Start Aktuelles Japan aktuell: Rätselhafte Strahlungserhöhung am AKW Fukushima Daini bekannt geworden

Japan aktuell: Rätselhafte Strahlungserhöhung am AKW Fukushima Daini bekannt geworden

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AKW Fukushima Daini (Foto: KEI cc-by)
Gerüchte um Stilllegung am AKW Fukushima Daini (Foto: KEI cc-by)
AKW Fukushima Daini (Foto: KEI cc-by)
Rätsel am AKW Fukushima Daini während der Krise (Foto: KEI cc-by)

Wie vom Betreiber des AKW Fukushima aktuell veröffentlichte Daten zeigen, sind immer noch Fragen zur Reaktorkatastrophe 2011 ungeklärt.

Neben der rätselhaften Erhöhung des Strahlungsniveaus, sind auch andere Ereignisse rund um das Kernkraftwerk Fukushima heute von Interesse.

So finden sich in den Fukushima News sowohl Informationen über Lecks, als auch zu Maßnahmen die sich durch das bislang schwerste Unglück an einem japanischen AKW ergaben. Einzelheiten hierzu wie immer im Spreadnews Japan-Ticker vom 20. November 2012.

Unsere heutigen Meldungen

  • Ungeklärte kurzzeitige Strahlungserhöhung an Fukushima Daini
  • Schilddrüsentests in Nagasaki sollen Vergleichswere bieten
  • Leck an SARRY-Anlage
  • Natürliches Dekontaminationsmittel entwickelt
  • Verzögerung bei neuen Flüchtlingshäusern
  • Kampf gegen Pfusch und Betrug bei Wiederaufbau
  • China begeht erneut Grenzverletzung im Senkaku-Streit
    • China gibt Japan die Schuld am Konflikt
    • China verletzt erneut japanische Grenze
    • Japan legt Protest ein
    • China lehnt Protest ab

Ungeklärte kurzzeitige Strahlungserhöhung an Fukushima Daini: TEPCO erklärte am gestrigen Montag, bislang fehlende Strahlungsmessungsdaten, die während der Akutphase der Krise erfasst worden waren, nun nachgereicht zu haben. Diese Daten betreffen das Kernkraftwerk Fukushima Daini (Fukushima 2).

Bislang waren die veröffentlichten Daten für den Zeitraum zwischen dem 15. März 2011 (9:00 Uhr) und dem 3. April  2011 (23:00 Uhr) teilweise unvollständig. Die fehlenden Daten wurden erst jetzt durch eine Anfrage der NHK zur Veröffentlichung der Informationen bekannt.

Die Veröffentlichung der Werte vom 16. März 2011 wirft allerdings möglicherweise neue Fragen um die Nuklearkatastrophe von Fukushima auf, anstatt diese zu beantworten. So ist in den Daten zwischen 9:40 Uhr und 9:50 Uhr eine plötzliche Strahlungsspitze von zunächst 20 Mikrosievert auf 80 und dann 87,7 Mikrosievert pro Stunde festzustellen.

Für diesen Zeitraum wird jedoch keine Wasserstoffverpuffung, oder ein anderes Ereignis am AKW Fukushima Daini berichtet. Die Asahi Shimbun beruft sich auf namentlich ungenannte Quellen, wenn sie nun schreibt, dass das gemessene radioaktive Material durch einen Druckabfall an Reaktor 3 von Fukushima Daiichi am selben Tag freigesetzt worden sein könnte.

Die genau Ursache dieses Anstiegs ist somit bislang unklar, ebenso weshalb TEPCO die Daten nicht öffentlicht verfügbar gemacht hatte, sondern die Veröffentlichung erst auf eine Anfrage der NHK erfolgte. Der Kraftwerksbetreiber erklärte, man werde nun ermitteln, weshalb die Daten zu diesem Zeitraum nicht an die Öffentlichkeit gelangten.

Schilddrüsentests in Nagasaki sollen Vergleichswerte bieten: Auch wenn beim Namen der Stadt Nagasaki viele zunächst an die Atombombe denken mögen, so ist es doch die gleichnamige Präfektur, die nun zum Vergleich der Schilddrüsenbelastung von Kindern als Vergleichsobjekt zur Präfektur Fukushima dienen soll.

Schilddrüse (Grafik: pd)
Vergleichsgruppen zu Fukushima-Kindern werden gesucht (Foto: pd)

Das Umweltministerium hat damit begonnen, bei 1.100 Kindern aus Kindergärten und Schulen der Präfektur eine Messung der Schilddrüsenwerte durchzuführen, um eine Vegleichsgruppe zu den bereits getesteten Kindern der Präfektur Fukushima zu haben. Weitere Untersuchungen sollen in Aomori und Yamanashi folgen.

Im Rahmen des lebenslangen Kontrollplans für 360.000 Kinder aus Fukushima waren in 96.000 Fällen, was 40 Prozent der getesteten Kinder entspricht, Veränderungen wie etwa Zysten festgestellt worden.

