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Japan aktuell: Radioaktives Wasser dringt aus Lagerbehälter am AKW Fukushima

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AKW Fukushima: Unterirdischer Lagertank (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Ein unterirdischer Lagertank (Foto: TEPCO)

Wenn wir heute außerplanmäßig berichten, so liegt dies nicht an den Plänen der USA zur Stationierung von Drohnen in Japan im Zuge der Nordkorea-Krise, sondern an einem Zwischenfall am AKW Fukushima.

So läuft auf dem Gelände in Fukushima aktuell radioaktiv kontaminiertes Wasser aus einem unterirdischen Lagertank aus. Die Normalisierung der Situation könnte noch einige Tage andauern.

Ob ein weiterer Tank ebenfalls betroffen ist, bleibt bislang unklar. Auch wenn TEPCO die Gefahr für das nahe gelegene Meer als gering einschätzt, so rufen die Ereignisse in Fukushima heute wieder Besorgnis hervor.

Einzelheiten zu diesen Fukushima News in unserem außerplanmäßigen Spreadnews Japan-Ticker vom 6. April 2013.

  • Radioaktives Wasser aus Lagerbehälter am AKW Fukushima gelangt
    • Vorgehen von TEPCO
    • Updates zum Vorgehen
    • Ursache und Feststellung des Lecks
    • Möglicherweise weiterer Lagertank betroffen
    • Strahlungswerte im Detail

Radioaktives Wasser aus AKW Fukushima in Boden gelangt: Am gestrigen Freitag musste Kraftwerksbetreiber TEPCO einräumen, dass offenbar radioaktiv kontaminiertes Wasser aus einem der sieben unterirdischen Lagertanks gelangt ist. Jeder der Tanks kann 14.000 Tonnen Wasser aufnehmen.

Außerhalb des 60 Meter langen, 53 Metern breiten und sechs Meter tiefen Lagerbehälters, der von drei schützenden Lagen abgedeckt wird – zwei aus wasserundurchlässigem Polyethylen und eine aus Lehm – wurde stark verstrahltes Wasser zwischen den Schichten entdeckt. Nach Angaben der Atomaufsicht NRA und TEPCO wurden zwischen den Lagen etwa 6.000 Becquerel pro Kubikzentimeter nachgewiesen.

Auch im Wasser, das sich zwischen der äußersten Schicht und dem Erdreich befindet, wurden Spuren radioativer Substanzen nachgewiesen, berichtet die Kyodo gestern.
Bei dem unterirdischen Lager handelt es sich letztlich um eine tiefe Grube, die gesichert und mit wasserdichter Folie ausgekleidet wurde.

TEPCO sprach am Freitag zunächst von einer „geringen Menge“ des radioaktiv kontaminierten Wassers, das aus dem Behälter gelangt sei. Das Wasser sei zur Kühlung der Reaktoren genutzt und nach einer Filterung dort gelagert worden. Allerdings wurde lediglich radioaktives Cäsium herausgefiltert, so dass die Flüssigkeit noch radioaktives Strontium enthalte.

Man suche nun nach der Ursache des Wasseraustritts und wolle die Flüssigkeit nun in eine andere, nahe gelegene Lagereinrichtung transferieren.

Vorgehen von TEPCO: Nach diesen ersten Medienberichten hielt TEPCO eine Pressekonferenz ab, auf der weitere Einzelheiten bekanntgegeben wurden:

AKW Fukushima: Planenverlegung bei einem unterirdischen Wassertank (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Planenverlegung bei einem unterirdischen Wassertank (Foto: TEPCO)

Bei dem undichten Behälter handelt es sich um den zweiten der insgesamt sieben Behälter auf dem Gelände. Man plant nun zwar etwa etwa 11.500 Kubikmeter  Wasser in Behälter 1 zu pumpen, allerdings beträgt die Kapazität der Einzelpumpe nur 40 Tonnen Wasser pro Stunde, so dass diese Arbeiten zwei Wochen benötigen werden.

Da es offenbar keine Möglichkeit gibt den Wasseraustritt zu stoppen, wird während dieses Zeitraums vermutlich weiterhin Wasser austreten. Wie lange das Leck schon besteht, gab das Unternehmen nicht bekannt. Bei der Flüssigkeit soll es sich um konzentriertes Salzwasser handeln.

Nach  Angaben von TEPCO sind bislang etwa 120 Tonnen an stark kontaminiertem Wasser hinaus gelangt und könnten sich bereits mit Grundwasser gemischt haben.

Das Unternehmen schätzt, es könnten im Verlauf noch weitere 47 Tonnen kontaminiertes Wasser austreten.

Trotz der Cäsiumfilterung ist das Wasser noch stark radioaktiv. Die Gesamtbelastung des ausgetretenen Wassers beläuft sich auf 290.000 Becquerel pro Kubikzentimeter

Die Küste befindet sich gerade einmal in 800 Metern Entfernung. Dennoch bestehe kein Risiko, da keine Leitung, Graben oder ähnliches dorthin führe.

