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Japan aktuell: Radioaktiv kontaminierter Fisch in Fluss entdeckt

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Fukushima-Strahlung verseucht Tone-Fluss
Radioaktiv kontaminierter Fisch im Tonegawa gefunden (Foto: えむ-Breakover cc-by)
Fukushima-Strahlung verseucht Tone-Fluss
Radioaktiv kontaminierter Fisch im Tonegawa gefunden (Foto: えむ-Breakover cc-by)

Mit dem Nachweis radioaktiver Belastung in Fischen und Meereslebewesen hat nicht nur die Präfektur Fukushima aktuell zu kämpfen. Denn auch andernorts sind die Folgen des Reaktorunglücks sichtbar. Trotzdem wird an Neustarts von AKW festgehalten und ihre Sicherheit betont.

Detaillierte Informationen zu diesen Themen, sowie weitere Meldungen nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 26. April 2012.

 

Unsere heutigen Themen:

  • Radioaktiv belasteter Fisch in Tone-Fluss
  • NISA bestätigt Sicherheit des AKW Hamaoka
  • Radioaktives Cäsium 600 Kilometer vor Fukushima-Küste nachgewiesen
  • Ganzkörperzähler für Namie-Evakuierte eingerichtet
  • Bürgern wird Neustart des AKW Oi nahegelegt
  • Tenno besucht Tokyo Sky Tree und plant Bestattung

Radioaktiv belasteter Fisch in Tone-Fluss: Gestern erst berichteten wir über die Risiken einer Überschwemmung von Teilen der Präfektur Chiba durch den Tonegawa und bereits heute ist der Fluss erneut Teil der Berichterstattung. Einer Meldung der NHK zufolge, wurde in dem fließenden Gewässer ein Fisch entdeckt, der mit einer Belastung von 110 Becquerel an radioaktivem Cäsium über dem neuen Grenzwert von 100 Becquerel liegt.

Wie die Führung der Präfektur Chiba mitteilte, habe man nach der Entdeckung der silbernen Karausche in dem Fluss der nördlich von Tokyo verläuft Maßnahmen getroffen, um den Fischfang im Fluss zu stoppen. Auch wenn die Ortschaft in der das kontaminierte Tier etwa 180 Kilometer vom AKW Fukushima Daiichi entfernt liegt, wurden zehn Gemeinden entlang des Flusses, sowie sechs  Fischereikooperativen darum gebeten, den Vertrieb von Fischen aus dem Fluss einzustellen.

Bereits vergangenen Monat waren in einem Tümpel in der Nähe des Flusses Tone, bei dem es sich um den Fluss mit dem größten Einzugsgebiet Japans und den zweitlängsten Fluss des Landes handelt, aus dem Verkehr gezogenworden, nachdem es dort ebenfalls zu Grenzwertüberschreitungen gekommen war. Die Präfektur kündigte an, man werde auch weitere Arten von Süßwasserfischen überprüfen.

AKW Hamaoka nach Ansicht der NISA sicher: Die japanische Atomaufsichtsbehörde NISA bestätigte am gestrigen Mittwoch den Untersuchungsbericht des Kernkraftwerksbetreibers Chubu Electrics, den  dieser am 19. April eingereicht hatte. Damit erklärt die NISA, dass ausgerechnet das AKW Hamaoka (Präf. Shizuoka) , das in einem Gebiet liegt, für das ein schweres Erdbeben innerhalb der nächsten 30 Jahre prognostiziert wird, ausreichend gegen einen Tsunami von 21 Metern Höhe geschützt ist.

Als Vorsichtsmaßnahme war das AKW in der Ortschaft Omaezaki nach dem schweren Tohoku-Erdbeben vom März 2011 vorläufig heruntergefahren worden. Der Betreiber Chubu Electric hatte dann, nachdem der Expertenausschuss des Kabinettsbüros einen Tsunami für denkbar hielt, Maßnahmen ergriffen, um die Anlage besser zu schützen.

Die NISA geht davon aus, dass dennoch der kontrollierte Zustand des Cold Shutdown gehalten werden könnte, obwohl bislang lediglich die Auswirkungen der Überflutungen  von Tsunami auf Atomanlagen und damit verbundenes Gerät ermittelt wurden. Ob die Sicherheitsmaßnahmen auch ausreichend sind,  wenn es um die Wucht der Wassermaßen oder den Wasserdruck geht, würden betrachtet, sobald der Ausschuss später genauere Daten bieten könne, heisst es bei der Nachrichtenagentur jiji

Die NHK merkt an, Chubu Electric habe bereits im vergangenen Jahr mit dem Bau eines Wellenbrecherdamms begonnen. Der Bericht des Betreibers umfasse zudem die Erklärung, selbst wenn die Kühlfunktion der heruntergefahrenen Reaktoren nach einem Tsunami  ausfallen würde, so wäre mindestens eine Frist von sechs Tagen nötig, bevor die Brennstäbe nicht mehr von Wasser bedeckt sind. Damit wäre eine Wiederherstellung  der Kühlung durch eine Pumpe in höher gelegener Position  möglich.

