Start Aktuelles Japan aktuell: Regierung gibt Kandidaten für Fukushima-Atommülllager bekannt

Japan aktuell: Regierung gibt Kandidaten für Fukushima-Atommülllager bekannt

1037
0
TEILEN
Symbolbild: Radioaktive Substanz (Foto: pd)
Zweiter Standort für Lagerung radioaktiver Abfälle vorgestellt (Grafik: pd)
Symbolbild: Radioaktive Substanz (Foto: pd)
Geplante Standorte für Atommülllager vorgestellt

Nachdem das Wochenende Atomkraftgegnern und politischen Aktivisten gehörte, stellte die Regierung in der Zwischenlager-Diskussion der Präfektur Fukushima heute erstmals definitive Aussagen vor.  Da jedoch die Präfektur Fukushima aktuell auch die Rückkehr von Flüchtlingen anstrebt, scheinen Konflikte vorprogrammiert.

Weitere Fukushima News, Meldungen über weitere Konflikte und sonstige Nachrichten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 20. August 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Japans Regierung gibt Kandidaten für Atommüll-Zwischenlager bekannt
  • Regierung beginnt Rückkehr-Umfrage bei Fukushima-Flüchtlingen
  • Trotz Hitze Freitags-Atomkraftproteste nach Totenfest
  • Vorbereitungen auf Reisernte in der Präfektur Fukushima
  • Luftballons sollen Verteilung radioaktiven Materials verdeutlichen
  • Weitere Entwicklungen im Streit um Senkaku- und Takeshima-Inseln
    • Koreanische Aktivisten enthüllen Statue auf Takeshima
    • Hongkong-Aktivisten kündigen Rückkehr an
    • Chinesische Internetkriminelle verunstalten japanische Museumswebseite
    • Sachbeschädigungen bei anti-japanischen Demonstrationen in China
    • Japanische Nationalisten betreten Senkaku-Insel
    • Polizei befragt japanische Aktivisten
    • Verwaltung von Tokyo beantragte Senkaku-Landgang
    • Chinesische Führung versucht Proteste einzudämmen
    • Japans Regierung entschuldigt sich für Senkaku-Landgang

Japans Regierung gibt Kandidaten für Atommüll-Zwischenlager bekannt: Erstmals hat die japanische Regierung potentielle Lagerstätten für kontaminiertes Erdreich bekannt gegeben. Dabei soll es sich zunächst um Zwischenlager handeln, bis Endlager vorhanden sind. Umweltminister Hosono benannte am Sonntag insgesamt 12 Standorte in den Gemeinden Futaba, Naraha und Okuma und bat die Bürgermeister um Vorabkontrollen.

Japan-Karte: Präfektur-Fukushima radioaktiv (Foto: pd)
Präfektur Fukushima: Zwischenlagerpläne vorgestellt (Foto: pd)

Neun der Anlagen sollen in Okuma und zwei weitere in Futaba gebaut werden. Beide sind Gemeinden, in deren Gebiet sich das AKW Fukushima Daiichi befindet. Eine weitere soll in Naraha entstehen, das ebenfalls schwer von den Tohoku-Katastrophen 2011 getroffen wurde und an dem das AKW Fukushima Daini (Fukushima 2) befindet.

Die Regierung erklärte, man wolle die Gebiete, die alle in einem Radius von 15 Kilometern um das AKW Fukushima Daiichi liegen, entweder aufkaufen oder pachten, um die insgesamt 28 Millionen Kubikmeter an radioaktiver Asche, die bei der Verbrennung von Trümmern entstanden, und des während der Dekontamination eingesammelten Laubes einlagern zu können.

Nach Angaben des Umweltministerium werden drei bis fünf Quadratkilometer Fläche benötigt, um die kontaminierten Abfälle zu lagern. Gegenüber der Presse erklärte Hosono später, man sei in der Regierung von der Idee eines einzigen Großlagers abgekommen, da hierdurch ernsthafte Verkehrsprobleme entstehen würden.

