Start Aktuelles Japan aktuell: Radioaktiv strahlende Flaschen aus Haus in Tokyo entfernt

Japan aktuell: Radioaktiv strahlende Flaschen aus Haus in Tokyo entfernt

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Bau der Dachkonstruktion des Schutzmantels von Fukushima-Reaktor 1 am 14. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Inspektion soll Licht ins Dunkel der Reaktorsicherheit bringen (Foto: TEPCO)
Bau der Dachkonstruktion des Schutzmantels von Fukushima-Reaktor 1 am 14. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)

Die radioaktive Belastung, die in den letzten Tagen aus Yokohama und Tokyo gemeldet wurden, beunruhigen die Bewohner der Region Kanto, in der beide Städte liegen.

Besonders wenn man dabei berücksichtigt, dass der in Yokohama gemessene Wert von 195 Becquerel pro Kilogramm höher liegt, als der im Zeitraum April/Mai gemessene Wert von 77 Bq/kg in unmittelbarer Nähe des AKW Fukushima Daiichi, ist diese Besorgnis durchaus verständlich.

Dass die aus Tokyos Bezirk Setagaya gemeldete Strahlung angeblich nicht auf das AKW Fukushim Daiichi zurückzuführen ist, vermag nicht wirklich zu beruhigen.

Tatsächlich könnte man meinen, so manches beschwichtigende Argument der Behörden verfolge den gleichen Zweck wie die jüngsten Arbeiten am AKW Fukushima: Deckel drauf, damit nichts nach außen dringt. Meldungen zur Lage in Tokyo sowie Fukushima News nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 14. Oktober 2011.

Verdächtige Flaschen aus Haus in Setagaya entfernt: Nachdem am gestrigen Tag besorgte Bürger die Behörden über einen Hot Spot auf einem Bürgersteig im Tokyoter Stadtteil Setagaya informiert und die Befürchtung geäußert hatten, die Kontamination könnte durch Material vom AKW Fukushima Daiichi entstanden sein, hatten Untersuchungen der Behörden als Strahlungsquelle mehrere alte Flaschen die mit einem radioaktiven Pulver, bei dem es sich vermutlich um Radium handelt sichergestellt, die sich in einem verlassenen Haus befunden hatten.

Am heutigen Freitag hat die Bezirksverwaltung die Flaschen, deren Oberflächenstrahlung insgesamt 600 Mikrosievert pro Stunde betragen habe, dort in strahlungssicheren Behältern entfernen lassen, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. Die Strahlung am Zaun des Gründstücks sei daraufhin von etwa 3 Mikrosivert pro Stunde auf 0,1 bis 0,3 Mikrosievert gefallen. Über Ursprung der Flaschen und die Dauer der Lagerung gibt es bislang keine offiziellen Angaben.

Shiitake in Region Kanto teils über Grenzwerte belastet: Die Stadt Yokohama (Präf. Kanagawa) teilte am Donnerstag mit, man habe die Verwendung von getrockneten Shiitake (Pilze) in den Mittagessen an Schulen eingestellt, da bei den Kontrollen der Zutaten eine Strahlung von 350 Becquerel pro Kilogramm gemessen worden sei und obwohl diese unter dem zulässigen Höchstwert von 500 Bq/kg liegt.

Auch in Shiitake aus der Präfektur Ibaraki wurde radioaktives Cäsium nachgewiesen, hier wurde der Grenzwert durch eine Gesamtmenge von 830 Bq/kg jedoch deutlich überschritten. Bereits zu Beginn der Woche waren in zwei Städten der Präfektur Chiba Pilze mit Grenzwertüberschreitungen gefunden und ihre Ausfuhr beschränkt worden, berichtet die NHK.

Da die Präfekturen Chiba, Kanagawa und Ibaraki alle in der Region Kanto liegen, handelt es sich offenbar um mehr als nur einzelne lokale Probleme. Als Ursache gehen Experten davon aus, dass sich durch die Luft transportiertes radioaktives Material auf herabgefallenem Laub niedergeschlagen habe und die frei wachsenden Shiitake dort das Cäsium aufgenommen hätten.

Ängsten aus der Bevölkerung begegnet man von öffentlicher Stelle aus dem Ministerium für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei mit der Versicherung, die abgepackt in den Läden erhältliche Ware sei sicher, da sie meist nicht im Freien gezüchtet werden. Allerdings hat Spreadnews bereits am 16. Juli 2011 über Grenzwerte überschreitende Kontamination von Gewächshauspilzen berichtet, Zur weiteren Beruhigung wird allerdings angeführt, auch das Material auf dem die Pilze wachsen, darunter Holzbohlen und Reisstroh, werde zuvor auf mögliche Kontamination geprüft, berichtet die Asahi Shimbun.

Tsunami mit doppelter Höhe könnte AKW Hamaoka treffen: Professor Yoshinobu Tsuji vom Erdbebenforschungsinstitut der Universität Tokyo erklärte am gestrigen Donnerstag gegenüber Reportern indirekt, nach seiner Einschätzung reichten die Schutzmaßnahmen für das Atomkrafftwerk Hamaoka in Omoezaki (Präf. Shizuoka) nicht aus. Das berichtet die Asahi Shimbun.

Basierend auf den Daten von Dokumenten vom Meio Tokai Erdbeben im Jahr 1498 kam er zu dem Schluss, damals habe die Höhe des durch das Erdbeben ausgelösten Tsunami, der die Stadt Iwata getroffen hatte, zehn Meter betragen.

Auf die Frage eines Reporters, was dies für das AKW Hamaoka bedeutete, erklärte der Professor, aufgrund der exponierten Position der Anlage in Verbindung mit dem dortigen flachen Meeresboden, könnte sich  die Energie eines Tsunami dort potentieren und somit ein Tsunami, der um die Hälfte, oder sogar doppelt so groß ist, wie jener von 1498, auf das Atomkraftwerk treffen.

Dieser Berechnung zufolge, würde die Höhe des neuen Tsunami 15 bis 20 Meter betragen. Die momentan vom Betreiber Chubu Electrics im Aufbau befindliche Schutzwand vor dem AKW soll jedoch lediglich vor Tsunami bis zu einer Höhe von 10 Metern schützen.

Auf Anfrage der Asahi Shimbun, erfolgte von Chubu Electrics praktisch die Standardantwort: „Da wir die Details der Untersuchung des Professors nicht kennen, können wir diesbezüglich keinen Kommentar abgeben„.

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