Seit 5:43 Uhr am Samstagmorgen wird das Wasser aus Behälter Nr. 2 in Behälter Nr. 1 gepumpt. Um 9:38 Uhr wurden drei zusätzliche temporäre Pumpen gestartet, ihr Betrieb jedoch um 12:07 Uhr  kurzzeitig gestoppt, um eine vierte Pumpe in Betrieb nehmen zu können. Die erste Pumpe arbeitet unterdessen weiterhin.

Nach der Hinzuschaltung der zusätzlichen Pumpen geht man davon aus, dass die Maßnahmen nunmehr nur noch fünf Tage dauern werde.

Updates zum Vorgehen: Neben Lagertank Nr. 1 soll das austretende Wasser offenbar auch in Tank Nr. 6 gepumpt werden. Um 15:33 Uhr wurde daher kurz der Pumpvorgang ausgesetzt und um 16:10 Uhr dann neu begonnen, nun auch mit einer Pumpe zu Lagertank Nr. 6

Die vier zugeschalteten Pumpen weisen eine Leistung von etwa 30 Kubikmeter pro Stunde, ,48 Kubikmeter pro Stunde und 60 Kubikmeter pro Stunde auf. Damit dürfte es 2,5 Tage brauchen, bis man etwa 10.000 Kubikmeter Wasser abgepumpt hat. Die Pumpe zum Lagertank 6 hat eine leistung von 40 Kubikmeter.

Ursache und Feststellung des Lecks: Wie die Asahi Shimbun am heutigen Samstag berichtete, sei TEPCO durch Wasserstandsmessungen am 4. und 5. April 2013 auf den Austritt aufmerksam geworden. Bislang war lediglich mit Strahlungsmessungen durch eine Öffnung in der Nähe des Tanks auf mögliche Lecks untersucht worden.

AKW Fukushima: Lecksuchmessung an einem unterirdischen Lagertank (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Lecksuchmessung an einem unterirdischen Lagertank (Foto: TEPCO)

Bis zum März 2013 waren die Strahlungswerte des Wasser derart niedrig, dass es keine Hinweise auf ein Leck gab. Erst als am 3. April zunächst 20 Becquerel pro Kubikzentimeter, gefolgt von 35 Becquerel am  4. April nachgewiesen wurden, deutete dies auf ein Leck hin.

Am 5. April wurde um 15:00 Uhr eine Wasserprobe zwischen der Lehmschicht und der Plane aus Polyethylen entnommen und die Belastung von 6.000 Becquerel nachgewiesen. TEPCO vermutet nun, dass Verbindungsstücke in den Polyethylen-Planen gerissen –  und das Wasser durch die 6,4 Millimeter dicke Lehmschicht gelangt sei.

Wie lange das Leck jedoch bereits tatsächlich besteht, ist unklar.

Möglicherweise weiterer Lagertank betroffen: In einem weiteren Wassertank – Tank Nr. 3 – der sich östlich vom betroffenen Tank Nr. 2 befindet, wurde nach Angaben der jiji am Samstagabend (Ortszeit) eine Verdopplung der Strahlungswerte gemessen.

TEPCO vermutet, das ausgetretenes Wasser aus Lager Nr. 2 dorthin gelangt sei und dort nun zum Strahlungsanstieg geführt habe. Die Möglichkeit, dass auch dieser Tank selbst lecken könnte, nannte TEPCO nicht.

Strahlungswerte im Detail: Die am gestrigen Nachmittag gemessene Belastung mit Betanukliden belief sich auf. 5,838×10^9 Becquerel pro Kubikmeter. Zwischen der mittleren und der äußeren wasserfesten Plane wurden 6,0 × 109 Becquerel pro Kubikmeter nachgewiesen. Eine Messung zwischen Erdboden und äußerer Plane ergab eine Belastung von 107 Becquerel pro Kubikmeter.

Nach Informationen vom heutigen Samstag sind insgesamt seien Konzentrationen von 1,5 x 100 an Gammanukliden pro Kubikmeter und 5,9 x 103 Becquerel pro Kubikmeter gemessen worden. Die Gesamtmenge an Gamma-Nukliden betrage 1,8 x 108Becquerel und die Gesamtbelastung an Betastrahlung 7,1 x 1011 Becquerel.

1 KOMMENTAR

  1. Unglaublich, was sich dort abspielt.
    Anscheinend sind japanische Techniker und Wissenschaftler nicht in der Lage der Situation Herr zu werden.
    Erst die, auch z.T. selbstverursachte Atomkatastrophe, und jetzt eine Panne nach der anderen. Jetzt sollen das strahlende Material ausgelagert werden, ich frage mich nur wie und wohin ?

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