Start Aktuelles Japan aktuell: Regierung ignorierte Daten von US-Spezialeinheit in Fukushima-Krise

Japan aktuell: Regierung ignorierte Daten von US-Spezialeinheit in Fukushima-Krise

1277
2
TEILEN
Mitglieder der National Nuclear Security Administration auf dem Weg nach Japan auf-dem-weg-nach (Foto: NNSA cc-by-nd)
Mitglieder der National Nuclear Security Administration auf dem Weg nach Japan auf-dem-weg-nach (Foto: NNSA cc-by-nd)
Mitglieder der National Nuclear Security Administration auf dem Weg nach Japan (Foto: NNSA cc-by-nd)
Mitglieder der National Nuclear Security Administration auf dem Weg nach Japan (Foto: NNSA cc-by-nd)

Längst sind zahlreiche Fehlentscheidungen und Planungsmängel, die von Japans Regierung und dem Kraftwerksbetreiber TEPCO begangen wurden bekannt – jetzt wurde eine weitere Panne während der Akutphase am AKW Fukushima aktuell, sieht es doch so aus, als sei hochqualifizierte Hilfe nicht ausreichend genutzt worden.

Somit ist das Kernkraftwerk Fukushima heute auch vor Jahresende noch einmal Thema unserer Berichterstattung. Wir werden Sie im kommenden Jahr weiterhin über die aktuellen Fukushima News auf dem Laufenden halten und würden uns freuen, sie  2013 weiter zu unseren Lesern zählen zu dürfen.

Wir wünschen unseren Lesern einen guten Rutsch ins Jahr 2013

Alles weitere jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 31. Dezember 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Daten von US-Spezialeinheit wurden unterschätzt
  • Neuer Premier besucht AKW Fukushima
  • Erdbeben erschüttert Präfektur Fukushima
  • Über 3.000 wahrnehmbare Erdbeben 2012
  • Abe befürwortet Bau neuer AKW in Japan
  • Übergangshäuser müssen weiterhin Sozialwohnungsmangel kompensieren
  • Chinas Provokationen auch vor Jahreswechsel:
    • 20. Grenzverletzung durch chinesische Schiffe
    • Japan nimmt illegalen chinesischen Fischer fest
    • China antwortet auf Dokumentenvorlage
    • Japan will an Senkaku auf US-Spionagedrohnen setzen

Daten von US-Spezialeinheit wurden unterschätzt: Drei Tage nach Ausbruch der Fukushima-Krise im März 2011 entsandten die Vereinigten Staaten mit dem „Consequence Management Response Team“ (CMRT) erstmals ein Nuklear-Sondereinsatzteam, das für die Bewältigung von Atomunfällen und Terrorismus ausgebildet ist, zu einem Einsatz außerhalb der USA.

Einer Meldung der Kyodo zufolge erkannte die japanische Regierung die Bedeutung der Mission nicht und verabsäumte es, die vom Team gesammelten Strahlungsdaten, für deren Erfassung und Analyse das CMRT ausgebildet ist, umgehend für die Evakuierung von Einwohnern zu nutzen.

Bei der Meldung beruft sich die Kyodo auf nicht näher genannte Quellen aus den Regierungen Japans und der USA.

Die Einheit war am 14. März vom nationalen Sicherheitsrat des Weißen Hauses auf Anfrage der US-Militärs in Japan und der amerikanischen Botschaft in Tokyo nach Japan entsandt worden. Das Team untersteht der „National Nuclear Security Administration“ (NNSA).

In Japan setzten sie das „Aerial Measuring System“ (AMS), das beim Einsatz in einem Flugzeug noch aus einer Höhe von 150 bis 700 Metern Gammastrahlung wahrnehmen und durch moderne Analysesoftware sofort auswerten kann. Die Messungen ergaben, dass keine Gefahr für die Personen auf den US-Militärbasen bestand – damit war das Hauptziel der Mission erreicht.

