Japan aktuell: Radioaktives Gestein für weitere Bauarbeiten verwendet

Japan aktuell: Radioaktives Gestein für weitere Bauarbeiten verwendet

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Karte: Stadt Nihonmatsu (Präf. Fukushima) - Grafik: pd
Karte: Lage der Stadt Nihonmatsu (Präf. Fukushima) - Grafik: pd

Karte: Stadt Nihonmatsu (Präf. Fukushima) - Grafik: pd
Karte: Lage der Stadt Nihonmatsu (Präf. Fukushima) - Grafik: pd

Der aus einem Gefängnis entflohene und mittlerweile wieder inhaftierte Chinese Li Guolin soll während seiner Flucht von einem Privathaus, sowie von einem Büroanschluss aus, etwa 40 Überseegespräche geführt haben, offenbar die meisten davon im Versuch, Familienangehörige in China zu erreichen.

Eine ähnlich lange Leitung scheint man in Japan nach wie vor im Bezug auf Atompolitik zu haben – denn neben einer aktuell möglicherweise geplanten Laufzeitverlängerung von 40 auf 60 Jahre für Japans AKW, erfuhren beispielsweise Stellen in den USA durch das japanische Außenministerium bereits am 14. März erste Details über die Ausbreitung der Radioaktivität, während die Öffentlichkeit in Japan nicht vor dem 23. März informiert wurde, wie die Kyodo gestern berichtete.

Andere Informationen, etwa darüber, was aus der Präfektur Fukushima aktuell über die Verwendung von radioaktivem Gesteinsmaterial zu Bauzwecken zu hören ist, sowie weitere Fukushima News und sonstige Nachrichten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 18. Januar 2012

Radioaktiv belastetes Felsmaterial für Wegebau und Straßenbauarbeiten genutzt: Das in einem Steinbruch innerhalb der Evakuierungszone um das AKW Fukushima Daiichi  gewonnene Gestein, ist mit radioaktivem Material belastet und wurde unter anderem als Grundlage für Kies und Fertigzement womöglich in der ganzen Präfektur Fukushima verwendet. Die Belastung war bei einem neu errichteten Wohnkomplex in der Stadt Nihonmatsu festgestellt worden. Nun versucht man Versand und Verwendung des Materials nachzuvollziehen.

Der Yomiuri Shimbun zufolge wurden insgesamt 5.280 Tonnen Material aus dem Steinbruch geliefert. Die Mehzahl davon, nämlich 3.290 Tonnen, gingen an 17 unterschiedliche Bau-Unternehmen in der Präfektur. 1.070 Tonnen erhielt eine seit letztem Sommer geschlossene Firma für Fertigzement in der Stadt Nihonmatsu, die wiederum weiterlieferte – unter anderem an das Bauprojekt in Nihonmatsu, wo die Belastung erstmals auffiel.

Die bislang festgestellten Bauprojekte, bei denen neben dem Komplex in Nihonmatsu das radioaktiv kontaminierte Gestein als Grundlage diente, handelt es sich um die Zufahrten zweier Häuser, sowie eine asphaltierte Straße –  beide in der Ortschaft Kawamata, deren Gemeindeverwaltung auch für die Anlegung der Straße verantwortlich ist.

In der Stadt Nihonmatsu selbst arbeiteten mehrere Unternehmen zusammen, die insgesamt acht Tonnen des Materials nutzten, um eine Straße vor einer Grundschule zu reparieren, da die Straße mehrere Risse durch das Tohoku-Erdbeben aufwies. Dabei sei eine Fläche von etwa 80 Quadratmeter bearbeitet worden.  Bei einem durch die Schulverwaltung am Montag veranlassten Test im Gebiet der reparierten Straße wurden Werte zwischen 0,4 und 0,5 Mikrosievert pro Stunde gemessen, was annähernd den gleichen Werten in angrenzenden Gebieten entspricht.

Die Stadtverwaltung von Nihonmatsu teilte außerdem mit, das Material aus dem Steinbruch nahe Namie sei bei Bauarbeiten an einer Bewässerungsrinne im April 2011 mit frischem Zement gemischt worden. Man gehe nun aber davon aus, dass der reparierte Bereich mit radioaktivem Cäsium kontaminiert sei, da bei Messungen an der Durchlassöffnung die Werte zwischen 1,62 und 1,97 Mikrosievert gelegen hätten – vergleichsweise hoch zu den 0,7 bis 1,0 Mikrosievert, die in angrenzenden Bereichen gemessen worden waren.

