Start Aktuelles Japan aktuell: Regierung überprüft Auswirkungen von Fukushima in der Bucht von Tokyo

Japan aktuell: Regierung überprüft Auswirkungen von Fukushima in der Bucht von Tokyo

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Tokyo-Bucht mit Rainbow Bridge (Foto: bisku cc by-nd)
Hohe Cäsiumwerte im Schlamm der Bucht von Tokyo (Foto: bisku cc by-nd)
Tokyo-Bucht mit Rainbow Bridge (Foto: bisku cc by-nd)
Strahlungstests in der Bucht von Tokyo (Foto: bisku cc by-nd)

Auch das nahende Wochenende bringt keine spektakulären Neuigkeiten mit sich, doch wie schon Aristoteles bemerkte, ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile. Daher lohnt es sich auch heute einen Blick nach Japan zu werfen, um zu sehen, was rund um das AKW Fukushima aktuell geschieht und welche Auswirkungen die Atomenergie für die Bevölkerung hat. Daneben gibt es auch weitere Themen, doch natürlich sind die Fukushima News vermutlich von größerem Interesse.

Alles Weitere nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 17. Februar 2012.

Die heutigen Themen:

  • Bedenken erschweren Trümmerentsorgung
  • Internationale Atomenergiekonferenz in Fukushima geplant
  • Winter in Japan fordert über 100 Todesopfer
  • Tenno zu Operationsvorbereitungen in Klinik
  • Ex-AKW-Arbeiter klagt gegen Regierung
  • Sea Shepherd fordert Freilassung von Aktivisten

Messungen der Radioaktivität in der Bucht von Tokyo: Wie die Yomiuri Shimbun berichtet, beginnt das Umweltministerium heute mit der Übeprüfung von radioaktivem Substanzen im Wasser und den Sedimenten in der Nähe der Mündungen der Flüsse Sumidagawa und Arakawa. Die Messungen sollen im Bereich der Brücken Ryogokubashi und Kasaibashi erfolgen. Die Ergebnisse werden Ende März veröffentlicht. .

Den nicht näher genannten Quellen zufolge, will das Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (MEXT) dann ab April damit beginnen, Wasser, Ablagerungen Schlamm und Lebewesen in der Bucht zu untersuchen. Damit wollen die Behörden die zunehmenden Anfragen der umliegenden Bewohner klären.

Die Fragen betreffen Punkte über die Verzehrbarkeit von Meeresbewohner und die Sicherheit von Kindern, wenn diese in der Nähe des Wassers spielen.

Das MEXT will sowohl an den Mündungen, an Bereichen in Küstennähe, sowie in der Mitte der Bucht mehrere Proben von Oberflächenwasser und Schlamm nehmen und in Zusammenarbeit mit den angrenzenden Gemeinden zusätzlich die Strahlungsmenge in Meerestieren überprüfen.

Tokyo: Fluß Sumida mit Kachidoki-Brücke (Foto: Bobak Ha'Eri cc-by)
Tokyo: Der Fluß Sumida (Foto: Bobak Ha'Eri cc-by)

Dem Umweltministerium und anderen Quellen zufolge, kam es nach der Fukushima-Katastrophe auch zur Übertragung von radioaktivem Material in die Region Kanto, in der auch Tokyo liegt. Wissenschaftler brachten die Möglichkeit auf, durch das Einschwemmen von Material durch Flüsse könnte sich vermehrt radioaktives Material am Meeresboden ablagern.

Die Regierung hatte zuvor ähnliche Untersuchungen in den Präfekturen Chiba, Fukushima, Gunma, Ibaraki und weiteren durchgeführt. Es handelt sich somit um die ersten Untersuchungen der beiden Flüsse in Tokyo.

Bedenken erschweren Entsorgung von Katastrophentrümmern: Die Sorge der Bevölkerung über eine mögliche radioaktive Belastung durch Verbrennung der Trümmer aus den Katastrophengebieten, hält viele Gemeinden davon ab, den bei Aufräumarbeiten anfallenden Schutt zu übernehmen und in den eigenen Müllentsorgungsanlagen zu verbrennen.

Vor allem die große Differenz zwischen dem üblichen, durch das „Nuclear Reactor Regulation Law“ festgelegte Grenzwert von 100 Becquerel für Abfälle und dem neu festgelegten Höchstwert von 8.000 Becquerel sorgt für Verunsicherung bei den örtlichen Verwaltungen, so ein Artikel der Mainichi Shimbun. Die Regierung begründet diesen Unterschied mit dem Umstand, dass ersterer sich nur auf einen potentiellen Radioaktivitätsgrad normaler Abfälle beziehe, während die neuen Bestimmungen explizit den Umgang mit radioaktiv belasteter Asche regele.

