Start Aktuelles Japan aktuell: Regierung will neue Geländerisiken am AKW Tsuruga überprüfen

Japan aktuell: Regierung will neue Geländerisiken am AKW Tsuruga überprüfen

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Graph (Grafik: pd)
Risikobewertung von AKW-Standort (Grafik: pd)
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Risikobewertung von AKW-Standort (Grafik: pd)

Während in Japan aktuell schwere Regenfälle weiter zu Behinderungen führen und etwa in der Präfektur Wakayama Straßen und Häuser unterspült wurden, ist von offizieller Seite nichts Neues zu den Maßnahmen, die am AKW Fukushima aktuell durchgeführt werden, zu hören.

Angesichts der Kritik am Schlussbericht von TEPCO ist durchaus nachvollziehbar, wenn der Betreiber sich jetzt darum bemüht, die Fukushima News möglichst kompakt zu halten.

Dagegen gibt es Neuigkeiten vom AKW Tsuruga, wo neben den bereits als Risiko diskutierten geologischen Verwerfungen möglicherweise zusätzliche Faktoren eine Rolle spielen könnten, um diesen und möglicherweise auch andere Standorte von Atomkraftanlagen in Japan aktuell in Frage zu stellen.

Weitere Einzelheiten, Fukushima News und sonstige Meldungen zum Wochenausklang im Spreadnews Japan-Ticker vom 22. Juni 2012.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Regierung will neue Geländerisiken am AKW Tsuruga überprüfen
  • Parlament billigt Entwurf für neue Atomaufsichtsbehörde
  • Alte Fernsehtechnik zur Strahlungsabschirmung
  • Tokyo Sky Tree mit Rekordbesucherzahlen

Regierung will neue Geländerisiken am AKW Tsuruga überprüfen: Nach der Entdeckung von Bruchzonen unter dem Gelände auf dem das AKW Tsuruga steht, erklärte die Atomaufsichtsbehörde NISA am heutigen Freitag, man werde die Überprüfungen möglicher aktiver Verwerfungen noch verstärken. Bei einem Treffen mit Experten am selben Tag erklärte die Behörde, man werde einen Prüfer zu den wiederholten Prüfungen des Betreibers Japan Atomic Power entsenden.

Diese Bruchzonen, die aus groben Gesteinsstücken bestehen, könnten sich im Falle eines Erdbebens zusammen mit einer aktiven Verwerfung bewegen und das AKW Tsuruga damit möglicherweise gefährden. Das Betreiberunternehmen will diesbezüglich Tests im Mai beginnen, darunter auch Bohrungen auf dem Gelände.

Allerdings sei es wichtig, dass die Behörde die Verantwortung nicht gänzlich den Betreiber überlasse, erklärte  Masaru Kobayashi, Leiter der Abteilung zur Beurteilung der Erdbebensicherheit von Atomkraftwerken. Man hoffe, dass größere Transparenz durch die Veröffentlichung von Aktualisierungen auf der Webseite und die Einladung außenstehender Experten zur Begutachtung des Geländes gewonnen werden könne. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Parlament billigt Entwurf für neue Atomaufsichtsbehörde: Der Gesetzentwurf zur Schaffung einer unabhängigen Kommission für die Sicherheit von Atomkraftwerken wurde am Mittwoch mit Mehrheitsbeschluss bei einer Plenarversammlung des Oberhauses akzeptiert. Zuvor war es vergangene Woche bereits vom Abgeordnetenhaus bzw. Unterhaus genehmigt worden.

Japanisches Parlamentsgebäude (Foto: Kim Ahlström cc-by)
Regierung befürwortet neues Atombehördengesetz (Foto: Kim Ahlström cc-by)

Die Schaffung der neuen Kommission ist für den September vorgesehen. Unter dem neuen Kontrollorgan werden mehrere Behörden zusammengefasst. So werden die Behörde für Atomsicherheit (NISA) und die Atomsicherheitskommission (NSC) des Kabinettsbüros  fusioniert und die NISA dem Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) entzogen.

Besonders das eine Instanz wie die METI, die aktiv die Nutzung von Atomenergie propagiert, einer Kontrollbehörde für Atomsicherheit übergeordnet ist, hatte in der Vergangenheit immer wieder Bedenken über Manipulation und Einflussnahme aufkommen lassen. Die neue Behörde wird nun dem Umweltministerium unterstehen, dabei jedoch größtenteils unabhängig vom Kabinett arbeiten.

Die wichtigsten japanischen Parteien, die Demokratische Partei Japans (DPJ) und die Oppositionspartei der Liberaldemokraten (LDP) stützen die Billigung des Entwurfs ebenso wie die, von der buddhistischen Organisation Soka Gakkai unterstützte Komeito.

Aufgabe der neuen Instanz ist die Schaffung neuer Sicherheitsstandards, innerhalb eines Zeitraums von zehn Monaten nach Einrichtung der Behörde. Diese erste Richtlinie wird mit ihren Kriterien über den Neustart weiterer Reaktoren bestimmen.

Die Behörde, in der fünf Atomexperten tätig sein werden, wird dem Gesetz zufolge auch im Fall einer Atomkrise die Entscheidungen treffen, bei denen entsprechende Sachkenntnis erforderlich ist. Damit wird die Weisungsbefugnis des Premierministers eingeschränkt. Zuletzt hatte die Betreiberfirma des AKW Fukushima Daiichi in ihrem Abschlussbericht über die unangemessene und inkompetente Einmischung durch das Büro des Premierministers geklagt.

