Start Aktuelles Japan aktuell: Risiko durch Fallout und Trinkwasserbelastung möglicherweise stärker als gedacht

Japan aktuell: Risiko durch Fallout und Trinkwasserbelastung möglicherweise stärker als gedacht

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Arbeiten zur Rohrtrennung von Reaktor 1 am 09. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Arbeiten zur Rohrtrennung von Reaktor 1 am 09. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Arbeiten zur Rohrtrennung von Reaktor 1 am 09. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Arbeiten zur Rohrtrennung von Reaktor 1 am 09. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)

An diesem Wochenende scheint sich einiges getan zu haben – jedenfalls wenn man inoffiziellen Quellen Glauben schenkt. Die entsprechenden Informationen leiten sich hauptsächlich aus den jüngst aufgetauchten Karten zur Strahlungsbelastung ab. In Ermangelung offizieller Aussagen von Behörden oder Unternehmen, sind diese jedoch mit Vorbehalt zu lesen. Dennoch möchten wir sie unseren Lesern nicht vorenthalten, die sich über Fukushima aktuell informieren wollen.

Diese Fukushima News sowie weitere Nachrichten im heutigen Spreadnews Japan-Ticker vom 10. Oktober 2011.

Zahl der Vermissten und Toten: Mit Stand vom Freitag bestätigt die Nationale Polizeibehörde insgesamt 15.822 Todesopfer, doch fast sieben Monate nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami werden immer noch 3926 Menschen vermisst. Die meisten davon stammen aus den drei Krisenpräfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi. Zuletzt waren die Suchen vermehrt vor- und an den Küsten erfolgt, nachdem dort mehr Leichen als an Land geborgen werden konnten. Vergangenen Monat waren insgesamt 62 Körper (47 davon im Meer) in den drei Präfekturen geborgen worden, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. 

Erdbeben der Stärke 5,6 erschüttert Fukushima: Wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtet, hat sich am heutigen Montag ein Erdbeben der Stärke 5,6 ereignet, dass die Präfekturen Fukushima und Miyagi erschütterte. Über Schäden oder Verletzte gab es bislang keine Angaben. Einer Meldung der NHK zufolge habe der AKW-Betreiber TEPCO mitgeteilt, an keinem der dortigen Kraftwerke sei es zu Schäden oder Störungen gekommen. Auch in Japans Hauptstadt Tokyo sei das Beben zu spüren gewesen.

Karten möglicherweise manipuliert: Unbestätigten Berichten vom Samstag zufolge, soll an den angeblich versehentlich veröffentlichten Strahlungskarten (Spreadnews berichtete) die Belastung innerhalb von Tokyo nachträglich durch eine Farbänderung geschönt worden sein. Nähere Informationen liegen uns jedoch nicht vor.

Tokyos Trinkwasser potentiell gefährdet: Ausgehend von den Karten des Wissenschaftsministeriums ist der Hauptbereich von Tokyo zwar vergleichsweise gering belastet, allerdings ist die Belastung in Okutama, wo der See Okutama eine Quelle für die Trinkwasserversorgung darstellt, deutlich erhöht und liegt zwischen 100.000 – 300.000 Becquerel pro Quadratmeter. Das Gesundheitsamt von Tokyo spreche jedoch wie üblich davon, das es zunächst keine unmittelbare Gesundheitsgefährdung gebe, jedoch werde man die Umstände weiter beobachten.

Radioaktiver Fallout möglicherweise zehnmal stärker: Zudem habe das Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie in einem Dokument zugegeben, man habe im Bericht über den radioaktiven Niederschlag (Fallout) in Fukushima einen „Fehler“ gemacht.  Demnach sei der Fallout zehnmal stärker als berichtet. Eine verifizierte Übersetzung dieses Dokuments, oder sonstige offizielle Informationen scheint es jedoch bislang nicht zu geben

Rohrtrennung – Wasserstoff-Ansammlung angeblich unter Kontrolle: Wie die Yomiuri Shimbun am Samstag berichtete, waren die Versuche des Fukushima-Betreibers TEPCO den Wasserstoff, der sich in der Rohrleitung an Reaktor 1 angesammelt hatte, bis zu diesem Zeitpunkt nicht erfolgreich. Das bereits ab einer Konzentration von einem Prozent bei Mischung mit Sauerstoff explosionsgefährdende Gas soll noch vergangenen Monat 63 Prozent betragen haben.

