Start Aktuelles Japan aktuell: Radioaktive Hot Spots an über 20 Schulen in Koriyama

Japan aktuell: Radioaktive Hot Spots an über 20 Schulen in Koriyama

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Stadt Koriyama, Präfektur Fukushima (Foto: pd)
Koriyama-Gespräche: TEPCO-Verantwortlicher widerspricht Premier Abe (Foto: pd)
Stadt Koriyama, Präfektur Fukushima (Japan)
Koriyama: Schulgelände weisen radioaktive Hot Spots auf (Foto: pd)

Mit dem heutigen Wochenbeginn hat sich dann auch die große Feiertagsserie der Goldenen Wochen dem Ende geneigt. Mit dem üblichen Verkehrsaufkommen und einem Tornado verlief das Wochenende nicht nur im übertragenen Sinne stürmisch.

Allerdings gibt es diesmal auch aus Fukushima aktuell Meldungen, die vor allem Kritiker der Atomkraft aufhorchen lassen werden. Eine überdurchschnittliche Belastung in Bereichen von Schulen ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Krise am AKW Fukushima aktuell längst noch nicht ausgestanden ist.

Weitere Informationen zu diesen Fukushima News und weiteren Themen im Spreadnews Japan-Ticker vom 7. Mai 2012.

Die heutigen Themen:

  • Radioaktive Hot Spots an über 20 Schulen in Koriyama/Fukushima
  • TEPCO berichtet über Probleme an anderem Thermalkraftwerk
  • Unangekündigte Katastrophenübung in Präfektur Fukushima
  • Tornado in Japan fordert Todesopfer

Radioaktive Hot Spots an über 20 Schulen in Koriyama/Fukushima: Eine Bürgerbewegung gab auf einer Pressekonferenz am Sonntag bekannt, an mehr als 20 Schulen der Stadt Koriyama (Präf. Fukushima) seien so genannte Hot Spots – Bereiche erhöhter Radioaktivität im Vergleich zur Umgebung – festgestellt worden.

Dabei berief man sich jedoch nicht auf private Messungen, die zwar vielfach in Japan durchgeführt doch nicht als vertrauenswürdige Quelle gelten, sondern man bezieht sich auf Dokumente des Bildungsausschusses der Gemeinde, die man im Rahmen einer Anfrage zur Datenoffenlegung erhalten habe.

Zuvor hatte der Ausschuss im Januar sowohl Vorschulen, als auch Grundschulen und Schulen der Mittelstufe dazu angewiesen, die radioaktive Belastung der Luft in Hecken, Seitengräben und Abflussgräben auf dem Gelände zu untersuchen. Klassenräume und Schulhöfe waren von dieser Anordnung ausgenommen, da diese ohnehin regelmäßig kontrolliert werden.

Die von den Schulen im April eingerichteten Berichte zeigen, dass insgesamt an 14 Grundschulen, sieben Schulen der Mittelstufe, sowie fünf Vorschulen, radioaktive Hot Spots nachgewiesen konnten. Bei diesen könnte die jährliche Belastung den Wert von 20 Millisievert, bzw. mehr als 3,8 Mikrosievert pro Stunde erreichen.

Nach der Veröffentlichung der Informationen sieht sich der Bildungsausschuss der Gemeinde nun der Forderung gegenüber, die zum Beginn des neuen Studienjahres im April aufgehobene Beschränkungen, Schüler weniger als drei Stunden pro Tag im Freien spielen zu lassen, jetzt erneut einzuführen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

TEPCO berichtet über Probleme an anderem Thermalkraftwerk: Tokyo Electric Power (TEPCO) erhielt nach eigenen Angaben einen Bericht über eine Störung am Thermalkraftwerk Shinchi in der Namensgebenden Stadt Shinchi (Präf. Fukushima). Die Anlage war am gestrigen Sonntag um 6:03 Uhr Ortszeit abgestellt worden, nachdem Dampf aus dem Boiler entwichen war. Die Ursache ist beslang noch ungeklärt, werde jedoch untersucht. Eine Wiederaufnahme des Betriebs hängt von den Ergebnissen der Untersuchung ab.

Nach Angaben von TEPCO produziert das Kraftwerk etwa 1.000 MW, man selber beziehe insgesamt 470 MW von der Anlage, heisst es in der Meldung. Die heutige Leistung von TEPCO betrage 39.100 MW.

