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Japan aktuell: Risikostufe für Tankleck am AKW Fukushima angehoben

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AKW Fukushima: Wassertank im Leckbereich am 20. August 2013 (Foto; TEPCO)
AKW Fukushima: Wassertank im Leckbereich am 20. August 2013 (Foto; TEPCO)
AKW Fukushima: Wassertank im Leckbereich am 20. August 2013 (Foto; TEPCO)
AKW Fukushima: Wassertank im Leckbereich am 20. August 2013 (Foto; TEPCO)

Das bislang schwerste Leck an einem Lagertank für radioaktives Wasser belastet den Betreiber des AKW Fukushima aktuell besonders.

Dennoch gibt es auch weitere Ereignisse, die im Zusammenhang mit der Anlage in der Präfektur Fukushima heute von Interesse sind.

Hierzu zählt sicherlich auch die Bekanntgabe von weiteren Fällen von Schilddrüsenkrebs bei Kindern. Weitere Themen die abseits der Fukushima News Aufmerksamkeit verdienen, sind Meldungen zum AKW Oi.

Details zu allen Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 21. August 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Risikostufe für Tankleck am AKW Fukushima angehoben
  • Fischer über Wassertank-Leck in Kenntnis gesetzt
  • 18 Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Fukushima-Kindern
  • Witwe eines Fukushima-Arbeiters verklagt TEPCO
  • NRA erwägt Inaktivität einer Verwerfung am AKW Oi
  • Kronprinzenpaar besucht Katastrophenpräfektur Miyagi

Risikostufe für Tankleck am AKW Fukushima angehoben: Wie die japanische Atomenergiebehörde NRA heute mitteilte, handele es sich bei dem jüngsten Leck an einem Lagertank um einen „Ernsten Störfall“ und stuft damit den Zwischenfall auf der achtstufigen INES-Skala von bislang 1 auf 3 und somit höher ein, als dies gestern zunächst geschah.

AKW Fukushima: Ausgetretenes Wasser aus dem Lagertank am 20. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Ausgetretenes Wasser aus dem Lagertank am 20. August 2013 (Foto: TEPCO)

Ausschlaggebend für diese Entscheidung sei die Menge an radioaktivem Material gewesen, die freigesetzt worden war.

Bei dem bisherigen Wasseraustritt waren 24 Billionen Becquerel erreicht worden. Nach Angaben des Betreibers TEPCO sind sowohl die Leckursache, als auch die genaue Stelle des Wasseraustritts weiterhin unklar.

Heute begann das Unternehmen damit, die im Behälter verbliebenen 700 Tonnen radioaktives Wasser in einen anderen Tank umzupumpen.

Als provisorische Schutzmaßnahme wurden Sandsäcke am Wassertank aufgeschichtet, um den vermutlich weiterhin andauernden Leckfluss einzudämmen.

AKW Fukushima: Erddamm mit wasserdichten Planen gegen Tankleck am 20. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Erddamm mit wasserdichten Planen gegen Tankleck am 20. August 2013 (Foto: TEPCO)

Auch werden Planen verlegt, um eine weitere Kontamination des Erdreichs auf der Anlage durch mögliche Regenfälle, die ausgetretenes Wasser noch stärker verbreiten könnten, zu verhindern.

TEPCO räumte ein, es bestehe die Möglichkeit, das kleinere Mengen Wasser bereits seit längerer Zeit aus dem Behälter abgeflossen sind.

Von den insgesamt etwa 1.000 Tanks auf dem Gelände, sind etwa 350 Tanks des gleichen Typs. Da täglich große Mengen an radioaktivem Wasser anfallen, hat das Unternehmen beim Bau der Wassertanks auf Modelle zurückgegriffen, die an Stelle einer Verschweissung auf Stahlbolzen und eine Gummierung des Tanks setzen, um diese dicht zu halten.

Diese provisorischen Wassertanks sind zwar schneller zu errichten, haben jedoch aufgrund des vergleichsweise schnellen Verschleißes nur eine Haltbarkeit von fünf Jahren. Der jetzt als Quelle des radioaktiven Wassers geltende Tank war seit Oktober 2011 in Nutzung.

Dennoch sieht TEPCO es als vorschnell an, sich auf die Alterung als Ursache festzulegen, da das Leck auch auf die nachlässige Zusammenfügung der Nahtstellen zurückzuführen sein könnte, wenn die Bolzen ungleichmäßig angezogen worden waren.

