Start Aktuelles Japan aktuell: Regenfälle zwingen Fukushima-Betreiber unterirdische Lagertanks zu nutzen

Japan aktuell: Regenfälle zwingen Fukushima-Betreiber unterirdische Lagertanks zu nutzen

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AKW Fukushima: Unterirdischer Lagertank (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Unterirdischer Lagertank (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Unterirdischer Lagertank (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Unterirdischer Lagertank (Foto: TEPCO)

Außergewöhnliche Probleme bedürfen außergewöhnlicher Lösungen – dieser Maxime folgt der Betreiber des AKW Fukushima aktuell, wenn er nun erklärt, die einst zum Risiko ernannten unterirdischen Lagertanks zeitweise wieder nutzen zu wollen.

Gleichzeitig wird von der Anlage in Fukushima heute ein zweiter Strahlungsrekord in Folge gemeldet

Details zu den Fukushima News und weitere Meldungen jetzt wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 24. Oktober 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Regenfälle zwingen Fukushima-Betreiber zur Nutzung unterirdischer Lagertanks
  • Zweiter Strahlungsrekord in Folge an Fukushima-Abwasserkanal
  • Taifun Francisco auf dem Weg zu Japans Hauptinseln

Regenfälle zwingen Fukushima-Betreiber zur Nutzung unterirdischer Lagertanks: Nachdem es im April 2013 an unterirdischen Lagertanks deutliche Hinweise auf Lecks gegeben hatte, entschied sich Kraftwerksbetreiber TEPCO dazu, die unterirdischen Behälter durch abpumpen zu leeren und auf ihre weitere Nutzung zu verzichten.

AKW Fukushima: Lecksuchmessung an einem unterirdischen Lagertank (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Leckmessung an einem unterirdischen Lagertank im April 2013 (Foto: TEPCO)

Heute teilte das Unternehmen mit, man habe mit Erlaubnis der Atomaufsichtsbehörde NRA damit begonnen, das angestaute Regenwasser hinter den 30 Zentimeter hohen Betonbarrieren um die oberirdischen Wasserbehälter herauszupumpen und in drei unterirdische Tanks zu leiten, an denen bislang keine Lecks aufgetreten sind.

Bereits am 16. Oktober hatte TEPCO während des Taifuns „Wipha“ als Notfallmaßnahme auf den unterirdischen Tank Nr. 7 zurückgegriffen und dort Regenwasser eingeleitet. Die heute gestarteten regulären Pumparbeiten begannen am unterirdischen Tank Nr. 4 mit einem Fassungsvermögen von 4.000 Tonnen.

Während dieser Regenwassertranfer aus sechs Lagertankgruppen, an denen die Strahlungsbelastung durch Betastrahler zwischen 29 und 970 Becquerel zu hoch ist, um sie durch Ventile in die Umwelt abzulassen durch die NRA gebilligt wird, fordern örtliche Behörden, die unterirdischen Behälter nach Ende der unmittelbaren Gefahr umgehend wieder in oberirdische Lagertanks umzufüllen.

Das Ziel der Aktion – die Wasserstände hinter den Barrieren bis auf mindestens zehn Zentimeter zu verringern – ist durchaus angemessen, hatte doch der Taifun „Wipha“ bereits zum Überlaufen von kontaminiertem Regenwasser geführt, das dann möglicherweise den Pazifik erreichte. Auch habe man hinter einer Barriere bis zu 510.000 Becquerel pro Liter an Betastrahlern nachgewiesen.

Um dem erwarteten Taifun „Francisco“ besser begegnen zu können, will das Unternehmen die Strahlungskontrolle in angestautem Meerwasser vereinfachen. So soll es nicht erst für Tests in einen Zwischentank gepumpt werden, sondern in zuvor gering belasteten Bereichen, unmittelbar vor Ort durch Arbeiter getestet werden.

