Start Aktuelles Japan aktuell: Radioaktive Fukushima-Abwässer in landwirtschaftlich genutzten Fluss entsorgt

Japan aktuell: Radioaktive Fukushima-Abwässer in landwirtschaftlich genutzten Fluss entsorgt

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Fluss Abukuma in der Präfektur Fukushima (Foto: pd)
Fluss Abukuma in der Präfektur Fukushima (Foto: pd)
Fluss Abukuma in der Präfektur Fukushima (Foto: pd)
Präfektur Fukushima: Tonnenweise radioaktives Wasser in Fluss entsorgt (Symbolfoto: pd)

Während Japans Mobiltelefone künftig mit menschlicher Stimme vor Erdbeben warnen sollen, verschlägt nicht nur der erstmals seit drei Jahren in Tokyo wieder aufgetretene Sommersmog die Sprache.

Grund wäre in diesem Fall die aus der Präfektur Fukushima heute gemeldete illegale Entsorgung radioaktiver Abwässer in die Landwirtschaft.

Dagegen ist am AKW Fukushima aktuell die weitere Ausbreitung radioaktiven Grundwassers das beherrschende Problem. Weitere Fukushima News und sonstige Themen im Spreadnews Japan-Ticker vom 12. Juli 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Radioaktives Abwasser in landwirtschaftlich genutzten Fluss entsorgt
  • Hohe Cäsium-Belastung in Ibaraki-Fisch
  • Radioaktives Fukushima-Grundwasser breitet sich aus
  • Zweiter Kandidat der Atomlagersuche wird inspiziert

Radioaktives Abwasser in landwirtschaftlich genutzten Fluss entsorgt: Das Unternehmen JDC Corporation, hat in Minamisoma (Präf. Fukushima) offenbar 430 Tonnen an radioaktiv kontaminiertem Wasser in einem Fluss entsorgt, dessen Wasser für landwirtschaftliche Bewässerung genutzt wird.

Die Unternehmensleitung erklärte, man sei sich nicht bewusst gewesen, dass das Wasser aus dem Fluss für landwirtschaftliche Zwecke genutzt werde.

Arbeiten in den Reisfeldern von Sawara, Präf. Chiba (Foto: Angie Harms, cc-by)
Radioaktives Wasser zur Reisbewässerung genutzt (Symbolfoto: Angie Harms, cc-by)

Das radioaktive Wasser war während Dekontaminationsprojekten der JDC zwischen Dezember 2011 und Februar 2012 angefallen. Alleine bei Arbeiten in- und an der Kanabusa-Grundschule in Minamisoma waren 609 Tonnen an radioaktiv belastetem Wasser entstanden.

Während 269 Tonnen dieses Wassers durch Spezialisten aufbereitet worden waren, hatte das Unternehmen die verbliebenen 340 Tonnen radioaktiven Wassers in den Fluss Iizaki entsorgt – der zur Bewässerung von Reisfeldern genutzt wird.

Bei insgesamt 60 Tonnen habe es sich sogar um stark belastetes Wasser gehandelt, dass mit Strahlungswerten zwischen 100 und 121 Becquerel pro Liter über dem Sicherheitsgrenzwert von 90 Becquerel liegt. Aus den Daten des Unternehmens geht hervor, dass sich die Gesamtbelastung des kontaminierten Wassers auf 16 Millionen Becquerel belaufe.

Während sowohl die Verwaltung von Minamisoma, als auch die Präfekturverwaltung Fukushima sich nach den neusten Entdeckungen nun darüber beschweren, nicht über die zweifelhafte Maßnahme informiert gewesen zu sein und im Dezember 2011 nur über die Lieferung von kontaminiertem Wasser in ein Lager in Kenntnis gesetzt wurde, stellt sich die Situation für das Unternehmen völlig anders dar.

Die JDC Corp. erklärte, die Japanischen Atomenergiebehörde JAEA, die das Unternehmen mit der Dekontamination beauftragt hatte, habe versichert, dass alle örtlichen Behörden bereits im Voraus informiert worden seien. Die JAEA behauptet nun, die betroffenen Behörden mündlich unterrichtet zu haben. Eine schriftliche Vereinbarung habe es dagegen noch nicht gegeben.