Unangekündigte Katastrophenübung in Präfektur Fukushima: Am heutigen Montag überraschte die Präfekturleitung von Fukushima die Angestellten und einzelnen Gemeinden mit einer unangekündigten Katastrophenübung. Das Szenario ähnelte dem der Fukushima-Katastrophe – ein Erdbeben, verbunden mit einem Tsunami – allerdings wurde simuliert, dass das Kühlsystem weiterhin laufe.

Vor dem Unglück vom 11. März 2011 waren derartige unangekündigte Notfall-Drills eher unüblich. Die Katastrophe hatte jedoch die Mängel in der Kommunikation aufgedeckt. So hatten beispielsweise einige Gemeindeverwaltungen mehr Informationen aus dem Fernsehen,  denn durch die Präfekturleitung erfahren.

In der Übung lief zumindest alles plangemäß:  Innerhalb von zehn Minuten nach Beginn der Übung sammelten sich die Verantwortlichen im Notfallzentrum neben dem Verwaltungsgebäude. Auf Anordnung des Gouverneurs waren dann die kabellosen Notfalltelefone eingesetzt worden um die Gemeinden zu kontaktieren und Informationen über die Situation, Schäden an der Infrastruktur etc einzuholen. Kurz darauf endete die Übung., so ein Bericht der NHK.

Tornado in Japan fordert Todesopfer: Am Wochenende verwüstete ein Tornado Teile der Region Kanto und betraf damit vor allem Gebiete nördlich von Tokyo, darunter die Präfekturen Gunma und Ibaraki. Bei dem heftigen Sturmen waren nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo am heutigen Montag insgesamt 48 Menschen verletzt und eine Person getötet worden. Es entstanden bauliche Schäden an etwa 890 Privathäusern und Gebäuden.

Die NHK berichtete gestern, in der Präfektur Ibaraki hätten etwa 30 Personen  Verletzungen erlitten. In der benachbarten Präfektur Tochigi gab es der NHK zufolge elf Verletzte.

Bislang gibt es einen Todesfall, nachdem der 14 Jahre alte Keisuke Suzuki unter den Trümmern eines Hauses in der Stadt Tsukuba begraben worden und später im Krankenhaus für tot erklärt worden war, berichten Medien übereinstimmend. Die jiji erwähnt, er habe sich alleine zuhause aufgehalten. Nach gestriger Meldung der NHK ist ein 11 Jahre altes Mädchen aus Saitama in ernstem Zustand, nachdem sie mit ihrer Mutter Schutz unter einem Baum gesucht und vom Blitz getroffen worden war.

Der Tornado habe eine etwa 12 Kilometer lange Schneise durch die Gebiete gezogen, berichtet die Kyodo heute. Nach Angaben der Wetterbehörde habe es allerdings allein in der Präfektur Ibaraki Schäden auf einer Länge von 15 Kilometern und einer Breite von etwa 500 Metern gegeben.

Die Wetterbehörde habe zudem Angaben zur Stärke des Tornado gemacht. Demnach hätten die heftigen Winde in der Stadt Tsukuba (Präf. Ibaraki) eine Stärke von „F2“ – der vierthöchsten Stufe auf der sechs Stufen messenden Fujita-Skala betragen. Ein F2-Tornado ist gekennzeichnet durch das Entwurzeln von Bäumen, vollständiges Abdecken von Dächern, sowie dem Abdrängen von Autos.

Die Nachrichtenagentur jiji geht ins Detail und erläutert, ein weiteres Kriterium sei zudem eine Windgeschwindigkeit von durchschnittlich 50 bis 69 Metern pro Sekunde. Nach Angaben eines gestern von der NHK genannten Experten handelt es sich um einen der stärksten Tornados Japans – eine Aussage die von der heutigen Meldung der jiji gestützt wird, gab es doch bislang lediglich drei Tornados, die mit einer Einstufung von F3 genau einen Level über dem Tsunami vom Wochenende lagen.

Nach Anforderung von Masaru Hashimoto, Gouverneur der Präfektur Ibaraki, sind auch Einheiten der Selbstverteidigungsstreitkräfte bei der Katastrophenhilfe im Einsatz.

In den Städten Chikusei und Tsukuba (beide Präf. Ibaraki) zerstörten die heftigen Winde Fenster und deckten Dächer ab, etwa 240 Häuser wurden so zerstört. Zudem gab es nach Angaben der Präfektur in Tsukuba und Shimotsuma zu Stromausfällen. Bis zu 21.000 Haushalte dort waren ohne Strom, so der Energiekonzern TEPCO.

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