Um Interessenkonflikte innerhalb der Kontrollinstanz zu vermeiden – etwa durch die gleichzeitige Mitwirkung in Behörden oder Unternehmen, welche Atomenergie befürworten – werden Umweltminister Goshi Hosono zufolge keine Personen bei denen derartige Diskrepanzen bekannt sind, eingesetzt.

Die Komission könnte auch die Verlängerung der Laufzeit von bislang 40 Jahren überarbeiten. Wie es um den Reaktorneustart am AKW Ikata steht, dessen Stresstest an Reaktor 3 bereits abgesegnet ist, bleibt abzuwarten. Sollte der Betreiber Shikoku Electric die Erlaubnis zum Neustart erhalten, so wäre dies der dritte Reaktor der seit der Abschaltung nach der Fukushima-Katastrophe wieder ans Netz geht.

Doch das neue Gesetz beschränkt sich nicht auf die Schaffung der neuen Behörde. Das Gesetz sieht vor, dass Japan sein Katastrophenmanagment für Friedenszeiten verstärkt und damit jederzeit auf ein Atomunglück vorbereitet ist. Zu den Regelungen gehört auch die Schaffung eines Rats für Sicherheitsmaßnahmen gegen Atomkatastrophen

Alte Fernsehtechnik zur Strahlungsabschirmung: Im Zeitalter moderner Flachbildgeräte, hat die Bezeichnung „in die Röhre schauen“ im Zusammenhang mit Fernsehern ihre Bedeutung verloren. Doch wenn man einem Artikel der Asahi Shimbun glauben darf, dann könnten die alten Geräte möglicherweise zur Bewältigung kontaminierten Materials beitragen. Über eine derartige Entwicklung hatte die NHK bereits im März diesen Jahres hingewiesen (Spreadnews berichtete am 13. März 2012)

Alter Fernseher (Foto: pd)
Mit Mattscheibe gegen Strahlung (Foto:pd)

Forschern an der Universität Miyagi ist es gelungen, aus einer Mischung von Zement und bleibeschichtetem Glas einen Behälter herzustellen, der in der Lage ist, Strahlung zu blocken. Diese Behältnisse – ein Prototyp, der Ende Mai in einer Zementfabrik in Sukagawa (Präf. Fukushima) hergestellt wurde und eine Kapazität von einem Kubikmeter hat, weist eine Wanddicke von 10 Zentimetern auf – sind für die Lagerung von kontaminiertem Erdreich geeignet.

Der Behälter hat fast die selbe bauliche Stärke wie ein herkömmlicher Zementbehälter, durch die Vermischung mit Glas aus alten Fernsehern, das etwa 25 Prozent Blei aufweist, ist die Strahlungsabschirmung jedoch deutlich besser.

An Rohmaterial der Mattscheiben mangelt es nicht, haben sich doch große Mengen dieses Glases angesammelt, nachdem der Einzug des digitalen Fernsehens zu einem Müllberg alter Fernseher geführt hat. Die Vereinigung für elektrische Haushaltsgeräte gibt an, dass bislang mehr als 100.000 Tonnen Bleiglas angefallen sind.

Masafumi Kitasuji, Professor für Betontechnologie an der Universität Miyagi erläutert die Vorteile der Bleiglas-Betoncontainer. Ein 44 Zentimeter dicke Platte aus diesem neuartigen Beton weist die selbe Schutzwirkung auf, wie eine 50 Zentimeter dicke Platte aus Standardbeton. Die Entwicklung an sich sei zwar nicht bahnbrechend, könne jedoch den Bedarf an Beton verringern.

Tokyo Skytree mit Rekordbesucherzahlen: Das neue Wahrzeichen von Japans Hauptstadt, der mit 634 Metern höchste Funkturm der Welt, hat einen Monat nach seiner Eröffnung am 22. Mai 2012 für insgesamt 5,8 Millionen Besucher in dem angeschlossenen Einkaufszentrum gesorgt.

Tokyo: Blick auf den Tokyo Sky Tree von Asakusa aus (Foto: KJ)
Blick auf den Tokyo Sky Tree von Asakusa aus (Foto: KJ)

Die Besucherzahlen übertreffen damit die Prognosen der Betreiber die mit 130.000 Besuchern an Wochentagen und 200.000 an Wochenenden gerechnet hatten.

Aufgrund des starken Andrangs gelten jedoch bis zum 10. Juli noch Einschränkungen. Lediglich Personen die sich im Voraus reserviert haben, kommen in den Genuss des Ausblicks von der Aussichtsplattform in 350 Metern Höhe. Täglich sind dabei lediglich bis etwa 9.000 Eintrittskarten verfügbar.

Doch auch die bereits befürchteten Schattenseiten machen sich bemerkbar. Anwohner sind über die große Mengen Abfalle, welche die Besucher der Touristenattraktion hinterlassen ebenso verärgert, wie die große Mengen an Fahrrädern die unbeaufsichtigt in der Nähe abgestellt werden.

Das dürfte jedoch die Schaulustigen selbst kaum abschrecken – sind doch ab 11. Juli insgesamt täglich 12.000 Tickets verfügbar. Diese werden dann sowohl als Tageskarten am Tag der Besichtigung, als auch über das Internet betrieben. Bei letzterem heisst es jedoch: Wer zuerst kommt mahlt zuerst. Die Karten gelten zudem nur für die erste Aussichtsplattform in 350 Metern Höhe.

Wer dann noch höher hinaus will, zur Plattform auf 450 Metern, muss dafür nicht nur starke Nerven, sondern auch über ausreichend Geld verfügen – benötigt man doch ein weiteres kostenpflichtiges Ticket. Hierüber berichteten Kyodo und jiji.

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