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Japan aktuell: Radioaktives Regenwasser am AKW Fukushima übergelaufen

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AKW Fukushima: Übergelaufene Behälter nach Pumpabbruch am 1. Oktober 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Übergelaufene Behälter nach Pumpabbruch am 1. Oktober 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Übergelaufene Behälter nach Pumpabbruch am 1. Oktober 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Übergelaufene Behälter nach Pumpabbruch am 1. Oktober 2013 (Foto: TEPCO)

Mit dem Austritt von radioaktiv kontaminiertem Regenwasser sieht sich der Betreiber des AKW Fukushima heute unmittelbar nach Monatsbeginn einem neuen Problem gegenüber, für dessen Handhabung es bislang keine Regelung gibt.

Doch wieder ist auch der Ausfall einer technischen Einrichtung auf dem Gelände der Anlage in Fukushima aktuell.

Einzelheiten zu den Fukushima News sowie weitere Meldungen zu Monatsbeginn jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 1. Oktober. 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Radioaktives Fukushima-Regenwasser übergelaufen
  • Neue Kriterien für Regenwasser-Entsorgung sollen aufgestellt werden
  • Stickstoff-Gasabscheider am AKW Fukushima angehalten
  • Zum Monatsbeginn wieder Dampf über Reaktor 3
  • Betreiber des AKW Monju meldet Wartungsfortschritte
  • Daten der Fukushima-Arbeiter im August 2013

Radioaktives Fukushima-Regenwasser übergelaufen: Nach Lecks in den großen Lagertanks, in denen Wasser aus dem Bereich der Reaktoren und den Untergeschossen der Turbinengebäude eingelagert wird, meldet Kraftwerksbetreiber TEPCO nun ein anderes Wasserproblem

Am heutigen Dienstag pumpten Kraftwerksarbeiter radioaktives Regenwasser in Lagerbehälter, nachdem sich das Wasser zuvor um Tanks für Abwasser angesammelt hatte. Gegen 11:50 Uhr wurde dann festgestellt, dass das Regenwasser aus dem Behälter überlief. Der Pumpvorgang wurde etwa 20 Minuten später angehalten.

AKW Fukushima: Überlaufendes Regenwasser am Bereich H5 am 1. Oktober 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Überlaufendes Regenwasser am Bereich H5 am 1. Oktober 2013 (Foto: TEPCO)

Nach Angaben von TEPCO kam es zu dem Zwischenfall, da die Arbeiter das Wasser in den falschen Behälter gepumpt hatten. Das Wasser stammt aus der Betonbarriere um den Bereich H6. Der übergelaufene Behälter befindet sich östlich des Bereichs H5. Insgesamt sollen vier Tonnen an radioaktiv kontaminiertem Regenwasser übergelaufen und in den Boden gelangt sein.

Die große Menge an Regenwasser ist auf den Septembertaifun zurückzuführen, der dazu geführt hatte, dass sich innerhalb der Betonbarrieren um die Großtanks, das kontaminierte Regenwasser ansammelte.

TEPCO gibt die Höhe an radioaktivem Material unmittelbar nach dem Sturm mit 160 Becquerel an – was den Grenzwert zur Verklappung ins Meer um das Fünffache übersteigt.

Spätere Strahlungsmessungen ergaben an der Öffnung des Tanks eine Gesamtbetastrahlung von 390 Becquerel pro Liter. Die Belastung mit Cäsium-134 wurde mit 8,0 Becquerel pro Liter und jene mit Cäsium-137 mit 16 Becquerel pro Liter angegeben.

Die Betastrahlung im Bereich der Barriere um die Behälter habe 380 Becquerel pro Liter betragen. Für Cäsium-134 bzw. Cäsium-137 lag die Belastung bei 6,9 und 16 Becquerel pro Liter.

Über den Zwischenfall berichteten neben dem Kraftwerksbetreiber auch jiji und NHK.

Neue Kriterien für Regenwasser-Entsorgung sollen aufgestellt werden: Der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi will eine bislang fehlende Regelung einführen, die bei der Ablassung von angesammeltem Regenwasser innerhalb der Betonbarrieren um Wassertanks ihre Anwendung finden soll.

Behälter für schwach radioaktive Abwässer. (Foto: TEPCO)
Behälter für schwach radioaktive Abwässer. (Foto: TEPCO)

Als im September ein Taifun zur Ansammlung von Regenwasser führte, improvisierte man vor Ort und kontrollierte zunächst die Strahlung, bevor man stark radioaktives Wasser in Behälter leitete und geringere belastetes Regenwasser durch die Abflussrinnen kontrolliert abließ.

Die neuen Kriterien, die gestern der Atomaufsicht NRA zugeschickt wurden, sehen eine unterschiedliche Handhabung nach Strahlungsart vor. Demnach wird angesammeltes Regenwasser zunächst grundsätzlich in Behälter geleitet und kontrolliert. Liegt der Anteil an Betastrahlung unter 10 Becquerel pro Liter, so lässt man das Wasser ab.