Die Bewohner von Nihonmatsu sind besorgt und fordern die Entfernung der fraglichen Teile der Fahrbahn und sogar der Betreiber eines Golfplatzes äußerte laut der Mainichi Shimbun seinen Unmut, sollten bei den Reparaturarbeiten der Wege für die Golfmobile nach dem Erdbeben Material aus Namie verwendet worden sein, könne dies die Wiedereröffnung verzögern.

Unterdessen betonten Regierung und Verwaltungen, man arbeite weiterhin daran, die Verbreitung und Nutzung von Gestein und Zement nachzuvollziehen.

Sea Shepherd Aktivisten bei Störaktion gegen Walfänger verwundet: Wieder haben die Aktivisten der militanten Umweltschutzorganisation Sea Shepherd versucht, japanische Walfänger zu behindern. Nach Angaben der japanischen Fischereibehörde fand Dienstagnacht um Mitternacht eine Attacke statt, bei der von zwei kleineren Booten aus nicht nur etwa 30 Farbflaschen auf die Daini Yushin Maru geworfen wurden, sondern auch mehrere Taue und Netze mit Messern zerschnitten worden waren.

Sea Shepherd Schiff "Steve Erwin" (Foto: Melburnian cc-by)
Aktivisten von Sea Shepherd sollen frei kommen (Foto: Melburnian cc-by)

Verletzt wurde an Bord des japanischen Schiffs niemand, berichten japanische Medien übereinstimmend, lediglich zwei Mitglieder der Mannschaft wurden durch die Farbe getroffen.

Allerdings melden die Aktivisten insgesamt drei Verletzte auf ihrer Seite. Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur jiji wurde ein Mitglied verletzt, als es von einem Bambusrohr getroffen wurde, mit dem die Japaner die kleinen Schnellboote wegstoßen wollten.  Zwei weiteren seien von den eisernen Fanghaken an Arm und Schulter getroffen wurden, mit denen die Walfänger versucht hatten, die durchtrennten Taue wieder aufzufischen.

Sea Shepherd selbst erklärt, der verletzte Amerikaner sei von der Bambusstange zweimal ins Gesicht getroffen wurden und habe Wunden über seinem rechten Auge und auf der Nase erlitten. Ein Kameramann aus Südafrika, der „Animal Planet“ angehört sowie ein französischer Fotograf erlitten Blutergüsse. Zusätzlich setzten die Walfänger Wasserkanonen ein. Die Organisation sieht diese Maßnahmen offenbar als aggressiven Akt an.

Weiterer Fukushima-Arbeiter bei Dekontamination gestorben:Am gestrigen Dienstag verstarb ein weiterer Mensch bei Dekontaminationsarbeiten in der Präfektur Fukushima, teilte die japanische Atomenergiebehörde (JAEA) mit. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Tod des 59 Jahre alten Mannes auf Strahlung zurückzuführen ist, sei sehr gering, hiess es von der Behörde.

Der Mann hatte nach eigenen Angaben an keiner chronischen Krankheit gelitten und seine gesamte Strahlungsdosis  der er seit Beginn seiner Arbeit am 20. Dezember 2011 ausgesetzt gewesen war, betrage lediglich 0,102 Millisievert.

Es handelt sich bereits um den zweiten Todesfall bei Dekontaminationsarbeiten, die von der Behörde geleitet werden. Sein Tod wurde in einem örtlichen Krankenhaus bestätigt, so die Nachrichtenagentur jiji.

Der Yasukuni-Schrein in Tokyo
Der Yasukuni Jinja in Tokyo: Hier werden die Seelen der Kriegstoten verehrt (Foto: Miki Yoshihito cc-by)

Suche nach japanischen Kriegsüberresten aus dem zweiten Weltkrieg in Indien aufgenommen: Der Chinese, der sich neben dem Brandbombenwurf auf die japanische Botschaft auch selbst des Brandanschlags auf den Yasukuni-Schrein bezichtigt, tat dies nach eigenen Angaben aus Hass über den Umgang der japanischen Politik mir dem Thema der „Trostfrauen“ genannten Armeeprostituierten im zweiten Weltkrieg, zu denen auch seine Großmutter gezählt haben soll. Nicht nur der Umstand, dass er bereits festgenommen wurde (Spreadnews berichtete) dürfte ihn stören.

