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Japan aktuell: Radioaktives Wasser aus Fukushima-Lagertank erreicht offenbar Grundwasser

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Trefoil: Radioaktivitäts-Warnsymbol
AKW Fukushima: Strahlung an Anlagengrenze übersteigt zulässigen Wert (Grafik: pd)
Trefoil: Radioaktivitäts-Warnsymbol
Radioaktives Fukushima-Wasser erreicht offenbar Grundwasser (Grafik: pd)

Wie der Betreiber des AKW Fukushima heute berichtet, sei es wahrscheinlich, das radioaktives Wasser aus einem Lagertank in das Grundwasser gelangt sei.

Hinter dieser Meldung stehen andere, etwa von Videoaufnahmen von Grundwasser in einem Turbinengebäude, oder Tests zur Strahlungsabschirmung von Wassertanks zurück.

Ob sich die Grundwasserkontamination bestätigt ist noch nicht klar.

Weitere Fukushima News befassen sich mit einem Testlauf der Bodenfrostung, sowie der Neigung eines Krans. Alle Neuigkeiten zum AKW Fukushima aktuell im Spreadnews Japan-Ticker vom 5. September 2013

Unsere heutigen Themen:

  • Radioaktives Wasser aus Lagertank erreicht offenbar Grundwasser
  • Aufnahmen von Grundwasser in Fukushima-Turbinegebäude
  • TEPCO testet Strahlungsabschirmung für Wassertanks
  • Regierung sieht Test der Bodenfrostung vor
  • Kran am AKW Fukushima hat Schlagseite
  • Katastrophenübung gegen Nankai-Großbeben am AKW Hamaoka

Radioaktives Wasser aus Lagertank erreicht vermutlichoffenbar Grundwasser: Nachdem in gestern entnommenen Wasserproben an einem Kontrollpunkt hohe Werte an radioaktivem Material festgestellt wurden, geht das Unternehmen davon aus, dass Wasser aus einem Tank das Grundwasser erreicht habe könnte.

An dem Messposten, der sich 10 Meter vom Wassertank entfernt befindet, waren 650 Becquerel pro Liter festgestellt worden. Es handele sich um Material das vor allem Betastrahlung generiere, wie beispielsweise Strontium.

Die Kontamination des Grundwassers ist nach Meldung von TEPCO wahrscheinlich, da die radioaktiv belastete Wasserprobe aus einer Tiefe von sieben Metern stammt, wo das Grundwasser fliesst. Über diese Entdeckung berichteten jiji und NHK.

Aufnahmen von Grundwasser in Fukushima-Turbinegebäude: Hohe Strahlungswerte an Wassertanks sind nicht das einzige Problem am AKW Fukushima Daiichi. Das wird insbesondere angesichts der am gestrigen Mittwoch veröffentlichten Aufnahmen des Turbinengebäudes von Fukushima-Reaktor 1 und dem Gebäude der Verbrennungsanlage deutlich.

Fukushima-Turbinengebäude: Eindringendes Grundwasser im Kellergeschoss 1 am 30. August 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Turbinengebäude: Eindringendes Grundwasser am 30. August 2013 (Foto: TEPCO)

Aus dem Turbinengebäude von Reaktor 1 wird gemeldet, dass Grundwasser durch ein Kabelrohr herein gelange, durch den im Normalfall lediglich die Kabel eingeführt werden.

Bei dem Videomaterial das TEPCO zu diesem Zwischenfall liefert, handelt es sich um die ersten Aufnahmen seit Ausbruch der Krise im März 2011, auf denen das Eindringen von Grundwasser in Teile der Reaktoranlage audiovisuell dokumentiert ist.

Nach Betreiberangaben gelangt das Wasser über das Verbindungsstück der Leitungsführung zwischen dem Turbinengebäude und dem Leitungssystem außerhalb des Gebäudes, in das erste Kellergeschoss. Um den genauen Ort des Wassereintritts festzustellen, bohrte das Unternehmen vom Erdgeschoss aus eine kleine Öffnung, durch die man eine Videokamera herabliess.

