Start Aktuelles Japan aktuell: Radioaktives Cäsium in Holzofen-Asche weit über Grenzwert

Japan aktuell: Radioaktives Cäsium in Holzofen-Asche weit über Grenzwert

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Minamisoma am 27. März 2011 (Foto: 麗士 cc-by)
Straße durch Minamisoma am 27. März 2011 (Foto: 麗士 cc-by)
Minamisoma am 27. März 2011 (Foto: 麗士 cc-by)
Minamisoma am 27. März 2011 (Foto: 麗士 cc-by)

Mit dem nahenden Wochenende präsentierte der Betreiber TEPCO zum AKW Fukushima aktuell Aufnahmen, die aus dem vergangenen Jahr stammen und nun der Presse zur Verfügung gestellt wurden.

Unterdessen zeigen Funde von belasteter Asche und kontaminiertem Abfall allerdings wieder einmal, dass die Auswirkungen der Krise nicht alleine auf das Gelände des  Kraftwerks beschränkt sind.

Daneben gibt es jedoch auch wie üblich nicht nur die Fukushima News sondern auch weitere Meldungen – im Spreadnews Japan-Ticker vom 24. Februar 2012.

Die Themen am heutigen Freitag:

  • Asche aus Öfen in Minamisoma über Grenzwert
  • AKW-Expertentreffen in Japan
  • Gouverneur von Fukui gegen AKW-Neustart
  • Staub aus Klärschlamm stark radioaktiv belastet
  • Regierung bittet um Kooperation für Schweigeminute
  • Letzte Notunterkünfte in Krisenpräfekturen geschlossen
  • Tenno beginnt mit Reha-Maßnahmen
  • US-Behörden gehen gegen Yakuza vor

Asche aus Öfen in Minamisoma über Grenzwert: Wie das Umweltministerium heute mitteilte, habe man in Asche, das aus Holzöfen in Minamisoma (Präf. Fukushima) stamme, radioaktives Cäsium nachgewiesen, dessen Konzentratiom den zulässigen Grenzwert um das dreißigfache übersteige.

In der Asche habe man 240.000 Becquerel pro Kilogramm gemessen. Der von der Regierung zugelassene Maximalwert für nichtkommerzielle Abfälle beträgt dagegen nur 8.000 Bequerel, so das Ministerium.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur jiji wurden auch in Kawamata Grenzwerüberschreitungen festgestellt. Hier betrugen die ermittelten Werte 163.000 Becquerel pro Kilogramm. Das verfeuerte Holz war in den Wäldern der umliegenden Berge gesammelt und zum Heizen von Bädern verwendet worden. Als Ursache für die Kontamination wird radioaktives Material aus dem AKW Fukushima Daiichi genannt.

AKW-Expertentreffen in Japan: Ein von der Regierung ernannter Ausschuss, der sich mit der Ursache der Nuklearkatastrophe am Atomkraftwerk Fukushima Daiichi befasst, begann am heutigen Freitag mit einem zweitägigen Treffen, um Ratschläge internationaler Experten zu den laufenden Untersuchungen einzuholen.

Für den Juli wird die Zusammenstellung eines Endberichts erwartet, erklärte ein Professor zu Beginn des Treffens. Insgesamt wurden fünf Experten, aus den USA, Frankreich und Korea eingeladen. Nachdem sie am gestrigen Donnerstag die Anlage besichtigt hatten, sollen nun die, auf einem 500  Seiten starken Zwischenbericht vom Dezember letzten Jahres basierenden, bislang ermittelten Erkenntnisse diskutiert werden.

Gouverneur der Präfektur Fukui gegen AKW-Neustart: Der Gouverneur der Präfektur Fukui, Issei Nishikawa hat auf einem, am Freitag begonnenen Treffen erneut seinen Standpunkt verdeutlicht, solange die Regierung keine strengeren Sicherheitsstandards einführe, werde er kein erneutes Hochfahren von Reaktoren in seiner Präfektur genehmigen. Das berichtet die NHK

Nishikawa sagte, die Regierung müsse ihre widersprüchlichen Aussagen über die Fukushima-Katastrophe korrigieren, die Notwendigkeit von Kernkraftwerken und deren Neustart begründen und die Zustimmung der Bevölkerung hierfür gewinnen.

Zunächst solle die Regierung provisorische Standards festsetzen, bei denen die bisherigen Erkenntnisse aus dem Fukushima-Unglück einfliessen müssten. Eine entscheidende Vorbedingung für den Neustart sei zudem die Durchführung strenger Tests auf Basis der neuen Standards.

Die Atomsicherheitskommission (NSC) untersucht nun die Ergebnisse der ersten Stresstests, die von der NISA für zwei Reaktoren in der Präfektur vorgelegt worden waren. Die Ergebnisse für diese, sowie 14 weitere, waren an die Regierung übermittelt worde. Eine Entscheidung über Neustarts steht jedoch noch aus. Bislang hat zudem keine der örtlichen Verwaltungen ihr Einverständnis zu einem Neustart gegeben.

Staub aus Klärschlamm stark radioaktiv belastet: Im Staub der beim Schmelzen von getrocknetem Klärschlamm auf etwa 1.200 Grad entsteht, was dessen Menge auf ein Dreißigstel des ursprünglichen Volumens reduziert, wurden in einem Klärschlammlager einer Kläranlage der Stadt Koriyama sehr hohe Werte an radioaktivem Cäsium nachgewiesen.

Der höchste gemessene Wert betrug 2,47 Millionen Becquerel pro Kilogramm Staub, während der niedrigste Wert bei 47.430 Becquerel lag. Die Gesamtmenge des Staubs beträgt 58 Tonnen. Dieser wird dann in Säcke gefüllt, welche dann in Betonbehälter gepackt werden. Diese Behälter bleiben dann auf dem Gelände der Anlage. Aus diesem Grund geht man auch davon aus, dass kein Material aus der Anlage gelangt sei, so eine Meldung der jiji.

