Start Aktuelles Japan aktuell: Radioaktiv kontaminiertes Wasser bleibt Hauptproblem in Fukushima

Japan aktuell: Radioaktiv kontaminiertes Wasser bleibt Hauptproblem in Fukushima

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Rundbehälter für schwach radioaktive Abwässer aus Reaktoren 5 und 6. Foto: Tepco
TEPCO will Lagerkapazität für radioaktiv belastetes Wasser aufstocke (Symbolfoto: TEPCO)
Rundbehälter für schwach radioaktive Abwässer aus Reaktoren 5 und 6. Foto: Tepco
Rundbehälter für schwach radioaktive Abwässer aus Reaktoren 5 und 6. Foto: Tepco

Die gestern gemeldete Fertigstellung des Tokyo Sky Tree genannten Sendeturms in Japans Hauptstadt Tokyo, wurde heute mit einer traditionellen Shinto-Zeremonie gefeiert. Hoch hinaus will man allerdings auch in einer Kleinstadt, die nun als erste wieder ihren Verwaltungssitz zurückverlegte.

Die Bilder einer Führung durch eine fünf Kilometer vom AKW gelegene Notfallzentrale, die jedoch aufgrund des Stromausfalls, mangelnder Luftfilter und Strahlung von bis zu 200 Mikrosievert pro Stunde nie in Betrieb ging, sind dagegen der Beleg einer Bruchlandung.

Mehr zu dem was in Fukushima aktuell geschieht und weitere Nachrichten neben den Fukushima News finden sich auch heute im Spreadnews Japan-Ticker vom 02. März 2012

Die Themen am heutigen Freitag:

  • Neue Richtlinien für Arbeiter um Fukushima geplant
  • Kontaminiertes Kühlwasser immer noch Hauptproblem
  • Tokyo akzeptiert Katastrophentrümmer aus Onagawa
  • Ortschaft in Fukushima nimmt Verwaltung wieder auf
  • Regierung wirbt für freiwillige Helfer in ländlichen Gebieten
  • Japans Regierung will nicht in Nanking-Diskussion eingreifen

Neue Richtlinien für Arbeiter um Fukushima geplant: Neben den Angestellten von TEPCO und dessen Partnerunternehmen, die im AKW Fukushima Daiichi arbeiten, gibt es weitere Beschäftigte, die mit hohen Werten von Radioaktivität in Kontakt kommen. Dazu gehören etwa Bauarbeiter, die in Gebieten mit vergleichsweiser hoher Strahlung Straßen und Krankenhäuser reparieren.

Für diese Arbeitskräfte will das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales (MHLW) eine neue Richtlinie ausarbeiten. In diesen sollen dann unter anderem Grenzwerte für die maximal zulässige Strahlungsbelastung und eine Verpflichtung der Arbeitgeber zur Überwachung der Belastung und der damit verbundenen Bereitstellung von Dosimetern.

Mit der neuen Richtlinie soll die Strahlungsbelastung der Arbeiter ausgesetzt sind, durch das Tragen von Staubschutzmasken und dem Verbot, während der Arbeit zu essen oder zu trinken, um eine Inkorporation der Radioaktivität zu verhindern, so weit wie möglich minimiert werden.

Bislang gibt es derartige Regelungen nur für Arbeitskräfte die unmittelbar in Atombetrieben arbeiten. Somit handelt es sich um die erste Richtlinie dieser Art für Arbeiter die lediglich normale Aufbauarbeiten durchführen.

Anfang März will sich das Gesundheitsministerium mit einem Ausschuss von Strahlungsexperten beraten und die neuen Maßnahmen diskutieren. Anfang Juli soll dann die neue Richtlinie durch eine Ergänzung des Gesetzes über Arbeitsschutz und Gesundheit (Industrial Safety and Health Law) geltendes Recht werden.

Kontaminiertes Kühlwasser immer noch Hauptproblem: Trotz aller Beteuerungen der Regierung und der Betreiberfirma, die Krise sei unter Kontrolle gebracht, ist trotz des nahenden ersten Jahrestags des Unglücks, auch am AKW Fukushima Daiichi längst nicht alles Sonnenschein. Stattdessen kämpft man weiterhin mit einem alten Problem: Dem kontaminierten Wasser.