Dabei entstanden die Aufnahmen, die sowohl Bild- als auch Tonmaterial umfassen. Die Verbindungsstücke zwischen Gebäuden und äußeren Leitungen gelten als mögliche Quelle des eindringenden Grundwassers in den Kellern der Turbinengebäude der Reaktren 1 bis 4. Dort haben sich bislang schätzungsweise 70.000 Tonnen an radioaktivem Wasser angesammelt.

Das weitere Vorgehen werde geklärt, sobald die Menge des Wassers, das gegenwärtig in den Keller gelange, ermittelt worden sei.

Möglicherweise stehen die Ereignisse mit der Entscheidung von TEPCO in Zusammenhang, die Wassereinspeisung in den Reaktor zu senken, so dass weniger Wasser aus den Kellern in die Umwelt gelangt, während der Grundwasserspiegel steigt (Spreadnews berichtete am 1. September 2013 über erste Überlegungen).

Im Fall der Verbrennungsanlage berichtet der Betreiber, dass Grundwasser von der Meeresseite in das Gebäude dringe und sich dort ebenfalls im ersten Kellergeschoss ansammelt. Auch von diesem Vorgang hat TEPCO nun Videomaterial veröffentlicht.

Die jüngsten Vorkommnisse erinnern nicht nur daran, dass die Krise an der Anlage nicht  auf die Wassertanks beschränkt ist, sondern stellen auch das Konzept der Bodenfrostung zumindest teilweise in Frage. Da offenbar Wasser bereits durch das Kabelrohr gelangte, wäre es notwendig, die Kabel abzutrennen und anders zu verlegen, will man dieses Schlupfloch schließen.

TEPCO testet Strahlungsabschirmung für Wassertanks: TEPCO veröffentlichte heute Informationen zu Maßnahmen, mit denen die hohe radioaktive Strahlung an den Wassertanks eingedämmt werden soll. Zu diesem Zweck wurde der untere Bereich von Wassertanks im Bereich H3 mit einer Abdichtung versehen.

Fukushima-Lagertank: Acrylabdichtung und Gummiplanen am 3. September 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Lagertank: Acrylabdichtung und Gummiplanen am 3. September 2013 (Foto: TEPCO)

Diese Abdichtung besteht auf einer Acrylplatte mit den Maßen von 10×15 Zentimetern und einer Dicke von etwa einem Zentimeter. Hiervon wurden jeweils zwischen ein bis drei Bahnen angebracht. Dazu kommen zwei Gummiplatten mit Maßen von 1 x 1,5 Metern und einer Dicke von 3 Millimetern. Hiervon wurden zwei Stück genutzt.

Sowohl vor der Durchführung der Maßnahme, als auch nach deren Abschluss wurden Messungen durchgeführt, um den Effekt dokumentieren zu können. Der Krafwerksbetreiber macht dazu folgende Angaben:

Vor der Abdichtung:

  • Bereich H3 Gruppe B Nr. 4 (Nordseite): 2.200 Millisievert pro Stunde
  • Bereich H3 Gruppe B Nr. 4 (Südseite): 500 Millisievert pro Stunde
  • Bereich H3 Gruppe A Nr. 10 (Nordseite): 70 Millisievert pro Stunde

Nach der Abdichtung:

  • Bereich H3 Gruppe B Nr. 4 (Nordseite): 30 Millisievert pro Stunde
  • Bereich H3 Gruppe B Nr. 4 (Südseite): 15 Millisievert pro Stunde
  • Bereich H3 Gruppe A Nr. 10 (Nordseite): 10 Millisievert pro Stunde

Alle Messungen erfolgten aus einem Abstand von fünf Zentimetern. Wie zumeist üblich, begleitete TEPCO seine Veröffentlichung mit einer Reihe von Fotos, auf denen der Einsatz der unterschiedlichen Elemente zur Abdichtung auch visuell dokumentiert wird.

