Japan aktuell: Radioaktives Cäsium erreicht weite Landesteile Japans

Japan aktuell: Radioaktives Cäsium erreicht weite Landesteile Japans

2463
0
TEILEN
Karte Zentraljapans (Grafik: Daniel Julie cc-by)
Fukushima: Cäsium breitet sich landesweit aus

Karte Zentraljapans (Grafik: Daniel Julie cc-by)
Fukushima: Cäsium breitet sich landesweit aus

Die neue Woche beginnt mit vielseitigen Informationen aus Japan. Neben der Meldung aktueller Fukushima News sind auch weitere Informationen zur Lage der Menschen, die mit den Folgen der Naturkatastrophe leben müssen, in der japanischen Presse verfügbar.

Das zudem Japan nach wie vor tektonisch alles andere als ruhig ist, zeigt ein erneutes Erdbeben. Mehr zu dem was in Fukushima aktuell geschieht, sowie den übrigen Themen heute im Spreadnews Japan-Ticker vom 21. November 2011.

Radioaktives Cäsium erreicht weite Landesteile Japans: Das Wissenschaftsministerium hat die neuste Version ihrer Cäsium-Kontaminationskarte veröffentlicht und kommt dabei zu dem Schluss, dass mehr als 30.000 Quadratkilometer mit radioaktivem Cäsium aus dem AKW Fukushima Daiichi kontaminiert wurden. Das entspricht acht Prozent von Japans Landfläche.

Das betroffene Gebiet überspannt 13 Präfekturen und weist Angaben des Wissenschaftsministeriums zufolge insgesamt eine Belastung von mehr als 10.000 Becquerel an Cäsium-134 und Cäsium-137 pro Quadratmeter auf. Das Ministerium untersuchte auch die Intervalle in denen sich das Cäsium schrittweise verbreitet und stellte dabei insgesamt vier Routen fest, über die sich das Cäsium zwischen dem 14. und dem 22. März verbreitet hatte.

Interessant ist auch die Beobachtung, dass sich die Menge an freigesetztem radioaktiven Material zwischen dem 20. und 23. März erhöht hatte –  ein Grund hierfür sei jedoch nicht bekannt.

Stadt verzichtet auf Strom von TEPCO: Während über die Zukunft der Atomenergie in Japan diskutiert wird, werden, hat die Stadt Kunitachi (Präf. Tokyo) nun eigene Maßnahmen ergriffen und sich bei der Stromversorgung öffentlicher Einrichtungen wie Rathaus, Schulen etc vom Energiekonzern TEPCO getrennt. Neuer Versorger ist nun das kleinere Unternehmen „Ennet“, das von der Tokyo Gas Company gegründet wurde und seinen Sitz im Tokyoter Bezirk Minato hat.

Unter dem Eindruck der Katastrophe an TEPCOs Atomkraftwerk Fukushima Daiichi, beschloss die Stadt Kunitachi im September durch eine Ausschreibung einen anderen Elektrizitätsanbieter zu finden. Eine entsprechende Ausschreibung im Oktober erfolgte jedoch nur an Unternehmen, welche die von der Stadt aufgestellten Kriterien für den Umwelteinfluss, wie etwa den Ausstoß von Treibhausgasen erfüllt hatten. In einem Vergleich von vier Energieanbietern legte „Ennet“ das beste Angebot vor.

Die jährlichen Einsparungen durch diesen Schritt werden auf annähernd 1.500.000 Yen geschätzt. Der Vertrag soll vom November bis zum Oktober kommenden Jahres laufen. Das melden die MSN Sankei News.

Erdbeben in Präfektur Hiroshima:  Gegen 19:16 Uhr Ortstzeit ereignete sich ein Erdbeben der Stärke 5,4. Das Epizentrum befand sich nach ersten Angaben im Norden der Präfektur Hiroshima. Eine Tsunami-Warnung wurde nicht ausgesprochen. Die Polizeibehörde der Stadt Miyoshi (etwa 56.000 Einwohner), die sich in der Nähe des Epizentrums befindet, meldete zunächst keine Schäden. Später wurde die Meldung erweitert. Nun hiess es, es habe einige Schäden gegeben.

Letztes Urteil in den Prozessen gegen Giftgas-Sekte:
Wie zu erwarten war, hat der oberste Gerichtshof auch im Prozess gegen Seiichi Endo, früheres Mitglied der Sekte Ōmu Shinrikyō eine Revision abgelehnt. Mit der Bestätigung  der Todesstrafe gegen Endo findet eine 16 Jahre andauernde Folge von Prozessen ein Ende – auch wenn noch längst nicht alle Frage endgültig geklärt sein sollen.