Das 8.000 Becquerel-Limit sei von einem Expertenausschuss entworfen und von mehreren Instanzen, unter anderem der japanischen Atomsicherheitskommission NSC und der IAEA akzeptiert worden, erklärte die Abteilung für die Abfallentsorgung des Umweltministeriums.

Fast die gesamte Strahlung – 99,8 Prozent – der Asche, könnten durch das Abdecken der Mülldeponie mit Erdreich erfolgreich abgeschirmt werden. Die maximal freigesetzte Strahlung betrage 0,01 Millisievert pro Jahr. Diesbezüglich bestehe keine Gesundheitsgefahr.

Internationale Atomenergie-Sicherheitskonferenz in Fukushima geplant: Die japanische Regierung plant, unter Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, im Zeitraum vom 15. bis 17. Dezember 2012 eine internationale Ministerkonferenz zur Fragen der Sicherheit von Atomenergie abzuhalten.

Als Veranstaltungsort für die Konferenz, an der nach Angaben von Japans Außenminiser Koichiro Genba etwa 40  Nationen teilnehmen werden, wird Koriyama, eine Stadt in der Präfektur Fukushima erwogen. In derselben Präfektur befindet sich auch das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, bei dem Schäden durch den Tsunami zu Japans bislang größter Atomkatastrophe führten.

Thema der Diskussionen sollen daher, nach Angaben der Regierung, vor allem Möglichkeiten sein, durch deren Einsatz die Sicherheit von Atomkraftwerken sichergestellt werden kann. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Schneeaffe in Onsen Heißquelle (Foto: pd)
Tierische Winterfreuden in Japan: (Foto: pd)

Japans Winter fordert über hundert Todesopfer: Nicht jeder geniesst den japanischen Winter so, wie es die als „Schneeaffen“ bekannt gewordenen Japan-Makaken in den Onsen genannten Heißquellen auf Hokkaido, der nördlichsten Hauptinsel des Landes zu tun scheinen.

Während sich die ersten Eisschollen nach Meldung der NHK erst 19 Tage später vor der Küste zeigen, als dies im Vorjahr der Fall ist, hat sich die Zahl der durch Eis und Schnee verursachten Todesfälle erhöht. Bislang kamen 103 Menschen aufgrund des Wetters ums Leben, berichtet etwa die Mainichi Shimbun.

Es ist das siebte Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, dass die Marke von einhundert Todesopfern überschritten wird. In der Präfektur Niigata gab es 23 Todesfälle, in der Präfektur Hokkaido starben 21 Menschen. In Yamagata wurden 15 Personen ein Opfer des Winters und in den Präfekturen Akita und Aomori gab es jeweils 12 Tote.

Mehr als 75 Prozent der Todesfälle ereigneten sich bei Versuchen den Schnee zu räumen. Besonders Gebirsgegenden am Japanischen Meer hatten mit der doppelten Schneemenge zu kämpfen. Aus diesen Gründen und auch weil etwa zwei Drittel der Todesopfer 65 Jahre oder älter waren, haben die Behörde entsprechende Sicherheitshinweise für das Schneeräumen veröffentlicht, berichten NHK und Mainichi Shimbun.

Klinik der Universität Tokyo (Foto: pd)
Gebäude des Universitätsklinikums Tokyo (Foto: pd)

Tenno zu Operationsvorbereitungen in Klinik: Am heutigen Freitagmorgen hat sich der Tenno in das Universitätsklinikum Tokyo begeben und wird dort Tests und Operationsvorbereitungen unterzogen. Morgen soll dann eine Bypass-Operation durchgeführt werden. Die Operation, die von Ärzten der Juntendo Universität und der Universität Tokyo durchgeführt werden wird, soll etwa fünf Stunden dauern. Sollten keine Komplikationen auftreten, so könnte er bereits in zwei Wochen das Krankenhaus wieder verlassen.

In der Zwischenzeit übernimmt Kronprinz Naruhito alle administrativen Aufgaben. Der Tenno hatte jedoch bereits seinen Wunsch geäußert, an den Gedenkfeierlichkeiten zum ersten Jahrestag des Tohoku-Erdbebens am 11. März teilzunehmen. Seine Gemahlin, Kaiserin Michiko begleitete ihn in die Klinik und wird dort auch übernachten.

