Start Aktuelles Japan aktuell: Reaktorneustart am AKW Sendai durchgeführt

Japan aktuell: Reaktorneustart am AKW Sendai durchgeführt

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Artikelbild - Stadt Satsumasendai, Standort des AKW Sendai (Foto: pd)
Stadt Satsumasendai, Standort des AKW Sendai, im Februar 2007 (Foto: pd)

Wie von Regierung und Betreiber angekündigt, wurde am heutigen Dienstagmorgen der Reaktor 1 des AKW Sendai (Präf. Kagoshima) wieder hochgefahren.

Die Entfernung der 32 Kontrollstäbe, um den Reaktor wieder in Betrieb zu nehmen, war vorab für 10:30 Uhr angesetzt worden.

Es handelt sich um das erste japanische Kernkraftwerk, dass seit der Erlassung der strengeren Sicherheitsrichtlinien am 8. Juli 2013 wieder einen Reaktorneustart durchführt.

Der für Montag vorgesehene Neustart war vergangene Woche wegen technischer Nachkontrollen auf den 11. August verschoben worden.

Obwohl noch wenige Tage vor dem Neustart zwei Störungen auftraten, hielt der Betreiber Kyushu Electric an den Neustartplänen fest.

Die Erreichung der so genannten Kritikalität, nach der die Kettenreaktion im Reaktor selbstständig weitergeht, wurde für 23:00 Uhr (Ortszeit) erwartet.

Der Kraftwerksbetreiber  meldete um 23:21 Uhr keine besonderen Vorkommnisse, so dass der Reaktor nun offenbar läuft.

Sollten sich keine Probleme ergeben, wird am Freitag die Dampfturbine für die Elektrizitätserzeugung angeschlossen.

Der Anlauf der kommerziellen Stromerzeugung ist für September geplant und soll zunächst bis Oktober kommenden Jahres fortgeführt werden.

Proteste und Kritik

Anlässlich des Neustarts versammelten sich bereits am Sonntag 2.000 Atomkraftgegner an der Küste nahe des Kraftwerks. Ein Teil von ihnen protestierte später vor dem Gelände der Anlage.

An den Protesten vor den Toren der Anlage beteiligten sich am heutigen Dienstag etwa 200 Personen, um gegen die weitere Nutzung der Kernkraft in Japan zu demonstrieren.

Die Gegner des Neustarts bemängeln, dass das Risiko eines Vulkanausbruchs als Sicherheitsgefahr vernachlässigt worden sei.

So lassen zwar fünf große Vulkankrater in der Nähe des AKW auf frühere vulkanische Aktivität schließen – dennoch existiert im Sicherheitskonzept kein Auslagerungsort für Brennelemente bei einem Vulkanausbruch.

Der Betreiber argumentiert, die Anzeichen eines Ausbruchs würden früh genug erfolgen, um den Abtransport zu gewährleisten.

Protestler kritisierten jedoch auch den Starttermin, da der 11. jedes Monats von vielen mit der Tohoku-Katastrophe und dem Kraftwerksunglück von Fukushima in Verbindung gebracht wird.

Eine Telefonumfrage der Mainichi Shimbun vom 8. und 9. August mit 1.015 gültigen Stimmen ergab eine Ablehnung des Sendai-Neustarts bei 57 Prozent der Befragten. Lediglich etwa 30 Prozent sprachen sich dafür aus.

Eine vergleichbare Umfrage im Januar hatte mit 54 Prozent an Gegenstimmung und 36 Prozent an Befürwortern noch darunter gelegen.

Einige Anwohner betonten jedoch auch, viele Städte und Ortschaften wären ohne die Regierungsgelder, die den Gemeinden mit aktiven Kernkraftwerken zukommen, wirtschaftlich gefährdet.

Hintergrund

Nach dem Ausbruch der Fukushima-Krise im März 2011 waren alle 54 Reaktoren des Landes aus Sicherheitsgründen heruntergefahren worden.

Im September 2013 wurde als letzte Einheit der Reaktor 4 des AKW Oi (Präf Fukui) für Routinechecks heruntergefahren, nachdem die Anlage im Juli 2012 trotz Protesten in der Bevölkerung zeitweise wieder ans Netz gegangen war.

Es handelt sich beim AKW Sendai somit nicht, wie von einigen Medien dargestellt, um den ersten Neustart eines Reaktors nach der Fukushima-Katastrophe.

Aufgrund der Verschärfung der Sicherheitsbestimmungen für Kernkraftwerke muss für jeden Reaktorneustart eine Sicherheitsprüfung durch die Atomaufsichtsbehörde NRA beantragt werden.

Derzeit liegen für mehrere Reaktoren Prüfungsanträge vor.

Gänzlich ausgenommen von Neustarts sind Anlagen, die sich auf aktiven geologischen Verwerfungen befinden und deshalb bei Erdbeben besonderen Risiken ausgesetzt wären.

Über den Neustart berichteten praktisch alle japanischen Medien, darunter die Kyodo, Asahi Shimbun, jiji und NHK.

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