Start Aktuelles Japan aktuell: Radioaktives Fukushima-Wasserleck mehr als zwei Jahre lang ignoriert

Japan aktuell: Radioaktives Fukushima-Wasserleck mehr als zwei Jahre lang ignoriert

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Radioaktives Wasser dringt am 2. April 2011 durch Riss (Foto: TEPC)
Radioaktives Wasser dringt am 2. April 2011 durch Riss nahe Reaktor 2 (Foto: TEPCO)
Radioaktives Wasser dringt am 2. April 2011 durch Riss (Foto: TEPC)
Radioaktives Wasser dringt am 2. April 2011 durch Riss nahe Reaktor 2 (Foto: TEPCO)

Die im Zusammenhang mit dem AKW Fukushima heute berichteten langjährigen Versäumnisse des Betreibers stellen zwar das Hauptthema dar, hohe Strahlungsfunde weit unter der Anlage zeigen jedoch das weitere Risikopotential.

Mit der Erlaubnis zur Übernachtung und der Durchführung von Strahlungstests bei Kindern, sind jedoch auch positive Meldungen in Fukushima aktuell.

Einzelheiten zu den Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 1. August 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Bekanntes Fukushima-Leck jahrelang ignoriert
  • Hohe Cäsiumfunde tief unter AKW Fukushima
  • Unwirksamkeit der Grundwasserbarrieren eingeräumt
  • Einwohner von Fukushima-Ortschaft dürfen über Nacht bleiben
  • Strahlungstests bei weiteren Fukushima-Kindern

Bekanntes Fukushima-Leck jahrelang ignoriert: Der Fukushima-Betreiber blieb offenbar mehr als zwei Jahre lang untätig, obwohl man die Schließung eines bekannten Lecks angekündigt und Sicherungsmaßnahmen geplant hatte.

Zweites Untergeschoss des Turbinengebäudes von Reaktor 3 am 19. März 2011
AKW Fukushima: Radioaktives Wasser im Untergeschoss des Turbinengebäudes von Reaktor 3 (Foto März 2011, TEPCO)

Im Kampf gegen die Katastrophe im März 2011 hatte man auch Meerwasser genutzt, das sich durch Schäden an der Reaktorstruktur im Untergeschoss des Turbinengebäudes von Reaktor 2 gelangt und der Tsunami vermutlich eine Verbindung zwischen dem Keller und einem Schacht geschaffen habe.

Gegenüber der Presse räumte ein TEPCO-Vertreter damals ein, dass durch Fugen des Schachtes möglicherweise auch radioaktives Wasser in den Boden und ins Meer gelangen könnte. Als am 2. April 2011 Wasser durch einen Wasserzulauf von Reaktor 2 tatsächlich ins Meer gelangte, hatte man vier Tage später die Öffnung verschlossen.

Während TEPCO am 17. April 2011 in einem Dokument offiziell behauptete, die Abschirmung zwischen dem Keller des Turbinengebäudes und dem Schacht sei bereits erfolgt, war die Öffnung lediglich mit Beton und Schotter notdürftig abgedichtet, und für Mai 2012 geplante Verbesserungsmassnahmen wegen technischer Schwierigkeiten verworfen worden.

TEPCO wurde erst im Juni 2013 erneut auf das Problem aufmerksam, da die Strahlungswerte in den Grundwasserproben stiegen.

Am 19. Juli 2013 kamen die Experten von TEPCO zu dem Schluss, dass ganz offensichtlich immer noch eine Verbindung zwischen Turbinengebäude und dem Schacht bestehe, so dass radioaktives Wasser von dort weiterhin in das Meer gelange. Der Öffentlichkeit wurde dies am 22. Juli bekannt gegeben – eine Verzögerung, die zu heftiger Kritik führte.

Die Asahi Shimbun fasst diese Entwicklung passend mit dem Fazit zusammen , man habe bei TEPCO „mehr als zwei Jahre auf den Händen gesessen“.

Hohe Cäsiumfunde tief unter AKW Fukushima: Tief unter dem Gelände des AKW Fukushima Daiichi ist der Betreiber in einer Öffnung, die für ein Kabelrohr geschaffen worden war, auf Wasser gestoßen, dessen Proben eine Cäsiumbelastung von bis zu 950 Millionen Becquerel pro Liter aufwiesen.

Das fragliche Rohr befindet sich in der Nähe eines anderen Schachtes nahe Fukushima-Reaktor 2, wo bereits zuvor hohe Werte an radioaktivem Material nachgewiesen wurden. Die Proben waren in einer Distanz von 65 Metern zur Pazifikküste und aus unterschiedlicher Tiefe – aus einem, sieben und 13 Metern – entnommen worden, berichtet die jiji.

