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Japan aktuell: Regierung hebt einige Fukushima-Hotspots auf

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Trefoil: Radioaktivitäts-Warnsymbol
AKW Fukushima: Strahlung an Anlagengrenze übersteigt zulässigen Wert (Grafik: pd)
Trefoil: Radioaktivitäts-Warnsymbol
Regierung hebt Gefährdung durch einige Fukushima-Hotpots auf (Grafik: pd)

Die Gelegenheit, aus der Präfektur Fukushima heute die Aufhebung einiger radioaktiver Hotspots melden zu können ist erfreulich.

Dies wird jedoch durch den Umstand getrübt, dass von TEPCO diesmal aus einer eher ungewöhnlichen Stelle der Anlage des AKW Fukushima aktuell die Bildung einer Wasserlache gemeldet wird.

In weiteren Fukushima News legt TEPCO ein Schuldeingeständnis ab und auch in der Frage der Verwerfungen unter Japans Reaktoren gibt es neue Informationen.

Diese und weitere Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 14. Dezember 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Regierung hebt einige Fukushima-Hotspots auf
  • Tropfendes Lüftungsrohr in Fukushima Abfallaufbereitung
  • TEPCO legt nach Fehlereingeständnis Entwurf vor
  • Experten über Verwerfungen am AKW Higashidori einig

Regierung hebt einige Fukushima-Hotspots auf: Japans Regierung hat erstmals seit Ausbruch der Katastrophe am AKW Fukushima nun Evakuierungsempfehlungen für einige der so genannten Hot Spots – Bereiche mit hoher Strahlungsbelastung im Vergleich zur Umgebung – aufgehoben.

An insgesamt 118 Stellen in der Präfektur, die bislang als Hot Spots galten, wurde der Status aufgehoben, da die dortigen Messwerte im November und Dezember nach Dekontaminationsarbeiten unter den Richtwert gefallen waren. Zuvor waren die Anwohner von Bereichen mit einer jährlichen Belastung von mehr als 20 Millisievert zur Evakuierung aufgefordert worden.

117 der nun freigegebenen Stellen befinden sich in  der Stadt Date, die etwa 50 Kilometer vom Kernkraftwerk Fukushima Daiichi entfernt liegt und eine weitere im Dorf Kawauchi, das eine Distanz von 30 Kilometern zum Kraftwerk hat. Insgesamt sind 128  Haushalte in Date und einer in Kawauchi von der Änderung betroffen.

Die Belastung dort ist nach Angaben der Regierung auf 12,6 Millisievert in Date und 7,8 Millisievert pro Jahr in Kawauchi gesunken. Andere Gemeinden sind jedoch weiterhin von den Einschränkungen betroffen. In Minamisoma sind nach wie vor 153 Haushalte als radioaktive Hot Spots ausgewiesen.

Tropfendes Lüftungsrohr in Fukushima Abfallaufbereitung: Am gestrigen Donnerstag entdeckte ein TEPCO-Angestellter gegen 16:30 Uhr  im Erdgeschoss des Gebäudes der Abfallaufbereitungsanlage, dass Wasser aus einer Leitung der Lüftung tropfte.

Fukushima-Reaktor 4: Leck in Deckenrohr der Abfallaufbereitungsanlage am 14. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Leck in Deckenrohr der Abfallaufbereitungsanlage am 14. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)

Das Wasser tropfte mit einer Geschwindigkeit von etwa zwei Tropfen pro Sekunde aus der, im oberen Teil des Gangs verlaufenden Leitung.

Die genaue Menge konnte nicht ermittelt werden, da dass Wasser in den Bodenschacht (ein in das Kellergeschoss führendes Rohr) floss und daher auch nicht nach außen dringen konnte.

Der Austritt von Wasser in die Umwelt wird zudem durch den Umstand verhindert, dass der Boden dort eine dammähnlichen Aufbau habe.

Die Wasserlache, die sich auf dem Boden unterhalb des Rohres hatte die Maße von 2m x 1m und eine Tiefe von etwa einem Millimeter. Auch wenn die exakte Wassermenge durch den Abfluss nicht genau beziffert werden kann, wird zumindest im Bereich der Pfütze mit zwei Litern gerechnet.

Eine Untersuchung der Strahlungswerte des tropfenden Wassers ergab folgende Werte.

