Start Aktuelles Japan aktuell: Radioaktives Cäsium im Schlamm der Bucht von Tokyo steigt an

Japan aktuell: Radioaktives Cäsium im Schlamm der Bucht von Tokyo steigt an

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Tokyo-Bucht mit Rainbow Bridge (Foto: bisku cc by-nd)
Hohe Cäsiumwerte im Schlamm der Bucht von Tokyo (Foto: bisku cc by-nd)
Tokyo-Bucht mit Rainbow Bridge (Foto: bisku cc by-nd)
Hohe Cäsiumwerte im Schlamm der Bucht von Tokyo (Foto: bisku cc by-nd)

Die Bucht von Tokyo hat mit den Folgen der Katastrophe am AKW Fukushima aktuell immer noch zu kämpfen, wie neue Untersuchungen jetzt belegen.

Die Vielseitigkeit der heutigen Meldungen zum Thema zeigt, dass sich Fukushima News nicht ausschließlich auf die Situation am Kraftwerk selbst beziehen, zumal von dort bislang keine weiteren Wasserlecks oder vergleichbar große Pannen gemeldet werden.

Doch neben den Fukushima News gibt es auch heute sonstige Nachrichten aus Japan und wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 16. Mai 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Radioaktives Cäsium im Schlamm der Bucht von Tokyo gestiegen
  • Kitakyushu  übernimmt versuchsweise Verbrennung von Katastrophentrümmern
  • Vereinfachte Tsunami-Warnungen ab 2013
  • Selbstverteidigungsstreitkräfte präsentieren strahlungssicheres Fahrzeug
  • Fukushima-Kinder in Minamisoma-Klinik mehrheitlich unter Grenzwert
  • Jährliche Lüftung der Atombombenopfer-Listen in Hiroshima
  • Japan will bis August 260 Wale jagen

Radioaktives Cäsium im Schlamm der Bucht von Tokyo gestiegen: Wissenschaftler der Kinki-Universität unter der Leitung von Professor Hideo Yamazaki sind beim Vergleich von Proben zu dem Schluss gekommen, dass der Anteil an radioaktivem Cäsium im Schlamm der Bucht von Tokyo um das 1,5 bis 13-fache des Wertes gestiegen ist, der im August vergangenen Jahres gemessen worden war. Das ist das Fazit eines Artikels der Yomiuri Shimbun.

Watt in der Bucht von Tokyo: Kaneda-Strand der Stadt Kizarazu (Foto: pd)
Watt in der Bucht von Tokyo (Foto: pd)

Die diesjährigen Schlammproben waren am 2. April 2012 an drei Orten in der Bucht entnommen worden, darunter auch eine Stelle in der Nähe der Flussmündung des Arakawa. Die aus einer Schicht von einem Meter Tiefe entnommenen Proben wiesen eine Belastung zwischen 7.305 und 27.213 Becquerel pro Quadratmeter auf. Bei ähnlichen Untersuchungen am 20. August letzten Jahres, lagen die Werte noch zwischen 578 und 18.242 Becquerel pro Quadratmeter.

Proben aus einer sechs Zentimeter messenden Schlammschicht enthielten 321 bis 397 Becquerel pro Kilogramm. Im Jahr 2011 hatten die zuvor gemessenen Werte nach 75 bis 320 Becquerel pro Kilogramm betragen.

Als Ursache der Kontamination sieht man Flüsse an, in deren Schlamm sich nach der Fukushima-Katastrophe das radioaktive Cäsium angesammelt habe, bevor der Schlamm dann schrittweise in die Bucht von Tokyo gelangt sei.

Kitakyushu  übernimmt versuchsweise Verbrennung von Katastrophentrümmern:  Nachdem die Gemeindeversammlung im März einstimmig für die Übernahme von Katastrophentrümmern gestimmt hatte, gab der Bürgermeister von Kitakyushu auf einer ordentlichen Pressekonferenz bekannt, seine Stadt werde zunächst 80 Tonnen an Abfällen aus der Präfektur Iwate verbrennen und entsorgen.

Bürgermeister Kenji Kitahashi erklärte, die Trümmer, welche eine Belastung von radioaktivem Cäsium unterhalb von 100 Becquerel pro Kilogramm aufwiesen, würden hauptsächlich mit Lastwagen von Ishinomaki (Präf. Miyagi) aus nach Kitakyushu geliefert werden.

Sollte die Sicherheit der Verbrennung als sicher bestätigt werden, was durch eine Untersuchung der Radioaktivität in Verbrennungsanlage, Asche und Umgebungsradioaktivität in der Luft festgestellt werden soll, will die Stadt jährlich eine Menge von 39.500 Tonnen Katastrophentrümmer zur Verbrennung übernehmen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Vereinfachte Tsunami-Warnungen ab 2013: Über die Pläne, Skala und Bezeichnungen innerhalb der Katastrophenmeldungen zu vereinfachen, um sie für den Bürger besser verständlich zu machen, wurde bereits berichtet. Jetzt kündigt die japanische Wetterbehörde den Start eines neuen Tsunami-Warnsystems für den März 2013 an.

