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Japan aktuell: Regenwasser bleibt Problem für Fukushima-Betreiber

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Herbstblatt im Regen (Foto: ECP cc-by)
AKW Fukushima: Regenwasser bleibt Problem (Symbolfoto: ECP cc-by)
Herbstblatt im Regen (Foto: ECP cc-by)
AKW Fukushima: Regenwasser bleibt Problem (Symbolfoto: ECP cc-by)

Taifune und der damit verbundene Regen sind für den Betreiber des AKW Fukushima heute erneut ein Problem. Wieder erwiesen sich dort Barrieren als unzureichend.

Aber auch für eine Restaurantkette ist das Thema Fukushima aktuell, soll doch Reis aus der Präfektur für ihre Mahlzeiten Verwendung finden.

Neben sonstigen Fukushima News, etwa zur möglichen Stilllegung des AKW Fukushima Daini gibt es weitere Themen, etwa die fehlende Sicherheit vieler Verkehrsbrücken in Japan. Details zu allen Meldungen wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 2. Oktober 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Regenwasser gelangt über weitere Tankbarriere
  • Tests in verstrahlten Bereichen um AKW Fukushima
  • Sicherheit von fast 1.200 Brücken über Schnellstraßen fraglich
  • Bekannte Lokalkette will Reis in Fukushima anbauen lassen
  • Industrieminister erwägt Stilllegung von Fukushima Daini

Regenwasser gelangt über weitere Tankbarriere: Am heutigen Mittwoch entdeckten Kraftwerksarbeiter am Behälter einer Umkehrosmose-Einheit zur Filterung von Salzwasser, dass dort aufgrund des Taifuns angesammeltes Regenwasser über die Barriere gelangte.

Der betroffene Behälter befindet sich im Süden des Bereichs H8. Als Reaktion auf die Ansammlung des Wassers wurde die Flüssigkeit gegen 13:00 Uhr in einen Wassertank des Bereichs H8 gepumpt. TEPCO erklärte zunächst, man wolle Untersuchungen durchführen und gab dann die Ergebnisse der Analysen bekannt.

Innerhalb des Damms festgestelltes Regenwasser wies eine Gesamtbetastrahlung von 15 Becquerel pro Liter auf. Sowohl Cäsium-135 als auch Cäsium-137 lagen unterhalb des Nachweiswerts von 14 bzw. 19 Becquerel pro Liter. Die Gesamtmenge des Regenwassers, das außerhalb der Barriere gelangt, betrage ersten Schätzungen zufolge 23 Kubikmeter.

Tests in verstrahlten Bereichen um AKW Fukushima: Aufgrund der freigesetzten Radioaktivität nach den Kernschmelzen am AKW sind Teile von insgesamt sieben Gemeinden langfristig unbewohnbar.

Straßensperre in der Präfektur Fukushima (Foto: Prof. Haruhiko Okumura cc-by)
Straßensperre in der Präfektur Fukushima (Foto: Prof. Haruhiko Okumura cc-by)

In fünf dieser Gebiete begann das Umweltministerium am Dienstag mit Versuchen zur Dekontamination.

Zielsetzung der bis Ende des Jahres laufenden Maßnahme ist es, Effektivität und Kosten der Dekontamination stark radioaktiver Bereiche besser einschätzen zu können.

Auch die radioaktive Belastung der Arbeiter im Rahmen ihrer Einsätze soll überwacht werden.

In den ausgesuchten Teilen der Ortschaften Namie und Futaba wurde nun damit begonnen, Gras und Erdreich zu entfernen. Das berichtet die NHK. Als langfristig unbewohnbar werden Gebiete eingestufte, in denen Werte von mehr als 50 Millisievert pro Jahr erreicht werden.

Sicherheit von fast 1.200 Brücken über Schnellstraßen fraglich: Wie eine heute veröffentlichte Untersuchung ergab, sind insgesamt 1.183 der insgesamt 4.484 kontrollierten Landbrücken die über Schnellstraßen führen, möglicherweise noch nie auf ihre Sicherheit überprüft worden.

Verkehrsknotenpunkt Nishinaka der Nationalstraßen 23 und 419 (Foto: pd)
Japans Verkehrsbrücken vielfach erdbebengefährdet (Foto: pd)

In 635 Fällen ist erwiesen, dass sie nach ihrer Erbauung noch nie inspiziert worden waren. Bei den übrigen 548 Brücken konnte eine Prüfung nicht durch offizielle Dokumente nachgewiesen werden.

Allerdings sieht auch die Bilanz bei den insgesamt 3.300 geprüften Brücken nicht positiv aus – wurden doch in 1.900 Fällen lediglich visuelle Kontrollen durchgeführt.

In der Gesamtzahl wurde zudem deutlich, dass bei 2.454 Brücken, die vor den jetzt geltenden Erdbebenbestimmungen aus dem Jahr 1981 gebaut worden waren. In 1.491 Fällen keine Kontrollen auf Erdbebensicherheit erfolgten. In 49 Fällen wurde trotz der Erfordernis zur baulichen Verstärkung keine Arbeiten durchgeführt, in 13 weiteren Fällen erfolgte die strukturelle Verstärkung nur zum Teil.

Insgesamt sechs Betreiber sind für die Schnellstraßen verantwortlich. Die Brücken waren oft zeitgleich mit den Schnellstraßen errichtet und dann der Beaufsichtigung durch die Gemeinden überstellt worden. Die Gemeinden verfügen nach eigener Aussage jedoch nicht über ausreichend Finanzmittel und Arbeitsstärke, um Reparaturen durchführen zu können.

Diese nachlässige Sicherheitspolitik gefährdet insbesondere bei Erdbeben die Verkehrsteilnehmer. Auch für den Katastrophenschutz würden sich die maroden Brücken negativ auswirken. Über die bekannt gewordenen Mängel berichten Mainichi Shimbun und jiji.

Bekannte Lokalkette will Reis in Fukushima anbauen lassen:  Bei Personen die in Japan leben, oder öfter dorthin reisen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie schon einmal eine Filiale der Lokalketten Matsuya oder Yoshinoya betreten haben – beide haben sich auf die Gyudon genannte Speise aus Rindfleisch, Reis und Zwiebeln spezialisiert.

Yoshinoya-Filliale in Tokyo im Oktober 2013 (Foto: Copyright by KJ)
Yoshinoya-Filliale in Tokyo im Oktober 2013 (Foto: Copyright by KJ)

Die Yoshinoya Holdings Co. teilte am Dienstag mit, man habe in Shirakawa (Präf. Fukushima) mit der „Yoshinoya Farm Fukushima Co.“ein Joint-Venture geschaffen, in dessen Rahmen Reis und andere landwirtschaftliche Produkte für den Verbrauch in den Lokalen der Kette angebaut werden soll.

Das Ziel ist dabei rein wirtschaftlicher Natur – durch die Produktion in der Tohoku-Region will man die Beschaffungskosten für Zutaten senken.

Auf dem Gebiet von zunächst 4,3 Hektar werden die Landwirte ab dem Fiskaljahr 2014 sowohl Kohl als auch Frühlingszwiebeln anbauen.

Tokyo: Speisekarte der Lokalkette Yoshinoya im Oktober 2013 (Foto: Copyright by KJ)
Tokyo: Speisekarte der Lokalkette Yoshinoya im Oktober 2013 (Foto: Copyright by KJ)

Bis 2017 soll die Nutzfläche für Yoshinoya-Vertragspartner auf 13 Hekar ausgeweitet werden.

Die notwendigen Mitarbeiter werde man aus der örtlichen Bevölkerung einstellen, so dass man auch zum Wiederaufbau der Region beitrage. Das berichten Kyodo und jiji.

Da das Unternehmen angeblich an der Nutzung von amerikanischem Rindfleisch anstelle von günstigeren Quellen festhält, scheint dieser Schritt durchaus schlüssig.

In welchem Umfang die Kunden auf die Nutzung von Produkten aus der Präfektur Fukushima reagieren werden, bleibt abzuwarten.

Die Gyudon-Gerichte gehören zu den vergleichsweise preiswerten Angeboten in Japan und sind sie immer noch eine günstige Möglichkeit, um mit einer warmen und schnell servierten Mahlzeit satt zu werden.

Industrieminister erwägt Stilllegung von Fukushima Daini: Industrieminister Toshimitsu Motegi erklärte zu Beginn der Woche, es sei nicht mehr sinnvoll, das weitgehend unbeschädigte AKW Fukushima 2 wieder in Betrieb zu nehmen. Es befindet sich 12 Kilometer südlich des AKW Fukushima Daiichi.

AKW Fukushima: Industrieminister Motegi spricht am 16. Januar 2013 zu Angestellten (Foto: TEPCO)
Industrieminister Motegi spricht am 16. Januar 2013 zu TEPCO-Angestellten (Foto: TEPCO)

Aufgrund der Gefühle der Bewohner der Präfektur sei es voraussichtlich möglich, diese Anlage ebenso zu behandeln, wie irgendeines der übrigen Kernkraftwerke des Landes. Zuvor hatte bereits Premierminister Shinzo Abe dazu aufgerufen, am AKW Fukushima Daiichi die Reaktoren 5 und 6 stillzulegen, obwohl sie nicht von den Kernschmelzen betroffen waren.

Ob es tatsächlich zur Stilllegung von Fukushima Daini kommt, wird davon abhängen, ob TEPCO tatsächlich die Meinung der Bürger ebenso gewichtet, wie die Auswirkungen der neuen Sicherheitsbestimmungen und den Elektrizitätsbedarf des Landes. Das berichteten Kyodo und jiji.

Bisherigen Einschätzungen zufolge, werde es trotz der Heizperiode und der verstärkten Beleuchtung im Winter nicht zu Stromengpässen kommen.

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