Im Bezug auf das AKW Fukushima wurden 100 AMS-Einsätze geflogen, bevor das Team Japan am 28. Mai 2011 wieder verliess. Die ersten Einsätze erfolgten zwischen dem 17. und 19. März und bestätigten, dass es, anders als von der US-Verwaltung befürchtet, keinen Brand im Abklingbecken vom Fukushima-Reaktor 4 gegeben habe

Obwohl die damalige japanische Atomaufsicht NISA und das Wissenschaftsministerium über das Außenministerium bereit zwischen dem 18. bis 20. März 2011 die gemessenen Strahlungsdaten übermittelt bekamen, wurden diese Informationen nicht ausreichend in der Entscheidungsfindung für Evakuierungen berücksichtigt.

Hochrangige Mitglieder des Krisenmanagmentteams der japanischen Regierung wurden nicht einmal über die Ankunft des CMRT und dessen Mission informiert. Darüber hinaus hatte das CMRT eine 40 Kilometer abdeckende Karte des Gebiets um das Kraftwerk herum  zusammengestellt und am 20. März an NISA und Wissenschaftsministerium übermittelt.

Sowohl der damalige Chefkabinettssekretär Yukio Edano, als auch sein Vize Tetsuro Fukuyama legten durch ihre Aussagen hierzu nahe, dass sie frühestens an diesem Tag von den Einsätzen des CMRT erfuhren. Es dauerte noch drei weitere Tage bis zur Veröffentlichung der Karte, da sich das Wissenschaftsministerium unklar war, wie die US-Daten einzustufen sind.

Edano räumte ein, er könne nicht ausschließen, dass man Einwohnern die nordwestlich der Kraftwerksanlage lebten, möglicherweise früher zur Evakuierung aufgerufen hätte, wenn man über die AMS-Daten und die Karte informiert gewesen wäre.

Neuer Premier besucht AKW Fukushima: Japans Premierminister Shinzo Abe besuchte am Samstag das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi. Dabei zog er sich im so genannten J-Village zunächst einen Schutzanzug über, um sich anschließend mit 80 Arbeitern, die am Kraftwerk beschäftigt sind, zu treffen und ihnen für ihren Einsatz zu danken.

Japans Premierminister Shinzo Abe im J -Village am 29. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)
Japans Premierminister Shinzo Abe im J -Village am 29. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)

Außerdem sicherte er Ihnen die volle Unterstützung durch seine Regierung zu.

Anschließend besichtigte Abe einen der Reaktoren und traf sich mit Verantwortlichen des Betreiberunternehmens TEPCO. Es ist das erste Mal, dass er in seiner neuen Funktion als Premierminister die Anlage besucht. Seinen letzter Besuch im Oktober diesen Jahres absolvierte er noch als Vorsitzender der LDP.

An den Besuch des Kraftwerks schloß sich ein Besuch von Übergangshäusern in der Ortschaft Kawauchi an, in denen seit der Nuklearkatastrophe von Fukushima viele frühere Bewohner der Orte, die in Nachbarschaft zum Kraftwerk liegen, wohnen.

Auch der Verwaltung von Kawauchi gegenüber erklärte Abe seine Unterstützung und besichtigte eine Metallverarbeitungsanlage, an der mit Hilfe von Regierungsgeldern wieder die Arbeit aufgenommen werden konnte.

AKW Fukushima: Premier Abe (rechts) im erdbebensicheren Gebäude am 29. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Premier Abe (rechts) im erdbebensicheren Gebäude am 29. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)

Durch die Unterstützung von Kawauchi werde der Erfolg sich auch auf andere Gemeinden ausdehnen lassen.

Der Premierminister führte vor Pressevertretern aus, er beabsichtige die Position der Behörde für Wiederaufbau zu stärken, da die bisherigen bürokratischen Strukturen eine Zusammenarbeit zwischen einzelnen Ministerien und Behörden unnötig erschwerten.

Über den Kraftwerksbesuch in Fukushima berichteteten unter anderem die jiji, die NHK und die Kyodo.

