Start Aktuelles Japan aktuell: Reisanbau in früherem Sperrgebiet des AKW Fukushima begonnen

Japan aktuell: Reisanbau in früherem Sperrgebiet des AKW Fukushima begonnen

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Eine Reis-Rispe
Erstmals Testanbau von Reis in einstiger Sperrgebietsgemeinde Tonioka (Symbolfoto: pd)
Eine Reis-Rispe
Kommerzieller Reisanbau in Fukushima begonnen Foto: pd)

Für Personen, die den offiziellen Angaben von Betreibern und Regierung misstrauen, mag es alptraumartig klingen, wenn nun gemeldet wird, dass im einstigen Sperrgebiet um das Katastrophen-AKW wieder Reis für den Verkauf angebaut wird. Doch neben den Fukushima News gibt es heute erneut weitere interessante Meldungen.

Sowohl die Suche nach Lagern für radioaktiven Abfall, als auch Untersuchungen an einem beschädigten Gerät sind im Zusammenhang mit dem AKW Fukushima aktuell von Interesse.

Außerdem finden sich neben den Nachrichten vom AKW Fukushima, heute auch Meldungen zum Tsunami-Schutz und weiteren AKW.

Einzelheiten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 22. Mai 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Kommerzieller Reisanbau in früherem Sperrgebiet des AKW Fukushima
  • Untersuchung des hydraulischen Arms am AKW Fukushima
  • Automatisch schließende Tsunami-Klappen entwickelt
  • Risikogebiete sollen keine Endlagerstätten werden
  • NRA akzeptiert Bericht für AKW Tsuruga offiziell

Kommerzieller Reisanbau in früherem Sperrgebiet des AKW Fukushima: Am Samstag begannen Reisbauern in der Stadt Tamura mit dem Reisanbau. Es ist das erste Mal, dass Reis, der tatsächlich für den Verkauf bestimmt ist, im früheren Sperrgebiet um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi angebaut wird.

Miyakojimachi, der Bezirk der Stadt, in dem das Setzen der Reisschößlinge begann und auf einer Fläche von sechs Hektar angebaut werden soll, liegt gerade einmal 15 Kilometer vom Katastrophenkraftwerk entfernt. Bislang hatte es in der Nähe des AKW lediglich Testpflanzungen für wissenschaftliche Zwecke gegeben.

Die Pflanzung von Reis, der zum menschlichen Verzehr bestimmt ist, wurde durch die Umstrukturierung des Zonenmodells möglich. So liegt der Stadtteil nicht länger im Sperrgebiet, sondern gehört zur Zone mit eingeschränkter Bewohnbarkeit, die zwar tagsüber betreten werden darf, jedoch noch keine Übernachtungen erlaubt sind.

Die bereits abgeschlossenen Vorbereitungsmaßnahmen zur Senkung der radioaktiven Belastung von Cäsium, wie etwa das Ausbringen von Düngemittel mit hohem Kaliumanteil, sollen die Aufnahme von radioaktivem Cäsium durch die Reispflanzen verhindern. Das berichtet die jiji.

Untersuchung des hydraulischen Arms am AKW Fukushima: Am Samstag war am hydraulischen Arm eines schweren Räumgeräts an Fukushima-Reaktor 3 ein Ölleck entdeckt worden (Spreadnews berichtete am gestrigen Dienstag).

Fukushima-Reaktor 3: Öllache am Hydraulikarm des Räumgeräts am 18. Mai 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Öllache am Hydraulikarm des Räumgeräts am 18. Mai 2013 (Foto: TEPCO)

Bei einer Untersuchung wurde nun die bisherige Vermutung, das Hydraulikventil am vorderen Bereich habe sich gelöst, als Ursache bestätigt.

Nach einer erneuten Montage des Ventils wurden nach Angaben von TEPCO keine weiteren Auffälligkeiten festgestellt und das ausgelaufene Öl aufgewischt.

Weitere Maßnahmen wurden vom Unternehmen nicht getroffen.

Automatisch schließende Tsunami-Klappen entwickelt: Die Universität Kyoto hat in Zusammenarbeit mit dem Maschinenhersteller Hitachi Zosen Corp. eine mechanische Vorrichtung entwickelt, mit der die Kraft eines Tsunami genutzt wird, um Schleusen zu schließen und das Eindringen des Wassers zu verhindern.

