Start Aktuelles Japan aktuell: Radioaktive Belastung von Fukushima-Fisch wird untersucht

Japan aktuell: Radioaktive Belastung von Fukushima-Fisch wird untersucht

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Japan-Karte: Radioaktivität in Japan (Foto:pd)
Fukushima-Sperrzone: Langzeitbetroffene planen erstmals Klage (Symbolfoto: pd)
Japan-Karte: Präfektur-Fukushima radioaktiv (Foto: pd)
Wissenschaftlicher Fischfang vor Fukushima-Küste (Foto: pd)

Nachdem der Tokyo Sky Tree bereits in der ersten Woche mehr als eine Million Besucher begrüßen durfte, scheint es dort buchstäblich aufwärts zu gehen, auch wenn Händler im Bezirk klagen, es bringe ihnen bislang keine wirtschaftlichen Vorteile, da die Besucher ausschließlich im großen Einkaufszentrum der Anlage einkaufen würden. Weniger Aufschwung sieht man auch in den Krisengebieten Japans.

So gibt es aus der Präfektur Fukushima aktuell weniger Berichte über Fortschritte bei den Arbeiten am dortigen Atomkraftwerk, als vielmehr Pläne zur künftigen Absicherung bei Naturkatastrophen. Derartige Maßnahmen sind jedoch auch an anderer Stelle erforderlich, wie Wissenschaftler anhand der Boso-Halbinsel nachwiesen.

Somit also heute sowohl Fukushima News als auch weitere aktuelle Themen – wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 31. Mai 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Forschungs-Fischerei vor Fukushima-Küste beschlossen
  • Regierung erwägt Notfallzentren in AKW-Nähe
  • Entscheidung zum Neustart am AKW Oi erfolgt nächste Woche
  • Schwere Erdbeben vor Boso-Halbinsel erwartet
  • Hiroshima-Friedenspark mit temporärem Rauchverbot

Forschungs-Fischerei vor Fukushima-Küste beschlossen: Nach der Entscheidung der Vereinigung der Fischerei-Kooperativen der Präfektur Fukushima vom Dienstag sollen im Juni die ersten Fischfang-Aktionen zur wissenschaftlichen Forschung vor der Küste von Fukushima stattfinden, so ein Bericht der Asahi Shimbun. Damit verbunden ist die Hoffnung der Fischer, dass die Ergebnisse der Strahlenbelastungsmessung den Weg für eine Wiederaufnahme des regulären Fischereibetriebs freimacht. Dieser war nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima verboten worden.

Tintenfisch-Restaurant in Osaka (Foto: Matsuo Kazunori cc-by)
Tintenfisch-Restaurant in Osaka (Foto: Matsuo Kazunori cc-by)

Der Forschungsfang soll etwa einen Monat dauern, mehr als 30 Kilometer südöstlich der Ruinen der Anlage des AKW Fukushima Daiichi und in einer Tiefe von 150 Metern erfolgen. Gefangen werden  vor allem  Oktopus der Sorten  “Mizudako” und “Yanagidako” sowie Schalentiere der Art “Shiraitomakibai”. Bei diesen Gattungen waren in vergangenen Untersuchungen keine radioaktiven Substanzen festgestellt worden.

Nach Abschluss des Fangs werden die Tiere zweimal auf radioaktive Belastung getestet. Eine Überprüfung erfolgt unmittelbar nachdem der Fang an Land gebracht wurde, die zweite nachdem die Tiere gekocht wurden. Sollten sich weiterhin kein radioaktives Material nachweisen lassen, so soll im September mit einer versuchsweisen Wiederaufnahme des regulären Fischfangs in den Gewässern vor der Stadt Soma begonnen und der Fang verkauft werden.

Regierung erwägt Notfallzentren in AKW-Nähe: Bei einem ersten Treffen zwischen der Atomsicherheitsbehörde NISA und Atomexperten, brachte die NISA den Vorschlag ein, in einem Umkreis von 5 bis 30 Kilometern um ein Atomkraftwerk herum jeweils ein Katastrophenstützpunkt einzurichten, die bei einem Störfall als Notfallzentrum für sofortige Maßnahmen dienen können.  Die Gespräche dienen der Überarbeitung des Konzepts derartigen Zentren, so die Meldung der jiji.

Die Notwendigkeit dieser Maßnahme wird deutlich, wenn man sich vor Augen hält, dass eine derartige Einrichtung in der Nähe des AKW Fukushima aufgrund des mangelnden Schutzes gegen Radioaktivität nicht genutzt werden konnte. Nach den Vorstellungen der NISA soll das Büro des Premierministers die Evakuierungspläne für Einwohner in der Nähe der Atomanlagen festlegen, während Verwaltungen vor Ort die Katastrophen-Stützpunkte für Strahlungsmessungen und Analysen der Situation nutzen könnten.

