Start Aktuelles Japan aktuell: Rätsel um Leck an Fukushima-Großtank gelöst

Japan aktuell: Rätsel um Leck an Fukushima-Großtank gelöst

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Fukushima-Wassertank: Spuren des Leckverlaufs an Bolzenlöchern am 7. Oktober 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Wassertank: Spuren des Leckverlaufs an Bolzenlöchern am 7. Oktober 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Wassertank: Spuren des Leckverlaufs an Bolzenlöchern am 7. Oktober 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Wassertank: Spuren des Leckverlaufs an Bolzenlöchern am 7. Oktober 2013 (Foto: TEPCO)

Das vom AKW Fukushima heute gemeldete Leck von stark radioaktivem Wasser und die damit verbundene potentielle Gefährdung von Arbeitern ist offenbar auf menschliches Versagen zurückzuführen.

Erfolge kann der Betreiber der Anlage in Fukushima aktuell allerdings auch vorweisen – ist doch nun das Rätsel um den Austritt von 300 Tonnen Wasser aus einem Lagertank gelöst.

Details zu diesen Meldungen, sowie weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 9. Oktober 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Ursache für massives Leck an Fukushima-Großtank gefunden
  • Radioaktives Wasserleck kontaminiert Fukushima-Arbeiter äußerlich
  • Sinkende Arbeitsmoral bei Fukushima-Arbeitern führt zu Pannen
  • Keine Hinweise auf  Schäden bei Geschlechtsorganen von Fukushima-Stieren
  • Uferdämme liegen teilweise unter Tsunami-Höhe

Ursache für massives Leck an Fukushima-Großtank gefunden: Der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi gab heute bekannt, man habe die Ursache für das große Leck an einem der Wassertanks entdeckt.

Fukushima-Wassertank: Stark gerostetes Bolzenloch der Bodenplatte (Foto: TEPCO)
Fukushima-Wassertank: Stark gerostetes Bolzenloch der Bodenplatte (Foto: TEPCO)

Aus dem Behälter waren im August etwa 300 Tonnen an radioaktivem Wasser ausgetreten (Spreadnews berichtete am 19. August 2013).

Um die Hintergründe des Wasseraustritts ermitteln zu können, hatte man den Behälter schrittweise demontiert und durch Vakuumtests mit Schaum mögliche Leckstellen ausgemacht (Spreadnews berichtete unter anderem am 23. und 26. September). Nun ist die Ursache nach Aussage von TEPCO gefunden.

Demnach sollen zwei Öffnungen von ein bis zwei Zentimetern Länge und drei Millimetern Dicke, die sich zwischen korrodierten Stahlplatten am Boden des Tanks befanden, ursächlich für das bislang größte Wasserleck seit Ausbruch der Fukushima-Krise sein.

Die Öffnungen hätten die Maße von 3 x 11 Millimetern, sowie 3 x 22 Millimetern aufgewiesen.

Diese Lücken seien entstanden, als kontaminiertes Wasser aus dem Inneren des Behälters in die dortigen Bolzenlöcher gelangt war. Dort habe es schließlich zur Korrosion der Stahlplatten geführt, so dass sich diese Lücken weiter geöffnet hätten. Belege für diesen Effekt habe man an zwei Bolzenlöchern am Boden des Tanks entdeckt.

Als Reaktion hierauf will das Unternehmen nun alle 350 in Schnellbauweise errichteten Tanks, die durch Bolzen gesichert werden, so schnell wie möglich durch Behälter aus geschweißten Stahlplatten ersetzen.

Radioaktives Wasserleck kontaminiert Fukushima-Arbeiter äußerlich: Aufgrund eines Fehlers bei Arbeiten kam es am AKW Fukushima Daiichi am heutigen Morgen zum Austritt von mehreren Tonnen stark radioaktiven Wassers. Während des Zwischenfalls kamen sechs Kraftwerksarbeiter in Kontakt mit dem radioaktiven Material.

AKW Fukushima: Schlauchanschluss der Entsalzungsanlage am 9. Oktober 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Schlauchanschluss der Entsalzungsanlage am 9. Oktober 2013 (Foto: TEPCO)

Der Zwischenfall ereignete sich an einer Entsalzungsanlage auf dem Gelände des Kraftwerks. Ersten Erkenntnissen zufolge hatte der Angestellte eines Subunternehmens bei gemeinsamen Arbeiten unabsichtlich ein Wasserrohr das zur Anlage führte, von einem Verbindungsstück getrennt.

Der folgende Austritt von sieben bis zehn Tonnen an radioaktiv kontaminiertem Wasser verlief über einen Zeitraum von mehr als 50 Minuten. Das Leck wurde gegen 10:00 Uhr der Kraftwerksleitung gemeldet. Zunächst waren neun Arbeiter vor Ort, nach bekannt werden des Lecks begaben sich zwei weitere Angestellte an die Leckstelle.

Obwohl sie Regenjacken über ihren Schutzanzügen trugen, wurden nach Erkenntnissen der Atomaufsichtsbehörde NRA bei zwei Beschäftigten radioaktives Material an den Schutzanzügen festgestellt. Diese Personen wurden daher offensichtlich durch das herausspritzende radioaktive Wasser besprüht.

Die Betreiberfirma TEPCO erklärte, die betroffenen Beschäftigten würden in Folge den erforderlichen Strahlungstests unterzogen. Aufgrund des Umstands, dass die Arbeiten die vorgeschriebene Schutzkleidung und Atemmasken trugen, schien eine schwere Kontamination jedoch wenig wahrscheinlich.

Mittlerweile sind alle sechs Arbeiter erfolgreich dekontaminiert und tatsächlich belief sich die maximale Belastung durch Betastrahlung auf 1,2 Millisievert. Der von der Regierung festgelegte Grenzwert für Hautkontakt liegt bei 500 Millisievert pro Jahr.

