Japan aktuell: Regierung beeinflusste Sicherheitsrichtlinien für AKW

Japan aktuell: Regierung beeinflusste Sicherheitsrichtlinien für AKW

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Das AKW Shimane (Foto: KEI cc-by)
Reaktorbau am AKW Shimane wird fortgesetzt (Foto: KEI cc-by)

Das AKW Shimane (Foto: KEI cc-by)
Das AKW Shimane (Foto: KEI cc-by)

Anlässlich des gestrigen St. Patricks Day nahmen auch Geisha und Maiko (Geisha-Anwärterinnen) an einer Parade in London Teil, um als Teil einer weltweiten Aktion mit einem großen Transparent für die Unterstützung die Japan während des Tohoku-Erdbebens erhalten hatte, zu danken. In Japan selbst ist dagegen neben der Situation des AKW Fukushima aktuell vor allem die mögliche Bedrohung durch eine für nächsten Monat angekündigte „Satellitenrakete“ Nordkoreas ein Thema, sogar ein möglicher Abschuss des Flugkörpers wird diskutiert.

Während mit dem Literaturnobelpreisträger Kenzaburo Oe eine bedeutende Person immer noch damit fortfährt, die Stilllegung  der AKW im Land zu fordern gibt es bei uns wie gewohnt die Fukushima News – im Spreadnews Japan-Ticker vom 19. März 2012.

Unsere Themen zu Wochenbeginn:

  • NISA beeinflusste Entscheidungen der Atomsicherheitskommission
  • Tsunami in Region des AKW Fukushima war 21 Meter hoch
  • Tsunami vor Präfektur Miyagi war 43 Meter hoch
  • Senioren sollen Fukushima-Reis essen
  • Kein Wartungsplan für Wasserdekontaminationsanlage
  • Virtuelles AKW soll Fukushima-Stilllegung erleichtern
  • Mehrere Katastrophenübungen für AKW
  • Tenno benötigt weitere Behandlung wegen Flüssigkeitsansammlung

NISA beeinflusste Entscheidungen der Atomsicherheitskommission: Haruki Madarame, Vorsitzender  der japanischen Atomsicherheitskommission (NSC) sagte am heutigen Montag, nach seiner bisherigen Durchsicht der Unterlagen könne er nicht anders, als die Tatsache einzuräumen, dass  die NISA in der Vergangenheit einen Einfluss auf die NSC gehabt habe. Allerdings könnte er dies nicht näher ausführen, der er selbst zu diesem Zeitpunkt kein Mitglied des Komitees gewesen sei.

Offenbar hatten die widerholten Einwände der NISA, die dem Industrieministerium untersteht, dazu geführt, dass bei einer im Jahr 2006 begonnenen Diskussion über eine Verschärfung der auf den Vorgaben der internationalen Atomenergiebehörde IAEA beruhenden Richtlinien zur Prävention von Atomkatastrophen, diese beim Abschluss im Jahr 2009 nicht durchgesetzt werden konnten. 

So war die Möglichkeit einer vorsorglichen Aktionszone mit einem Radius von fünf Metern überdacht worden, innerhalb derer Personen noch vor der  Freisetzung von radioaktivem Material evakuiert werden müssten.

Madarame nannte den Umstand, dass die Kommission sich nicht richtig mit der Angelegenheit habe befassen können bedauerlich und brachte seine Meinung zum Ausdruck, dass eine Trennung zwischen den regelmentierenden Instanzen und den befürwortenden Organen der Atomenergie unbedingt erforderlich sei.

Tsunami in Region des AKW Fukushima war 21 Meter hoch: Ein Forschungsteam unter Leitung von Professor Shinji Sato von der Universität Tokyo, sowie der Präfekturverwaltung Fukushima kommt nach Angaben der Mainichi Shimbun zu dem Schluss, dass der Bereich der Pazifikküste, der nun zum Sperrgebiet um das AKW Fukushima Daiichi gehört, am 11. März 2011 von einem Tsunami mit mindestens 21 Metern Höhe getroffen worden war.

Foto des Tsunami am AKW Fukushima am 11.03.2011 Foto: Tepco
Fukushima: Tsunami übertraf TEPCO-Schätzungen (Foto: TEPCO)

Für ihre Erhebungen führten die Forscher Feldversuche durch, bei denen sie in Schutzkleidung am 6. und 7- Februar 2012 das Sperrgebiet betraten und dabei über einen 40 Kilometer langen Küstenstreifen zwischen Minamisoma und Naraha insgesamt 28 Standorte überprüften.