In mindestens einem Fall wurde bereits Kehlkopfkrebs diagnostiziert.

Das Problem besteht in der Beurteilung dieser Zahl. Es kann bislang nicht beurteilt werden, ob diese 40 Prozent ungewöhnlich hoch sind, da es bis zum heutigen Tag keine Vergleichsuntersuchungen gibt, die mit dem gleichen modernen Gerät durchgeführt wurden.

Im heutigen Artikel der Asahi Shimbun wird erläutert, dass die Präfektur Nagasaki zum einen aufgrund ihrer räumlichen Distanz zum AKW Fukushima Daiichi, als auch wegen der Anwesenheit von Schilddrüsenexperten ausgewählt worden war. Insgesamt sollen zunächst 4.500 Kinder außerhalb der Präfektur Fukushima untersucht werden

Die Untersuchungsergebnisse in den drei Vergleichspräfekturen sind gegen Ende des Fiskaljahres 2012 verfügbar und können dann von Eltern auf Wunsch eingesehen werden. Eine automatische Information soll offenbar nicht erfolgen.

Leck an SARRY-Anlage: Um 8:00 Uhr entdeckte ein TEPCO-Mitarbeiter auf einem Kontrollgang einen Wasseraustritt an der Außenseite der Verbrennungsanlage für Abfälle. Das Wasser trat offenbar an Lüftungsrohren der SARRY-Filtersystems aus. Um 8:26 Uhr wurde dann der Betrieb der zweiten Cäsiumfilteranlage angehalten, was jedoch nicht zum Stopp des heraustropfenden Wassers führte. 

AKW Fukushima: Wasserleck am 20. November 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Wasserleck am 20. November 2012 (Foto: TEPCO)

Als Gegenmaßnahme begann man gegen 9:47 Uhr mit der Aufschichtung von Sandsäcken, eine Arbeit die um 10:00 Uhr als abgeschlossen gemeldet wurde. Später gelang es den Wasseraustritt zu stoppen.

Das ausgetretene Wasser verbreitete sich auf einer Fläche von 16×11 Meter und wies eine Tiefe von etwa einem Millimeter auf. Insgesamt sind etwa 176 Liter Wasser ausgetreten. Eine erste Untersuchung einer Wasserprobe ergab folgende Werte:

Ergebnisse der Probenahme

  • Cäsium-134:  3,7 x 110 2 Becquerel pro Kubikzentimeter
  • Cäsium-137:  6,5 × 110 2 Becquerel pro Kubikzentimeter
  • Cobalt-60: 3,5 × 10 0 Becquerel pro Kubikzentimeter
  • Mangan-54:  1,9 × 10 0 Becquerel pro Kubikzentimeter
  • Gesamtmenge der Radioaktivität: circa 1,8 × 10 8 Becquerel

Da es keinen Zugang zum Meer gegeben habe, sei auch kein radioaktives Material aus dem Bereich des Betonbodens hinausgelagt. Die Kühlung der Reaktoren sei durch den Zwischenfall nicht beeinträchtigt worden, auch die Entsalzung sei unbeeinflusst. Diie Ursache für den Austritt werde nun untersucht, erklärte TEPCO.

Natürliches Dekontaminationsmittel entwickelt: Das fermentierte Sojabohnengericht Natto, hat aufgrund seiner schleimartigen Konsistenz und des markanten Geruchs nur wenig Freunde unter Nichtjapanern. Das ein Verwandter von dessen Fermentationsbakterium die Dekontamination verstrahlter Gebiete erleichtern könnte, hätten vermutlich die wenigsten erwartet.

Dekontamination mit Hochdruckreiniger in Fukushima am 15. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Umweltfreundliches Produkt kann Dekontamination erleichtern (Foto: symbolisch, TEPCO)

Tatsächlich konnte das Unternehmen Kaneka Corporation jetzt die Entwicklung eines umweltfreundlicheren Dekontaminationsmittels auf Getreidebasis melden. Anders als bei experimentellen Projekten, die zwar vorgestellt, jedoch noch nicht genutzt werden konnten, erfolgen bereits Lieferungen an ein Unternehmen.

Nach Angaben des Herstellers handelt es sich um das erste Produkt auf diesem Sektor, dass aus wenig verarbeitetem Ausgangsmaterial gewonnen wird. Die Wirkung entspricht der bisher bekannten: Durch die Substanz sollen Verschmutzungen von Oberflächen wie Straßen und Gebäuden gelöst werden.

Grundlage des Reinigungsmittels stellt Getreide dar, dass durch eine Bakterienkultur zur Fermentation gebracht wird, wie man es vergleichbar auch vom Lebensmittel Natto her kennt. Wird das Reinigungsmittel mit Wasser verdünnt durch eine Straßenkehrmaschine vereilt, kann die Substanz anschließend von dem Fahrzeug zusammen mit dem bereits kontaminiertem Wasser wieder aufgesaugt werden.