Endgültig ist jedoch das Urteil für den 51 Jahre alten Veterinärmediziner und Virologen, dem vorgeworfen wird, wesentliche Mitschuld an den Toten und Verletzten der Gasangriffe in Nagano und auf das U-Bahnnetz von Tokyo im Jahr 1995 zu haben. Als Mitglied der Gruppierung war er für die Herstellung des Kampfstoffes verantwortlich.

Die Verteidigung hatte argumentiert, er habe  so stark unter Kontrolle der Sekte gestanden, dass ihm nicht bewusst geworden sei, wofür das unter seiner Leitung hergestellte Sarin verwendet werden würde. Bei Seiichi Endo handelt es sich um das 189. verurteilte Mitglied der Sekte und den 13. Täter, der zum Tode verurteilt wird. Bislang wurde jedoch keiner der Verurteilten hingerichtet, da die Vollstreckung der Todesstrafe nur nach abgeschlossener Verurteilung aller Komplizen zulässig ist.

Überlebende und Angehörige der verstorbenen Sektenopfer verfolgten den Prozess. Aktivisten einer Unterstützergruppe für Angehörige waren anwesend und mahnten, auch heute könnten die, unter dem Begriff Shinshukyo gesammelten neuen religiösen Bewegungen ahnungslose Mitglieder indoktrinieren. Der Sprecher der Unterstützergruppe Hiroyuki Nagaoka, war selbst einem Angriff der Sekte ausgesetzt gewesen. Mitglieder hatten ihn während seiner Versuche, Familienmitglieder aus der Sekte zu retten, mit dem Kampfstoff VX besprüht.

Unter den Zuschauern befand sich zudem Hiroshi Araki, Sprecher der Sekten-Nachfolgeorganisation Aleph. Er erklärte, das Schweigen des früheren Sektenführers Shoko Asahara (ein selbst gewählter Alias des Chizuo Matsumoto) während der gesamten Prozesse sei bedauerlich und verhindere, dass die gesamte Wahrheit aufgedeckt würde, seine Organisation werde die Opfer weiterhin entschädgen.

Allerdings sollte dabei nicht außer Acht gelassen werden, dass die Anhänger von Aleph (wie sich die Sekte seit 2000 nennt) den zum Tode verurteilten Guru Asahara/Matsumoto immer noch gottähnlich verehren, indem sie Bilder von ihm auf Altäre stellen und sich Videos von seinen Reden anhören. Auch eine Abspaltung von Aleph Namens „Hikari no Wa“ distanziert sich zwar offiziell von ihm, wendet aber offenbar noch seine Methoden an.

Beide Gruppierungen werden vom Geheimdienst und der Nationalen Polizeibehörde überwacht. Das dies in der Tat erforderlich ist zeigt ein Fall aus dem Jahr 2000. Damals war eine Zelle der  Ōmu Shinrikyō in Russland ausgehoben worden, die Waffen, möglicherweise zur Befreiung Matsumotos, gesammelt hatte. Aleph distanzierte sich von dieser Gruppe.

Voraussetzungen für Wohnungsbezug für Überlebende gelockert: Japans Ministerium für Land und Infrastruktur hat sich dazu entschlossen, Bedingungen für die Mieter von Sozialwohnungen zu lockern, um mehr Überlebende der Naturkatastrophen vom 11. März 2011 unterbringen zu können.

Das Ministerium wird Sozialwohnungen anmieten und jenen Überlebenden zur Verfügung stellen, deren Häuser zwar selbst nur teilweise beschädigt wurden, aber mittlerweile als nicht mehr reparierbar angesehen und daher abgerissen werden müssen. Bislang war dies lediglich für Personen möglich, deren Häuser vollständig zerstört wurden.

Die Präfekturen und lokalen Verwaltungen wollen Überlebenden, die es sich nicht leisten können ihre beschädigten Häuser selbst zu reparieren, durch den Bau von Sozialwohnungen helfen. Für diese bietet die Regierung Fördermittel an und auch die Mieten werden vergleichsweise niedrig sein.

Auch die Regelung über den Zeitraum, bevor eine Sozialwohnung gekauft werden kann, soll vorraussichtlich verkürzt werden. Personen wird es demnach möglich sein ein Holzhaus zu erstehen, nachdem sie fünf Jahre darin gewohnt haben, anstatt wie bislang siebeneinhalb Jahre.

Feuersichere Gebäude werden künftig ab elfeinhalb Jahren zu erwerben sein –  bislang musste das Gebäude mindestens siebzehneinhalb Jahre lang bewohnt werden. Insgesamt sollen in der Präfektur Miyagi schätzungsweise 12.000 und in der Präfektur Iwate bis zu 5.000 Einheiten verfügbar werden.

Die Verwaltung der Präfektur Fukushima muss zunächst noch über die die Gesamtzahl entscheiden. Bis zum März nächsten Jahres will die Stadt Soma jedoch bereits 12 Einheiten fertig haben und wären damit die Ersten in den betroffenen Gebieten. Das berichtet die NHK.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT