündigt, notfalls eine Klage zur Entfernung der Zeltkonstruktion anzustreben und diese Ankündigung wiederholt (Spreadnews berichtete am 25. März 2013). Nun hat die Behörde ernst gemacht und zwei Vertreter einer Atomkraftgegener-Bewegung verklagt.

Das berichtet die jiji unter Bezug auf namentlich ungenannte Quellen. Die Klage soll auf den 29. März datiert sein und die beiden Personen zur Räumung des besetzten Grundstücks zwingen. Auch strebt die Regierung in naher Zukunft eine zweite Klage an, in der man 11 Millionen Yen an Pachtgebühren von der Gruppe einfordern will.

Erste Gedenkveranstaltung für den „japanischen Schindler“ in Israel: Am Sonntag fanden in ganz Israel Gedenkveranstaltungen für die Opfer des Holocaust statt. Dabei wurde bei einer Zeremonie in der Stadt Netanya auch ein japanischer Staatsbürger geehrt.

Chiune Sugihara (Foto: pd)
Chiune Sugihara (Foto: pd)

Chiune Sugihara (1900 – 1686) war im Jahr 1940 als Diplomat am japanischen Konsulat in Litauen tätig, wo er auf eigene Faust dringend benötigte Transitvisa an über 6.000 jüdische Bürger ausstellte.

Berichten nach soll er 18 Stunden am Tag mit dem Ausstellen der Dokumente verbracht haben und Zeugenaussagen zufolge selbst nach Schließung des Konsulats noch gültige Visadokumente aus dem Zugfenster geworfen haben.

1985 wurde Sugihara für die Rettung vieler Juden als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt.

Wie die NHK berichtet, nahmen an der Veranstaltung in Netanya auch drei Personen Teil, die durch den Einsatz von Sugihara der Vernichtung entkamen. Es handelt sich um die erste Gedenkveranstaltung für den „japanischen Schindler“ in Israel.

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