Start Aktuelles Japan aktuell: Radioaktives Material aus AKW Fukushima weit in Erdboden eingedrungen

Japan aktuell: Radioaktives Material aus AKW Fukushima weit in Erdboden eingedrungen

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Meeresboden vor Betonierung am 10. März 2012 (Foto: TEPCO)
Meeresboden vor Betonierung (Foto vom 10. März 2012, TEPCO)
Meeresboden vor Betonierung am 10. März 2012 (Foto: TEPCO)
Meeresboden vor Betonierung (Foto vom 10. März 2012, TEPCO)

Die heutigen Erdbeben waren natürlich von primärem Interesse für unsere Leser, so dass wir zunächst über diese Ereignisse berichteten.

Dennoch sollen auch heute die täglichen Fukushima News nicht vergessen werden. Dabei geht es heute vor allem um die Auswirkungen der Atomkatastrophe auf die Umwelt, wie einige jetzt veröffentlichte Daten aus Fukushima aktuell zeigen.

Noch vor kurzem war die Betonierung des Meeresbodens als wichtiger Schritt genannt worden, um die Belastung durch das Aufwirbeln von radioaktiv kontaminiertem Schlamm zu verringern – jetzt zeigt Schlamm an anderer Stelle weitere Probleme auf. Mehr Informationen auch heute im Spreadnews Japan-Ticker vom 14. März 2012.

Erdboden möglicherweise bis 30 Zentimeter Tiefe radioaktiv belastet: Eine von Wissenschaftlern der japanischen Atomenergiebehörde JAEA durchgeführte Untersuchung kommt nach Schätzungen zu dem Schluss, dass radioaktives Material aus dem Atomkraftwerk Fukushima Daiichi bis zu 30 Zentimeter tief in den Boden gelangt sein könnte.

Drei Monate nach der Fukushima-Katastrophe war radioaktives Material, dass durch die Luft verbreitet worden war, in fünf Zentimetern unter dem Erdboden nachgewiesen worden. Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo könnten diese einer Studie zufolge bereits zwischen 10 und 30 Zentimeter tief vorgedrungen sein. Dies sei vermutlich mit dem Regenwasser geschehen.

An insgesamt 11 Stellen in den Ortschaften Nihonmatsu, Kawamata und Namie, die sich alle in einem Radius von 20 bis 60 Kilometern vom AKW Fukushima Daiichi entfernt befinden, untersuchte die Gruppe im Juni 2011 den Grad der Tiefe, in die vier radioaktive Substanzen, darunter auch Cäsium-137 vorgedrungen waren.

Der Großteil des Materials habe sich zu diesem Zeitpunkt weiterhin etwa 5 Zentimeter unter der Erdoberfläche befunden –  aber Schätzungen neueren Datums weisen darauf hin, dass die radioaktiven Substanzen vermutlich mittlerweile weiter in den Boden vorgedrungen seien.

Zum jetzigen Zeitpunkt, ein Jahr nach dem Unglück, müssten die Substanzen bis zu 30 Zentimer tief unter die  Erdoberfläche gelangt sein und auch der Punkt, an dem bislang die höchste Dichte des Materials befand, liegt nun schätzungsweise in vier bis acht Zentimetern Tiefe. Im Juni des Vorjahres waren es noch zwei Zentimeter gewesen.

Nun will die Gruppe auch zu Beginn dieses Monats an den gleichen elf Punkten genommene Erdproben untersuchen, um die Auswirkung der sich seit Juni ereigneten schweren Taifune auf das Eindringen des radioaktiven Materials, zu untersuchen.

Haruo Sato, Forscher am Horonobe Underground Research Center, das für Forschungen und Entwicklungen im Bereich der Geowissenschaften und der Endlagerung hoch radioaktiver Abfälle zuständig ist warnt, weitere Verzögerungen bei den Dekontaminationsarbeiten würden zu einem weiteren Einsinken des radioaktiven Materials führen und die Arbeiten für alle Beteiligten wesentlich erschweren.

Millionenfache Cäsium-Belastung eines Stausees: Professor Yuichi Ona von der Universität Tsukuba war  vom Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie mit der Durchführung einer Untersuchung des Ausmaßes an radioaktiver Belastung eines Stausees beauftragt worden. Die Untersuchungen der Wissenschaftler wiesen eine extrem hohe Kontamination des Schlamms am Boden des Stausees durch radioaktives Cäsium nach.

Die Ergebnisse der Untersuchung wurden nun am gestrigen Dienstag auf einem Symposium vorgestellt. Das Forscherteam hatte zur Durchführung der Untersuchung zwischen Juli und August 2011 an mehreren Stellen Proben aus 20 Zentimeter Tiefe der Schlammschicht genommen, diese getrocknet und mit  Schlamm aus anderen nahe gelegenen Reservoirs verglichen.

Fluss Abukuma in der Präfektur Fukushima (Foto: pd)
Fluss Abukuma in der Präfektur Fukushima (Foto: pd)

Dabei entdeckten die Wissenschaftler um Professor Onda am Boden des Horai-Damm Stausees, etwa 60 Kilometer west-nordwestlich des AKW Fuushima Daiichi entfernt und entlang des Flusses Abukuma in Nihonmatsu gelegen, eine Belastung mit radioaktivem Cäsium in Höhe von drei Millionen Becquerel pro Quadratmeter.

Der Wert war damit zehnmal höher als in nahe gelegenen Reservoirs und entsprach mit seiner Belastung etwa dem Kontaminationsgrad des Erdreichs in der 20 Kilometer Sperrzone um das Kraftwerk. Man geht davon aus, dass das ermittelte radioaktive Cäsium durch Regenwasser und mitgespültes Erdreich in den Fluss gelangt war und sich dann am Boden des Horai Damms abgesetzt habe.

Doch auch in diesem Fall gibt es teilweise Entwarnung: Professor Onda zufolge löst sich in Erdreich enthaltenes Cäsium nicht leicht im Wasser, so dass flussabwärts kein Risiko für das Trinkwasser bestehe und dies getrunken werden könne. Jedoch schränkte er ein, es könne zu Auswirkungen auf Fische, sowie andere tierische Lebewesen und Pflanzen kommen. Hier sei weitere Forschung erforderlich.

Ein Beamter des verantwortlichen Ortsbüros des Ministeriums für Land, Infrastruktur, Verkehr und Tourismus (MLIT) das für den Akuma-Fluss und den Horai-Damm zuständig ist, erklärte der Mainichi Shimbun zufolge, um den Transport von radioaktiv belastetem Erdreich flussabwärts zu verhindern, müsse dieses an irgendeinem Punkt dekontaminiert werden. Dieser Schritt sei allerdings noch nicht bedacht worden.

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