Dieser Regenwassergrenzwert beträgt somit ein Drittel des Grenzwerts für Strontium-90, der standardmäßig für die Verklappung ins Meer Anwendung findet. Auch der Regenwassergrenzwert für Cäsium soll bei einem Drittel des offiziellen Grenzwerts liegen. Über die Handhabung der Tritiumbelastung wird die NRA beraten, da der Nachweis lange dauert. Das berichtet die NHK.

Stickstoff-Gasabscheider am AKW Fukushima angehalten: Am heutigen Dienstag wurde gegen 10:46 Uhr festgestellt, dass der Stickstoff-Gasabscheider A, der Stickstoff in Druckbehälter und Sicherheitsbehäklter der Reaktoren 1 bis 3 pumpt, ungeplant anhielt. Der gleichzeitig arbeitende Gasabscheider C lief dagegen problemlos weiter. Gerät B ist im Standby-Modus.

Da weiterhin Stickstoff hineingepumpt wird, ist sichergestellt, dass die Wasserstoffkonzentration nicht kritische Werte erreicht. Auch die Daten der Messgeräte weisen auf keine Besonderheiten hin. Der Betreiber kündigte an den Zwischenfall zu untersuchen und konnte noch am selben Tag die Ursache des Zwischenfalls bekanntgeben.

Demnach handelt es sich um menschliches Versagen, da ein Verantwortlicher bei der Datenerfassung versehentlich den Stopp-Schalter gedrückt hatte. Um 13:50 Uhr wurde das Gerät neu gestartet und die Stickstoffeinspeisung um 14:03 Uhr wieder fortgesetzt. Damit arbeiten die beiden Einheiten A und C wieder parallel.

Zum Monatsbeginn wieder Dampf über Reaktor 3: Am heutigen Dienstag wurde gegen 7:00 Uhr erneut Dampf über dem fünften Stock von Reaktor 3 gesichtet und die Sichtung durch eine Kamera bestätigt. Die Temperatur betrug zu dieser Zeit 19,3 Grad Celsius und die Luftfeuchtigkeit lag bei 93 Prozent. An den Messwerten der Anlage von 8:20 Uhr war keine Abweichung festzustellen.

Gegen 13:00 Uhr wurde nach Angaben von TEPCO kein Dampf mehr festgestellt. Auch zu einem späteren Zeitpunkt gab es keine Abweichungen an den Reaktoren. Gegen 14:00 Uhr lag die Temperatur bei 23,4 Grad Celsius und die Luftfeuchtigkeit 90,4 Prozent.

Betreiber des AKW Monju meldet Wartungsfortschritte: Die Japanische Atomenergiebehörde JAEA teilte der Atomaufsicht gestern mit, dass man die Kontrollen für insgesamt etwa 14.300 Geräte nun nachgeholt habe. Der Betreiber JAEA hatte über Monate hinweg vorgeschriebene Sicherheitskontrollen nicht durchgeführt.

Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
AKW Monju: Nachgeholte Wartung macht Fortschritte (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Neben den zunächst 12.000 bereits bekannten Fällen, waren noch 2.000 weitere Fälle von Nachlässigkeiten aufgedeckt worden. Unter den Anlagen, die nicht ordnungsgemäß gewartet wurden, gehören auch 85 Teile der Anlage, die entscheidend für die Sicherheit des Forschunsgreaktors sind, wie beispielsweise Notstromgeneratoren.

Auch falsch durchgeführte Arbeiten wurden nach Meldung von jiji und NHK korrigiert. Einen Antrag auf Neustart wird es sobald jedoch nicht geben.

Auch wenn vergangene Woche das Wissenschaftsministerium einen Weiterbetrieb von sechs Jahren plant, um dann darüber zu entscheiden, ob die Forschungsarbeiten fortgeführt werden, gibt es Hindernisse. Vor allem die Anordnung der NRA, Testläufe so lange einzustellen, bis die neuen Konzepte zur Wartung und Verwaltung fertig sind, dürften Neustarts stark hinauszögern.

Sollte sich zudem der Verdacht erhärten, dass aktive geologische Verwerfungen unter der Anlage verlaufen, die im Fall eines Erdbebens wichtige Strukturen gefährden würden, dann wäre dies das Ende des Betriebs und Grund zur dauerhaften Stilllegung.

Daten der Fukushima-Arbeiter im August 2013: Am gestrigen Montag übermittelte der Kraftwerksbetreiber TEPCO die aktuellen Angaben zur Zahl der Beschäftigten an der Anlage, sowie zur Höhe der Strahlungsdosis an das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales für den August 2013.

Fukushima-Arbeiter vor Abfahrt des Busses am 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Aktuelle Angaben zur Strahlungsbelastung der Fukushima-Arbeiter (Foto: TEPCO)

Nach Angaben von TEPCO , waren im August 2013 insgesamt 351 Arbeitskräfte für das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi neu eingestellt worden.

Die maximale Strahlungsbelastung lag bei 15 Millisievert.

Im Bezug auf die inkorporierte Strahlenbelastung wurden keine signifikanten Werte festgestellt.

Der nächste Bericht, der sich mit den Strahlungsdaten mit Stand von Ende September befassen wird, soll gegen Ende Oktober eingereicht werden.

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