Wie die Präfekturleitung mitteilte, sollen radioaktiv belastete Abfälle mit Werten von mindestens 100.000 Becquerel pro Kilogramm künftig in einem Übergangslager verbleiben, dass in der Präfektur gebaut werden soll.

Regierung bittet um Kooperation für 3/11 Schweigeminute: Das japanische Kabinett stimmte den Plänen der Regierung zu, Japans Bevölkerung zum Jahrestag des Tohoku-Erdbebens und des Tsunami am 11. März um die Teilnahme an einer Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer teilzunehmen zu bitten.

Regierungsgebäude, Schulen und Unternehmen sollen zudem die Nationalflagge Hinomaru auf Halbmast setzen. Stattfinden soll der Moment des Gedenkens um 14:46 Uhr Ortszeit – dem Zeitpunkt an dem sich das Erdbeben ereignete. Für denselben Tag ist eine Gedenkveranstaltung am Nationaltheater in Tokyo geplant.

Das Kabinettsbüro wird eine Botschaft von Premierminister Yoshihiko Noda auf der Webseite veröffentlichen, mit der die Öffentlichkeit um Unterstützung gebeten wird. Das berichtet die NHK.

Letzte Notunterkünfte in Krisenpräfekturen geschlossen: Nachdem im vergangenen Jahr bereits die Auffanglager und Notunterkünfte in den Präfekturen Iwate und Miyagi geschlossen worden waren, schloss am gestrigen Donnerstag auch die letzte verbliebene Notunterkunft in der Stadt Fukushima.

Man unterschied dabei zwischen primären und sekundären Notunterkünften. Erstere waren die Auffanglager wie sie nach den Naturkatastrophen in Sporthallen und Schulen eingerichtet worden waren, während es sich bei Zweiterem um Gasthäuser und Hotels handelte, in denen die Flüchtlinge vorübergehend unterkamen.

Die Präfektur Fukushima verfügte über etwa  410 primäre und 546 sekundäre Notunterkünfte. In den primären Anlagen lebten zu den Höhepunkten der Krise etwa 47.000 Personen. Diese wurden am 28. Dezember 2011 geschlossen. In den sekundären Anlagen wurde die Höchstzahl im Juni vermeldet. Zu diesem Zeitpunkt verblieben bis zu 18.000 Personen in den Hotels.

Trotz der offiziellen Schließung aller Notunterkünfte in den drei Präfekturen, dient eine frühere Schule in Kazo (Präf. Saitama) immer noch als vorübergehende Unterkunft für frühere Einwohner von Futaba (Präf. Fukushima). Das meldet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Tenno beginnt mit Rehabilitionsmaßnahmen nach Herz-OP: Mit ersten Schritten in seinem Zimmer begann am Donnerstag das Reha-Programm für den 78 Jahre alten Tenno, nachdem er sich zuvor einer Bypass-Operation unterziehen musste. Die Maßnahmen würden langsam ausgeweitet, so dass er etwa auf den Gängen der Klinik gehen könne. Das teilte das kaiserliche Hofamt mit. Währen die Gattin des Tenno, die kaiserliche Gemahlin Michiko ihrem Ehemann Blumen mitbrachte, überlege das Hofamt, auf welche Weise die Pflichten des Tenno nach dessen Entlassung aus dem Krankenhaus gemindert werden könnten.

US-Behörden gehen gegen Yakuza vor: Die als Yakuza bekannten kriminellen Organisationen in Japan, sind auch im Zusammenhang mit dem Tohoku-Erdbeben und der Fukushima-Krise ein Thema, um das sich viele Spekulationen ranken.  So wird der Yakuza vorgeworfen, Schuldner und Arbeitslose als billige Arbeitskräfte an Kraftwerksbetreiber zu vermitteln, wo diese in besonders stark verstrahlten Bereichen arbeiten sollen (Thema das Films „Nuclear Ginza“ von 1995, und eines Buchs des des japanischen Undercover-Journalisten Tomohiko Suzuki von 2011).

Andererseits präsentiert sich die Yakuza bei schweren Katastrophen gerne als Helfer der Bevölkerung. So habe die Yamaguchi-gumi etwa beim großen Hanshin-Erdbeben von Kobe 1995 für Hilfslieferungen gesorgt, noch bevor die Maßnahmen der Regierung begannen. Ähnliches soll beim Tohoku-Erdbeben 2011 geschehen sein, als die Inagawa-kai und weitere Gruppen ihre Hilfe zur verfügen stellten – diesmal jedoch, aufgrund des stärkeren Vorgehens der Polizei in den vergangen Jahren, ohne Darstellung ihrer Kennzeichen.

Doch egal welche Schilderung oder Vorstellung einem lieber ist – die US-Regierung  geht jetzt gegen die größte der  Yakuza-Gruppen, die international agierende Yamaguchi-gumi, vor. Das Finaznministerium der USA erklärte am gestrigen Donnerstag, man werde die Konten der Gruppierung und des Anführers Shinobu Tsukasa (Realname Kenichi Shinoda) , sowie dessen zweitem Mann Kiyoshi Takayama. einfrieren. Dies sei ein Teil der Bemühungen, länderübergreifende Verbrecherorganisationen vom weltweiten Finanzsystem zu isolieren.

Auch geschäftliche Transaktionen mit der Yamaguchi-gumi und ihren beiden Führungspersonen, sollen gesetzlich verboten werden. Entsprechende Meldungen fanden sich in mehreren japanischen Medien, darunter auch bei der Nachrichtenagentur jiji.