Die NISA wies das Unternehmen an, umfangreiche Übungen zur Wassereinspeisung bei Notfällen durchzuführen, mögliche Auswirkungen von Schäden zu ermitteln und die eigenen Gegenmaßnahmen zu überarbeiten, sobald der Regierungsausschuss detaillierte Nachweise über ein mögliches schweres Erdbeben in der Region vorlegten.

Die Asahi Shimbun gibt weitere Informationen und berichtet, die Dokumente des Betreibers könnten die Sicherheit der Anlage gewährleisten, wenn während der Sechs-Tage-Frist mögliche Trümmer durch schweres Gerät, das in erhöhten Bereichen von 21 Metern oder höher bereit steht, entfernt und mobile Pumpen zur Flutung der betroffenen Bereiche eingesetzt werden können.

Die NISA stimmte den Schlussfolgerungen des Berichts zu und forderte die Durchführung zusätzlicher Maßnahmen. Neben den bereits genannten Übungen, um die Funktionsfähigkeit der Pumpen und Kühleinheiten zu gewährleisten, sei auch der Bau eines Notfall-Kontrollzentrums erforderlich, das auf einer Erhöhung von mindestens zehn Metern stehen müsse.

Die NISA betonte zudem, dass die jüngsten Einschätzungen sich lediglich auf den Zustand des Kraftwerks im Cold Shutdown beziehen würden und zusätzliche Auswertungen notwendig sind um die Auswirkungen eines Tsunami auf das AKW zu ermitteln, wenn sich dieses in  Betrieb befinde.

Radioaktives Cäsium 600 Kilometer vor Fukushima-Küste nachgewiesen: Ein gemeinsames Team von Wissenschaftlern aus den USA und Japan hat neue Erkenntnisse über die Verbreitung von radioaktivem Material im Ozean gewonnen und diese am 2. April in einer Fachzeitschrift veröffentlicht. Demnach konnte radioaktives Cäsium noch mehr als 600 Kilometer östlich des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi nachgewiesen werden.

Die Mengen erreichen dabei Werte, die über dem hundertfachen der Messungen vor dem Reaktorunglück liegen. Die Wissenschaftler untersuchten für ihre Versuche Plankton und Meerwasserproben die im Juni 2011 entnommen worden waren.

Jun Nishikawa, Assistenzprofessor für maritime Ökosysteme an der Universität Tokyo , erklärte, die Konzentration radioaktiven Materials in weiter entfernten Meeresgewässern sei gering, jedoch würden weiterhin hohe Dosen an radioaktivem Cäsium im Fisch nachgewiesen, die weiterführende Untersuchungen erforderlich mache.

Proben waren an 50 Stellen, in einem Abstand von 30 bis 600 Kilometern zur Ostküste des AKW Fukushima entnommen worden. Die größte gemeinsame Konzentration im Seewasser betrug 7,8 Becquerel von Cäsium-134 und Cäsium-137 pro Liter Wasser und wurde 130 Kilometer von der Küste entfernt entdeckt, wo die Meeresströmungen einen Wirbel bildeten.

Die größte Konzentration in getrocknetem Plankton betrug 102 Becquerel pro Kilogramm und wurde 300 Kilometer von der Küste entfernt, nachgewiesen.

Ganzkörperzähler für Namie-Evakuierte eingerichtet: Die Verwaltung der Kleinstadt Namie, deren Einwohner im Zuge der Fukushima-Katastrophe praktisch gänzlich evakuiert wurden, hat nun in einem der Übergangshaus-Wohnkomplexe einen Ganzkörperzähler zur Messung der radioaktiven Kontamination der Bewohner eingerichtet, um ihre Bemühungen um die Gesundheit der dort lebenden Menschen zu zeigen.

Das große Dosimeter, dass in einer Klinik auf dem Gelände der Übergangshaussiedlung in Nihonmatsu, soll bei etwa 50 Personen pro Tag die inkorporierte Strahlungsbelastung messen. Die Maßnahme dauert dabei nicht mehr als zwei Minuten und die Ergebnisse werden noch vor Ort mitgeteilt. Die Überprüfungen sollen nach dem Willen der Verwaltung von Namie, die derzeit in Nihonmatsu residiert, bis zum Ende de Fiskaljahres 2012 abgeschlossen sein.