Um künftige Lecks an diesen Tanktypen auszuschließen, sollen sie durch fest verschweißte ersetzt werden, was jedoch Zeit benötigen wird – während täglich 400 Tonnen an radioaktivem Wasser anfallen, die eingelagert werden müssen.

Über die aktuellen Ereignisse berichteten neben dem Betreiber auch die Kyodo, jiji, Mainichi Shimbun, Asahi Shimbun und NHK.

Fischer über Wassertank-Leck in Kenntnis gesetzt: Lokale Behörden und Vertreter des Kraftwerksbetreibers TEPCO haben bei einem Treffen in Iwaki die Fischer der Präfektur sowohl über die Pläne zum heraufpumpen von  Grundwasser, bevor diese kontaminiert wird, sowie über das jüngste Wasserleck in Kenntnis gesetzt.

Während die Pläne, nicht kontaminiertes Grundwasser im Meer zu verklappen zumindest von einigen Fischern positiv aufgenommen wurden, erntete das Unternehmen schwere Kritik für die Freisetzung von 300 Tonnen radioaktiven Wassers aus einem Lagerbehälter.

Die 150 Teilnehmer überschütteten den  TEPCO-Vertreter Tsunemasa Niitsuma geradezu mit Kritik. Das Unternehmen gehe nur mit kurzfristigen Überbrückungslösungen gegen auftretende Probleme vor, es folge stets ein Problem auf das andere – alle Gegenmaßnahmen erweckten lediglich den Eindruck von Notbehelfen und Provisorien, zitieren Mainichi Shimbun und NHK die Fischer.

18 Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Fukushima-Kindern: In einem gestern vorgelegten Bericht eines Präfekturausschusses, der die Auswirkung der Strahlung auf die Bewohner der Präfektur untersuchen soll, werden 18 Fälle von Schilddrüsenkrebs, sowie weitere Verdachtsfälle bei Kindern gemeldet.

Japans Kinder (Symbolfoto: Michael Rhys cc-by)
18 weitere Fukushima-Kinder haben Schilddrüsenkrebs (Symbolfoto: Michael Rhys cc-by)

Die Präfektur lässt alle 360.0000 Kinder, die zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Fukushima-Krise maximal 18 Jahre alt waren, Gesundheitskontrollen unterziehen. Bis Ende Juli waren etwa 210.000 Kinder untersucht und Schilddrüsendaten von 193.000 Kindern veröffentlicht worden.

Unter den 18 betroffenen Personen entstammen sechs dieser Gruppe. Zudem gibt es 25 Verdachtsfälle, die entsprechende Symptome zeigen. Bislang gibt es insgesamt 44 bestätigte Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Kindern. Bei dem verbliebenen Kind war man zunächst ebenfalls von Schilddrüsenkrebs ausgegangen, hatte jedoch später einen gutartigen Tumor festgestellt.

Im Juni lag die Zahl zuvor noch bei 28 jungen Krebspatienten. Die Krebsrate bei Kindern betrage 1:100.000. Im Jahr 2006 und damit vor der Katastrophe, waren 46 Personen unter 20 Jahren an Schilddrüsenkrebs erkrankt.

Ein unmittelbarer Zusammenhang zur Fukushima-Katastrophe könne nicht hergestellt werden, da sich Schilddrüsenkrebs in der Regel erst mehrere Jahre nach der Strahlungsbelastung ausbilde.
Dennoch habe man beschlossen, ein unabhängiges Expertenteam, das nicht an den Untersuchungen beteiligt war, mit der Beurteilung der Situation zu betrauen.

Damit will man dem Unmut vieler Eltern begegnen, die sowohl die Beurteilung, als auch die Informationspolitik der Präfektur kritisiert hatten. Über diese neuen Zahlen berichteten Asahi Shimbun und NHK.

Witwe eines Fukushima-Arbeiters verklagt TEPCO: Kanika Osumi, Witwe eines Helfers am AKW Fukushima, verklagte am gestrigen Dienstag vor einem Gericht in Shizuoka sowohl TEPCO, als auch die Toshiba Corporation, den Hauptvertragspartner ihres verstorbenen Mannes, sowie zwei Subunternehmen.

Japan: Japanische Yen-Banknoten (Foto: pd)
Fukushima-Witwe verklagt TEPCO (Symbolfoto: pd)

Ihr Mann, Nobukatsu Osumi hatte im Mai 2011, zwei Tage nach Beginn seiner Arbeit an einer Abfallbeseitigungsanlage am AKW Fukushima Daiichi, einen Herzinfarkt erlitten.

Der Tod Osumis wurde 2012  als ‚“Todesfall mit Arbeitsbezug“ anerkannt, so dass Angehörige das Anrecht auf finanzielle Entschädigung haben.

Jetzt klagt die Witwe auf 30,8 Millionen Yen und begründet dies damit, dass ihr 60 Jahre alter Ehemann aufgrund der schweren Arbeitsbedingungen und vor allem wegen des fehlenden Systems für gesundheitliche Notfälle auf der Anlage ums Leben gekommen sei.

Nobukatsu Osumi gehört zu insgesamt sechs Arbeitern, die während ihrer Tätigkeit an der Anlage verstarben. Es ist jedoch das erste mal, dass die Hinterbliebenen in einem solchen Fall auf Entschädigung klagen, berichteten Mainichi Shimbun und NHK.

NRA erwägt Inaktivität einer Verwerfung am AKW Oi: Die japanische Atomaufsichtsbehörde NRA ist im Rahmen einer Diskussion am Montag mehrheitlich zu dem vorsichtigen Schluss gelangt, dass es sich bei der strittigen Verwerfung in einer geologischen Bruchzone vermutlich nicht um eine aktive Verwerfung handelt, die das Kernkraftwerk Oi gefährden könnte.

Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
AKW Oi: NRA-Einschätzung nähert sich Betreiber an (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Einige der Vertreter sind zwar der Ansicht, dass diese Bruchzone tatsächlich Aktivität aufweisen könnte, allerdings seien hierfür nicht ausreichend Daten vorhanden. Die NRA wies den Betreiber des AKW Oi an, weitere Berechnungen durchzuführen, bevor man eine finale Entscheidung treffe.

Dennoch scheint es wahrscheinlich, dass die Experten sich bei weiteren Treffen darauf verständigen werden, den kritischen Bereich an der Notfallwassereinleitung des AKW Oi als „nicht aktiv“ zu bestätigen. Diese Leitung soll im Katastrophenfall weiteres Kühlwasser für die Reaktoren 3 und 4 einleiten. Eine derart wichtige Einrichtung dürfte jedoch nicht über einer aktiven Verwerfung errichtet werden.

Sollte die NRA tatsächlich der Einschätzung des Betreibers Kansai Electric folgen, wäre mit der F-6-Problematik ein Haupthindernis für die Erlaubnis zum Weiterbetrieb der Anlage aus dem Weg geschafft. Bislang waren mehrere Untersuchungen und aufwendige Grabungen zur Analyse von Erdschichten durchgeführt worden.

Kansai Electric beharrt darauf, dass die geologische Formation nicht eigenständig, sondern Bestandteil der Verwerfung F-6 und zudem inaktiv ist. Über die neuen Erwäungen der NRA berichteten Mainichi Shimbun und jiji.

Kronprinzenpaar besucht Katastrophenpräfektur Miyagi: Nachdem sie im August 2011 die Präfektur Iwate besucht hatten, ist der jetzt stattgefundene Besuch der Präfektur Miyagi die zweite Reise von Kronprinz Naruhito in die Region Tohoku, die vom Tsunami des Erdbebens 2011 besonders schwer getroffen worden war.

In Begleitung seiner Gemahlin, Kronprinzessin Masako, besichtigte er am gestrigen Nachmittag die Ortschaft Shichigahama und wurde dort zunächst über die Schäden und den Fortschritt beim Wiederaufbau vor Ort informiert. Im Anschluss nahm er sich Zeit, mit allen 360 Überlebenden die in einem Übergangshauskomplex leben, zu sprechen und sich nach ihrem Befinden zu erkundigen.

Im weiteren Verlauf der Reise besuchten sie auch einen Bezirk der Stadt Sendai, wo die Kronprinzessin eine Miso-Fabrik besichtigte. Die Anlage zur Herstellung fermentierter Sojabohnenpaste war, nachdem der Tsunami das ursprüngliche Gebäude fortgerissen hatte, weiter landeinwärts neu aufgebaut worden.

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