Regierung sieht Test der Bodenfrostung vor: Nachdem Teile des Bodens auf dem Gelände des AKW Fukushima Daiichi bislang nur chemisch ausgehärtet wurde, was zur Problematik eines steigenden Grundwasserpiegels führte, will Japans Regierung bereits im kommenden Monat einen Test durchführen, um die Realisierbarkeit des Projekts zu ermitteln.

Schematische Darstellung der Kühlvorrichtung gegen Grundwasser am 30. Mai 2013 (Foto: TEPCO)
Schematische Darstellung der Kühlvorrichtung gegen Grundwasser am 30. Mai 2013 (Foto: TEPCO)

Für die Maßnahme eines unterirdischen Schutzwalls durch permanente Bodenfrostung wurden 32 Milliarden Yen an Staatsgeldern versprochen. Ziel ist es, dauerhaft den stetigen Zufluss von Grundwasser in das kontaminierte Erdreich des Kraftwerksgeländes zu verhindern. Alleine für den jetzt geplanten Test sind 1,3 Milliarden Yen vorgesehen.

Im Rahmen des ersten Versuchs sollen in der Nähe von Reaktor 4 um eine Fläche von 10×10 Metern mehrere Stahlrohre 30 Meter tief in den Boden eingebracht und flüssiges Kalziumchlorid mit einer Temperatur von -40 Grad Celsius in diese Rohre gepumpt werden.

Neben der Kontrolle, ob das Grundwasser tatsächlich abgehalten wird, sind auch Auswirkungen auf Grundwasser und das umgebende Erdreich von Interesse. Wenn es nach den Plänen des Industrieministeriums geht, wird der Versuch bereits Mitte Oktober beginnen und bis Ende März 2014 abgeschlossen sein. Sollten in diesem Zeitraum keine Probleme auftreten, soll der Eiswall 2015 realisiert werden.

Problematisch bleibt bei der Planung noch, wie die Rohre nach natürlicher Alterung wieder ausgetauscht werden können, ohne die Grundwasserbarriere zu gefährden. Hierüber berichtete die NHK.

Kran am AKW Fukushima hat Schlagseite: Gegen 8:35 Uhr entdeckte TEPCO, dass sich ein 600-Tonnen-Raupenkran, der sich westlich von Reaktor 3 befindet, offenbar in leichte Abwärtsneigung bewegt hat.

AKW Fukushima: Kran mit Schieflage am 5. September 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Kran mit Neigung am 5. September 2013 (Foto: TEPCO)

Auch wenn die genaue Ursache noch ungeklärt ist, berichtet der Betreiber, man habe am Verbindungsteil zwischen Kranmast und Ausleger einen Riss entdeckt.

Die Entdeckung habe keine Auswirkungen auf den Reaktor, da es keine baulichen Schäden gebe. Auch die Messwerte des Reaktors weisen laut TEPCO keine Abweichungen auf. Das Unternehmen kündigte an, den Vorfall zu untersuchen.

Katastrophenübung gegen Nankai-Großbeben am AKW Hamaoka: Am heutgen Donnerstag führte der Elektrizitätskonzern Chubu Electrics eine Katastrophenübung an einem seiner Kraftwerke durch.

Szenario der Übung, an der etwa 1.000 Personen teilnahmen, war der Ausfall der Reaktoren 3 bis 5 aufgrund eines Erdbebens im Nankai-Graben. Das hypothetische Beben wies mit 7 die höchste der Stufen auf der japanischen Skala auf.

Als Reaktion auf den Komplettausfall der Stromversorgung und Reaktorkühlung aufgrund eines Tsunami begann ein Feuerwehrfahrzeug damit, Wasser zur Reaktorkühlung aus einem Fluss zu pumpen. Damit ist das Szenario sowohl eine Wiederholung des Fukushima-Szenarios, als auch eine Vorbereitung auf das bereits erwartete Nankai-Großbeben.

Die Katastrophenübung am AKW Hamaoka (Präf. Shizuoka) , dass im Mai 2011 auf Anordnung der Regierung heruntergefahren wurde, war Teil der Berichterstattung der jiji.

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