Start Aktuelles Japan aktuell: Radioaktives Wasser aus Behälter am AKW Fukushima ausgetreten

Japan aktuell: Radioaktives Wasser aus Behälter am AKW Fukushima ausgetreten

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AKW Fukushima: Wasserlache am Ablassventil von Wasserbehälter am 19. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Zwei weitere Ventile wegen Regenwasser geöffnet (Abb. symbolisch TEPCO)
AKW Fukushima: Wasserlache am Ablassventil von Wasserbehälter am 19. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Wasserlache am Ablassventil von Wasserbehälter am 19. August 2013 (Foto: TEPCO)

Noch am Wochenende beeindruckte der Vulkan Sakurajima mit einer hohen Aschenwolke und Experten rechnen mit einer steigenden Aktivität.

Besorgniserregende Aktivitäten wurden auch vom AKW Fukushima heute gemeldet, kam es doch offenbar zu einem Wasserleck und der weiteren radioaktiven Belastung von Arbeitern – unter ähnlichen Umständen wie bereits in der vergangenen Woche.

Teil der Fukushima News sind jedoch auch die Anstrengungen zur Stilllegung, Mehr zu dem, was am AKW Fukushima aktuell geschieht, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 19. August.

Unsere Themen zu Wochenbeginn:

  • Gestiegene Strahlungswerte nach Leck in Tank auf Gelände des AKW Fukushima
  • Erneut Arbeiter nach Luftbelastungs-Alarm radioaktiv kontaminiert
  • Strengere Regeln machen AKW-Stilllegungen wahrscheinlicher
  • TEPCO-Angaben zu den jüngsten Problemen

Gestiegene Strahlungswerte nach Leck in Tank auf Gelände des AKW Fukushima: Am heutigen Montag entdeckte ein TEPCO-Angestellter auf einem Kontrollgang gegen 10:40 Uhr, das Wasser aus dem Ablassventil eines Tankwalls gelangte. Später wurde das Ventil geschlossen. Untersuchungen zu Umständen und Ursache des Lecks wurden eingeleitet.

AKW Fukushima: Leck am Ablassventil von Wasserbehälter im Bereich H4 am 19. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Leck am Ablassventil von Wasserbehälter im Bereich H4 am 19. August 2013 (Foto: TEPCO)

Im Verlauf der Kontrollen wurde eine kleine Pfütze von 1 bis 2 Zentimetern innerhalb des Walls, und eine deutlich größere Wasserlache von 3 x 3 Metern und einer Tiefe von einem Zentimeter außerhalb des Ventils gefunden.

Das Wasser gelangte in keine Schächte oder Gräben, daher gilt als unwahrscheinlich, dass das Wasser ins Meer gelangt sein könnte.

Das ausgetretene Wasser stamme offenbar aus dem Wassertank und werde auf seine genaue Zusammensetzung untersucht. Es seien jedoch hohe Werte an Betastrahlung und Gammastrahlung in der Wasserlache  festgestellt worden. Einzelheiten werde man auf einer Pressekonferenz am heutigen Abend mitteilen.

Später erklärte TEPCO, man habe in einem Abstand von 50 Zentimeter schon Werte von 100 Millisievert pro Stunde gemessen.

Die Atomaufsicht NRA ordnete an, TEPCO müsse eine Untersuchung durchführen und Erdproben aus der Umgebung entnehmen. Die Behörde stufte die Entdeckung als einen Stufe-1-Zwischenfall („Störung“) auf der internationalen INES-Skala ein.

Erneut Arbeiter nach Luftbelastungs-Alarm radioaktiv kontaminiert: Vergangene Woche war es zu einem Alarm zur Luftbelastung am erdbebensicheren Hauptgebäude gekommen. Im weiteren Verlauf war die radioaktive Kontamination von zehn Arbeitern durch eine Anlage zur Kühlung bei heißem Wetter aufgetreten (Spreadnews berichtete am 12. August 2013).

Fukushima-Arbeiter am Bus 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Erneut Fukushima-Arbeiter vor Einstieg in Bus radioaktiv belastet (Foto: TEPCO)

Gegen 10:04 Uhr machte am heutigen Montag erneut der Alarm am radioaktiven Hauptgebäude auf einen Anstieg des radioaktiven Materials vor dem Gebäude aufmerksam. Um 10:15 Uhr folgte daher wie zuvor die Anordnung, Atemschutzmasken auch in den Bereichen anzulegen, in denen dies normalerweise nicht erforderlich ist.

Um etwa 10:20 Uhr wurde dann an zwei Kraftwerksarbeitern, die vor dem Gebäude auf den Bus gewartet hatten, eine Kontamination am oberen Bereich des Kopfes nachgewiesen. Die höchste gemessene Belastung betrug 13 Becquerel pro Quadratzentimeter, was unterhalb des Werts von 40 Becquerel liegt, so dass sie um 14:13 Uhr den Eingangskontrollbereich verließen.

