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Japan aktuell: Regierung räumt Zusammenhang von Kashiwa Hot Spot und AKW Fukushima ein

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Kashiwa (Präfektur Chiba)
Kashiwa (Präfektur Chiba): Radioaktive Belastung durch AKW Fukushima (Foto: pd)
Kashiwa (Präfektur Chiba)
Kashiwa (Präfektur Chiba)

Der neuste Fund eines radioaktiven Hotspots in Kashiwa (Präf. Chiba) ist den deutschen Medien dann doch mal wieder einen Bericht Wert – allerdings vermutlich vor allem deshalb, weil die Regierung öffentlich einen Zusammenhang zum AKW Fukushima einräumte. Die bisherigen Hotspots waren offenbar nicht ausreichend für eine Schlagzeile.

Wir berichten jedoch weiter darüber, was in Japan aktuell geschieht – und  so gibt es auch heute wieder die aktuellen Fukushima News wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 24. Oktober 2011.

Regierung will Zedernpollen überprüfen: Nachdem bereits zu Beginn des Monats ein angeblicher Fukushima-Arbeiter per Twitter Bedenken geäußert hatte, die in Wäldern vorhandene radioaktive Belastung könne sich beim Einsetzen des Pollenflugs weiter ausbreiten und durch Einatmen zu einer Inkorporation führen, berichtet nun auch die Yomiuri Shimbun über die Sorgen der Bürger.

Die Verwaltung will nun Proben nehmen um in einer Untersuchung zu ermitteln wie hoch der Gehalt an radioaktivem Cäsium ist. Da die Präfektur über 184.500 Hektar an öffentlichem und privaten Zedernwald verfügt ist bislang noch unklar, welche Gebiete untersucht werden sollen. Es ist das erste Mal, dass sich eine derartige Studie ausführlich mit Pollen, ihrem Gehalt und ihrer Ausbreitung beschäftigt, weltweit gibt es diesbezüglich nur wenig Daten.

Allerdings gibt es natürlich die üblichen Beschwichtigungen: Zwar sei es sehr wahrscheinlich, dass mit Cäsium kontaminierte Pollen den Großraum Tokyo erreichen würden, allerdings ist davon auszugehen, dass die Menge des mit dem Wind transportierten Materials vermutlich so gering sein werde, das selbst das Einatmen zu einer inkorporierten Belastung führen würde die man ignorieren könnte, erklärte ein Experte. Auch Allergiker seien nicht stärker gefährdet als sonst.

Bürger wollen gegen Neustart des AKW Tsuruga klagen:
Eine Gruppe von Bürgern der Präfektur Shiga sowie angrenzenden Präfekturen wollen eine Klage gegen den Neustart des AKW Tsuruga anstreben. Das Kraftwerk, dessen Reaktoren 1 und 2 gerade Routineprüfungen unterzogen werden, stelle durch sein Alter und seine Lage in tektonisch gefährlichem Gebiet nicht nur eine Gefahr für Anwohner dar.

Bei einem Reaktorunglück könne es auch zu einer möglichen Kontamination des Biwa-Sees kommen, der die Hauptwasserquelle für die Städte Kyoto, Osaka und Kobe darstellt. Auch große Teile des Ökosystems der Regierung wären nach Ansicht der Kritiker betroffen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Hotspot in Kashiwa – Regierung räumt Verbindung zu Fukushima ein: Am Samstag teilte die Stadtverwaltung von  Kashiwa (Präf. Chiba) dort sei am Freitag ein Hotspot entdeckt worden, dessen Höchstwerde bei 57,5 Mikrosievert 30 Zentimeter unter dem Boden gelegen haben. Im Erdreich sei zudem eine Belastung durch radioaktives Cäsium in Höhe von 276.000 Becquerel pro Kilogramm Erde entdeckt worden. 

Zunächst verneinte die Regierung einen  Zusammenhang mit der Strahlung des AKW Fukushima Daiichi, da an der Erdoberfläche des fraglichen Bereichs nur eine vergleichsweise niedrige Dosis nachgewiesen werden konnte. Dies berichtete beispielsweise die Nachrichtenagentur jiji.

Allerdings korrigierte das Wissenschafts- und Technologieministerium am Sonntag diese Angaben. Es sei durchaus wahrscheinlich, dass Material des Kernkraftwerks ursächlich für die Belastung ist. Eine Messung des Bereichs am Sonntag habe ergeben, dass die Belastung an der Erdoberfläche zu diesem Zeitpunkt 14,6 Mikrosievert pro Stunde betrug. In einem Abstand von einem Meter über dem Boden seien 2 Mikrosievert gemessen worden.

Die weitere Untersuchung  habe dann gezeigt,  dass sich dort Regenwasser aus einem beschädigten Entwässerungsrohr einer Dachrinne gesammelt hatte.  Durch einen 50 Zentimeter langen Riss war es nach Aussage des Ministeriums zur Kontamination eines Bereichs mit einem Radius von einem Meter gekommen.
Die Bürger zeigten sich verständlicherweise besorgt. Entsprechende Berichte zur Belastung in Kashiwa gab es unter anderem von Gendai Business, der Asahi Shimbun und den Nachrichtenagenturen jiji und Kyodo.

Regierung richtet Hotspot-Hotline ein : Nachdem die Regierung offenbar bemerkt hat, das aufmerksame Bürger mit Meldungen über Hotspots nicht lediglich Angst verbreiten, sondern tatsächlich von Nutzen sein können, hat das Wissenschaftsministerium nun eine Telefon-Hotline eingerichtet, um Besorgnisse über radioaktive Belastung außerhalb der Präfektur Fukushima besser handhaben zu können, berichtet die NHK.

Das Ministerium ruft die Ortsverwaltungen und Bürgerbewegungen dazu auf Hotspots zu melden, bei denen die Strahlungswerte einen Meter über den Boden mehr als ein Mikrosievert pro Stunde betragen..

Um die Bürger besser als Spürhunde für radioaktive Belastung einsetzen zu können, wurde auf der entsprechenden Webseite Anleitungen zur richtigen Messung von Strahlungswerten, wie Handhabung und Zeitraum gegeben. Das Ministerium erklärte auch, die Regierung werde Dekontaminierungsbemühungen unterstützen, falls die Strahlungswerte nach der Reinigung weiter über dem Limit liegen

Bei dem Wert von einem Mikrosievert pro Stunde  handelt es sich um den von der Regierung festgelegten Grenzwert ab dem Schulhöfe durch abtragen der obersten Erdschicht dekontaminiert werden sollen.