Die entgültige Entscheidung über die Standorte der Zwischenlager wird für den März erwartet. Zuvor will die Regierung in Tokyo noch Untersuchungen zu geologischen Bedingungen, Wasserqualität und Strahlungsleveln durchführen. Daher erfolgte der Aufruf zur Kooperation.

Die Meinung der betroffenen Gemeinden fiel sehr unterschiedlich aus. Katsutaka Idogawa, Bürgermeister von Futaba, zeigte sich entrüstet. Die Regierung müsse zum einen derartige Diskussionen mit den betroffenen Bürgern führen. Zum anderen habe die Regierung keine glaubhaften Belege für die Sicherheit der Lagerstätten vorgelegt.

Toshitsuna Watanabe, Bürgermeister von Okuma, signalisierte dagegen Bereitschaft zur Übernahme. Sicherheit müsse dabei oberste Priorität haben, so dass Angestellte vor Ort speziell ausgebildet, sowie Forschung und Entwicklungen in den Ortschaften gefördert werden müssten, damit die Anlage nicht gänzlich unwillkommene Fremdkörper wären.

Starke Einschränkungen forderte Yukiei Matsumoto, Bürgermeister von Naraha. Er erhob zwar keinen unmittelbaren Einwand gegen den Bau von Zwischenlagern, jedoch lehnte er es weiterhin grundsätzlich ab, dort hochgradig radioaktive Abfälle zu lagern, die von Gebieten außerhalb seines Ortes stammten.

Diese Haltung ist vermutlich mit dem Umstand zu Begründen, das Naraha eine schnelle Normalisierung anstrebt. Seit dem 10. August 2012 ist es früheren Bewohnern erlaubt, sich dort tagsüber aufzuhalten. Lediglich die Übernachtung bleibt bis auf weiteres untersagt.

Dies berichten Asahi Shimbun und NHK.

Regierung beginnt Rückkehr-Umfrage bei Fukushima-Flüchtlingen: Tatsuo Hirano, Minister für Wiederaufbau, erklärte am Freitag gegenüber der Presse, die Regierung habe mit der Umfrage bei den Bewohnern des Dorfes Katsurao begonnen. Dessen Gebiet liegt 20 bis 30 Kilometer vom AKW Fukushima Daiichi entfernt.

Japan-Karte: Präfektur Fukushima (Karte:pd)
Präfektur Fukushima: Wollen Flüchtlinge zurück? (Grafik: pd)

Die Evakuierten sollen darüber befragt werden, ob bis zur Rückkehr Siedlungen aus Übergangshäusern errichtet werden sollen. Nach Angaben von Hirano handelt es sich um den ersten Versuch der Regierung, die Wünsche der Evakuierten zu sammeln. Diese würden im Entscheidungsfindungsprozess zur Gründung von Übergangssiedlungen eine entscheide Rolle spielen.

Vergleichbare Umfragen sollen bei den früheren Bewohnern anderer Gemeinden folgen, so die Meldung der NHK. Schätzungen der Regierung gehen davon aus, dass aufgrund der hohen Strahlung von über 20 Millisievert pro Jahr etwa 15.000 der früheren Einwohner (18 Prozent der Gesamteinwohner) nicht mehr in ihre Heimartort zurück können.

Trotz Hitze Freitags-Atomkraftproteste nach Totenfest: Nachdem die Flammen der Daimonji genannten Feuer, die in Form von Schriftzeichen und Symbolen die Berghänge um Japans alte Kaiserstadt erleuchteten und so als Lichter für die Seelen der Ahnen, das Ende des buddhistischen Totenfestes Obon einläuten erloschen und die kurzen Ferien vorbei sind, flammen nun die Proteste der Atomkraftgegner wieder auf – trotz Temperaturen von 35,7 Grad Celsius.

Wie jeden Freitag fanden sich Protestler vor dem Bürogebäude des japanischen Premierministers Yoshihiko Noda ein, um gegen die weitere Nutzung der Atomenergie und für die Abschaltung der Reaktoren am AKW Oi zu demonstrieren. Zwar sei auch der Senkaku- und Takeshima-Konflikt aktuell, doch hätten die Bürger in diesen Fragen nicht ausreichend Einfluss, zitiert die Mainichi Shiimbun Teilnehmer.

