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Japan aktuell: Radioaktives Cäsium in Fukushima-Grundwasser nachgewiesen

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Trefoil: Radioaktivitäts-Warnsymbol
AKW Fukushima: Strahlung an Anlagengrenze übersteigt zulässigen Wert (Grafik: pd)
Trefoil: Radioaktivitäts-Warnsymbol
Radioaktives Material in Fukushima-Grundwasser nachgewiesen (Grafik: pd)

Wenn in einem diesjährigen Umweltbericht  zwar die Wichtigkeit der Dekontamination bestätigt, aber anders als noch im Jahr zuvor, die Atomenergie nicht länger als größtes Umweltproblem bezeichnet wird, kann dies durchaus auf die Absicht von Premierminister Shinzo Abe zurückzuführen sein, der einen Neustart von Reaktoren in Japan anstrebt.

Dabei zeigen die vom AKW Fukushima aktuell veröffentlichten Informationen über radioaktive Kontamination im Grundwasser, dass es nicht notwendig ist tief zu graben, um die Risiken der Atomenergie vor Augen zu haben.

Weitere Fukushima News sowie sonstige Themen abseits der Anlage von Fukushima heute im Spreadnews Japan-Ticker vom 4. Juni 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Radioaktives Cäsium in Fukushima-Grundwasser
  • TEPCO schränkt Journalisten am AKW Fukushima ein
  • Erdbeben in Fukushima-Region
  • Finanzhilfen außerhalb der Katastrophenregion werden eingestellt
  • Wundersame Kiefer nach Anpassungen fast fertig

Radioaktives Cäsium in Fukushima-Grundwasser: Wie der Kraftwerksbetreiber TEPCO gestern bekannt gab, konnte im Grundwasser des Kraftwerks Fukushima Daiichi radioaktives Cäsium nachgewiesen. Bislang hatte der Betreiber erklärt, die Konzentration von Cäsium liege unterhalb des Nachweiswerts.

AKW Fukushima: Temporärer Lagertank für Grundwasser am 28. Februar 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Temporärer Lagertank für Grundwasser am 28. Februar 2013 (Foto: TEPCO)

Als Begründung für die bislang nicht gelungenen Nachweis führte TEPCO an, die Geräte am AKW Fukushima Daiichi hätten derartig niedrigere Werte nicht messen können.

Da die Atomaufsichtsbehörde NRA sich jedoch nicht mit den Nachweismethoden zufrieden gezeigt habe, sei die Wasserprobe vom 16. April schließlich am AKW Fukushima Daini, wo weniger Strahlung besteht, erneut getestet worden.

Bei diesem Test wurde dann die Konzentration von  0,22 Becquerel an Cäsium-134 und 0,39 Becquerel an Cäsium-137 pro Liter Grundwasser entdeckt.

TEPCO betonte ausdrücklich, es bestehe keine Gefahr für Mensch oder Umwelt, da diese Werte unter dem gesetzlichen Grenzwert von 90 Becquerel und sogar dem unternehmenseigenen Grenzwert von einem Becquerel pro Liter liegen.

Während die Entdeckung von radioaktivem Material in bislang als praktisch unbelastet eingestuftem Wasser den Widerstand gegen die geplante Verklappung von Fukushima-Grundwasser noch vergößern könnte, versucht TEPCO die Entdeckung positiv zu präsentieren: Die geringe Belastung zeige doch, wie ungefährlich das Wasser in der Tat sei.

Über den Nachweis von Radioaktivität im Fukushima-Grundwasser berichteten Kyodo und NHK.

TEPCO schränkt Journalisten am AKW Fukushima ein: Auch wenn TEPCO sich bemüht Transparenz zu demonstrieren und bereits in Kürze erneut Journalisten Zugang zum Gelände des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi gewähren will, so geht dies offenbar nicht ohne Restriktionen durch den Betreiber.