  • Cäsium-134: Etwa  4,2 10¹ Becquerel pro Kubikzentimeter
  • Cäsium-137: Etwa  7,2 10¹ Becquerel pro Kubikzentimeter

Diese Werte liegen unterhalb der Belastung des Wassers in den Kellern des Turbinengebäudes und enthalten weder Cobalt-60 noch Hydrazin, was bedeutet, dass sich die Zusammensetzung von dem Wasser im Abklingbecken von Fukushima-Reaktor 4 unterscheidet. Dort waren am 3. Dezember Cobalt-60 in Höhe von etwa 2,5×101 Becquerel pro Kubikzentimeter und Hydrazin von 3 ppm nachgewiesen worden.

Als Ursache geht TEPCO daher davon aus, dass Regenwasser durch den beschädigten Teil der Leitung im Außenbereich am Verbindungsstück der Rohre heruntertropfte. Maßnahmen gegen das Eindringen von Regenwasser werden derzeit in Betracht gezogen. Die fragliche Leitung ist derzeit nicht in Betrieb.

TEPCO legt nach Fehlereingeständnis Entwurf vor: Der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi erklärte am Freitag, bei dem Versuch die Ursachen der Reaktorkatastrophe weiter zu ergründen, als nur den unerwartet hohen Tsunami hierfür verantwortlich zu machen, habe man nun die unzureichende „Sicherheitskultur“ des Unternehmens als Ursache anerkennen müssen.

Im bislang klarsten Schuleingeständnis erklärte Takefumi Anegawa, Leiter einer Taskforce zur Neugliederung des Unternehmens auf die Frage, ob TEPCO die Einschätzung des Fukushima-Untersuchungsausschusses, die Katastrophe sei vermeidbar gewesen akzeptiere, „Wir gestehen diesen Teil des parlamentarischen Berichts vollkommen ein„.

TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO-Hauptsitz in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)

Diese Einsicht als Grundlage nutzend, veröffentlichte TEPCO jetzt einen Sicherheitsplan-Entwurf, der unter Beteiligung eines Beratungsausschusses  – des „Nuclear Reform Monitoring Committee“ (NRMC) – aus nationalen und internationalen Experten entstand.

Diese Taskforce kommt zu dem Schluss, dass unzureichende Bauplanung die Gefahren durch Erdbeben und Tsunami nicht berücksichtigt habe und auch später keine ausreichenden Maßnahmen zu einer Verbesserung der Sicherheit getroffen worden waren.

Hauptursache der Fukushima-Katastrophe seien daher mangelnde technische Vorbereitung und ein falsches Gefühl von Sicherheit.

Auch das Versäumnis, trotz mehrerer Skandale nicht die Unternehmensführung geändert zu haben, wird in dem Zwischenbericht kritisiert.

Der jetzt vorgelegte Entwurf eines Sicherheitsplans sieht eine Umstrukturierung der Atom-Abteilung des Elektrizitätskonzerns durch die Integration einer Kontrollinstanz innerhalb des Unternehmens vor. Diese soll unabhängig von der Nuklearabteilung des Unternehmens, Anordnungen für Sicherheitsmaßnahmen erlassen können.

Im Expertenstab des Entwurfs waren Personen wie Barbara Judge, Ex-Vorsitzende der britischen Atomaufsicht, und Dale Klein, früherer Vorsitzender der US-Atomaufsicht (US Nuclear Regulatory Commission) vertreten. Über Zwischenbericht und Entwurf berichteten Asahi Shimbun, Kyodo und jiji.

Experten über Verwerfungen am AKW Higashidori einig: Das fünfköpfige Expertenteam unter der Leitung der japanischen Atomaufsicht NRA ist sich weitgehend darin einig, dass eine Aktivität der Bruchzonen im Bereich des AKW Higashidori (Präf. Aomori) sehr wahrscheinlich sei. Viele Experten sehen daher keine Notwendigkeit einer weiteren Untersuchung.

Nachdem das Team heute auf einer Pressekonferenz ihre Einschätzung bekannt gab, sollen die Ergebnisse am kommenden Donnerstag diskutiert werden. Eine Einschätzung als „wahrscheinlich aktiv“ könnte einen Neustart der Anlage verhindern.

Im Rahmen ihrer zweitägigen Untersuchung des Geländes hatte man die Oberfläche einer Schicht gereinigt, um ihre Ausmaße besser beurteilen zu können.

Der Betreiber des AKW, die Tohoku Electric behauptet, die Verschiebung sei auf das Aufquellen aufgrund von Wasseraufnahme zurückzuführen und nicht auf seismische Aktivität. Über diese erste weitgehende Übereinstimmung der Experten berichteten jiji, Kyodo und NHK.

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