Vorbereitungen auf Reisernte in der Präfektur Fukushima: In der Präfektur Fukushima nähert sich das Datum für die diesjährige Reisernte – für die örtlichen Verwaltungen ein Grund, das neue Kontrollsystem vorzustellen, mit dem die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Produkte gewährleistet werden soll.

Nachdem im vergangenen Jahr die Feststellung von Belastungen über dem Grenzwert von 500 Becquerel pro Kilogramm das Vertrauen der Verbraucher getrübt hatte, soll nun kein einziger der 30 Kilo-Reissäcke ohne Kontrolle ausgeliefert werden. Dabei richtet man sich bereits jetzt nach dem neuen Grenzwert von 100 Becquerel pro Kilogramm.  

Nach Angaben der jiji sollen die strengeren Strahlungskontrollen vermutlich noch an diesem Wochenende beginnen und auf diese Weise die erste Frühernte absichern. Die Ernte von Japans beliebtester Reissorte Koshihikari wird vermutlich Anfang September vollständig anlaufen.

Luftballons sollen Verteilung radioaktiven Materials verdeutlichen: Am Samstag versammelten sich etwa 25 Personen in Omaezaki (Präf. Fukushima), um insgesamt 1.000 Luftballons steigen zu lassen. Die Aktion begann um 10:30 Uhr mit der Freilassung von 100 roten Ballons, die mit dem Ostwind an der Küste von Shirowa davonwehten.

Atomkraftwerk Hamaoka (Foto: Yasunobu Hiraoka cc-by-nd)
Das AKW Hamaoka (Foto: Yasunobu Hiraoka cc-by-nd)

Die Ballons tragen jeweils eine Karte mit sich, auf der ein mutmaßlicher Finder gebeten wird, die Organisatoren zu kontaktieren und Informationen über den Fundort zu geben. Die Fundorte sollen dann im Internet präsentiert werden.

Mit diesem Projekt, das vom Fotografen Masatoshi Nakagawa initierte wurde, will man die voraussichtliche Verbreitung von radioaktivem Material verdeutlichen, das im Fall einer Nuklearkatastrophe aus dem nahe gelegenen AKW Hamaoka austreten könnte. Dies würde den Menschen mit eigenen Augen eine sonst unsichtbare Gefahr zeigen.

Über die Aktion berichtete die Mainichi Shimbun.

Bürgermeister besichtigt Tsunami-Schutzmaßnahmen am AKW Hamaoka: Am heutigen Montag besuchte Shigeo Ishihara, Bürgermeister der Stadt Omaezaki, wo sich das AKW Hamaoka befindet, um sich einen Eindruck von den Fortschritt der dort durchgeführten Verbesserung der Tsunami-Schutzmaßnahmen zu machen.

Zuvor hatte der Betreiber Chubu Electric darüber informiert, dass das am 14. Mai 2011 heruntergefahrene Kraftwerk noch ein Jahr länger für die Bauarbeiten benötige und dabei angedeutet, die Anlage könnte frühestens 2014 wieder gestartet werden. Die Reaktoren waren aufgrund von Zweifeln an der Sicherheit heruntergefahren worden. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Japan und Korea im Dispit um Takeshima-Inseln (Grafik: spreadnews.de)
Politische Streitigkeiten über Japans Inseln dauern an (Grafik: spreadnews.de)

Weitere Entwicklungen im Streit um Senkaku- und Takeshima-Inseln

Koreanische Aktivisten enthüllen Statue auf Takeshima: Am Sonntag wurde ein 1,2 Meter hohes Denkmal enthüllt, dass an den Besuch der Insel durch Südkoreas präsidenten Lee Myung Bak erinnern soll. Das Denkmal mit den Schriftzügen „Dokdo“, „Republik Korea“ und dem Präsidentennamestelle ein Symbol für Koreas Souverenität dar, erklärte Sicherheitsminister Maeng Hyung Kyu, laut jiji.