Die Maßnahme erfolgt dabei aus zwei Gründen. Da bereits 17 Prozent der Einwohner, die meisten von ihnen unter 40 Jahren, bereits an derartigen Messungen durch die Präfekturverwaltungen teilgenommen hatten, könne man bei ihnen langfristige Daten sammeln.

Zudem war die Stadtverwaltung von Namie zu spät über die Ausbreitung der Radioaktivität informiert worden war, so dass seinerzeit Bürger in stark kontaminierte Gebiete evakuiert worden waren. Da aufgrund dieser Erfahrung die Verantwortlichen erklärt hatten, man müsse daher eigene Messungen durchführen können, dürfte die Bereitstellung des großen Dosimeters auch hierin begründet sein. Das berichtet die Mainichi Shimbun.

Bürgern wird Neustart des AKW Oi nahegelegt: Einwohner der Ortschaft Oi, in der auch das gleichnamige Kraftwerk steht, sind dazu aufgerufen, sich am heutigen Donnerstag an Gesprächen zum Neustart von zwei Reaktoren des  AKW zu beteiligen und sich dort den Standpunkt der Regierung in Tokyo anzuhören.

Vizeminister Mitsuyoshi Yanagisawa wird bei dem Treffen darlegen, weshalb die beiden Reaktoren den Sicherheitsstandards der Regierung entsprechen und warum der Neustart erforderlich sei. Industrieminister Yukio Edano hatte zu Beginn des Monats um Verständnis für die Maßnahme gebeten. Vertreter der Ortsverwaltung von Oi erklärten, man werde erst eine Entscheidung fällen, nachdem die Meinung der Einwohner hierzu gehört worden sei.

Auch wenn mit 700 Personen eine große Anzahl von Teilnehmern erwartet wird, so ist die Veranstaltung ausschließlich für Einwohnern des Gebiets vorgesehen. Vermutlich will man mit dieser Regelung unter anderem auch die Anwesenheit von Atomkraftgegnern verhindern. Sollte der Neustart tatsächlich erfolgen, so wäre dies die erste Inbetriebnahme seit dem Desaster am AKW Fukushima Daiichi.

Tenno besucht Tokyo Sky Tree und plant Bestattung: Noch vor der offiziellen Eröffnung am 22. Mai besuchte der Tenno in Begleitung seiner Gemahlin am heutigen Donnerstag den Tokyo Sky Tree, der mit 634 Metern der höchste freistehende Sendeturm der Welt sein wird. Bei einem Rundgang auf der Aussichtsplattform in 450 Metern Höhe bewunderten sie den Ausblick auf mehrere markante Gebäude und landschaftliche Merkmale der Stadt.

Mit einem ernsteren Ausblick befasst sich das kaiserliche Hofamt. Im Hinblick auf seine spätere Bestattung hatte der Tenno um den Bruch einer 350 Jahre alten kaiserlichen Tradition gebeten und statt einer Bestattung in einem Sarg um eine Verbrennung seiner Überreste, sowie die Beisetzung in einem möglichst einfachen Grab gebeten. Diesen Wunsch unterstützt auch seine Gemahlin und wünscht eine ebensolche Beisetzung.

Das Hofamt erklärte,  man werde die entsprechende Änderung der bisherigen Protokolle erwägen und auch den Wunsch des Herrscherpaares berücksichtigen, in einem gemeinsamen Grab beigesetzt zu werden. Dies würde zudem die Kosten für das Grab auf dem kaiserlichen Friedhof Musashi verringern.

Grab des Showa Tenno Hirohito in Hachioji, Tokyo (Foto: pd)
Mausoleum des Showa Tenno Hirohito in Hachioji, Tokyo (Foto: pd)

Die Verbrennung der Toten ist die in Japan übliche Bestattung. Ganze Familiengenerationen von Tempelpriestern erzielen einen Großteil ihrer Einnahmen durch die Bestattungsriten und die Ausstellung eines posthumen buddhistischen Namens (Kaimyo) – auch wenn letztere Praxis laut einer Umfrage der Yomiuri Shimbun vom April 2012 zunehmend als überflüssig angesehen wird.

Tenno Hirohito (1901–1989), Vater des jetzigen Kaisers Akihito, der seit seinem Tod posthum getreu dem Motto seiner Regierungs „Showa Tenno“ genannt wird, hatte noch ein von seiner Gemahlin Kojun (1903-2000) getrenntes Grab erhalten.