Während die Proben aus einem Meter Tiefe 340 Millionen Becquerel und die Probe aus sieben Metern 350 Millionen Becquerel an radioaktivem Cäsium pro Liter aufwiesen, wurden die höchsten Werte an Cäsium und Betastrahlern in 13 Metern Tiefe entdeckt. Dort fanden sich neben dem 950 Millionen Becquerel an Cäsium auch 520 Becquerel an Betastrahlern, wie etwa Strontium.

Unwirksamkeit der Grundwasserbarrieren eingeräumt: Kraftwerksbetreiber TEPCO räumte auf einer gestrigen Pressekonferenz ein, dass die chemische Aushärtung des Bodens nicht den gewünschten Effekt gebracht hatte und das radioaktiv kontaminierte Wasser weiterhin ins Meer gelangt (Spreadnews berichtete am 31. Juli). Nun gibt es Einzelheiten.

AKW Fukushima: Einpumpen der Chemikalien zur Bodenhärtung am 6. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Einpumpen der Chemikalien zur Bodenhärtung am 6. Juli 2013 (Foto: TEPCO)

Man könne nicht bestreiten, dass selbst nach dem Bau des hundert Meter lange Konstrukts, bei dem nahe Fukushima-Reaktor 2 das Grundwasser durch künstlich gegossene unterirdische Barrieren von zwei bis 16 Metern Tiefe aufgehalten werden sollte, weiterhin Wasser in das Meer gelange.

Dabei fliesse es sowohl über die Barrieren, als auch an deren Enden vorbei, ins Meer.

Das Risiko, das zurückgestaute Grundwasser könne im schlimmsten Fall möglicherweise bereits Anfang August auch an die Oberfläche gelangen bestehe in der Tat, erklärte das Unternehmen, berichteten Medien, darunter die Mainichi Shimbun.

Einwohner von Fukushima-Ortschaft dürfen über Nacht bleiben: Frühere Einwohner der Stadt Tamura, die im Bezirk Miyakoji lebten, dürfen seit heute insgesamt drei Monate lang auch über Nacht in ihren alten Häusern bleiben. Diese Maßnahme ist eine Vorbereitung auf die erwartete Aufhebung der Evakuierungsanordnung und der Zeitraum könnte weiter ausgedehnt werden.

Straßensperre in der Präfektur Fukushima (Foto: Prof. Haruhiko Okumura cc-by)
Straßensperre in der Präfektur Fukushima (Foto: Prof. Haruhiko Okumura cc-by)

Dennoch hat eine Zahl von gerade einmal 112 Personen in 28 Haushalten bislang nur ein Bruchteil der 119 berechtigten Haushalte das Angebot auch wahrgenommen.

Einer der Hauptgründe, weshalb Einwohner trotz der Berechtigung nicht zurückkehren wollen ist der Umstand, dass sich nach der Evakuierung zwischenzeitlich neue Gemeinschaften gebildet haben, die nicht verlassen werden wollen.

Nach Abschluss der Dekontamination Ende Juni bleiben für frühere Betriebe der Zustand, in dem sich die Anlagen teilweise befinden ein Problem. So klagen Landwirte nicht nur über Wildwuchs, sondern auch über Tiere wie Wildschweine, die bei Neupflanzungen die Früchte ihrer Arbeit gefährden.

Einige Landwirte hoffen jedoch, bei fortschreitender Urbanisierung durch zurückkehrende Einwohner, würden sich die Wildtiere von selbst wieder aus den genutzten Gebieten entfernen.

Das Strahlungsniveau ist ausreichend niedrig und auch erste Testernten ergaben Strahlungsbelastungen von bis zu fünf Becquerel pro Kilogramm, die den menschlichen Verzehr erlauben würden. Trotzdem ist es wohl auch die Nachbarschaft zum Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, die immer noch Menschen fernhalten wird – allen Revitalisierungsplänen zum Trotz.

Über die Erlaubnis zur Übernachtung im einstigen Sperrgebiet berichteten Kyodo, jiji, Mainichi Shimbun und NHK.

Strahlungstests bei weiteren Fukushima-Kindern: Die Präfekturverwaltung von Fukushima hat damit begonnen, die inkorporierte Strahlungsbelastung von Kindern unter vier Jahren zu ermitteln, die aufgrund ihrer geringen Größe nicht mit dem üblichen Ganzkörperzählern überprüft werden konnten.

Japans Kinder (Foto: Michael Rhys cc-by)
Strahlungstests für weitere Fukushima-Kinder möglich (Foto: Michael Rhys cc-by)

Bei den heute begonnen Tests von Kindern aus insgesamt fünf Gemeinden des Evakuierungsgebiets, wurde nun ein angepasstes Gerät genutzt, dass durch einen 90 Zentimeter hohen Stuhl auch die Kontrolle von kleineren Kindern ermöglicht.

Da die Eltern vieler kleinen Kinder bislang besorgt und verärgert waren, will man die Kontrollen nun für mehr Kinder ermöglichen, berichtet die NHK.

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