Messwerten vom August zufolge hatte das Wasser aus der Leitung eine Belastung von etwa 37 Millionen Becquerel pro Liter. Dabei soll es sich vor allem um so genannte Betastrahler wie Strontium-90 handeln. Der unkontrollierte Austritt der Flüssigkeit liegt damit über dem gesetzlichen Grenzwert von 30 Becquerel an Strontium pro Liter.

Das radioaktive Wasser gelangte nach Angaben von TEPCO jedoch nicht in die Umwelt, sondern verblieb innerhalb der 60 Meter langen und 12 Meter großen Betonbarriere, welche die betroffene Entsalzungsanlage umgibt. Das Unternehmen kündigte an, entnommene Wasserproben genauer untersuchen zu wollen.

Über den jüngsten Zwischenfall berichteten unter anderem Kyodo, jiji, Mainichi Shimbun und NHK.

Sinkende Arbeitsmoral bei Fukushima-Arbeitern führt zu Pannen: Shunichi Tanaka, Vorsitzender von Japans Atomaufsichtsbehörde NRA, erklärte auf einer Pressekonferenz am heutigen Mittwoch, die abnehmende Moral der Beschäftigten am AKW Fukushima Daiichi sei eine der Ursachen für verschiedene Zwischenfälle wie Lecks und Maschinenprobleme.

Fukushima-Hauptgebäude: Mutmachparolen am 6. Mai 2011 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Hauptgebäude: Mutmachparolen am 6. Mai 2011 (Foto: TEPCO)

Tanaka führte aus, manche Probleme ließen sich nur durch eine gute Arbeitsmoral und ein positives Arbeitsumfeld verhindern. Da viele der Kraftwerksarbeiter von Subunternehmen stammen, sei es vor allem Aufgabe der Vorgesetzten und TEPCO-Angestellten, sich gänzlich der weiterhin erforderlichen Arbeiten zu widmen.

Nach Vorstellung von Tanaka sollen sie somit offenbar ein positives Vorbild bieten und auf diese Weise die Arbeitsmoral aller Beschäftigten erhöhen. Viele der Pannen der jüngsten Zeit –  der Ausfall des ALPS-Systems, der Stopp einer Kühlwasserpumpe und das Leck an der Entsalzungsanlage – sind auf Unachtsamkeit und mangelnde Sorgfalt der Arbeiter zurückzuführen.

Nachdem Ende vergangener Woche die NRA vom Elektrizitätskonzern eine Liste mit Maßnahmen zur künftigen Verhinderung von Lecks und anderen Zwischenfällen gefordert hatte, will NRA-Vorsitzender Tanaka die gemachten Pläne eingehend prüfen. Dies berichtet die NHK.

Keine Hinweise auf  Schäden bei Geschlechtsorganen von Fukushima-Stieren: Forscher haben bei Untersuchungen  von Stieren, die nach Ausbruch der Reaktorkatastrophe in der Evakuierungszone zurückgelassen wurden, keine Auswirkungen von radioaktivem Cäsium auf Hoden und Spermien der Tiere festgestellt.

Japanisches Wagyu-Rind (Foto: Cgoodwin cc-by)
Radioaktivität: Fukushima-Bullen weisen keine Schäden auf (Abb. symbolisch Foto: Cgoodwin cc-by)

Im Rahmen der Studie, deren Ergebnisse am gestrigen Dienstag vorgestellt wurden, hatte man drei Stiere aus dem 20-Kilometer-Sperrgebiet um das Kraftwerks untersucht. Zwei der Tiere waren im September 2011 auf dem Gelände der Ortschaft Kawauchi und ein drittes im Januar 2012 in Naraha eingefangen worden.

Obwohl insbesondere Hoden als strahlungssensibel gelten, wurde bei mikroskopischen Untersuchungen weder an Form noch Funktionsfähigkeit der Geschlechtsorgane festgestellt. Auch bei dem Zellteilungsprozess sei vergleichbar mit dem von Spermien gewesen, die keiner Strahlung ausgesetzt waren.

Für die Zukunft plane man durch künstliche Befruchtung von Kühen die genetischen Auswirkungen der Strahlungsbelastung weiter zu untersuchen, teilte Manabu Fukumoto, Professor für Pathologie an der Tohoku Universität mit. Über die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse berichtete die Kyodo.

Uferdämme liegen teilweise unter Tsunami-Höhe: Wie eine heute veröffentlichte Untersuchung deutlich macht, sind die Küstenlinien auf einer Gesamtstrecke von 1.300 Kilometern in 16 Präfekturen nicht ausreichend durch Uferdämme geschützt. Ihre Höhe liegt sogar unterhalb der Vorgaben, die vor dem Tohoku-Erdbeben 2011 und dem Tsunami ausgesprochen wurde.

Auf weiteren 1.500 Kilometern sind entweder gar keine Aufschüttungen vorhanden, oder die örtlichen Behörden konnten keine Angaben zu deren Höhe machen. In den 16 betroffenen Präfekturen müssten 5.511 Kilometer befestigt werden, um ausreichend Schutz für Gebäude und andere Anlagen bieten zu können.

Insbesondere auf Japans nördlichster Hauptinsel Hokkaido sind die Aufschüttungen zu niedrig. Dort müssen daher 364 Kilometer als potentiell unsicher gelten. Doch zumindest auf 2.690 Kilometern und damit der ungefähren Hälfte der gesamten untersuchten Strecke der 16 Präfekturen, sind die Befestigungen an den Küsten höher, als der prognostizierte Tsunami. Dies berichtet die jiji.

 

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