Start Aktuelles Japan aktuell: Radioaktives Erdreich nahe Schulen in Fukushima entsorgt

Japan aktuell: Radioaktives Erdreich nahe Schulen in Fukushima entsorgt

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Sugita-Grundschule in Nihonmatsu, Präf. Fukushima (Foto pd)
ugita-Grundschule in Nihonmatsu, Präf. Fukushima (Foto pd)
Sugita-Grundschule in Nihonmatsu, Präf. Fukushima (Foto pd)
Sugita-Grundschule in Nihonmatsu, Präf. Fukushima (Abb. symbolisch)

Der für April geplante Raketenstart von Nordkorea ist seit Wochen in japanischen Medien präsent. Nun könnten zumindest Trümmer der Rakete, die möglicherweise über Japan herabfallen, mit Boden-Luft-Raketen der SDF abgeschossen werden.

Den sprichwörtlichen Vogel schiessen dagegen erneut Regierung und Bürokratie ab. Neben dem Verbleib von kontaminiertem Erdreich, gibt es auch zum Wochenende noch einmal vom AKW Fukushima aktuell interessante Nachrichten. Einzelheiten zu den Fukushima News und sonstige Neuigkeiten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 30. März 2012.

Unsere Themen zum Wochenausklang:

  • Kontaminiertes Erdreich nahe Schulen entsorgt
  • Lebensgroßes Fukushima-Modell soll bei Maßnahmen helfen
  • Drei Gemeinden in Fukushima planen temporäre Ortschaften
  • Premierminister Noda empfängt Facebook-Gründer Zuckerber
  • Verzögerung neuer Kontrollbehörde behindert Stresstest-Auswertung
  • Strengere Grenzwerte für Lebensmittel und Tee sollen Verbrauchervertrauen fördern

Kontaminiertes Erdreich nahe Schulen entsorgt: Bei einem Treffen der Präfekturverwaltung Fukushima am gestrigen Donnerstag enthüllte die Regierung den Verbleib des bei Dekontaminationsarbeiten an Schulen, in Parks und anderen öffentlichen Einrichtungen angefallenen radioaktiv belasteten Erdreichs. Tatsächlich wurde das Material, das bei diesen Maßnahmen abgetragenen worden war, mit dem Stand vom 10. Februar 2012 vorübergehend an 1.513 Stellen im Gebiet von 37 örtlichen Verwaltungen gelagert – auch in der Nähe ihres ursprünglichen Ortes an dem sie entfernt worden waren.

Nach Angaben der Präfekturverwaltung befindet sich abgetragenes, radioaktiv kontaminiertes Erdreich noch an 947 Stellen, darunter Schulen und Kindergärten, 541 Parks sowie 25 weiteren Standorten, darunter Häuser und Gewerbebetriebe. Ein für die Dekontaminationsangelegenheiten zuständiger Beamter der Präfekturleitung erklärte, es habe bislang noch keine Vereinbarung mit den Einwohnern über ein Zwisschenlager gegeben.

Während die Dekontaminationsarbeiten in der Präfektur Fukushima bereits ab April gänzlich in Gang kommen werden, haben bislang lediglich 13 der 25 Ortsbehörden, die bei Untersuchungen der Kontamination als Gebiete mit Priorität eingestuft worden waren, überhaupt Übergangslagerstätten für kontaminiertes Erdreich eingerichtet.

Lebensgroßes Fukushima-Modell soll bei Maßnahmen helfen: Als Gemeinschaftsprojekt eines Gremiums der Regierung in Tokyo und der Betreiberfirma TEPCO soll ein zum Teil lebensgroßes Modell der Reaktoren des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi sowohl bei der Entwicklung von Robotern, als auch beim Entwurf zum Vorgehen bei der vollständigen Stilllegung des AKW helfen. Das berichtet die Asahi Shimbun.

Die Reaktoren 1 und 1 des AKW Fukushima
AKW Fukushima: Modellbau soll Abriss erleichtern ( Foto: TEPCO)

Der Plan wurde am 28. März 2012 vorgestellt. Neben der Entwicklung von Robotern ist in dem Plan auch die Schaffung eines neuen Zentrums zur Analyse geschmolzener Brennelemente und radioaktivem Abfall, die bei der Stillegung eine Rolle spielen werden, vorgesehen.

