Start Aktuelles Japan aktuell: Radioaktive Fukushima-Abwässer sollen umweltfreundlich verklappt werden

Japan aktuell: Radioaktive Fukushima-Abwässer sollen umweltfreundlich verklappt werden

1923
0
TEILEN
Verstrahltes Meer (Originalfoto: jaybergsan cc-by)
AKW Fukushima: Cäsiumbelastung zu niedrig ausgewiesen (Originalfoto: jaybergsan cc-by)
Verstrahltes Meer (Originalfoto: jaybergsan cc-by)
AKW Fukushima: Verklappung radioaktiver Abwässer als Alternative (Originalfoto: jaybergsan cc-by)

Die Verklappung der Abwässer ist in Fukushima aktuell wieder im Gespräch und wird nun als umweltfreundliche Alternative präsentiert.

Die weiterhin wahrscheinliche Kontamination durch das AKW war für die Fischereikooperativen in Fukushima heute ein wichtiges Thema.

Doch auch von Reaktor 4 gibt es Neuigkeiten, so dass die Fukushima News heute nicht nur die Tanklecks thematisieren. Weitere Informationen nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 29. August 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • AESJ sieht Verklappung als umweltfreundliche Lösung
  • Arbeiten zum Schutz von Fukushima-Reaktor 4 durchgeführt
  • Regierung verspricht Anstrengungen zur Leckbewältigung
  • Behörden der Präfektur Fukushima fordern Stilllegung aller Anlagen
  • Fischer misstrauen Beteuerungen des Fukushima-Betreibers

AESJ sieht Verklappung als umweltfreundliche Lösung: Ein Ausschuss der Atomenergiebehörde Japans (AESJ) sieht als Teil der Lösung für das Lagerungsproblem von radioaktivem Wasser eben jene Option, die vor allem von Fischereikooperativen abgelehnt wird – das Einleiten der Abwässer in den Pazifik.

Dem Vorschlag der Behörde zufolge, solle das Wasser zunächst verdünnt und anschließend kontrolliert verklappt werden. Im Fall von radioaktivem Tritium, das mit bisherigen Methoden nicht hinausgefiltert werden kann, hat man ebenfalls eine Lösung parat.

Da Tritium ohnehin durch kosmische Strahlung entstehe und bereits in geringen Mengen ganz natürlich im Meerwasser enthalten sei, wäre eine stark verdünnte Entsorgung kein Problem. Auch die Lebensmittelsicherheit sei praktisch nicht betroffen, da es von Lebewesen leicht wieder ausgeschieden wird und sich fast gar nicht in ihren Körpern ansammele.

Nach Ansicht der AESJ wäre eine derartige Entsorgung der Abwässer sicherer, als die radioaktive Flüssigkeit in oberirdischen Behältern zu lagern, da dort eine unkontrollierte Umweltverschmutzung schwerwiegendere Folgen hätte, als die gezielte Einleitung von Wasser, dessen Belastung auf natürliche Werte reduziert worden sei.

Eine Durchführung dieser Maßnahme stünde jedoch selbst bei einer Genehmigung noch in den Sternen, da der Testbetrieb des Multinuklid-Filtersystem ALPS, dessen Funktion 62 radioaktive Nuklide filtern zu können benötigt würde, aufgrund von mehreren Pannen vorerst ausgesetzt wurde. Zudem wäre eine Zustimmung durch Anwohner fraglich, berichtet die Mainichi Shimbun.

Arbeiten zum Schutz von Fukushima-Reaktor 4 durchgeführt: Gestern veröffentlichte TEPCO wieder Material, dass den Zustand des Reaktorgebäudes dokumentiert, ergänzte den üblichen Bericht jedoch auch durch einige neue Informationen über Maßnahmen am Gebäude.

Fukushima-Reaktor 4: Vor (o.) und nach (u.) dem Auftragen von Spritzbeton (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Vor (o.) und nach (u.) dem Auftragen von Spritzbeton (Foto: TEPCO)

In der Vergangenheit war die Verschwörungstheorie aufgekommen, das Abklingbecken neige sich zur Seite und es bestehe höchste Gefahr.

Dem versucht TEPCO seitdem durch die Veröffentlichung der Untersuchungsberichte zu begegnen.

Bislang hatte es nach Betreiberangaben keine relevanten Veränderungen gegeben. Auch diesmal soll sich alles in unproblematischem Zustand befinden.

Abweichend von den bisherigen Berichten ist allerdings die Information von TEPCO – bereits seit Juni setze man an Wänden des Reaktorgebäudes Spritzbeton ein.

Hintergrund der Maßnahme sei der Umstand, dass Strukturen wie Pfeiler und Stahlträger ohne die Betonwände den Witterungseinflüssen ausgesetzt sind.