Da es keine synthetisch hergestellten Chemikalien enthält, muss das Wasser nach der Filterung des radioaktiven Materials nicht zusätzlich gereinigt werden, was sowohl Zeit als auch Kosten spart. Über das umweltfreundliche Reinigungsmittel berichteten Kyodo und Asahi Shimbun.

Verzögerung bei neuen Flüchtlingshäusern: Da Übergangshäuser nur als temporäre Wohneinrichtungen dienen, soll Menschen durch die Schaffung von „Wiederaufbauhäusern“ eine dauerhaftere Wohnmöglichkeit geboten werden. Anders als bei den kostenlosen Übergangshäuser wird im Rahmen dieses Projekts jedoch Miete, die sich nach dem Einkommen richtet, erhoben.

Doch verschiedene Faktoren wie die große Zahl der Antragsteller, dem Mangel an Personal zur Projektverwaltung bei örtlichen Behörden und vor allem die Knappheit von Flächen,  die sich als Bauland eignen führen dazu, dass bis zum Fiskaljahr 2014 lediglich 13.693 der geplanten 23.930 Gebäude verfügbar sein werden.

Ein besonders deutliches Beispiel, das von der Yomiuri Shimbun angeführt wird, ist Ishinomaki (Präf. Miyagi). Hier sollen in dem geplanten Zeitraum lediglich 180 der geplanten 4.000 Wohngelegenheiten verfügbar sein. Bei den drei betroffenen Präfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi stellt sich dies wie folgt dar

  • Präfektur Fukushima: Geplant: 3019. Bis 2014 fertig: 2723
  • Präfektur Iwate: Geplant: 5.594. Bis 2014 fertig: 5.118
  • Präfektur Miyagi: Geplant: 15.317 Bis 2014 fertig: 5.852
  • Gesamtplanung: 23.930 Im Jahr 2014 fertig: 13.693

Kampf gegen Pfusch und Betrug bei Wiederaufbau: Das Ministerium für Land, Infrastruktur, Transport und Tourismus kündigte gestern an, noch im Laufe dieses Monats in den drei Katastrophenpräfekturen Kontrollen bei Unternehmen durchzuführen, die am Wiederaufbau beteiligt sind.

Hintergrund der Aktion ist der Umstand, dass viele Unternehmen von Wiederaufbaubestrebungen und Zuschüssen profitieren wollen, so dass bis Ende August mindestens 370 Betriebe dort niederliessen. Dabei wird die Arbeitssicherheit vernachlässigt, denn die Zahl schwerer Arbeitsunfälle, auch solcher mit Todesfolge  stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (Januar bis Oktober) um 20 Prozent an.

Durch die Maßnahmen sollen nun Baufirmen und Scheinunternehmen bekämpft und Aufträge entzogen werden, so dass der Aufbau in Fukushima, Iwate und Miyagi reibungsloser verlaufen kann, berichtet die jiji. Insbesondere die Yakuza, die organisierte Kriminalität Japans, ist  bekannt dafür, auch im Baugewerbe tätig zu sein.

China begeht erneut Grenzverletzung im Senkaku-Streit: Nach den gewohnt lächerliche Provokation durch die Präsenz von Schiffen im Grenzgebiet, hat China nun erneut gegen geltendes Recht verstoßen und ist illegal in japanisches Hoheitsgebiet eingedrungen. Aktuelle Informationen über die Situation jetzt zusammengefasst:

Schiff der japanischen Küstenwache (Foto: pd)
Am 32. Tag in Folge beobachtet Küstenwache erneut Grenzverletzungen (Foto: pd)

China gibt Japan die Schuld am Konflikt: Die für anhaltende Menschenrechtsverstöße bekannte Volksrepublik China hat Japan vorgeworfen, dessen nicht aufgearbeiteter Miliatrismus im Zweiten Weltkrieg sei Schuld an den Spannungen. Diese Behauptung äußerte Chinas Premier Wen in einem Gespräch mit Südkoreas Präsident Lee Myung Bak.

China verletzt erneut japanische Grenze: Kurz vor 11:00 Uhr am heutigen Dienstagmorgen drangen vier chinesische Schiffe in japanische Hoheitsgewässer ein und begingen somit bereits zum zwölften Mal in diesem Jahr eine illegale Grenzverletzung. Die Eindringlinge wurden von Japans Küstenwache aufgefordert, das Gebiet umgehend zu verlassen.

Japan legt Protest ein: Shinsuke Sugiyama, Generaldirektor des Büros für asiatische und ozeanische Angelegenheiten bei Japans Außenministerum protestierte telefonisch bei Han Zhiqiang, von der chinesischen Botschaft in Tokyo, und forderte den Rückzug, sowie die Verhinderung einer Wiederholung derartiger Aktionen.

China lehnt Protest ab: Der chinesische Regierungsvertreter lehnte es ab, den offiziellen Protest Japans zu akzeptieren, sondern antwortete mit dem bereits bekannten propagandistischen und imperialistischen Behauptungen, die Senkaku seien Teil des chinesischen Territoriums.

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