Japan aktuell: Rätsel um Kontamination von Arbeitern in Ibaraki

Japan aktuell: Rätsel um Kontamination von Arbeitern in Ibaraki

Nach Oarai-Zwischenfall nun widersprüchliche Angaben zur Kontamination von Angestellten

540
0
TEILEN
Artikelbild - Nuklearforschungszentrum Oarai: Blick auf die Arbeitsfläche (Foto: Copyright by JAEA)
Nuklearforschungszentrum Oarai: Blick auf die Arbeitsfläche (Foto: Copyright by JAEA)

Während die Strahlungsbelastung der Arbeiter in Ibaraki nun überraschend umstritten ist, wird die unzureichende Sicherheitspolitik der JAEA immer deutlicher. Unzureichende Vorbereitungen und mangelnde Reaktionen auf bekannte Risiken bestimmten die Meldungen.

Wie es um die Situation von Mensch und Anlage steht, erfährt man nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. Juni 2017.

Unsere heutigen Meldungen zum Ibaraki-Zwischenfall:

  • Kein Nachweis von Plutonium bei kontaminierten Arbeitern
  • Risiko der Innenbeutel von Lagerbehältern war monatelang bekannt
  • Katastrophales Sicherheitskonzept begünstigte Zwischenfall in Ibaraki
Kein Nachweis von Plutonium bei kontaminierten Arbeitern

Am Montag hielt das Nationale Institut für Strahlungswissenschaften (NIRS) in der Stadt Chiba eine Pressekonferenz ab. Anlass war der Zwischenfall an der Nuklearforschungsanlage Oarai in der  Präfektur Ibaraki in der vergangenen Woche.

Die fünf Angestellten, die bei der Öffnung  eines Behälters radioaktiver Kontamination ausgesetzt worden waren, wurden im Institut mehrfach untersucht. Das Ergebnis dürfte dabei durchaus für Überraschung gesorgt haben.

War der Betreiber der Anlage, die japanische Atomenergiebehörde (JAEA) noch von einem Rekordwert der Plutonium-Inkorporation ausgegangen, stellten die Wissenschaftler des NIRS den aktuellen Zustand deutlich anders dar.

Demnach habe man in den Lungen der betroffenen Arbeitskräfte kein Plutonium nachweisen können. Stattdessen habe man Americium nachweisen können, dessen Konzentration abnehme.

Da Americium jedoch als Zerfallsprodukt aus Plutonium entsteht, lässt dies eine Aufnahme von Plutonium durchaus wahrscheinlich erscheinen.

Auch die JAEA hielt noch am selben Tag eine Pressekonferenz ab und räumte ein, die Plutoniumbelastung womöglich zu hoch geschätzt zu haben. Als Ursache für die Fehleinschätzung wird die Entdeckung von Plutonium auf der Haut verantwortlich gemacht.

Über diese überraschende Wendung berichteten die NHK, sowie Präfekturmedien.

Risiko der Innenbeutel von Lagerbehältern war monatelang bekannt

In Gesprächen mit der Atomaufsichtsbehörde NRA musste die Atomenergiebehörde JAEA am Dienstag einräumen, dass das Risiko platzender Innenbeutel in Lagerbehältern nicht unbekannt war.

Spätestens Januar diesen Jahres war die Möglichkeit, dass sich die Kunststoffbeutel durch die Bildung von Gasen aufblähen und platzen könnten bekannt. Die JAEA bestätigte zudem, dass das Aufblähen auch an einer anderen Einrichtung beobachtet worden war.

Mit einem derartigen Platzen sei jedoch nicht gerechnet worden. Das berichteten Präfekturmedien.

Katastrophales Sicherheitskonzept begünstigte Zwischenfall in Ibaraki

Die Kontamination von fünf Beschäftigten am Nuklearforschungszentrum Oarai (Präf. Ibaraki) ist offenbar auch auf ein schlechtes Sicherheitskonzept der Anlage zurückzuführen.

Die Kontamination ereignete sich am 6. Juni, als beim Öffnen eines Behälters der Innenbeutel platzte und Pulver aus Uranoxid und Plutoniumoxid freigesetzt wurden.

Die Maßnahme fand auf  einer Arbeitsfläche mit Abzugshaube (Digestorium) in der Forschungseinrichtung für Plutonium-Brennstoffe (PFRF) statt. Die Arbeitsfläche war nur durch eine halb geöffnete Glasscheibe vom übrigen Raum abgetrennt.

Das Sicherheitskonzept, radioaktives Material bei Druckverhältnissen unterhalb der Umgebung zu lagern, erwies sich als nicht ausreichend. So kam es, dass das freigesetzte Pulver sich im Raum verteilen konnte.

In dem Bereich steht zwar ein so genannter „Handschuhkasten“ bereit – ein gasdichter Behälter mit fest montierten Handschuhstulpen zur Handhabung von gefährlichem Material – doch fehlte es der Forschungseinrichtung an klaren Regeln.

Da keine Vorgaben im Bezug darauf vorhanden sind, welcher Arbeitsbereich für welche Substanzen verwendet werden soll, hatte es sich bei den Angestellten eingebürgert, versiegelte Behälter mit radioaktivem Material im offenen Bereich zu handhaben.

Da die Inspektion lediglich eine Öffnung des Metallbehälters, nicht aber des Innenbeutels vorsah, schätzten die Angestellten das Risiko offenbar als gering ein..

Ein weiteres Sicherheitsversäumnis war die unzureichende Schutzkleidung – lediglich Halbgesichtsmasken, die Nase und Mund bedecken, kamen zum Einsatz, anstatt die sperrigeren Vollgesichts-Schutzmasken zu verwenden.

Von dem Zwischenfall gibt es weder Augenzeugen noch Aufzeichnungen – denn obwohl eine Überwachungskamera vorhanden ist, wurden die Arbeiten weder in Echtzeit durch andere Angestellte überwacht, noch zeichnete die Kamera die Vorgehensweise auf.

Da ist es wenig verwunderlich, dass ein Mitarbeiter der Atomaufsichtsbehörde NRA, die den Zwischenfall untersucht zu der Ansicht kam, man habe den Eindruck, als habe die JAEA  nicht einmal die Möglichkeit eines schweren Zwischenfalls in Betracht gezogen.

Über diese Einschätzung berichtete die Mainichi Shimbun.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT