Start Aktuelles Japan aktuell: Regierung ignorierte Voraussagen zur Krise am AKW Fukushima

Japan aktuell: Regierung ignorierte Voraussagen zur Krise am AKW Fukushima

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TEPCO-Konferenz im April 2011 (Foto: TEPCO)
TEPCO-Konferenz im April 2011 (Foto: TEPCO)

Während mit jeder Meldung über die Folgen des Taifun Talas die Zahl der Toten und Vermissten steigt, bemüht man sich in Japan aktuell weiterhin demonstrativ um Normalität angesichts der nach wie vor bestehenden Probleme. Doch neben den Folgen von Erdbeben, Tsunami und Atomkatastrophe, scheint auch die Zahl sonstiger Schwierigkeiten nicht abzureissen. Während man am AKW Fukushima aktuell versucht neue Wege zu gehen, drohen an anderer Stelle Umweltprobleme.

Mehr Fukushima News und sonstige Meldungen wie üblich von Montag bis Freitag auch heute wieder im Spreadnews Japan-Ticker vom 05. September 2011.

Taifun Talas mit 28 Toten und 56 Vermissten: Der Taifun Talas hat nach Angaben der NHK bislang 28 Tote gefordert. Insgesamt 56 Menschen werden zur Zeit noch vermisst. Japans neuer Premier Noda versicherte den Betroffenen, einem Bericht der Mainichi Shimbun zufolge, er unternehme die größtmöglichen Anstrengungen für eine schnelle Hilfe. Besonders der Westen Japans war von sintflutartigen Regenfällen, Überschwemmungen und Erdrutschen betroffen.

TEPCO versucht „Duschmethode“ zur Kühlung von Reaktor 3: Die bei den Reaktoren 1 und 2 genutzte Methode zur Kühlung hat sich als nicht effizient genug bei Reaktor 3 erwiesen, so dass der Betreiber TEPCO seit 1. September eine andere Methode versucht. Bislang war eine Technik genutzt worden, bei der das Kühlwasser an den Wänden des Behälters hinabrieselte, was besonders dabei half, das am Boden angesammelte Material zu kühlen.

Nun wird vermutet, dass in Reaktor 3 weniger Material durch den Boden des Behälters gelangte als bei den übrigen, sondern sich ein Teil möglicherweise noch innerhalb der Halterung befinde und daher nicht durch herabrieselndes Wasser erreicht werden kann.

Aus diesem Grund wir seit Anfang September eine Duschmethode eingesetzt, bei der das Wasser gleichmäßig auf die Brennstäbe herabgeregnet wird um sie effektiver zu kühlen.

Zudem überdenkt TEPCO seine Pläne, bis zum Ende des Jahres das gesamte schwer radioaktiv belastete Wasser aus den Gebäuden zu pumpen. Nachdem die Menge von radioaktivem Wasser auf ein Niveau gesenkt wurde, das auch schwere Regenfälle kein Risiko für ein Überlaufen mehr darstellen würden, werde man die Menge der Wasserkühlung anpassen um so die Entstehung von Restwasser so weit wie möglich zu verringern. 

Zwei Orte gaben trotz Taifun keine Evakuierungempfehlung aus: Sowohl das Dorf, Totsukawa (Präf. Nara) als auch die Stadt Tanabe (Präf. Wakayama), die weltweit als Geburtsort von Morihei Ueshiba, Begründer der Kampfkunst Aikido bekannt ist, haben offenbar trotz des Taifun keine Evakuierungsempfehlung ausgegeben, so ein Bericht der Mainichi Shimbun.

Zur Verteidigung ihrer Entscheidung gab man an, dass es keine Regeln dafür gibt, ab welcher Regenmenge oder welchem Wasserstand derartige Maßnahmen erforderlich sind. Zudem sei das Risiko von Erdrutschen schwieriger einzuschätzen, als etwa die Hochwassergefahr bei Orten, die an Flüssen liegen. Zudem bestehe ein besonderes Risiko, dass es bei Evakuierungen zu Schäden kommt.

Tsunami spülte Arsen und Blei an Land: Durch den Tsunami am 11. März wurde nun an mehreren Küsten Arsen angeschwemmt. Das giftige Halbmetall kann bei langfristiger Einnahme, etwa über das Trinken von belastetem Wasser, Leber- und Nierenschäden hervorrufen.  An 36 der 129 Stellen in den vom Tsunami besonders schwer getroffenen Präfekturen waren Konzentrationen von Arsen über dem in der Natur bestehenden Normalwert festgestellt worden.

An drei der getesteten Stellen – Iwanuma und Natori (Präf. Miyagi) sowie Noda (Präf. Iwate) waren Mengen gefunden worden, die den zulässigen Höchstwert von 0,01 Miligram pro Liter Wasser um das vierfache übersteigen. An einer vierten, dem Hafen Ofunato (Präf. Iwate) habe die Belastung den fünffachen Wert gehabt. Im Bereich der alten Goldmine Oya wurde eine Belastung mit dem 25fachen des Höchstwerts festgestellt.