Nach der Untersuchung von Spuren, die der Tsunami an Fensterscheiben und Dachziegeln hinterlassen hatte kamen zu dem Schluss, dass der Ortsteil Kobama, der zur Stadt Tomioka gehört und zwischen den beiden Kraftwerken Fukushima Daiichi und Fukushima Daini liegt, von einem Tsunami mit einer Höhe von 21,1 Metern getroffen worden war.

An zweiter Stelle folgten ein 16,5 Meter hoher Tsunami, der die Ortschaft Futaba traf, sowie weitere Tsunami-Wellen von 15,5 Metern in Namie sowie 12,2 Metern in Minamisoma und Okuma. Insgesamt wurde an 16 der überprüften Stellen Tsunami mit einer Höhe von mehr als zehn Metern getroffen.

Tsunami vor Präfektur Miyagi war 43 Meter hoch: Einer Meldung der NHK am Samstag zufolge, kommt Yoshinobu Tsuji, Professor an der Universität von Tokyo nach der Untersuchung von Tsunamischäden zu dem Schluss, eine vor der Küste der Präfektur Miyagi liegende unbewohnte Insel namens Kasagaijima, sei am Tag des Tohoku-Erdbebens von einem 43 Meter hohen Tsunami getroffen worden.

Sollte dieses Ergebnis zutreffen, so könnte es sich nach Angaben des Wissenschaftlers um den höchsten Tsunami  während der Naturkatastrophen des 3/11 handeln, da er den bislang größten von 40 Metern, der die Stadt Ofunato (Präf. Iwate) traf, überbieten würde.

Eine Erkenntnis deutet dabei auf eine mögliche Gefährdung anderer Gebiete hin: Die Energie des Tsunami konzentrierte sich in dem jetzt untersuchten Gebiet auf die Insel, so dass dort besonders hohe Wellen entstanden. Ähnliche Phänomene seien auch bei vergleichbaren Formationen etwa an den Spitzen eines Kaps, möglich.

Senioren sollen Fukushima-Reis essen: Für Kritiker mag es wie vorsätzliche Gesundheitsschädigung aussehen – für die Mitglieder einer Bürgerinitiative ist ihre Werbeaktion, besonders älteren Menschen den Reis aus der Präfektur Fukushima schmackhaft zu machen, vor allem ein Versuch, den angeschlagenen Landwirten, die unter Absatzproblemen aufgrund der Ängste leiden, zu helfen, berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Onigiri: Reisball mit Nori-Alge. (Foto: KJ)
Onigiri: Reisball mit Nori-Alge. (Foto: KJ)

Die Idee dahinter wird vom 68 Jahre alten Hidekazu Hirai zudem mit folgendem Argument gestützt: „Alte Menschen sind weniger von radioaktiven Substanzen betroffen, als jüngere Menschen“. Im Herbst des Vorjahres hatte dann Hirai einen örtlichen Reishandel in Shirakawa dazu angeregt, die Produkte auch an ältere Menschen außerhalb der Präfektur zu versenden. Der Aktivist war bei seiner wiederholten Freiwilligenarbeit in Iwaki und anderen Gebieten in Fukushima auf die Schwierigkeiten der örtlichen Reisbauern aufmerksam geworden.

Kein Wartungsplan für Wasserdekontaminationsanlage: Wie die NISA am heutigen Montag in einem Bericht zu den Ergebnissen der ersten Sicherheitsinspektion seit der Atomkatastrophe bekannt gab, verfügt TEPCO über keinen  konkreten Plan zur Wartung der Anlagen am AKW Fukushima Daiichi.

Im Dezember hatte die Betreiberfirma um den stabilen Zustand des Cold Shutdown zu erreichen ein System von  Wartungskennzeichen für sieben Teile der Anlage, darunter auch die für das Wassersystem erforderlichen Geräte, erlassen.  In dem Bericht ist nun von insgesamt acht Verletzungen des Kennzeichensystems die Rede. TEPCO wurde hierfür gerügt und aufgefordert, ihr Vorgehen zu verbessern, berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Virtuelles AKW soll Fukushima-Stilllegung erleichtern: Computerspiele die mit der Nutzung als Trainingsmittel der US-Armee in realistischen Szenarien werben, gibt es bereits – die japanische Atombehörde JAEA würde mit ihrem jüngsten Projekt einen neuen Schauplatz bieten. Wie die Yomiuri Shimbun berichtet, hat die Behörde das weltweit erste System einer virtuellen Realität geschaffen, die ein Atomkraftwerk abbildet und sowohl bei der Abwehr terroristischer Angriffe, als auch möglicherweise bei der Stilllegung des AKW Fukushima Daiichi helfen könnte.