Erdbeben erschüttert Präfektur Fukushima: Am Samstagnachmittag ereignete sich gegen 16:19 Uhr ein Erdbeben, dessen durchschnittliche Stärke mit einer Magnitude von 5,0 angegeben wird. Es erschütterte die Präfektur Fukushima und angrenzende Gebiete. Eine Tsunami-Warnung wurde nicht ausgegeben.

Das Epizentrum befand sich in einer Tiefe von 50 Kilometern vor der Küste von Fukushima, meldete die japanische Wetterbehörde.

Über 3.000 wahrnehmbare Erdbeben 2012: Bis zum gestrigen Sonntag ereigneten sich im Jahr 2012 insgesamt 3.134 wahrnehmbare Erdbeben im ganzen Land. Bei fast 60 Prozent von Ihnen handelt es sich um Nachbeben des Tohoku-Erdbebens 2011, erklärt die japanische Meteorologiebehörde.

Damit liegt die Zahl dieser Beben um das eintausendfache Höher als der Jahresdurchschnitt in den Jahren 2001 bis 2010.

Wie die NHK meldet, ist dies jedoch ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Dort waren aufgrund des großen Tohoku-Bebens 10.000 wahrnehmbare Erdbeben gemessen worden. Dennoch solle die Bevölkerung weiterhin auf Erdbeben mit Magnituden von 7 oder höher, sowie auf Erdbeben mit folgendem Tsunami vorbereitet sein.

Abe befürwortet Bau neuer AKW in Japan: Auch wenn auf der wöchentlichen Atomkraftgegner-Demonstration am Freitag die Ankündigung von Premierminister Abe, die Regelung zum Atomausstieg zu ändern verurteilt wurde, hält der auf einen Aufbau der Wirtschaft fixierte Abe offenbar an seinen Plänen fest – und befürwortet den AKW-Neubau.

Die Menschen hätten Angst vor der Energieknappheit und dies sei auch der Grund, warum Parteien die leichtfertig den Atomausstieg forderten, die Unterhauswahl am 16. Dezember verloren, erklärte der neue Premier. Neue Kernkraftwerke würden sich deutlich von jenen unterscheiden, die noch vor 40 Jahren gebaut und seitdem in Betrieb sind.

Man müsse derartig neue Kraftwerke bauen und den Bürgern den Unterschied verständlich machen.

Nach Angaben der Mainichi Shimbun hatte Toshimitsu Motegi, neuer Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie bereits am Donnerstag erklärt, die Regierung beabsichtige den Weiterbau des AKW Oma und des AKW Shimane zu genehmigen. Vor einer Entscheidung zum Neubau weiterer Kraftwerke müssten Expertenmeinungen eingeholt werden.

Insgesamt existieren derzeit neu geplante Reaktoren, deren Bau in der Schwebe hängt.

Übergangshäuser müssen weiterhin Mangel an Sozialwohnungen kompensieren: Für Menschen, die ihr Obdach durch die Tohoku-Katastrophen 2011 verloren, sollen in acht Präfekturen, darunter auch in Fukushima, Iwate und Miyagi, mehr als 23.000 Sozialwohnungen entstehen. Soweit die Theorie.

Tatsache ist jedoch, dass nach wie vor mehr als 300.000 Überlebende weiterhin in Übergangshäusern leben müssen, da bis Mitte Dezember lediglich für ein Drittel der geplanten Häuser ausreichend Bauland gefunden werden konnte und daher in weniger als zehn Prozent der Fälle bereits mit Arbeiten begonnen werden konnte.

Blick in ein Übergangshaus (Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Blick in ein Übergangshaus (Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Ursache hierfür ist ein altes japanisches Problem: Der Mangel an Bauland. Denn auch wenn anders als oft behauptet Japan keineswegs klein ist, so ist Bauland aufgrund von Gebirgszügen, Vulkanen und Küsten begrenzt.Insbesondere in den Küstengebieten die vom 3/11 betroffen waren, ist kaum flacher Baugrund vorhanden.