Um einen Verschleiß der Gebäudeteile zu verhindern, habe man damit begonnen, Beton auf die tragenden Strukturen zu spritzen.

Regierung verspricht Anstrengungen zur Leckbewältigung:  Japans Premierminister Shinzo Abe erklärte gestern, seine Regierung werde die größtmöglichen Anstrengungen unternehmen, um das radioaktive Wasserleck am AKW Fukushima Daiichi zu bewältigen.

Japans Premierminister Shinzo Abe im Juli 2013 (Foto: pd)
Verspricht Lösung der Tanklecks: Japans Premier Shinzo Abe (Foto: pd)

Man könne die Aufgabe nicht länger TEPCO überlassen und so habe er den Industrieminister und den Leiter der Atomaufsichtsbehörde damit beauftragt, die Ursache für das Leck von 300 Tonnen radioaktivem Wasser aus einem Lagertank zu ermitteln.

Die Regierung werde sowohl innerhalb Japans, als auch international Offenheit walten lassen, so dass die getroffenen Maßnahmen für jeden nachvollziehbar bleiben. Hierüber berichteten etwa Kyodo, jiji, Mainichi Shimbun, Asahi Shimbun und NHK.

Zugleich werden nach Meldung der NHK mehrere Millionen ungenutzter Gelder aus dem Katastrophenhilfsfond nun von Gemeinden zurück an die Regierung in Tokyo gezahlt. Dies ist eine Reaktion auf Kritik, der zufolge Finanzmittel auch außerhalb der Katastrophengebiete und zweckentfremdet genutzt worden seien.

Mit Stand vom 31. Juli seien bereits etwa 70 Prozent dieser verbliebenen Gelder entweder zurückgezahlt, oder eine Rückzahlung geplant.

Behörden der Präfektur Fukushima fordern Stilllegung aller Anlagen: Erstmals haben die Bürgermeister und Ratsmitglieder der Ortschaften, auf deren Gelände sich das AKW Fukushima Daiichi und Fukushima Daini, gemeinsam öffentlich eine Stilllegung aller zehn Reaktoren der Präfektur gefordert.

AKW Fukushima Daini in Japan. Foto: Tepco
Forderungen nach Stilllegung von AKW Fukushima Daini (Foto: TEPCO)

Bereits in der Vergangenheit hatte die Präfekturleitung die dauerhafte Abschaltung der dortigen Anlagen gefordert. Wie die NHK berichtet, plant man nun gemeinsam entsprechende Aufforderungen  an die Regierung in Tokyo, sowie die Betreiberfirmen auszuarbeiten.

Das AKW Fukushima Daiichi, an dem vier der sechs Reaktoren zerstört wurde, befinden sich auf dem Gelände der Gemeinden Futaba und Okuma, während das AKW Fukushima Daini ein Teil der Ortschaften Tomioka und Naraha ist. Dort gab es an den vier Reaktoren keine schweren Schäden, da die Notstromversorgung wiederhergestellt werden konnte.

Der Betreiber TEPCO hat sich noch nicht dazu geäußert, was mit den verbleibenden sechs Reaktoren geschehen soll. Der Leiter der Fukushima-Niederlassung des Konzern erklärte jedoch, das Unternehmen sei derzeit nicht in der Lage eine Einigung zu finden, da die Energiepolitik des Landes und die Wünsche der Bürger gegeneinander abgewogen werden müssten.

Fischer misstrauen Beteuerungen des Fukushima-Betreibers: Bei einem heutigen Treffen mit dem Vorsitzenden der Nationalen Vereinigung der Fischereikooperativen versprach TEPCO, Schaden von der Fischereiindustrie abzuwenden.

Tokyo: Traditioneller Fischhändler Foto: KJ
Fischhändler in Tokyo (Foto: KJ)

TEPCO-Präsident Naomi Hirose, der von  Hiroshi Kishi, Vorsitzender der Vereinigung, in sein Büro zitiert worden war, entschuldigte sich für die radioaktiven Wasserlecks und wies darauf hin, dass sich nun eine Taskforce unter seiner persönlichen Führung mit dem Problem befasse und man alle Schritte unternehmen werde, um die Fischerei vor Umweltschäden zu schützen.

Die Fischereikooperativen forderten von TEPCO, das Unternehmen müsse sicherstellen können, dass es keine weiteren Lecks gebe und erklärten gegenüber Hirose, das Managment habe bei der Handhabung radioaktiven Wassers versagt. Die Fischer seien enttäuscht, auf die geplanten Testfänge zu verzichten, da man diese Produkte bei bestätigter Unbedenklichkeit hätte verkaufen können.

Die Verbände hatten sich gestern darauf geeinigt, die für Ende August geplanten Testfänge zu verschieben. Über die heutigen Gespräche berichteten Kyodo, jiji und NHK.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here