Sowohl die Entwicklungseinrichtung der Roboter, als auch das Analysezentrum sollen entweder direkt auf dem Gelände des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi, oder in dessen unmittelbarer Nähe errichtet werden.

In jedem der Reaktoren existiert ein rettungsringartiger Torus und Experten vermuten, dass Wasser, das zur Kühlung des Reaktorkerns diente, durch diesen Bereich in anderen Teile des Reaktorgebäudes dringt. Um den Austritt von weiterem radioaktivem Wasser zu verhindern, müssen die entsprechenden Lecks gefunden und geschlossen werden. Durch das hohe Strahlungsniveau ist der Einsatz menschlicher Arbeitskräfte nicht überall möglich, weshalb die Roboterentwicklung eine besondere Rolle spielt.

Die Mitglieder des Gremiums wurden darüber informiert, dass seit den Kernschmelzen der Reaktoren 1 bis 3 täglich 10 Millionen Becquerel an radioaktiven Substanzen in die Umwelt freigesetzt werden – was zwar im Vergleich zum Vormonat keine Änderung darstellt, jedoch sieben mal geringer ist, als die im Januar gemessene Ausstoßrate.

Drei Gemeinden in Fukushima planen temporäre Ortschaften: Gestern berichteten wir über die Bestrebungen der Leitung der Stadt Okuma, diese vollständig zur langfristig unbewohnbaren Zone erklären zu lassen. Wie ein Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo vom heutigen Freitag zeigt, handelt es sich jedoch nicht um die einzige Gemeinde mit derartigen Absichten.In einem Interview mit der Nachrichtenagentur erklärten die Bürgermeister der Orte Namie, Omura und Futaba ihre Absicht, die Gemeinden vorübergehend an anderer Stelle wieder aufzubauen.

Bislang hatte es lediglich die Verlagerung von Ortsverwaltungen an temporäre Standorte. Alle drei Ortschaften werden voraussichtlich im Rahmen des Zonenmodells der Regierung als langfristig nicht bewohnbar eingestuft.

  • Tamotsu Baba, Bürgermeister von Namie plant den Bau vorübergehender Gemeinden der evakuierten Einwohner seiner Kleinstadt an drei Standorten – darunter auch in Iwaki, südlich von Namie und nach Nihonmatsu, wo sich die Verwaltung von Namie niedergelassen hat.
  • Toshitsuna Watanabe, Bürgermeister von Okuma deutete einen Plan an, eine zeitweise Gemeinde von Flüchtlingen aus Okuma zu gründen. Auch er zieht dafür Iwaki in Betracht, da viele hofften, in den Genuss des dortigen milden Klimas zu gelangen.
  • Katsutaka Idogawa, Bürgermeister von Futaba erklärte, die Stadt werde vielleicht nicht wieder aufgebaut, wenn es nur Teilen des Einwohner erlaubt sein werde dorthin zurückzukehren. Aus diesem Grund werde man versuchen, die Flüchtlinge aus Futaba in eine neue, temporären Ortschaft umzusiedeln.

Andere Städte und Ortsverwaltungen wollen zu weniger drastischen Mitteln greifen. Takashi Kusano, Bürgermeister von Naraha zieht eine Eingliederung in angrenzende Gemeinden in Betracht. Naraha sowie andere Orte mit geringerer Strahlungsbelastung könnten zudem Hilfestellungen für jene Personen bieten, deren Rückkehr schwierig ist.

Der Bürgermeister des Ortes Katsurao, Masahide Matsumoto beabsichtigt die Häuser für alle Einwohner in sicheren Bereichen der Ortschaft zu verlagern, die an das Sperrgebiet lediglich angrenzen.

Lediglich Michio Furukawa, Bürgermeister von Kawamata vertraut auf die Dekontaminationsmaßnahmen und plant, alle geflüchteten Einwohner wieder in ihre ursprünglichen Häuser zurückkehren zu lassen. Hierfür sei jedoch eine gründliche, durch die Regierung in Tokyo durchgeführte Dekontamination als Voraussetzung nötig.