Mit der Begründung es gehe dabei um den „Schutz radioaktiven Materials“, ist Journalisten etwa die Mitnahme von Kameras ohne ausdrückliche Erlaubnis von TEPCO nicht gestattet. Zudem sind nur Standardausstattung wie Fotoapparate, Fernsehkameras und Geräte zur Audioaufzeichnung zugelassen. Das Mitführen von Taschen und Dreibeinen für Kameras ist nicht erlaubt.

Sollte weiteres technisches Gerät, wie etwa Mobiltelefone mit Kamera, mitgebracht werden, so würden diese Journalisten von der Erlaubnis zur Berichterstattung vor Ort ausgeschlossen. Kritiker werden die offizielle Begründung in Zweifel ziehen und in der Tat kann man eher davon ausgehen, das TEPCO vielmehr unkontrollierte Aufnahmen von der Anlage fürchtet.

Erdbeben in Fukushima-Region: Am heutigen Dienstag ereignete sich um 17:33 Uhr (Ortszeit) ein Erdbeben der Stärke 4,8 vor der Küste der Präfektur Fukushima. Die stärksten Erschütterungen wurden in der Region Hamadori gemessen. Dort befindet sich auch das AKW Fukushima Daiichi.

Wie die japanische Wetterbehörde meldete, wurde keine Tsunami-Warnung ausgegeben. Auch der Betreiber meldet keine Störungen an den Anlagen vor Ort.

Finanzhilfen außerhalb der Katastrophenregion werden eingestellt: Finanzmittel der Regierung, die vor allem Flüchtlingen aus den Katastrophenpräfekturen bei der Wiedereinstellung helfen und Arbeitsplätze für sie schaffen sollten, wurden mehrheitlich zweckentfremdet genutzt (Spreadnews berichtete am gestrigen Montag).

Weg durch die Trümmer des Katastrophengebiets (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Weg durch die Trümmer des Katastrophengebiets (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Nachdem die Missstände durch Medienrecherche bekannt geworden waren, wird die Regierung in Tokyo nun reagieren.

Es wird erwartet, dass das Finanzministerium und die Behörde für Wiederaufbau etwa gegen Ende Juni eine Anordnung erlassen wird, die veranlasst, finanzielle Zuwendungen nicht mehr für Arbeiten außerhalb der Katastrophenregion zu nutzen.

Allerdings werden auch die Ermittlungen, wie viel Geld genau außerhalb der Region genutzt wurde und die Ergebnisse der Untersuchung nichts an dem Umstand ändern, dass die verbliebenen Gelder zwar zumindest theoretisch von der Regierung wieder zurückgefordert werden könnten – tatsächlich jedoch ein Großteil bereits ausgegeben, oder in Verträge investiert wurde.

Neben den gestern bereits berichteten Projekten, die mit Aufbaugeldern finanziert wurden, gehören auch Ausgaben von 40 Milliarden Yen, die zum Bau von 1.900 Kilometern Straßen un Forstwegen genutzt wurden, sowie die Kosten von 100 Milliarden Yen zur Anstellung von 65.000 Personen in anderen Präfekturen, von denen jedoch nur drei Prozent Katastrophenopfer waren.

Über die Maßnahmen berichtete die Asahi Shimbun.

Wundersame Kiefer nach Anpassungen fast fertig: Ein einzelner Baum, der als einziges Exemplar eines ganzen Waldes von 70.000 Kiefern dem Tsunami standgehalten hatte, war landesweit zu einem Symbol der Hoffnung geworden.

Später war der 173 Jahre alte Baum in Rikuzentakata (Präf. Iwate) jedoch aufgrund von Salzwasserschäden an den Wurzeln gestorben und die Verwaltung begann im Septemer 2012 mit der künstlichen Konservierung der Kiefer- allerdings musste die Befestigung der künstlichen Blätter im März diesen Jahres wiederholt werden, da die Ausrichtung nicht dem Originalbaum entsprach.

Doch am  kommenden Wochenende soll die „Kibo no matsu“ („Kiefer der Hoffnung“) in endgültiger Form enthüllt werden, berichtet die Mainichi Shimbun. Die Kosten für die Rekonstruktion des Baumes waren zum großen Teil aus freiwilligen Spenden gedeckt worden.

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