Bei dem Tohoku-Tsunami 2011 waren freiwillige Feuerwehrleute und weitere Helfer ertrunken, als sie versuchten, die Schleusentore in den Strandmauern manuell zu schließen, nachdem zuvor die Schließung durch Fernsteuerung aufgrund des Stromausfalls nicht mehr möglich war.

Im Bezug auf die Konstruktion ist die Bezeichnung als „Hochwasserklappe“ nahe liegend. Im Normalfall liegt die Klappe aus Kunstharz flach auf dem Boden auf, so dass sie sowohl im Alltag, als auch im Fall einer Evakuierung die Durchgangsmöglichkeiten, auch für Fahrzeuge, nicht behindert.

Sobald der Wasserstand steigt, wird die schwimmfähige Klappe durch den Wasserdruck angehoben – was bei starken Wassermassen, wie den Fluten eines Tsunami zum sofortigen Hochklappen der Platte führt. Da das System rein mechanisch arbeitet, ist es auch bei einem Ausfall der Elektrizität einsatzfähig und muss nicht manuell bedient werden.

Sowohl Baukosten als auch Lebensdauer sind den bisher genutzten Modellen überlegen.

Der Einsatz der Neuentwicklung, die der Presse am Montag im Unternehmenssitz vorgestellt wurde, ist dabei nicht auf den Küstenschutz beschränkt. Auch unterirdische Strukturen wie etwa U-Bahnhöfe oder Einkaufszentren könnten so vor Hochwasser und schweren Regenfällen geschützt werden. Über die neue Anlage berichteten Mainichi Shimbun, Kyodo und Asahi Shimbun.

Risikogebiete sollen keine Endlagerstätten werden: Japans Umweltministerium gab gestern seine Pläne bekannt, katastrophengefährdete Gebiete, bei denen die Bedrohung durch Tsunami, aktive geologische Verwerfungen, oder Erdrutsche besonders hoch ist, aus der Liste potentieller Endlagerstätten für radioaktive Abfälle zu streichen.

Symbolbild: Atommüllfass (Foto: pd)
Keine Endlager in Risikogebieten (Symbolbild: pd)

In insgesamt fünf Präfekturen soll jeweils ein Endlager entstehen, in denen Abfälle mit radioaktiver Kontamination aufbewahrt werden sollen.

Bei den fünf, von den Plänen betroffenen Präfekturen handelt es sich um Chiba, Gunma, Ibaraki, Miyagi und Tochigi.

Nach der Streichung von Risikostandorten will das Ministerium mehrere potentielle Lagerstätten in jeder Präfektur auswählen und sie anhand von fünf Kriterien, zu denen etwa Umweltfragen und die Entfernung zu menschlichen Siedlungen zählen, bewerten.

Dabei wird der jiji zufolge ausschließlich Fläche genutzt, die unter staatlicher Verwaltung stehen und keine Privatgrundstücke.

NRA akzeptiert Bericht für AKW Tsuruga offiziell: Wie geplant, wurde der Atomaufsichtsbehörde NRA heute der offizielle Bericht der Expertenkommission zur Einschätzung der Verwerfung D-1 unter dem AKW Tsuruga vorgelegt. Ein erster Bericht der Experten war zuvor ausreichend gewesen, um die NRA zu einem ersten Neustartverbot zu veranlassen. (Spreadnews berichtete am 15. Mai 2013)

Die Atomaufsicht akzeptiert damit faktisch den ersten offiziellen Expertenbericht, der zu dem Schluss kommt, sollte sich die Urazoko-Verwerfung bewegen, käme es auch zu Aktivität der Verwerfung D-1. Es handelt sich somit um das erste Mal, dass die NRA einen Bericht, der die geologische Aktivität einer Verwerfung unterhalb eines Reaktors bestätigt, akzeptiert.

Japan Atomic Power bestreitet die aktive Verwerfung unter dem Reaktor und erklärte, weiterhin eigene Tests durchzuführen. Die NRA fordert vom Betreiber Japan Atomic Power, der den Bericht ablehnt und eigene Tests durchführt, nun eine Einschätzung, welche Auswirkung eine Bewegung der Verwerfung auf die Brennstäbe hätte.

Sollten die so gewonnenen neuen Daten die Atomaufsicht nicht hinreichend überzeugen, ist die vollständige Stilllegung des Reaktors zu erwarten – auch wenn sich die NRA diesbezüglich zurückhaltend äußert. Über die Bestätigung berichteten Asahi Shimbun, NHK, Kyodo und jiji.

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