Premierminister Noda empfängt Facebook-Gründer Zuckerberg: Japans Premierminister Yoshihiko Noda traf sich am Donnerstag mit Mark Zuckerberg, Vorstandsvorsitzender des weltweit größten sozialen Netzwerks Facebook. Noda erklärte, es sei ein ungewöhnliches Gefühl ihn zu treffen, habe er doch den Film „The Social Network“ gesehen, der eine unvorteilhafte Biographie Zuckerbergs präsentiert. Zuckerberg tat dies mit einem scherzhaften Kommentar ab.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg 2005 (Foto: Elaine und Priscilla Chan cc-by)
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg (Foto: Elaine und Priscilla Chan cc-by)

Premierminister Noda dankte für die Unterstützung, die Facebook während der Krise als Kommunikationsmittel geleistet habe. Das soziale Netzwerk war zuvor aufgrund starker lokaler Konkurrenz in Japan nur mäßig erfolgreich, hatte jedoch nach dem Tohoku-Erdbeben und dessen Folgen an Popularität gewonnen. Als besondere kulturelle Eigenheit, ist es in der japanischen Version möglich, seine Blutgruppe anzugeben, da diese, ähnlich wie Sternzeichen, Auskunft über den Charakter einer Person geben könnten.

Zuckerberg habe erklärt, er sei glaube, Facebook könne in Katastrophenfällen dafür sorgen, das Menschen in Verbindung blieben und mit wichtigen Informationen versorgt würden. Im Februar 2012 hatte das Netzwerk ein „Disaster Message Board“ in Japan gestartet, auf dessen Pinwand die Nutzer beschreiben könnten, wie es ihnen während derartiger Katastrophen ergehe und dort nach Freunden suchen. Das Unternehmen überlege, den Dienst auch in anderen Ländern anzubieten. Dies berichtet etwa die Asahi Shimbun.

Verzögerung neuer Kontrollbehörde behindert Stresstest-Auswertung: Ursprünglich sollte eine neue Atomsicherheitsbehörde, die sich aus den bisherigen Instanzen der Atomenergiesicherheitsbehörde (NISA) und der Atomsicherheitskommission (NSC) unter dem Dach des Wissenschaftsministeriums bilden sollte, zum 1. April 2012 die Arbeit aufnehmen. Doch Uneinigkeiten verzögern dies nun und könnte damit auch die Auswertung von Stresstests verzögern.

Denn während die Umverteilung des für die neue Behörde vorgesehenen Budgets an die NISA und weitere Instanzen um deren Handlungsfähigkeit zu erhalten nur ein finanzieller Faktor ist, geht es bei der NSC um deren Existenz.

Die Kommission sollte zum 1. April aufgelöst werden – damit würde jedoch jene Instanz fehlen, die Einschätzungen der NISA über die Korrektheit von AKW-Stresstests vor deren Weiterleitung an die Regierung, vornimmt. Haruki Madarame, Vorsitzender der NSC kritisierte jedoch, es sei unverantwortlich Dinge zu diskutieren, wenn man nicht wisse, wie lange die Kommission überhaupt noch existiere.

Während die Amtszeit von Madarame und eines weiteren Mitglieds am 16. April endet, ist den Angestellten der NSC unklar, wie es nach dem 2. April 2012 für sie weitergehen wird, so die Mainichi Shimbun.

Nach Meldung der NHK zeigte sich Goshi Hosono, Minister für Atomkrisenmanagement enttäuscht über die Verzögerung, da die Verbesserung der Sicherheit von Atomenergie ein starkes Anliegen der Bevölkerung sei und auch die internationale Gemeinschaft Japans Schritte genau beobachte.  Seiner Aussage nach, werden die beiden Behörden weiterarbeiten, bis die neue Kontrolllinstanz geschaffen sei.

Strengere Grenzwerte für Lebensmittel und Tee sollen Verbrauchervertrauen fördern:  Die Einführung neuer Lebensmittelgrenzwerte am 1. April 2012 wird von Landwirten und Fischereibetrieben als Möglichkeit gesehen, das Vertrauen der Verbraucher wieder zu gewinnen. Das berichtet die Mainichi Shimbun.