Auf dem Treffen am Mittwoch schlug die Behörde vor, die Notfallzentralen außerhalb eines fünf Kilometer messenden Radius um das jeweilige AKW zu positionieren, da Anwohner in diesen Bereichen zur sofortigen Evakuierung aufgefordert werden und innerhalb eines Umkreises von 30 Kilometern, da dort die Evakuierungsvorbereitungszone liegt, in der sich Bürger für eine mögliche Evakuierung bereit halten sollen.

Entscheidung zum Neustart am AKW Oi erfolgt nächste Woche: Am heutigen Tag erklärte Toru Hashimoto, Bürgermeister von Osaka, auf einer Pressenkonferenz, dass er den Neustart der Reaktoren 3 und 4 am AKW Oi jetzt gutheiße. Als Grund für die Änderung seiner bisherigen Position erklärte er, es sei politisch nicht realistisch, den Standpunkt zu vertreten, ein Neustart sei erst nach dem Beweis vollständiger Sicherheit möglich. Er beharrte jedoch auf der Forderung, die Reaktoren des AKW Oi nur bei akuter Energieknappheit zu betreiben. Eine derartige regelung lehnt die Regierung in Tokyo jedoch ab.

Die Regierung gab heute bekannt, man werde voraussichtlich kommende Woche die endgültige Entscheidung treffen und begann letzte Verhandlungen mit den Vertretern der Präfektur Fukui und der Verwaltung des Ortes Oi, wo sich das Kraftwerk befinden. Dem vorausgegangen war die Positionierung der Vereinigung der Verwaltungen der Region Kansai, die eine beabsichtige Duldung des Neustarts signalisiert hatte.

Unmittelbar nach der erwarteten Zustimmung der Präfekturleitung Fukui und der Vertretung von Oi, werden Premierminister Yoshihiko Noda und Industrieminister Yukio Edano, sowie zwei weitere Minister ein Treffen abhalten und die endgültige Entscheidung fällen. Das berichten Medien, etwa die Nachrichtenagentur jiji.

Schweres Erdbeben für Boso-Halbinsel erwartet: Japanische Forscher den nationalen Landesvermessungsamts (GSI) erklärten gegenüber einem Regierungausschuss am gestrigen Mittwoch, dass die Auswertung von GPS-Daten einen Anlass zur Erwartung eines Erdbebens vor der Boso-Halbinsel, östlich von Tokyo zulasse.

Fischer an der Boso-Halbinsel (Foto: Aozora Shiraho cc-by)
Erdbeben vor Küste der Boso-Halbinsel erwartet (Foto: Aozora Shiraho cc-by)

Die Spitze der Halbinsel habe sich seit 1997 jedes Jahr um etwa drei Zentimeter verschoben. Dabei könnten sich geologische Belastungen in der Region anstauen, in der eine tektonische Meeresplatte unter eine Kontinentalplatte schiebt.

Im angrenzenden Gebiet hatte sich 1923 das große Kanto-Erdbeben ereignet, dabei sei Druck abgebaut worden. Im Bereich der Boso-Halbinsel gab es jedoch seit mindestens 300 Jahren kein schweres Erdbbeben mehr.  Ähnlich stellt sich die Situation an der Miura-Halbinsel in der Nähe von Yokohama, südlich von Tokyo dar.

Nach Angaben der NHK rechnet der Wissenschaftler Takuya Nishimura  mit einem Erdbeben bis zu einer Magnitude von acht. Er erklärte jedoch, man werde die Analysen weiter fortführen um die Genauigkeit der Einschätzung zu verbessern.

Hiroshima-Friedenspark mit temporärem Rauchverbot: Auch wenn die Stadt Hiroshima mit dem Atompilz nach dem Abwurf der Atombombe im Jahr 1945  schlimmeres erdulden musste, als den Qualm von Zigaretten so steigt am heutigen 31. Mai keine einzige Rauchfahne aus dem Friedenspark der Stadt empor.

Symbol gegen Atomwaffen (Grafik: pd)
Symbol gegen Atomwaffen (Grafik: pd)

Grund hierfür ist das Rauchverbot für die Besucher des 12 Hektar messenden Geländes, anlässlich des heutigen Weltnichtrauchertags der Weltgesundheitsorganisation WHO, der alljährlich an diesem Datum stattfindet – so auch in Japan.

Ironischerweise heissen zwei der ausschließlich in Japan vertriebenen Zigarettenmarken „Peace“ (Frieden) und „Hope“ (Hoffnung).

Zwar wurde die Hoffnung von Nichtrauchern, den gesamten Park zu einer rauchfreien Zone erklären, enttäuscht. Allerdings wurde angekündigt, die bereits bestehenden Maßnahmen zum Nichtraucherschutz für die Besucher zu verschärfen. Die Gedenkstätte zieht jedes Jahr zahlreiche Touristen aus dem In- und Ausland an.

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