Wenn nun nämlich die Nachrichtenagenturen jiji und NHK über die Pläne der japanischen Regierung berichten, das erstmalig seit 34 Jahren wieder die verbliebenen 10.000 Überreste der während des Angriffs auf Imphal in Indien gestorbenen japanischen Soldaten der Kaiserlichen Armee zu exhumieren und nach Japan zu überführen, dürfte dies seinem Geist nicht die möglicherweise durch die Anschläge erstrebte Genugtuung bringen.

1978 waren die Aktionen nach viermaliger Suche aufgrund von Sicherheitsbedenken in der unruhigen Region und Informationsmangel eingestellt worden. Gestern wurde nach dem Besuch der Gräber 11 japanischer Soldaten auf einem britischen Friedhof in Guwahati (Assam) die Bergung der dortigen Überreste diskutiert. Weitere Exhumierungen in Imphal und Kohima, wo schwere Kämpfe während des Burmafeldzugs stattfanden, sollen zuvor gründlich geplant werden.

Atommaterial-Sicherungskommission besteht aus Atomlobbyisten:
Das japanische „Nuclear Material Control Center“ (NMCC), dessen Aufgabe darin besteht, den Missbrauch von radioaktivem Material zu verhindern, ist dem Ministerium für Wissenschaft und Technologie untergeordnet. Von dort gibt es jetzt Beteuerungen, diese Aufgabe sei mit keinem Interessenkonflikt verbunden.

Grund für diese Behauptung ist ein Artikel der Mainichi Shimbun, dem zufolge nicht nur fast die Hälfte der Mitglieder des 1972 gegründeten NMCC tatsächlich zu Energieversorgungsunternehmen und andere Anbietern, die eigentlich der Kontrolle durch das NMCC unterliegen sollen gehören, sondern die Kontrollinstanz auch jährliche finanzielle Zuwendungen in Höhe von mehrstelligen Millionenbeträgen von eben jenen Unternehmen erhalten hat.

Von den insgesamt 17 Mitgliedern des Aufsichtsrats stammen acht aus der Atomindustrie. Bei insgesamt 15 der Vorstandsmitglieder, inklusive des Vorsitzenden, haben oder hatten sechs von  ihnen die Funktion höherer Beamter bei der Japanischen Atomenergiebehörde JAEA  oder vergleichbarer Positionen bei Energiekonzernen inne. Ein Prüfer ist Vorstandsmitglieder eines Energieversorgers, ein weiterer früherer Angestellter eines entsprechenden Herstellers.

Mitglieder des NMCC begleiteten Prüfer der internationalen Atomenergieaufsichtsbehörde IAEA bei deren Kontrollen in Japan. Ein weiterer Besuch der IAEA in Japan ist für den Montag kommender Woche geplant.

Tatbeteiligung von Giftgas-Sektenmitglied schwer nachzuweisen: Die Staatsanwalte will am Freitag gegen das frühere Mitglied der Sekte Omu Shinrikyo, Makoto Hirata (46), der sich nach annähernd 17 Jahren Flucht zu Neujahr den Behörden gestellt hatte, Anklage wegen Entführung und schwerer Freiheitsberaubung. Der Vorwurf der fahrlässigen Tötung wurde fallengelassen, da die Anklage es offenbar als schwer nachzuweisen ansieht, dass es Hirata war, der die Injektion einer später tödlichen Droge durchgeführt habe.

Fahndungsplakat nach Mitgliedern der Aum-Sekte in Tokyo Shinjuku (Foto: KJ)
Fahndungsplakat nach Mitgliedern der Sekte, das Foto von Hirata ist bereits überklebt. Bild an Polizeistation in Tokyo Shinjuku, (Foto: KJ)

Hirata selbst bleibt bei seiner Aussage, er habe bei der Entführung des Juristen nur als Fluchtwagenfahrer gedient, auch wenn diese Darstellung durch die Befragung bereits inhaftierter hochrangiger Sektenmitglieder nicht gestützt wird. Einen Grund für einen weiteren Haftbefehl  sieht die Staatsanwaltschaft durch eine mögliche Beteiligung Hiratas an mindestens einem Sprengstoffanschlag gegeben.

Nicht näher genannte Quellen aus Ermittlungskreisen auf die sich Asahi Shimbun und Kyodo berufen berichten, der weitere Haftbefehl werde gegen Ende des Monats erfolgen, nachdem entschieden wurden, welche Anklagepunkte gegen Akemi Saito (49), das zweite Sektenmitglied dass sich zu Beginn des Jahres stellte, erhoben werden.