Nach Angaben der Behörde will man nun eine virtuelle Kopie des Fukushima-Kraftwerks herstellen, anhand derer etwa Arbeiter, die später bei der Entfernung der Brennelemente beschäftigt sein werden, im Voraus hierzu geschult werden könnten. Die Entwicklung wird etwa 110 Millionen Yen kosten.

Das AKW-Szenario wird dann auf drei Großbildschirmen, die jeweils drei bs vier Meter lang und etwa ebenso breit sind, und dabei visuell zwei Wände sowie den Boden abdecken, dargestellt.

Mehrere Katastrophenübungen für AKW: Am gestrigen Sonntag fand am AKW Oi (Präf. Fukui) eine Katastrophenübung statt. Der Betreiber Kansai Electrics will mit der Durchführung ermitteln, ob die Sicherheitskonzepte des Kernkraftwerks einem Unglück wie jenem am AKW Fukushima standhalten könnte.

Daher wurde ein vollständiger Stromausfall nach einem Tsunami an der Bucht von Wakasa simuliert und auch die Notstromgeneratoren, die nach der Katastrophe im Vorjahr auf erhöhtem Gebiet aufgestellt worden waren. Auch die Wasserzuleitung von Meerwasser zur Reaktorkühlung wurde eingeübt. Dennoch wurden bislang nur vier der 30 zusätzlich erlassenen Sicherheitsmaßnahmen der Regierung umgesetzt.

So wird etwa die Fertigstellung eines erdbebensicheren Gebäudes einer Notfallzentrale weitere fünf Jahre in Anspruch nehmen.  Auch die Abdichtung der Türen an den Reaktorgebäuden um ein Eindringen von Wasser zu verhindern, ist bislang nur teilweise abgeschlossen.

Nicht von ungefähr wird die Übung vor der Veröffentlichung einer Einschätzung der Atomsicherheitskommission über die absolvierten Stresstets durchgeführt, von der eine Erlaubnis für einen möglichen Weiterbetrieb abhängt. Die Zustimmung örtlicher Gemeinden ist ebenfalls noch ungeklärt, berichtet die NHK

Die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete von der Katastrophenübung in der Nähe des AKW Tsuruga (Präf. Fukui), das von der Japan Atomic Power  betrieben wird. Auch hier wurde ein völliger Stromausfall nach einem heftigen Erdbeben der Stärke sechs auf der siebenstufigen japanischen Skala, jedoch zusätzlich verbunden mit schweren Schäden am Reaktor 2 der Anlage simuliert.

An der Übung beteiligten sich etwa 3.500 Personen. Neben Angestellten öffentlicher Einrichtungen wie der Präfekturalverwaltung und der NISA nahmen auch Einwohner teilt. Von besonderem Interesse für die NISA war dabei neben der Evakuierung auch die Einrichtung eines Notfallzentrale.

Heisei Tenno Akihito am 17. April 2011 (Foto: pd)
Der Tenno am 17. April 2011 (Foto: pd)

Tenno benötigt weitere Behandlung wegen Flüssigkeitsansammlung: Wie das kaiserliche Hofamt heute mitteilte, wird sich der Tenno am morgigen Dienstag einer weiteren Behandlung zur Entfernung von Flüssigkeit aus dem Brustraum unterziehen müssen, nachdem sich die Menge des so genannten Pleuraergusses nicht im erwarteten Rahmen verringert habe.

Gegenwärtige leide er an Kurzatmigkeit und weiteren Symptomen beim Treppensteigen. Die Ansammlung auf der rechten Seite war am 7. März 2012 entfernt worden. Dennoch befinde sich noch eine signifikante Menge an Flüssigkeit auf der linken Seite, sowie eine geringere Menge auf der rechten Seite des Brustraums.

Dennoch wird der Tenno am Mittwoch Sabah al-Ahmad al-Dschabir as-Sabah, Emir von Kuwait im Kaiserpalast in Tokyo empfangen. Bei den übrigen Veranstaltungen für den Staatsgast wird er jedoch durch seinen Sohn, Kronprinz Naruhito vertreten werden, so die Meldung der Nachrichtenagentur jiji.