Start Aktuelles Japan aktuell: Regierung plant Laufzeitbegrenzung für Atomkraftwerke

Japan aktuell: Regierung plant Laufzeitbegrenzung für Atomkraftwerke

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Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
AKW Monju: Terrorismus-Gefahr durch Schlamperei (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Laufzeitbeschränkung für Japans AKW (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Die japanische Regierung versucht bereits zu Beginn des neuen Jahres zu zeigen, dass man die Situation in den Krisengebieten, insbesondere Dekontamination und Wiederaufbau aktiv angeht und auch die in der Präfektur Fukushima aktuell geplanten Maßnahmen sind ein Zeichen dafür, dass man die Lähmung durch die Katastrophe demonstrativ abschütteln will. In welchem Umfang dies gelingt, wie die Unterstützung für den Neuanfang aussieht und weitere Informationen aus Japan im Spreadnews Japan-Ticker vom 06. Januar 2012.

Japan will AKW-Laufzeitbegrenzung auf 40 Jahre: Die japanische Regierung will die bislang freiwilligen Maßnahmen gegen mögliche schwere Naturkatastrophen künftig zur Bedingungen für die Betreiber von Atomkraftwerken machen –  zudem soll die Laufzeit der Anlagen auf vierzig Jahre begrenzt werden. Diese Bestimmungen sind Teil eines neues Gesetzesentwurfs, von dem die Nachrichtenagentur Kyodo berichtet.

Demnach könnten die entsprechenden Pläne auch Teil des Gesetzes zur Regelung von Kernkraftwerken und radioaktivem Brennmaterial werden, dessen Ausarbeitung in Folge der Katastrophe am AKW Fukushima Daiichi begonnen wurde. Mit einer Begrenzung der Laufzeit auf 40 Jahre folgt man nicht nur ähnlichen Vorgaben in den USA, sondern es handelt sich um das erste Mal, dass Japan eine derartige Beschränkung in Angriff nimmt.

Ausnahmen von dieser Regelung werde es nur „sehr selten“ geben, so Krisenminister Goshi Hosono auf einer Pressekonferenz. Falls ein Kernkraftwerksbetreiber eine Verlängerung beantrage, so würde die Regierung zunächst den Grad der Überalterung feststellen um dann zu prüfen, ob das Unternehmen über die technischen Möglichkeiten verfügt, die veraltete Anlage weiterhin sicher zu betreiben.

Die Karte der AKW in Japan (Grafik: pd)
Die Karte der AKW in Japan (Grafik: pd)

Die Überalterung ist in der Tat ein wichtiger Punkt, denn von den insgesamt 54 industriell genutzten Reaktoren Japans sind mindestens drei mindestens 40 Jahre alt. Neben Reaktor 1 des AKW Fukushima Daiichi, gehören auch das Kraftwerk Tsuruga in der Präfektur Fukui, das von Japan Atomic Power betrieben wird, sowie das AKW Mihama, das sich ebenfalls in der Präfektur Fukui befindet, dessen Betreiber jedoch Kansai Electric ist.

Regierung berichtet über den „Worst Case“ der Fukushima-Katastrophe: Goshi Hosono, Minister für das Krisenmanagement am AKW Fukushima, berichtete heute über das, von der Regierung auf dem Höhepunkt der Krise entworfene Modell des als schlimmstmöglich angenommenen Szenarios.  Etwa zwei Wochen nach Beginn der Krise, stellte Shunsuke Kondo, Vorsitzender der japanischen Atomenergiekommission sein Modell vor.

Als denkbar größte Katastrophe ging man von einer Explosion von Reaktor 1, sowie dem austrocknen des Abklingbeckens von Reaktor 4 aus. Allerdings teilte man diese Einschätzung nicht der Öffentlichkeit, da die tatsächliche Entwicklung zu diesem Zeitpunkt nur sehr schwer vorhersehbar gewesen sei und lediglich auf Hypothesen beruht habe. Auf dieser Basis habe man keine  unnötige Beunruhigung bei der Bevölkerung wecken wollen., erklärte Hosono der damals im Kabinett des früheren Ministerpräsidenten Naoto Kan als Sonderberater beschäftigt war. Eine tatsächliche Explosion hätte die Radioaktivität in weit größerem Maßstab frei gesetzt, als dies der Fall war. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Präfektur Fukushima plant für 2012 ausgedehnte Reistests: Wie die Präfekturverwaltung Fukushima am heutigen Freitag mitteilte, ist die vollständige Überprüfung von Reis, der dieses  Jahr dort angebaut wird, geplant. Neben der finanziellen Unterstützung von Landwirtschaftskooperativen beim Kauf von Geräten zur Messung der radioaktiven Belastung, wird auch in Erwägung gezogen 100 Stück eines Fließband-Strahlungsdetektors zu kaufen, der von einem Maschinenbauer entwickelt wurde, wobei der Kauf mehrere Milliarden Yen kosten würde.  Auf diese Weise könnte jedoch der Reis getestet werden, ohne die einzelnen Säcke öffnen zu müssen, so etwa die Nachrichtenagentur jiji.