Wie die NHK meldet, wird sich auch im kommenden Jahr wenig daran ändern – kündigte doch bereits jetzt das Ministerium für Infrastruktur an, nur eine geringe Zahl an Wohneinheiten könnten gebaut werden. Frühestens 2015 sei mit dem Erreichen des gesetzten Ziels zu rechnen.

Chinas Provokationen auch vor Jahreswechsel: Das nahende neue Jahr hält Chinas Führung nicht davon ab, vorher noch einmal zu provokativen Akten zu greifen. Die neusten Meldungen jetzt zusammengefasst.

Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)
Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)

20. Grenzverletzung durch chinesische Schiffe: Am heutigen Montag wurden zwischen 13:30 und 15:45 Uhr drei chinesische Regierungsschiffe gesichtet, die illegal in japanischen Gewässern operierten. Es ist das 20. Mal, dass China die Seehoheit Japans um die Senkaku-Inseln ignoriert und mit Schiffen in japanisches Hoheitsgebiet eindringt.

Japan nimmt illegalen chinesischen Fischer fest: Die japanische Küstenwache meldete am Sonntag, man habe ein chinesisches Fischerboot sichergestellt und dessen Kapitän festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, unerlaubt in der 200 nautische Meilen messenden „Ausschließlichen Wirtschaftszone“ Japans gefischt zu haben.

Der Kapitän Li Shiqin räumte das Eindringen in die Zone ein, bestreitet jedoch den Vorwurf der Korallenfischerei. Allerdings wurden etwa 1,5 Kilogramm Korallen an Bord des Schiffes, das gegen 13:00 Uhr etwa 130 Kilometer westlich der Insel Yakushima gestoppt worden war, sichergestellt.

China antwortet auf Dokumentenvorlage: Chinas Botschaft in Tokyo reagiert auf die Vorlage eines chinesischen Dokuments vom Mai 1950 durch Japan, in dem die Senkaku-Inseln bei ihrem japanischen Namen genannt und der japanischen Inselgruppe der Ryukyu zugerechnet wird. Da das Papier keine Unterschrift trage, sei es ohne Belang.

Die chinesische Regierung behauptet weiterhin, angeblich im Besitz von Material zu sein, dass den Anspruch des kommunistischen Regimes auf die japanische Inselgruppe vorgeblich unzweifelhaft belegen soll. Selbst derartige Tricks Japans könnten das Anrecht Chinas nicht erschüttern, erklärte die Führung in gewohnt propagandistischer Weise.

Japan will an Senkaku auf US-Spionagedrohnen setzen: Japans Verteidigungsministerium bereitet sich auf den Einsatz von unbemannten Spionage-Drohnen vom Typ Global Hawk, in den Gewässern um die umstrittenen Inseln vor. Die Einführung der unbemannten Geräte soll Teil des mittelfristigen Verteidigungsprogramms 2015 werden.

2 KOMMENTARE

  1. Since Ausdruecke wie „zu provokativen Akten zu greifen“ bzw. „in gewohnt propagandistischer Weise“ fuer eine Berichterstattung nicht ein wenig zu wertend? Ich wuerde mich ueber eine neutralere Darstellung freuen, so wie es sich fuer gute Journalisten, die glaubwuerdig sein wollen, eigentlich gehoert. (Obgleich ich inhaltlich grundsaetzlich aehnlicher Auffassung bin.) Vielen Dank!

  2. Hallo Rhino,

    zunächst einmal vielen Dank für den Kommentar. Auch wenn wir uns in der Berichterstattung um Objektivität bemühen um etwa Sachverhalte korrekt darzustellen und nicht tendenziös zu werden, so hat jeder unserer Autoren auch einen gewissen Rahmen, in dem er seine Ansichten zum Ausdruck bringen kann, solange es nicht den Sachverhalt verfälscht.

    Dennoch vielen Dank für die konstruktive Kritik – und natürlich ein Frohes Neues Jahr 2013/Heisei 25

    Die Redaktion

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here