Die Ärzte des Tenno hatten zur Operation geraten, nachdem eine Verengung der Koronaraterie festgestellt worden war. Die Klinik hatte ihn bereits 2003 bei einer Operation wegen Prostatakrebs und 2008 wegen stress-bedingter Gesundheitsrobleme behandelt. Für den späten Samstag ist eine Pressekonferenz geplant, bei der die Mediziner über den Verlauf und das Ergebnis der Operation berichten.

Wie das kaiserliche Hofamt mitteilte, besteht für die Bürger die Möglichkeit, in einem dafür eingerichteten Büro an einem Tor des Kaiserpalastes Genesungswünsche zu hinterlassen. Besonders durch seine historische Videobotschaft an die Nation anlässlich des Erdbebens und die Besuche der Katastrophenopfer hat der Tenno einen starken Rückhalt in Teilen der Bevölkerung.

Ex-AKW-Arbeiter klagt gegen Regierung: Ein ehemaliger Arbeiter, der im Jahr 1979 mehr als einen Monat lang sowohl im AKW Shimane, als auch dem  AKW Tsuruga beschäftigt war, verklagt die Regierung wegen seiner Erkrankung, die er auf die radioaktive Belastung zurückführt.

Der 76 Jahre alte Ryusuke Umeda berichtet, er habe zunächst an ungeklärten Symptomen wie Übelkeit, Brechreiz und Nasenbluten gelitten, bevor er 2000 einen schweren Herzinfarkt erlitt. Der Klage zufolge waren Ärzte, die ihn untersucht hatten, zu dem Schluss gekommen, dass die  Radioaktivität als Ursache nicht geleugnet werden könne, so die Nachrichtenagentur jiji.

Umeda hatte zuvor an anderer Stelle versucht, medizinische Leistungen für Personen, die an arbeitsbedingten Krankheiten leiden, zu erhalten. Im Jahr 2010 entschied man, keine Zahlungen zu leisten.

Sea Shepherd fordert Freilassung/Antrag der Japaner abgewiesen: Mitglieder der radikalen Umweltschutzorganisation Sea Shepherd haben vor dem japanischen Generalkonsulat in Los Angeles (USA) gegen den Walfang und für die Freilassung des niederländischen Aktivisten Erwin Vermeulen protestiert. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. Ähnliche Aktionen gab es auch in Denver, im US-Bundesstaat Colorada, sowie in Toronto (Kanada).

Taiji: Kujirakan Walfangmuseum (Original-Foto: 663highland cc-by)
Taiji: Kujirakan Walfangmuseum (Original-Foto: 663highland cc-by)

Vermeulen war am 16. Dezember 2011 in der japanischen Küstenstadt Taiji festgenommen worden. Die Ortschaft lebt zum Großteil vom Walfang. Durch den Dokumentarfilm „Die Bucht“, in der die Tötung von 2.000 Delfinen im Jahr 2007 festgehalten wurde, erlangte Taiji negative Bekanntheit. Ihm wird vorgeworfen, bei dem Versuch, sich Zutritt zu einer, wegen des Walfangs gesperrten Küstenstraße zu verschaffen, einen Mann gegen die Brust geschlagen zu haben.

Sea Shepherd bezweifelt die Vorwürfe und sieht, auch aufgrund der angeblich dünnen Beweislage, vor allem politische Gründe hinter dem Vorgehen der Japaner, da Schiffe der Organisation in den Niederlanden registriert sind.

Laut niederländischen Medien wurde er heute aus zweimonatiger Haft entlassen. Er darf jedoch Japan nicht verlassen. Das Urteil soll am kommenden Mittwoch, dem 22. Februar von einem Gericht der Präfektur Wakayama gesprochen werden.

Unterdessen hat ein Bezirksgericht in den USA einen Antrag auf einstweilige Verfügung von japanischen Walfängern abgelehnt, berichtet die NHK. Im Dezember hatte das Walforschungsinstitut in Tokyo bei einem Gericht im US-Bundesstaat Washington Klage eingereicht, um die Maßnahmen von Walfanggegnern zu verhindern.

In der ersten Anhörung am gestrigen Donnerstag wies das Gericht die geforderte Verfügung zurück und begründete seine Entscheidung damit, dass aufgrund der Internationalität und politischer Aspekte eine derartige Entscheidung nicht kurzfristig getroffen werden könne. Auch wenn die Anhörungen in diesem Fall weitergehen, dürfte diese Entscheidung die Aktivisten von Sea Shepherd freuen.

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