Das Umweltministerium hat nun Untersuchungen eingeleitet, da bei der JAEA der Verdacht eines Verstoßes gegen Gesetze zur Informationspflicht bestehe.

Hohe Cäsium-Belastung in Ibaraki-Fisch: Forscher haben bei japanischen Wolfsbarschen, die zu Beginn des Monats vor Hitachi (Präf. Ibaraki) gefangen worden waren, eine Belastung von 1.047 Becquerel pro Kilogramm nachgewiesen. Damit wird der gesetzliche Grenzwert um das zehnfache überschritten

Japanischer Wolfsbarsch (Foto: Kisha O-san cc-by-nd)
Japanischer Wolfsbarsch (Foto: Kisha O-san cc-by-nd)

Es handelt sich um den dritthöchsten Wert, der bei Meeresprodukten aus der Region jemals festgestellt wurde. Höhere Werte waren lediglich im April 2011 und damit einen Monat nach der Fukushima-Katastrophe bei kleinen Sandaalen gemeldet worden.

Die Behörden räumten nach Angaben der NHK ein, dass ihnen unerklärlich sei, wie es mehr als zwei Jahre nach den Reaktorkatastrophen zu einem derartigen Anstieg kommen konnte. Der Fisch werde aufgrund der Grenzwertüberschreitung nicht in den Handel gelangen.

Radioaktives Fukushima-Grundwasser breitet sich aus: Wie TEPCO am heutigen Freitag berichtet, ist auch an mindestens einem weiteren Grundwasser-Kontrollpunkt die Konzentration von Betastrahlern wie Strontium angestiegen.

An einem Kontrollpunkt in der Nähe des Turbinengebäudes von Reaktor 3 und damit 200 Meter südlich der anderen Stellen, wurden 1.400 Becquerel pro Liter nachgewiesen

In den vergangenen Monaten waren diese Art von radioaktiven Substanzen an diesem Kontrollpunkt bislang ausschließlich unterhalb des messbaren Werts geblieben. Über den neuen Fundort berichteten jiji und Asahi Shimbun.

Nach Meldung der jiji hätten sich laut TEPCO, die beiden Cäsiumwerte seit dem 4. Juli nicht verändert und stünden konstant bei jeweils 6,7 Becquerel pro Liter. Die jüngsten Entdeckungen lassen die Einschätzung der Atomaufsichtsbehörde, radioaktives Grundwasser breite sich unter der Anlage weiter aus, wahrscheinlich erscheinen.

Zweiter Kandidat der Atomlagersuche wird inspiziert: Das Umweltministerium begann heute in Naraha mit den Untersuchungen an einem zweiten möglichen Standort für ein Lager, in dem radioaktiv kontaminiertes Erdreich und Trümmer gesammelt werden sollen.

Japan-Karte: Radioaktivität in Japan (Foto:pd)
Atomlagersuche in Präfektur Fukushima dauert an (Foto:pd)

Die Verwaltung von Naraha hatte die Eignungsuntersuchung unter der Bedingung genehmigt, dass man dort nur radioaktives Material lagern werde, das tatsächlich im Ort selbst angefallen sei.

Die früheren Bewohner fürchten jedoch, nicht zuletzt aufgrund der positiven Einstufung als Gebiet das in absehbarer Zukunft wieder bewohnt werden kann, um die Zukunft ihres Ortes.

Vize-Umweltminister Shinji Inoue verschaffte sich einen Eindruck von den Arbeiten vor Ort, erklärte jedoch gegenüber der Presse, dass man dem Zeitplan für die Lagersuche bereits hinterher laufe.

Es handelt sich bei Naraha nach Okuma, das Anfang Juli inspiziert worden war, um den zweiten von insgesamt drei potentiellen Standorten des Lagers, das Anfang 2015 eröffnet werden soll.

Wie die NHK berichtet, sollen ab kommender Woche die Einwohner von Futaba, dem dritten möglichen Lagerstandort, über das Vorhaben informiert werden. Bislang gibt es für keinen der drei Standorte eine finale Einschätzung oder Genehmigung zum Bau einer Anlage.

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