Demnach werden unmittelbar nach Erdbeben deren Stärke über 8,0 auf der nach oben offenen Richterskala liegt, der erwartete Tsunami als „groß“ oder „riesig“ bezeichnet, anstatt genaue Zahlen zur erwarteten Höhe der Wellen zu nennen. Auch über die Höhe der ersten eintreffenden Wellen werde es keine Zahlenangaben mehr geben, da vermeintlich niedrige Zahlen ein falsches Gefühl der Sicherheit vermitteln würden, heisst es in der Meldung der Nachrichtenagentur jiji.

Das Gleichgültigkeit gegenüber scheinbar geringen  Höhen tödliche Folgen zeigen kann, zeigt das Tohoku-Erdbeben vom März 2011. Damals waren drei Minuten nach dem Erdbeben Tsunami-Warnungen, für die Präfekturen Iwate und Fukushima ausgegeben worden, bei denen eine geschätzte Höhe von drei Metern prognostiziert worden war, was viele Anwohner dazu veranlasst haben könnte, die Warnung wenig ernst zu nehmen.

Selbstverteidigungsstreitkräfte präsentieren strahlungssicheres Fahrzeug: Die Bodentruppen der SDF stellten am heutigen Mittwoch auf dem Stützpunkt in der Stadt Saitama den Medien ein neuartiges Fahrzeug vor, das neben der Abwehr von biologischen und chemischen Waffen auch Schutz vor Radioaktivität bietet.

Der Berichterstattung der NHK zufolge erläuterten Vertreter der SDF die verschiedenen Funktionen des Gefährts, darunter auch einen Luftfilter. Der Fahrzeugführer kann durch Nutzung der Sensoren des Fahrzeugs Daten über Kampfstoffe und Umweltdaten,wie beispielsweise Bakterien, Giftgase und Radioaktivität erhalten.

Das Fahrzeug, dessen Kosten voraussichtlich 9 Millionen US-Dollar betragen werden, unterscheidet sich von den während der Fukushima-Krise eingesetzten Geräten durch die sofortige Übertragung gesammelter Daten, die eine schnellere Einschätzung der Lage und einen effektiveren Dekontaminationsplan ermöglicht. Die Bodentruppen planen die Aufstellung einiger Dutzend Fahrzeuge im ganzen Land. Bislang werden drei genutzt.

Fukushima-Kinder in Minamisoma-Klinik mehrheitlich unter Grenzwert: Bei Halbjahresuntersuchungen an einem Krankenhaus in Minamisoma (Präf. Fukushima) die bis Ende März andauerten und deren Ergebnisse am gestrigen Montag  veröffentlicht worden waren, weist eine absolute Mehrheit von 99,2 Prozent der 1.688 getesteten Schulkinder eine Belastung mit radioaktivem Cäsium unterhalb des Minimalwerts auf. Bei den Schülern im Realschulalter betrug die Zahl 90,1 Prozent.

Im Oktober vergangenen Jahres hatten die Werte der Kinder unterhalb des Minimalwerts bei 67,7 und 31,1 Prozent gelegen.

Insgesamt waren 9.502 Personen getestet worden. Neben 7.814 Erwachsenen zählten auch die 1.688 Kinder hierzu. Für eine Person von 60 Kilogramm Gewicht  liegt der Minimalwert zum „Nachweis“ bei vier Becquerel pro Kilogramm.

Unter den Erwachsenen lagen 5.229 genau auf, oder unter dem Minimalwert. Die höchste zwischen Januar und März gemessene Belastung bei Erwachsenen betrug 25,3 Becquerel pro Kilogramm. Bei den Kindern lagen 1.439 Personen auf oder unter dem Minimalwert. Die höchste, zwischen Januar und März gemessene Belastung  bei Kindern betrug 13,2 Becquerel pro Kilogramm.

Bei 114 Erwachsenen und 67 Kindern wurden vergleichsweise hohe Werte nachgewiesen und diese daher drei Monate später erneut getestet. In diesem Zeitrum zeigten 112 der Erwachsenen und alle der Kinder verringerte Werte an. Lediglich bei zwei Männern im Alter von 60 Jahren oder höher, war ein leichter Anstieg verzeichnet worden. Wie diese Zahlen genau aussehen, dazu machte der Artikel der Mainichi Shimbun keine Angaben.

Sofern keine zusätzliche äußere Belastung vorliegt, halbiert sich schätzungsweise die Menge an radioaktivem Cäsium im Körper eines erwachsenen Menschen im Rahmen zwischen drei bis vier Monaten.

Interessanterweise gab es jedoch bei zehn Prozent der erneut getesteten Erwachsenen keine Verringerung der Belastung innerhalb dieses Zeitraums. Über die Ursache könne man keine gesicherten Angaben machen. Eine Aufnahme durch kontaminierte Nahrungsmittel aus ungetesteten Privatgärten gilt jedoch als am wahrscheinlichsten.

Jährliche Lüftung der Atombombenopfer-Listen in Hiroshima: Im Friedenspark von Hiroshima, in dem verschiedene Denkmäler an den Abwurf der ersten Atombombe am 6. August 1945 erinnern, befindet sich auch ein Kenotaph, in dem die Namenslisten der Atombombenopfer enthalten sind.