Hongkong-Aktivisten kündigen Rückkehr an: Ein führendes Mitglieder der am Freitag aus Japan ausgewiesenen Aktivistengruppe, kündigte nach der Rückkehr laut jiji gegenüber einem lokalen Radiosender an, man wolle im Oktober erneut die Senkaku-Inseln besetzen. Die Chancen stünden gut, da die Küstenwache sich nach einigen Rammmanövern zurückgezogen hatte, als man den Inseln nahe kam.

Chinesische Internetkriminelle verunstalten japanische Museumswebseite: Offenbar politisch motivierte Kriminelle haben die Webseite des Nara-Nationamuseums gehäckt und Bildmaterial verändert um die chinesischen Ansprüche auf die Senkaku-Inseln deutlich zu machen. Die Manipulation war laut NHK am Freitag aufgefallen. Das Museum erwägt Anzeige zu ertstatten.

Sachbeschädigungen bei anti-japanischen Demonstrationen in China: Nachdem am Sonntag am zweiten Tag in Folge, anti-japanische Proteste in großen Städten in ganz China stattfanden, kam es zu Sachbeschädigungen in japanischen Restaurants und an Fahrzeugen, sowie zu Flaggenverbrennungen und Boykottaufrufen.

Japanische Nationalisten betreten Senkaku-Insel: Während die japanische Regierung voraussichtlich am Dienstag über das weitere Vorgehen beraten will, kritisierte China am Samstag die Ankündigung von Politikern der DPJ und LDP am Sonntag mit insgesamt 150 Personen eine Gedenkveranstaltung auf einem Schiff, nahe der Inseln abzuhalten.

Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)
Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)

Nachdem keine offizielle Genehmigung durch Japans Regierung erfolgte, schwammen am Sonntag zehn Japaner auf eigene Faust von den Schiffen auf die Insel Uotsurijima und entrollten dort japanische Flaggen, bevor sie zwei Stunden später zurückschwammen. Unter ihnen befanden sich auch Vertreter der Präfekturalverwaltung von Ibaraki und Hyogo, sowie  des Tokyoter Stadtbezirks Arakawa.

Taiwan und China protestierten gegen die Aktion.

Das japanische Außenministerium erklärte jedoch, wenn japanisches Territorium betreten wird, so handele es sich um eine inländische Angelegenheit und verbat sich auf diese Weise indirekt jeden Protest. NHK und Kyodo berichteten am Wochenende über die Aktion.

Polizei befragt japanische Aktivisten: Die Polizei befragte die zehn Aktivisten über den Landgang am Sonntag. Diese nannten es eine Reaktion auf die koreanische Provokation.

Man wolle ein Zeichen setzen, dass die Inseln hundertprozentig zu Japan gehören. Ihnen könnte nun eine Strafe wegen unerlaubten Betretens eines Sperrbereichs drohen, da eine Grenzverletzung nach japanischer Sicht nicht vorliegt.

Verwaltung von Tokyo beantragte Senkaku-Landgang: Am heutigen Montag wurde bekannt, dass Vertreter der Verwaltung des Großraums Tokyo am Freitag bei der japanischen Regierung einen offiziellen Erlaubnisantrag einreichten. Die Regierung lehnt diesen jedoch unter Verweis auf Mängel zunächst ab.

Chinesische Führung versucht Proteste einzudämmen: Die Regierung der VR China bemüht sich, Demonstrationen und Proteste zu verhindern, indem entsprechende Aufrufe aus Internetforen gelöscht werden und Polizei eingesetzt wird. Das bringt Chinas Regierung nach Meldung der Mainichi Shimbun vom heutigen Montag, den Ruf ein, zu nachgiebig zu sein.

Japans Regierung entschuldigt sich für Senkaku-Landgang: Enttäuschend für die nationalistischen japanischen Aktivisten, dürfte die am heutigen Montag erfolgte Entschuldigung der japanischen Regierung sein. Die Aktion sei „bedauerlich“ da es nur Regierungsvertretern erlaubt sei, die Inseln zu betreten.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here