Start Aktuelles Japan aktuell: Radioaktiv kontaminiertes Wasser von AKW Fukushima ins Meer gelangt

Japan aktuell: Radioaktiv kontaminiertes Wasser von AKW Fukushima ins Meer gelangt

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Wasseraustritt nach Leck in Entsalzung am 4. Dezember 2011 (Foto:TEPCO)
Wasser im Gebäude nach Leck an Entsalzungseinheit am 4. Dezember 2011 (Foto: TEPCO)
Wasseraustritt nach Leck in Entsalzung am 4. Dezember 2011 (Foto:TEPCO)
Wasser im Gebäude nach Leck an Entsalzungseinheit am 4. Dezember 2011 (Foto: TEPCO)

Während in diesem Winter die japanische Küstenwache erneut auslaufen soll, um Walfänger vor der Bedrohung durch radikale Umweltaktivisten zu schützen, gab es am Wochenende eine Bedrohung der Umwelt, als am AKW Fukushima Daiichi große Mengen radioaktiv kontaminierten Wassers ausliefen und ins Meer gelangten.

Austritt von Wasser mit radioaktivem Strontium: Den Meldungen der NHK zufolge teilte TEPCO, der Betreiber des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi am Sonntag mit, gegen 11:30 Uhr Ortszeit sei an einer Einheit zur Entsalzung bereits dekontaminierten Wassers ein Leck festgestellt und anschließend nach einer Abschaltung geschlossen worden. Dennoch seien mindestens 45 Tonnen mit radioaktiv kontaminiertem Wasser zunächst in das Gebäude hinausgelangt und von dort offenbar durch einen seitlichen Nebengraben der nach etwa 600 Metern das Meer erreicht, geflossen. Mittlerweile hat das Unternehmen Sandsäcke im Graben gestapelt, um ein weiteres Einfliessen ins Meer zu verhindern.

Die Anlage war 21 Stunden zuvor zuletzt kontrolliert worden und habe keine Störungen oder Probleme gezeigt. TEPCO räumte umgehend Versäumnisse ein. Das Unternehmen habe das Leck stiefmütterlich behandelt und nicht genug getan um es zu schliessen, da man davon ausgegangen sei, das Wasser werde im Gebäude verbleiben. Nun werde man Maßnahmen ergreifen um derartige Lecks schneller ausfindig machen zu können.

Zur Radioaktivität des Wassers machte TEPCO laut NHK folgende Angaben: Zwar sei der Gehalt an radioaktivem Cäsium durch den bisherigen Verarbeitungsprozess auf 45 Becquerel pro Kubikzentimeter gesunken und es seien im Meerwasser um die Mündung des Ausgusses lediglich leicht erhöhte Cäsiumwerte gemessen worden.  Der niedrige Wert seie auf die Prozesse zurückzuführen, die das Wasser aus dem Reaktor während der Dekontamination durchläuft.

Beunruhigend sind allerdings die Werte an radioaktivem Strontium die von der NHK gemeldet wurden, da das Wasser insgesamt 130.000 Becquerel pro Kubikzentimeter aufgewiesen habe. TEPCO bestätigte, dass die Aufnahme der im Wasser enthaltenen Menge von Strontium durch den Menschen eine Gesundheitsgefährdung darstellen könne.

Am gestrigen Sonntag berichtete die Nachrichtenagentur jiji, über den gleichen Zwischenfall, der sich um kurz nach 11:30 Uhr ereignet habe, das Leck sei um 12:30 Uhr geschlossen worden. Zudem sei noch unklar gewesen, ob Wasser aus dem Gebäude gelangt sei.

Die an der Stelle des Wasserlecks gemessenen Strahlenwerte hätten eine Belastung mit Gamma-Strahlen von 1,8 Milisievert  pro Stunde festgestellt.  Dieser vergleichsweise niedrige Wert sei auf die bereits teilweise Behandlung des Wassers und das Sinken des Cäsiumgehalts zurückzuführen, die gemessenen 110 Millisievert Beta-Strahlung wären dagegen auf das Strontium zurückzuführen.

Am heutigen Montag berichtete jiji dann, die Arbeiter hätten zum Zeitpunkt der Entdeckung 45 Kubikzentimeter ausgetretenes Wasser im Gebäude festgestellt – es sei vermutlich durch einen Riss im Beton mit einer Geschwindigkeit von etwa einem Liter pro Minute herausgelangt.

Innerhalb der Zeitspanne von der Entdeckung um 11:30 Uhr bis zur Abdichtung mit Sandsäcken um 15:30 Uhr am gestrigen Tag, wären maximal 300 Liter unmittelbar in das Meer geflossen.