Nun sei es zunächst gelungen, den Wasserstoff unter 0,1 Prozent zu senken. Allerdings stieg er im Verlauf der folgenden zwei Stunden wieder auf 3,9. Um weitere Maßnahmen treffen zu können, müsse der Wert nun erneut wieder unter ein Prozent gesenkt werden, teilte der Betreiber mit.

Am heutigen Montag nun meldet die NHK jedoch Erfolge. Demnach sei die Konzentration von Wasserstoff noch am Sonntag niedrig genug gewesen, um unter sicheren Umständen Wasserstoff aus dem Rohr neutralisieren zu können, indem man Stickstoff einleitete.

Eine Explosion ist somit unwahrscheinlich wiederholte TEPCO, da der Gehalt an Wasserstoff gering genug sei und selbst bei einem Anstieg nicht über vier Prozent steigen würde, den TEPCO als Mindestvoraussetzung für ein Explosionsrisiko ansieht. Zudem habe man nun an zwei Stellen das Rohr getrennt, um den Einbau eines Filters, der radioaktives Material im Sicherheitsbehälter filtern soll, zu ermöglichen. Der Energiekonzern gab an, man liege mit der Maßnahme etwa zwei Wochen hinter dem Zeitplan.

Sonografien bei Kindern beginnen: Am Sonntag begann die Präfekturverwaltung Fukushima mit Sonografie-Untersuchungen an der Schilddrüse von Kindern. Die Untersuchungen werden am Universitätsklinikum Fukushima stattfinden und alle 360.00 Kinder die zu Beginn der Fukushima-Krise 18 Jahre oder jünger waren, so die Nachrichtenagentur jiji. Die gesamten Untersuchungen sollen in zweieinhalb Jahren abgeschlossen sein. Am gestrigen Sonntag begann die Maßnahme bei 140 Kindern aus Namie, Iitate und Kawamata.

Japanische Küsten erhalten Tsunami-Beobachtungssystem: Zum besseren Schutz für die Riesenwellen werden ab Dienstag  Bojen als Teil eines, auf neuer GPS-Technologie basierenden Systems 20 Kilometer vor den Küsten der nördlicheren  Präfekturen Akita, Aomori und Yamagata eingesetzt. Es soll dabei helfen, künftig schneller auf die nahende Naturkatastrophe reagieren zu können.

In Kombination mit dem GPS-Satellitensystem sollen Gezeitenwechsel beobachtet und Tsunami leichter prognostizierbar werden, so das schneller auf die nahende Naturkatastrophe reagiert werden kann. Somit gibt es jetzt nicht nur 15 dieser Gezeitenbeobachtungen und 187 Tsunamibeobachtungsstellen, sondern erstmals kann die japanische Wetterbehörde nun Tsunami im Japanischen Meer überwachen. Das meldet die NHK.

Junge Pflanzen angeblich unbeeinflusst – Mutationen vermutet: Wie die japanische Atomenergiebehörde (JAEA) am Samstag mitteilte, hatte radioaktives Cäsium keinen Einfluss auf die Blätter und Früchte von Pflanzen in der Nähe des AKW Fukushima Daiichi, die nach der Katastrophe dort wuchsen.

Die Behörde führt dies auf die niedrigen Temperaturen die zum damaligen Zeitpunkt geherrscht haben, so dass der radioaktiv belastete Regen zu gefrierendem Regen oder sogar Schnee werden liess und so die radioaktiven Substanzen nicht von den jungen Pflanzen aufgenommen wurde.

Dagegen wurde in den Wäldern Cäsium auf Blattwerk und Borken nachgewiesen, auch auf der Oberfläche von Pflanzen die vor dem Unglück dort wuchsen, sei entsprechendes Material festgestellt worden, stellte eine Forschergruppe die im Auftrag der Behörde verschiedene, im Mai genommene Proben untersuchte.

Sowohl das Auffangen durch größere Pflanzen wie Bäume, als auch das Gefrieren und mögliches Abwaschen von radioaktiven Partikeln von der Oberfläche könnte demnach die jungen Pflanzen geschützt haben, so ein Artikel der Yomiuri Shimbun.

Dem stehen allerdings verschiedene Augenzeugenberichte Fotos von deformierten Pflanzen aus ganz Japan entgegen, die sich nun vermehrt im Internet finden und deren Deformationen in Wuchs (mehrere Blüten innerhalb eines Blütenkelchs, Einkerbungen in Blättern, ungewöhnliche Größe) und Farbe (Flecken und Entfärbungen) von den Bürgern auf die Strahlung zurückgeführt werden.

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