Tepco: Behälter für aufbereitetes Wasser. Foto: Tepco
Behälter für aufbereitetes Wasser. (Foto: TEPCO)

Nach Angaben von TEPCO beläuft sich die Menge an radioaktiv kontaminiertem Wasser, inklusive der gereinigten Abwässer auf mehr als 200.000 Kubikmeter. Insgesamt 165.000  Kubikmeter seien in  temporären Tanks untergebracht. Weitere gebaute Behälter können  zusätzliche 40.000 Kubikmeter Wasser aufnehmen. In einem unterirdischen Reservoir könnten noch einmal 4.000 Kubikmeter an kontaminiertem Wasser ihren Platz finden. Dennoch muss damit gerechnet werden, dass auch diese Kapazitäten im Herbst erschöpft sein werden.

Das Problem bleibt weiterhin, dass nach den Detonationen umgehend mit Meerwasser gekühlt worden war. Nicht nur, dass dieses Strukturen angreift, so dass nach wie vor Hydrazin injiziert wird – durch Schäden am Druckbehälter gelangte das Wasser, das sich dort mit radioaktivem Material angereichert hatte, in die Kellergeschosse der Gebäude.

Auch wenn durch die Schaffung eines Kühlkreislaufs – Wasser gelangt in den Reaktor, kühlt diesen, wird hinausgeleitet, und dort von Substanzen gereinigt und dekontaminiert, bevor es wieder hinein gepumpt wird – ein Teil des Problems gelöst zu sein scheint, gibt es immer noch weitere Faktoren die es zu lösen gilt.

Neben Regen, ist es auch gerade das Grundwasser, von dem täglich zwischen 200 und 500 Kubikmeter in die Keller der Gebäude gelangt, ein anhandeltendes Problem. Je mehr kontaminiertes Wasser abgepumpt wird, desto mehr Grundwasser fliesst aufgrund des Wechsels im Wasserdruck nach, fasst TEPCO-Sprecher Junichi Matsumoto zusammen. Daher lässt TEPCO zur Wahrung eines stabilen Wasserstands eine gewisse Menge an kontaminiertem Wasser in den Kellern stehen – eine wirkliche Lösung ist nicht in Sicht.

Auch die Wasserlecks der Vergangenheit – die Perforation von Schläuchen durch Unkraut und die Unsicherheit von Ventilen in der Winterkälte, stellen Risiken für eine mögliche Umweltkatastrophe dar. Trotz der versuchten Wärmedämmung durch Isoliermaterial – das Wasser-Management am AKW Fukushima Daiichi bleibt ein gefährliches Provisorium, so das Fazit eines Artikels der Mainichi Shimbun.

Tokyo akzeptiert Katastrophentrümmer aus Onagawa: Am heutigen Freitag übernahm die Verwaltung von Japans Haupstadt Tokyo mit der Annahme von Trümmern aus Onagawa (Präf. Miyagi) und Miyako (Präf. Iwate) weitere Überreste aus den Katastrophengebieten, um diese durch Verbrennung zu entsorgen. Möglicherweise sollen bis zu 500.000 Tonnen des Materials, bei dem es sich zum Großteil um Holz handelt, durch Anlagen in Tokyo entsorgt werden. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Straße in Onagawa, Präf. Miyagi (Foto: youngfield cc-by)
Straße in Onagawa, Präf. Miyagi (Foto: youngfield cc-by)

Trotz der Bedenken von Anwohnern hatte man zwei Monate zuvor erste Testverbrennungen durchgeführt, bei denen eine Mischung aus 80 Prozent regulärer Haushaltsabfälle aus Tokyo mit 20 Prozent Katastrophenschutt aus Onagawa gemischt und gemeinsam verbrannt wurden. Nach dem Tests die Asche als ungefährlich, die Werte an radioaktivem Cäsium unterhalb des Grenzwerts lagen, eingestuft und keine gefährliche Belastung in den Abgasen der Anlage festgestellt werden konnten, hatte sich die Stadt zur Übernahme weiterer Abfälle bereiterklärt.

Ortschaft in Fukushima nimmt Verwaltung wieder auf: Wie zuvor angekündigt hat die Ortschaft Hirono als erste der neun Gemeinden, deren Verwaltung nach dem Atomunglück verlegt worden waren, ihren Verwaltungssitz wieder in den Ort zurückverlegt.