Zur Sicherheit wurden die Arbeiter und der betreffende Bereich nicht nur abgewischt, sondern beide Arbeiter auch einer Untersuchung durch einen Ganzkörperzähler unterzogen, jedoch keine inkorporierte Belastung nachgewiesen

Wie TEPCO in einem Folgebericht mitteilte, war es bereits zuvor – um 9:29 Uhr an dem ersten und 9:34 Uhr am zweiten der beiden anderen Messposten zu Alarmen gekommen. Daraufhin waren zwischen 9:50 Uhr und 10:10 Uhr, Prüfungen mit einem tragbaren Gerät durchgeführt worden.

Die dabei gemessenen Gammanuklide zeigen einen Anstieg der Cäsiumdichte in der Luft am Gebäude an:

Cäsium-134: 2,6×10-4 Becquerel pro Kubikzentimeter
Cäsium-137: 5,8×10-4 Becquerel pro Kubikzentimer

Aufgrund der Belastung blieb die Anweisung zum Tragen von Atemschutzmasken in Kraft. Wie es zum Anstieg der Luftbelastung kam, etwa durch die Freisetzung von Material aus den Reaktoren während der Arbeiten, ist nach Angaben von TEPCO bislang unklar.

Strengere Regeln machen AKW-Stilllegungen wahrscheinlicher: In Anbetracht der verschärften Sicherheitsbestimmungen für Reaktoren ist eine dauerhafte Stilllegung mehrerer Anlagen nur noch eine Frage der Zeit.

Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
AKW-Regelung: Stilllegungen werden wahrscheinlicher (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Neben der Stilllegung der Reaktoren 1 bis 4 sind auch drei weitere Anlagen derzeit dabei stillgelegt zu werden, so dass die Zahl der Reaktoren von 54 auf 50 sinken wird.

Insbesondere alte Reaktoren müssten massiv umgebaut werden, um die neuen Bestimmungen zu erfüllen. Da bereits 30 Prozent der nunmehr 50 kommerziellen Reaktoren über 30 Jahre in Betrieb sind, und eine Maximallaufzeit von 40 Jahren festgelegt wurde, bleibt dem Betreiber nur die Wahl zwischen Nachbesserung und Stilllegung.

Beides ist keineswegs günstig und wird die Elektrizitätskonzerne viel Geld kosten. So rechnet etwa Japan Atomic Power (JAPC) damit, die bereits laufende Abschaltung des AKW Tokai werde 88,5 Milliarden Yen kosten. Auf Chubu Electric kommen mit der Stilllegung des AKW Hamaoka schätzungsweise 84,1 Milliarden Yen an Kosten zu.

TEPCO hat bereits jetzt 957,9 Milliarden Yen in die Arbeiten zur Stilllegung der vier Reaktoren am Katastrophenkraftwerk investiert und die misslungenen Bestrebungen zur effektiven Wasserfilterung werden, ebenso wie die benötigte Entwicklung neuer Technologien zur Bergung der geschmolzenen Brennelemente, weitere Kosten verursachen.

Um den Herausforderungen zu begegnen – Schätzungen aus dem Jahr 2007 setzen Stilllegungskosten von 65.9 Milliarden Yen für einen einzigen Siedewasserreaktor und 59.7 Milliarden Yen für einen Druckwassereaktor an – hat die Regierung gemeinsam mit den Betreibern das Internationale Forschungsinstitut für atomare Stilllegung (IRID) gegründet.

Diese Einrichtung ist Teil der Bemühungen, die Stilllegungsdauer eines Reaktors von derzeit bis zu 40 Jahren zu verkürzen.

Nach Schätzungen des Ministeriums für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) wird bereits die reguläre Stilllegung aller Reaktoren des Landes 3 Trillionen Yen kosten, so dass das METI gegenwärtig Änderungen an den Regelungen zur Umwälzung von Kosten auf den Strompreis erwägt. Das berichtet die Mainichi Shimbun.

TEPCO-Angaben zu den jüngsten Problemen: Nachdem die Kontamination von Arbeitern durch einen elektrischen Nebler dazu geführt hatte, dass um die Sicherheit des Leitungswassers auf dem Gelände gefürchtet wurde, sich die gemeinsame Wasserquelle für Nebler und Brauchwasser als nicht kontaminiert erwies, legte TEPCO am Freitag in einer Pressekonferenz den aktuellen Kenntnisstand dar.

Zunächst sei der Luftbelastungs-Alarm des Messgeräts in der vergangenen Woche offenbar kein Fehlalarm gewesen. Die Quelle der radioaktiven Kontamination konnte jedoch nicht ausgemacht werden. Im Fall des Verneblers könnten abgelagerte Sedimente im Vorlaufbehälter des Wasserneblers für die Kontamination der zehn Arbeiter vergangene Woche sein.

Ob dort tatsächlich radioaktiv kontaminierte Ablagerungen vorhanden sind, müsse jedoch geprüft werden.

Ebenfalls behandelt wurde der Anstieg der unterirdischen Wasserbehälter. Demnach waren nicht nur wie bislang gemeldet, der obere Bereich der Behälter angehoben worden.Vielmehr habe es eine Aufwärtsbewegung des gesamten Behälters gegeben. Als Ursache geht das Unternehmen weiter von einem Auftrieb durch das steigende Grundwasser aufgrund von Regenfällen aus.

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