Der Kenotaph in Hiroshima (Foto: pd)
Der Kenotaph im Friedenspark von Hiroshima (Foto: pd)

Diese seit dem Bau des Kenotaphs 1952 zusammengestellten Bücher werden jährlich aus dem Denkmal entnommen, um durch Trocknung an der Luft mögliche Feuchtigkeitsschäden während der anstehenden Regenzeit zu verhindern.

Am heutigen Mittwoch wurden die insgesamt 101 Bücher, in denen die Namen von insgesamt 275.230 Opfern verzeichnet sind, ins Freie gebracht.

Nach einem Gedenkmoment um 8:15 Uhr, dem Zeitpunkt des Abwurfs, knieten sich die Verantwortlichen nieder, um jede einzelne Seiten auf mögliche Schäden zu untersuchen – darunter auch drei neue Bücher mit 5.785 Namen, die erst im vergangenen Jahr neu hinzugekommen waren.

Neben den 99 Büchern mit den Namen der Opfer von Hiroshima wurden auch zwei weitere Bücher gelüftet. Bei einem handelt es sich um ein Dokument, in dem die Namen von neun Opfern des Atombombenabwurfs von Nagasaki am 9. August 1945 enthalten sind. Deren Angehörige hatten darum gebeten, die Namen in dem Monument aufzubewahren. Das letzte Buch enthält statt Namen einen einzigen Satz: „Die Vielzahl jener, deren Namen unbekannt bleiben„.

Sowohl die Kyodo, als auch die Asahi Shimbun berichteten über das Ereignis, dem sich eine Zusammenstellung einer vollständigen Liste von Todesfällen, die am 6. August vergangenen Jahres oder später als Atombombenopfer bestätigt wurden, anschließen soll. Mit dieser Sammlung soll Mitte Juni begonnen werden und die vollständige Liste anlässlich der Gedenkfeierlichkeiten anlässlich des 67. Jahrestags des Atombombenabwurfs eingeweiht werden.

Japan will bis August 260 Wale jagen: Nachdem die Festnahme von Paul Watson, Gründer der radikalen Umweltschutzorganisation Sea Shepherd, der von Costa Rica per internationalem Haftbefehl durch Interpol auch in die Massenmedien gelangte, geht es vermutlich nun Vielen primär darum, seine Freilassung zu erwirken.

Unterdessen sollen noch im Verlauf dieser Woche drei Schiffe von Japan aus in den Nordwest-Pazifik aufbrechen, deren Mission darin besteht, bis Anfang August insgesamt 260 Wale zu fangen – zu Forschungszwecken, wie die japanische Fischereibehörde am gestrigen Dienstag betonte.

Das japanische Walforschungsinstitut plant im Rahmen des 19. jährlichen Walfangprogramms den Fang von 100 Zwergwalen, 100 Seiwalen, 50 Brydewalen und 10 Pottwalen. Dies dient nach Angaben des Institus der Erforschung ihrer Ernährung, ihrer Größe – und dem Verkauf des Fleisches mit dem man Gelder für die Forschung erzielen wolle.

Im Gegensatz zum Walfang in der Antarktis, die auch in diesem Jahr von Sea Shepherd empfindlich gestört worden war, gab es bislang keine derartigen Vorfälle im nordwestlichen Pazifik, der räumlich näher an Japan liegt.

3 KOMMENTARE

  1. Es ist schon erstaunlich, daß Japan genau jetzt, wo unter mehr als fraglichen Umständen der Leiter der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd in Deutschland verhaftet wurde, erneut zum Wahlfang ausrückt.
    Es ist eine Schande für ein so zivilisiertes Land wie Japan, immernoch unter dem Vorwand der „Forschung“ diese majestätischen und bedrohten Tiere auf brutale Art abzuschlachten und das quecksilberbelastete Fleisch seiner eigenen Bevölkerung zum Verkauf anzubieten.

  2. Japan steht schon lange wegen seiner barbarischen Walfangpraxis in der Kritik. Gefangen werden auch Tiere die vom Aussterben bedroht sind wie z.B. Finwale. Finwale sind die zweitgrößten Tiere auf unserem Planeten. Die Begründung für die Jagd ist “wissenschaftliche Forschung”, aber es ist ein offenes Geheimnis, dass mit dem Fleisch Luxusrestaurants beliefert werden. In Japan geben Feinschmecker für die Delikatesse Walfleisch viel Geld aus.
    Die Waljagd ist unnütz und ungerecht. Sobald die Wale von diesen sogenannten “Wissenschaftlern vermessen und gewogen worden sind, gehen die Schlachter ans Werk und die Wale werden zerschnitten und für den Markt verpackt. Es geht nur um Geld und nicht um Forschung.

  3. So sehr ich gegen den Walfang bin, sollte doch gesagt werden, dass laut Abkommen der Verkauf von Walfleisch .ausdrücklich gefordert wird. Man sollte also über die Komission diskutieren, nicht in erster Linie über Japan alleine.

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