TEPCO hofft auf Verständnis der NRA und führt diesbezügliche Gespräche. Man sei generell darauf bedacht, sich an die korrekte Vorgehensweise zu halten, müsse für derartige Extremsituationen jedoch auch Handlungsmöglichkeiten haben. Über die Maßnahmen berichteten Asahi Shimbun und NHK.

Zweiter Strahlungsrekord in Folge an Fukushima-Abwasserkanal: Erst gestern hatte TEPCO erklärt, mit 59.000 Becquerel pro Liter aus einem Abwasserkanal sei dort der höchste Wert seit Beginn der Kontrollen im August festgestellt worden. Heute wurde dieser Wert durch eine Wasserprobe am selben Messpunkt übertroffen.

Trefoil: Radioaktivitäts-Warnsymbol
AKW Fukushima: Zweiter Strahlungsrekord an Abwassergraben in Folge (Grafik: pd)

In der am gestrigen Mittwoch entnommenen Probe wurde radioaktives Strontium, sowie weitere Betastrahler in Höhe von 140.000 Becquerel pro Liter nachgewiesen. Der zulässige Grenzwert für Strontium beträgt 30 Becquerel pro Liter.

Zwar befindet sich der Kanal nur in geringer Entfernung zum Standort des mittlerweile demontierten Tanks, aus dem im August etwa 300 Tonnen radioaktives Wasser ausgetreten waren. Hinweise für ein neues Leck an einem anderen Tank gibt es jedoch nicht.

Der Kanal stellt eine Verbindung zum Ozean dar, daher befindet sich auch der neue Fundort nur 700 Meter von der Stelle entfernt, an der die Abwasserleitung in den Ozean mündet. Um eine weitergehende Kontamination des Meeres einzudämmen wurden bereits Sandsäcke aufgeschichtet, der Betreiber der Anlage räumt jedoch selbst ein, dass dies keine vollständige Schutzmaßnahme darstellt.

Als Erklärung für den zweiten Strahlungsrekord führt TEPCO weiterhin den Umstand an, die schweren Regenfälle hätten das radioaktive Material aus dem umgebenden Boden geschwemmt und in den Abwasserkanal geschwemmt. Über den Fund berichteten Kyodo, jiji, Asahi Shimbun und NHK.

Taifun Francisco auf dem Weg zu Japans Hauptinseln: Die japanische Wetterbehörde rechnet damit, dass der Taifun „Francisco“ am Wochenende auf drei der vier Hauptinseln Japans treffen wird. Lediglich Hokkaido, die nördlichste der japanischen Inseln, ist voraussichtlich nicht betroffen.

Karte Japans (Grafik: pd)
Japan: Taifunsorgen auf drei von Japans Hauptinseln (Grafik: pd)

Auf der kleinen Insel Izu-Oshima, südlich von Tokyo, laufen die Evakuierungen. Der vorangegangene Taifun „Wipha“ hatte dort zu Erdrutschen geführt und mindestens 30 Menschen das Leben gekostet, 14 werden noch vermisst. Auch die Wetterbehörde rät Bewohnern stark betroffener Gebiete zur Evakuierung.

Der Taifun „Francisco“ bringt Windböen von bis zu 180 Kilometern pro Stunde mit sich und so werden für den Süden von Kyushu und Okinawa sowohl Stürme als auch Sturmwellen prognostiziert. Bereits heute wurden für Shikoku und Kyushu Regenfälle zwischen 50 und 60 Millimetern erwartet.

Die Behörden gehen davon aus, dass er sich an der Südküsten entlang bewegen und schwere Regenfälle sowohl in den Westen, als auch den Osten Japans bringen wird. Für die Stadt Tsukumi (Präf. Oita) wurde bereits eine Warnung vor Erdrutschen erlassen. Der noch stärkere Taifun „Lekima“ bewegt sich zwar auf die Ogasawara-Insen zu, wird aber voraussichtlich nicht die größte Hauptinsel Honshu erreichen.

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