Ein Sprecher der Vertretung des Ministeriums für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei in der Präfektur Fukushima erklärte, es handele sich um einen weiteren Schritt in  Richtung Sicherheit, man wolle weiterhin Testergebnisse liefern, so dass die Verbrauer wieder den Produkten vertrauen könnten.

So werde man etwa auch bei Gemüsen nun für jede fünf Hektar eine Stichprobe zur Kontrolle heranziehen, anstatt der bislang stattfindenden Probe aller 20 Hektar. Zudem werden die Landwirte die Obst und Gemüse anbieten von der Präfekturverwaltung dazu angehalten, selbst Tests ihrer Produkte durchzuführen. Die Verwaltung stellt jetzt vor Sommerbeginn und dem damit verbundenen Lieferhoch bei landwirtschaftlichen Kooperativen und anderen Stellen insgesamt 120 Testgeräte zur Verfügung.

Neuerungen beim Fischfang

Suzuki - Japanischer Barsch (Foto: 記者Occ-by-nd)
Barsch (Foto: 記者Occ-by-nd)

Auch die örtliche Fischerei ist von den neuen Regelungen betroffen. Von Überrschreitungen des bisherigen provisorischen Grenzwert von 500 Becquerel pro Kilogramm waren zwischen Januar und März 2012 ingesamt 14 der 111 Fischsorten betroffen. Aufgrund des neuen Sicherheitsstandards dürften etwa vermutlich 30 Prozent der gefangenen Fische nicht in den Verkehr gebracht werden.

In anderen Präfekturen hatte man bereits zuvor auf eine strengere Regelung gesetzt. So kündigte etwa mit der eine Organisation der Fischereiverbände am 15. März 2012 eigene Bestimmungen an, die schärfer als die Regierungsvorgaben sind. Die Regelung, die am 27. März in Kraft trat, umfasst eine Aufteilung der Küstengebiete in drei Fischereizonen und betrifft neun Fischarten. Sollte bei Fisch in einer der Zonen der Grenzwert von 50 Becquerel überschritten werden, so werde man dieses Fisch nicht in Umlauf bringen.

Neue Bestimmungen für Tee

Matcha: Teeschale mit Pulvertee (Foto: pd)
Matcha: Grüner Tee (Foto: pd)

Die Regierung in Tokyo überarbeitet auch die Vorgaben für die Kontrollen von Tee. Bislang wurden lediglich getrocknete Teeblätter getestet, doch ab April werde man auch trinkfertigen Tee kontrollieren und mit einem Grenzwert von 10 Becquerel pro Kilogramm überwachen.

Im Vorjahr war in noch nicht verarbeitetem Tee aus der Präfektur Shizuoka, die zu den größten Teeanbaugebieten des Landes zielt, zwar Überschreitungen des behelfsmäßigen Grenzwerts an Cäsiumfestgestellt, was zu einem freiwilligen Lieferstopp geführt hatte. Die Stadt Shizuoka hatte Teebauern dann bei einer Verbesserung des Bodens geholfen, meldet die Mainichi Shimbun. Messungen an der erste Frühlingsernte dieses Jahres hätten ergeben, dass die Belastung mit radioaktivem Cäsium über dem neuen Grenzwert fast nicht denkbar sei.

Regierung  kauft Reis über neuem Grenzwert auf

Onigiri: Reisball mit Nori-Alge. (Foto: KJ)
Onigiri: Reisball mit Nori-Alge. (Foto: KJ)

Auch die Regierung will dazu aktiv beitragen und kündigte an, den verbliebenen Reis aus der Präfektur Fukushima, der aufgrund zu starker radioaktiver Belastung über dem neuen Grenzwert von 100 Becquerel pro Kilogrammm liegen würde, vollständig aufzukaufen und zu entsorgen. Der Kauf der bis zu 37.000 metrische Tonnen Reis aus  70 Regionen in 12 Gemeinden – darunter die Städte Fukushima, Date und Nihonmatsu – wird etwa neun Milliarden Yen kosten.

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