Die Asahi Shimbun merkt an, insgesamt seien 220 Tonnen Wasser aus der Aufbereitungsanlage gelangt, darunter auch die besagten 45 Tonnen. Der Cäsiumgehalt des freigesetzten Wassers habe 45.000 Becquerel pro Liter betragen, das wäre 300 Mal höher als der gesetzlich zulässige Wert für Meerwasser. Im Bezug auf Cäsium sprächen erste Schätzungen von 100 Million Beccquerel, was eine Millionen Mal über dem zulässigen Bereich liegen würde. Allerdings betont TEPCO, es handele sich lediglich um Schätzungen anhand erster Daten, man müsse die vollständige Auswertung abwarten.

Das austretende Wasser habe sich zunächst gesammelt und sei dann durch einen Riss in einen Ausguss gelangt, der etwa 500 Meter weiter ins Meer geführt hätte. Der Austritt sei dann von TEPCO mit Sandsäcken gestoppt worden. Eine Untersuchung der Cäsiumwerte im Meer habe 31 Becquerel pro Liter Wasser ergeben und läge damit nur leicht über den bislang beobachteten Werten. TEPCO sprach von einer „mittleren“ Konzentration von radioaktivem Material im Meer – bei den Werten die im April ins Meer gelangt waren, hatte man noch von einer „niedrigen“ Konzentration gesprochen.

TEPCO-Bericht weist Schuld vom Unternehmen: Ein am vergangenen Freitag von TEPCO vorgelegter Zwischenbericht bringt offenbar praktisch keinerlei neuen Erkenntnisse. Ein Professor für Kernenergietechnik der Universität Hokkaido wird von der Asahi Shimbun mit der Einschätzung zitiert, es würden zwar bestehende Fakten in den Bericht einbezogen, jedoch praktisch keine Angaben zu den Ursachen der Sachverhalte gemacht, zudem bestünden nach wie vor offene Fragen.

TEPCO präsentiert sich dem Bericht der Asahi Shimbun nach in diesem Dokument besonders als Opfer der Umstände, man sei auf Naturkatastrophen in diesem Ausmaß nicht vorbereitet gewesen. Dem Erdbeben alleine hätte die Anlage standhalten können, lediglich der Tsunami habe die vorhandenen Sicherheitsmaßnahmen überfordert.

TEPCO räumt in dem Dokument allerdings auch die nicht ausreichenden Schutzmaßnahmen gegen Tsunami ein und erklärte man werde künftig entspreche Punkte berücksichtigen, beispielsweise Notstromgeneratoren prinzipiell flutgesicherter zu bauen.

Das Unternehmen weist die Verantwortung in seinem Bericht offenbar zumindest indirekt durch den Verweis auf die Einhaltung von Standards von sich. Mehrfach werde dort betont, dass man sich stets sehr eng an die gesetzlichen Regelungen und Vorgaben der Regierung gehalten habe, so sei die Sicherstellung der Kühlung über mehrere Notstromeinheiten und mechanische Möglichkiten von den Behörden sehr positiv bewertet worden.

Präfektur Miyagi mit Schilddrüsentests bei Kindern: Die Präfekturverwaltung von Miyagi begann am Sonntag im Ort Marumori, der an die Präfektur Fukushima grenzt, mit der medizinischen Überprüfung der Schilddrüsen von 83 Kindern ab dem Grundschulalter.

Man ginge im Allgemeinen davon aus, dass der Strahlungswerte in den meisten Gebieten dort unter dem jährlichen Grenzwert von 1 Millisievert legen werde, die Entdeckung von 2,8 Millisievert und 4,1 Millisievert vor Ort hätten Besorgnisse, besonders bei Eltern geweckt, meldet die Nachrichtenagentur Kyodo. Die Prüfung interner Strahlungsbelastung durch einen Ganzkörperscanner werde erwogen.

Symbolträchtige Kiefer wird sterben: Nach dem Tsunami vom 11. März 2011 war er der Einzige von schätzungsweise 70.000 Bäumen des Kiefernwaldes, der den Wellen getrotzt hatte und nicht nur für Anwohner in Rikuzentakata, sondern im ganzen Land als tröstliches Symbol der Hoffnung und des Wiederaufbaus betrachtet wurde. Nachdem bekannt geworden war, dass die Wurzeln des Baumes durch das salzige Meerwasser geschädigt worden waren, hatten Aktivisten und Freiwillige alles getan, um die Kiefer zu retten – doch offenbar vergebens.

Dem Artikel der Yomiuri Shimbun zufolge, würden die Schädigungen verhindern, dass der Baum sich wie gewohnt über die Wurzeln ernährt, auch hätten viele durch das Wasser zu faulen begonnen. Die Bürgerinitiative will die Kiefer nun in Würde alleine sterben lassen. Allerdings ist damit die Geschichte des Baumes nicht zu Ende. Man plane nun einen Sprößling des Baumes in Takata Matsubara zu pflanzen und forderte die Präfekturverwaltung dazu auf, geeignete Schutzmaßnahmen gegen Insekten und starke Winde zu treffen, damit er wachsen könne.

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