Motohoshi Yamada, Bürgermeister des Ortes der an der Grenze des 20 Kilometer Sperrgebiets liegt,  erklärte gegenüber den Beschäftigten, bei der Wiederaufnahme der Verwaltung vor Ort handele es sich um einen ersten Schritt, um die Wiederbelebung und den erneuten Aufbau von Hirono zu gewährleisten.

Zur Zeit leben lediglich noch 250 Personen dort, da die Mehrzahl der einst  5.300 in andere Städte evakuiert wurde. Wohl auch um den Ort für Rückkehrer attraktiver zu machen, kündigte Yamada an, er werde die Evakuierungsempfehlung für die Einwohner bereits Ende März aufheben. Bis Jahresende, soll das gesamte Gebiet, inklusive der gebäude von Privathaushalten vollständig dekontaminiert sein.

Bereits im April sollen dann auch die Schulen pünktlich zweiten Semester 2012 wieder eröffnet werden. Besonders die Funktionsfähigkeit von öffentlichen Stellen wie auch Krankenhäusern wurde stets als wichtiges kriterium für eine Rückkehr von Bewohnern genannt. Mit Kawauchi will Mitte März auch eine weitere der neun Gemeinden den Betrieb öffentlicher Stellen wieder aufnehmen. Diese Meldung war Thema der Nachrichtenagenturen jiji und Kyodo.

Minamisanriku: Öffentliches Krankenhaus Shizugawa (Foto: youngfield cc-by)
Minamisanriku: Öffentliches Krankenhaus in Shizugawa (Foto: youngfield cc-by)

Regierung sucht freiwillige Aufbauhelfer: Die Ergebnisse einer Untersuchung der „Japan Business Federation“, die zwischen Oktober und November durchgeführt und deren Ergebnisse am heutigen Freitag vorgestellt wurden, zeigen, dass nach den Naturkatastrophen vom 11. März 2011 insgesamt über 180.000 Angestellte aus 461 Unternehmen und 53 Organisationen an freiwilligen Hilfsaktionen zur Unterstützung von  Menschen und Gebieten teilnahmen.

Die von Unternehmen geleisteten Maßnahmen, inklusive der Spenden von Angestellten, belaufen sich auf 122,4 Milliarden Yen, so Japans größter Wirtschaftsverband Kaidanren in einem Bericht.

Dennoch sieht sich das Ministerium für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei veranlasst eine Kampagne zu starten, mit der Menschen aus städtischen Gebieten dazu motiviert werden sollen, ehrenamtliche Hilfe beim Wiederaufbau von Gemeinschaften in ländlichen Bereichen zu leisten, die unter den Naturkatastrophen besonders litten. Zu diesem Zweck soll am 9. März eine Webseite online gehen, auf der Menschen die Hilfe leisten wollen, Informationen über Art, Umfang und Zeitraum erhalten und entsprechende Organisationen kontaktieren können.

Japans Regierung will nicht in Nanking-Diskussion eingreifen: Japan Premierminister Yoshihiko Noda deutete am gestrigen Donnerstag an, die japanische Regierung werde sich nicht in die Kontroverse, die sich durch eine revisionistische Äußerung des Bürgermeisters von Nagoya, Takashi Kawamura über das Nanking-Massaker der kaiserlich japanischen Armee in China während des Zweiten Weltkriegs ergeben hatte, einmischen.

Bei einem Treffen des Haushaltsasschusses im Repräsentantenhaus sagte Noda in Reaktion auf eine Anfrage der Oppositionspartei LDP, er hoffe, dass die Differenzen zwischen der chinesischen Stadt Nanking und dem japanischen Nagoya, bald beigelegt werden.

Während eines Treffens des Unterhauses, forderte die Opposition zudem, Noda müsse gegenüber Peking gegen die Zahl der in Chinas Nanking-Gedenkstätte angegebenen Opfer von 300.000 Personen Protest einlegen. Noda antwortete, er werde davon Abstand nehmen, sich auf eine Zahl festzulegen, da es diesbezüglich verschiedene Sichtweisen gebe, berichtet die Nachrichtenagentur jiji.