Auch Blei wurde an einigen Stellen festgestellt, jedoch lagen mit Ausnahme von Miyako (Präf. Iwate) wo der Grenzwert um das fünffache überschritten wurde, alle anderen Messungen nur knapp oberhalb des Limits, so ein Bericht der Asahi Shimbun.

Der Tsunami hat nach Angaben von Experten entsprechende Ablagerungen im Schlamm des Meeresbodens aufgewühlt und an die Küsten geschwemmt Es bestehe jedoch auch bei Aufräumarbeiten in Gebieten mit hoher Konzentration von Arsen kein Grund zur Sorge, wenn Handschuhe und Atemmasken getragen werden, um ein Einatmen zu verhindern.

Regierung ignorierte unvollständige Daten der NISA: Bereits am Tag des Bebens beauftragte Japans Atomsicherheitsbehörde NISA die Atomsicherheitsorganisation JNES damit, die Entwicklung der Krise anhand des Emergency Report Support System (ERSS) zu prognostizieren und die Analyse der NISA zukommen zu lassen.

Die NISA leitete dann die Ergebnisse der Analyse der Reaktoren 2 und 3 an das Büro des Premierministers weiter – der Bericht zum Reaktor 1 in dem, wie in den übrigen, Prognosen zur Änderung von Wasserstand und Druckverhältnissen gemacht worden waren, erreichte dagegen das Büro des Premierministers nicht.

Yoshinori Moriyama von der NISA räumte dies auf einer Pressekonferenz am 2. September ein. Dieses Versäumnis sei aus unbekannten Gründen geschehen. Soweit der Bericht der Asahi Shimbun

Allerdings erhebt einem Artikel der Mainichi Shimbun nach, die NISA Vorwürfe und trug diese ebenfalls auf der Pressekonferenz vor. Demnach habe das Büro des Premierministers die vorgelegten Einschätzungen und Analysen zur Entwicklung an den Reaktoren 2 und 3 nicht genutztweder um Maßnahmen an den Reaktoren durchzuführen, noch um eine schnelle Evakuierung der umliegenden Orte einzuleiten,

Diese Prognosen wiesen dabei im Nachhinein eine große Übereinstimmung mit dem tatsächlichen Verlauf der Entwicklung, wie etwa dem Zeitpunkt des freiliegens der Brennelemente und dem Einsetzen der Kernschmelzen. Die Regierung habe diese Daten  innerhalb der Analysen ignoriert, da sie nicht auf Fakten basierten, so Moriyama.

Fisch und Reis als Weg zur Normalität: Erstmals seit dem Unglück vom März hat der Hafen Ofunato (Präf. Iwate), Zentrum des Makrelenfangs, wieder Ware versandt, so eine Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo. Fischer vor Ort sehen es als Zeichen der Erholung von den Schäden der Naturkatastrophen an.

Auch ein jährlich in Meguro, Stadtbezirk von Japans Hauptstadt Tokyo stattfindendes Makrelenfest ist von Bedeutung, denn insgesamt 7000 der angebotenen gegrillten Makrelenhechte stammen aus Miyako (Präf. Iwate), berichtet die Mainichi Shimbun.

In einem weiteren Artikel macht die Zeitung darauf aufmerksam, dass nun auch erstmals wieder Reis aus der Präfektur Fukushima in Tokyo angeboten wird und Bauern auf die zusätzliche Prüfung durch private Stellen verweisen, die neben den vorgeschriebenen staatlichen Tests erfolgen, um das Vertrauen der Verbraucher wiederzugewinnen.

Unterdessen wurden heute auch die Thunfisch-Auktionen auf einem behelfsmäßigen Markt im Hafen Choshi, in der Nähe von Tokyo wieder aufgenommen, so ein Bericht der NHK. Das Gebäude dient als Übergangslösung, bis die zerstörten Markthalten wiederhergestellt sind.

Stadt Niigata in Vorbereitung auf künftige Tsunami: Der Bürgermeister von Niigata, Akira Shinoda, hat in Gesprächen mit fünf Hotels der Stadt diese dazu bewogen, im Falle einer Tsunamiwarnung als Unterkunft für insgesamt 4000 Evakuierte zu dienen. Das Berichtet die NHK. Bürgermeister Shinoda verspricht sich von dem Abkommen auch eine größeres Verständnis der Bevölkerung für die Notwendigkeit von Evakuierungen. Die Stadt Niigata hat eine geographisch vergleichsweise niedrige Lage, 1964 waren Teile der Stadt durch einen Tsunami beschädigt worden.

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