Mit den bisherigen Methoden betrage die Testkapazität der Geräte lediglich 8.000 der 30 Kilogramm Säcke pro Woche, was der Asahi Shimbun zufolge bedeuten würde, dass es etwa 30 Jahre dauern würde, alle 356.000 Tonnen Reis die jährlich dort produziert werden, zu testen.

Zwar werde es auch weiterhin Stichproben und  großflächige Überprüfungen aller landwirtschaftlichen Betriebe in bestimmten Gegenden geben, jedoch sei man zu der Überzeugung gelangt, nur durch lückenlose und vollständige Tests könnte  das Vertrauen der Verbraucher wiedergewonnen werden.

Anonymer Spender lieferte Baumaterial: Während immer wieder Personen die offenbar unerkannt bleiben wollen, entweder Sachspenden leisten, oder teils erhebliche Summen an Bargeld spenden, gab es in Rikuzentakata (Präf. Iwate) eine Hilfe der besonderen Art. Fumio Konno, Präsident der Firma Konno Construction berichtete gegenüber der Mainichi Shimbun, erstmalig habe der anonyme Spender dem Unternehmen im Juli vergangenen Jahres Holzbalken, deren Menge einen Dreitonner gefüllt hätte, zukommen lassen.

Bei Konno Construction, deren Fabrik durch den Tsunami zerstört worden war, handelt es sich um ein Bauunternehmen, so dass die große Menge an Holz, das nun in der provisorisch gebauten Fabrik genutzt werden konnte, eine wirkliche Erleichterung darstellte. In einem Telefongespräch habe der Unbekannte angekündigt, er werde im Herbst wiederkommen – und tatsächlich traf im Oktober eine weitere Lieferung des Spenders, der sich nur als „Mann aus Akita“ bezeichnet hatte, ein.

Nun würde sich der Präsident des Unternehmens gerne bei dem Mann, von dem vermutet wird, es könne sich um einen Holzhändler handeln, bedanken und erklärte, man werde mit dem gespendeten Holz für Reparatur und Wiederaufbau nutzen.

Mitglied der Giftgas-Sekte hatte offenbar Hilfe: Die Polizei vermutet, Makoto Hirata, der sich nach fast 17 Jahre dauernder Flucht zu Neujahr der Polizei stellte, könnte während dieser Zeit möglicherweise Hilfe durch andere Mitglieder des Endzeit-Kults der Ōmu Shinrikyō erhalten haben. Angeblich habe er um 1996 Kontakt mit einer 49 Jahre alten Frau, die in der Sekte als Krankenschwester diente, gehabt.

Diese Frau habe ihm angeblich nicht nur dabei geholfen vor der Polizei zu fliehen, sondern es gäbe darüber hinaus auch noch Hinweise, Hirata habe mit ihr in der Angestelltenunterkunft eines Restaurants in dem sie drei Monate, bis 1996 beschäftigt gewesen war, zusammengelebt, so ein Artikel der Mainichi Shimbun. Auch weitere Anhänger der oft fälschlich „Aum-Sekte“ genannten Bewegung, die auf der Flucht gewesen seien, hätten sich oft in Begleitschaft weiblicher Personen befunden, die ihnen beim Untertauchen halfen.

Bei den beiden noch flüchtigen Sektenmitgliedern handelt es sich ebenfalls um einen Mann und eine Frau. Katsuya Takahashi (53) und Naoko Kikuchi, (40) hatten sich vermutlich zusammen mit anderen Verdächtigen bis zum November 1996 in einer Wohnung in Tokorozawa (Präf. Saitama), die der Sekte als Versteck diente, aufgehalten.

Unterdessen behauptet der festgenommene Hirata  nicht nur lediglich Fluchtfahrer bei einer Entführung gewesen zu sein, sondern zudem nichts von der Entführungsabsicht gewusst zu haben. Diese sei ihm erst klar geworden, als seine Komplizen ihr Opfer in den Wagen geschafft hatten. Angeblich habe er zuvor gefragt weshalb sie am späteren Tatort seien und die Antwort bekommen, wenn er nicht darüber informiert wurde, sollte er es eventuell gar nicht wissen. Das berichtet die Yomiuri Shimbun.

Viele überlebende Opfer der Sekte, oder deren Angehörige fordern unterdessen die Exekution der bereits verurteilten Mitglieder. Japans Premierminister tendieren jedoch dazu, die entsprechende Verantwortung vor sich her zu schieben und so wurde 2011 zum ersten Mal seit  19 Jahren keine Todesstrafe verhängt.

Dies wiederum war Anlass für die Internationale Liga für Menschenrechte und die World Coalition Against the Death Penalty, in einem am Dienstag an Premierminister Yoshihiko Noda und Justizminister Hideo Hiraoka versandten Brief für diesen Umstand zu danken und zu einem weiteren Verzicht der Todesstrafe zu ermutigen, wie die Nachrichtenagentur Kyodo meldet.

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