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Japan aktuell: Risse an Abluftkamin von Fukushima-Reaktoren

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Querstützen des Abgasschachts der Fukushima-Reaktoren 1 und 2 am 27. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Querstützen des Abgasschachts der Reaktoren 1 und 2 am 27. August 2013 (Foto: TEPCO)
Querstützen des Abluftkamins der Fukushima-Reaktoren 1 und 2 am 27. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Querstützen des Abluftkamins der Reaktoren 1 und 2 am 27. August 2013 (Foto: TEPCO)

TEPCO sieht sich gegenwärtig mit dem Vorwurf konfrontiert, im Jahr 2011 Absprachen zur Krisenbewältigung nicht eingehalten zu haben.

Dagegen gibt es am AKW Fukushima heute deutlich konkretere Meldungen, die sich mit jetzt entdeckten baulichen Schäden und Arbeiten an den Wassertanks befassen.

Kontaminierte Holzspäne, die an einem beliebten Touristenanziehungspunkt gefunden wurden, gehören ebenfalls zu den Fukushima News. Allerdings werden auch abseits der Anlage in Fukushima aktuell interessante Neuigkeiten gemeldet. Detaillierte Informationen im Spreadnews Japan-Ticker vom 18. September 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Risse an Abluftkamin von zwei Fukushima-Reaktoren
  • TEPCO veröffentlicht Bilder von Behälterdemontagen
  • Radioaktiv kontaminierte Holzspäne an größtem See Japans
  • TEPCO verschob geheime Abmachung zur Krisenbewältigung zwei Jahre
  • Hohe Erdbebenrisiken in mehreren Bezirken von Tokyo
  • Natriumleck-Detektor am AKW Monju zeitweise ausgefallen

Risse an Abluftkamin von zwei Fukushima-Reaktoren: Am heutigen Mittwoch wurden bei einer Kontrolle zur Beurteilung der Erdbebensicherheit eines nicht genutzten Abluftkamins für die Reaktoren 1 und 2 Unregelmäßigkeiten entdeckt.

AKW Fukushima: Blick auf die Abluftkamine der Reaktoren 1 und 2 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Blick auf die Abluftkamine der Reaktoren 1 und 2 (Foto: TEPCO)

Es handelt sich um Risslinien, oder rissartige Spuren auf Stahlteilen, die zu Querstützen des Abluftkamins gehören.

Da im Areal um den Schornstein auch ein Bereich mit hoher Strahlungsintensität befindet, werde man zunächst erarbeiten, wie man vorgehe, bevor man eine genaue Untersuchung einleite. Die potentiell beschädigte Stelle liegt in 66 Metern Höhe. Die Gesamthöhe des Kamins beträgt 120 Meter.

Der Kraftwerksbetreiber hat theoretisch die Möglichkeit, durch den Einsatz eines unbemannten Helikopters an Nahaufnahmen der betroffenen Struktur zu gelangen.

Wie TEPCO erklärte, weisen die Daten aus der Anlage, wie etwa die Temperatur am Boden des Druckbehälters, die Innentemperatur des Sicherheitsbehälters etc keine Ungleichmäßigkeiten auf.

Weitere Informationen zum Abluftkamin will der Kraftwerksbetreiber in einer heutigen Pressekonferenz bekanntgeben.

TEPCO veröffentlicht Bilder von Behälterdemontagen: Der Kraftwerksbetreiber TEPCO veröffentlichte heute eine Reihe von Fotos, auf denen der Fortschritt der Arbeiten an zwei der Lagertanks aus dem Bereich H4 dokumentiert wird. Bei einem der Behälter handelt es sich um das Exemplar, aus dem im August etwa 300 Tonnen radioaktiven Wassers ausgetreten waren.

AKW Fukushima: Blick auf Lagertank Nr. 10 am 14. September 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Blick auf Lagertank Nr. 10 am 14. September 2013 (Foto: TEPCO)

So war mit den Arbeiten zur Demontage von Behälter Nr.10 bereits am 13. September begonnen und die Arbeiten am Montag abgeschlossen.

Auf den weiteren Aufnahmen sind daher die Arbeitsschritte zu sehen, mit denen an Behälter Nr. 5 vorgegangen wird. Die Arbeiten begannen gestern um 15:00 Uhr. Das Auseinandernehmen wird schrittweise von oben nach unten durchgeführt, so dass zunächst der Deckel abgehoben und dann die folgenden Teile entfernt werden.

Die fortgeschrittene Demontage von Behälter Nr.10, bei der bereits der Deckel und Seitenteile entfernt wurden, ermöglicht bereits erste Blicke in das Innere eines derartigen Behälters. Neben dem Rost sind auch die Verbindungsstücke zwischen den einzelnen Komponenten zu erkennen.

Radioaktiv kontaminierte Holzspäne an größtem See Japans: Der berühmte japanische Holzschnittkünstler Hiroshige widmete ihm mehrere Werke und er gilt als landschaftlich reizvoll – nun wurden am Ufer des Biwa-Sees Holzspäne mit radioaktiver Belastung gefunden.

Biwa-See: Torii bei Takashima (Foto: Suso na Uta, cc-by)
Biwa-See: Torii bei Takashima (Foto: Suso na Uta, cc-by)

Wie die Präfekturleitung Shiga mitteilte, wurden ausgestreut auf dem Weg eines Uferdamms, sowie in 77 Sandsäcken schätzungsweise 200 bis 300 Tonnen dieser Späne gefunden. Strahlungsmessungen ergaben eine Belastung von bis zu 3.000 Becquerel pro Kilogramm.

Damit liegt die Belastung der Späne noch unterhalb der Grenze von 8.000 Becquerel, die es erforderlich macht, den Kontakt des radioaktives Material mit Wasser zu verhindern. Allerdings überschreiten die gemessenen Werte die Grenze von 100 Becquerel, die eine Weiterverwendung, etwa zur Befestigung von Wegen, untersagt.

Anwohner hatten die Behörden Ende April auf den plötzlichen Fund aufmerksam gemacht.  Ein Mann habe angegeben, die Späne zur besseren Begehbarkeit des Bereichs ausgestreut zu haben. Seit dem 30. April habe man diese Person nicht mehr kontaktieren können.

Die genaue Herkunft der Späne ist bislang noch unbekannt, sie wurden jedoch im Trockenbett des Kamogawa in Takashima, sowie an anderen Orten in der Nähe des Flusses entdeckt. Die Präfektur kündigte an, das kontaminierte Material zu entfernen, da es sich um eine Mündung in den Biwa-See handele und das illegale Ausbringen der Späne gegen Gesetze verstoße. Das berichtet die Kyodo.

TEPCO verschob geheime Abmachung zur Krisenbewältigung zwei Jahre: Ein früherer Berater des damaligen Ministerpräsidenten Naoto Kan gab heute Informationen preis, die zeigen, dass TEPCO bereits vor zwei Jahren das Versprechen abgelegt hatte, Schutzwände gegen radioaktives Wasser zu errichten. Dieses Versprechen jedoch nicht erfüllte.

TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO hielt Absprachen mit Regierung nicht ein (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)

Sumio Mabuchi, Mitglied der demokratischen Partei erklärte, bereits im Juni wären seine Partei und der Atomkonzern über die Errichtung von  entsprechenden Schutzmaßnahmen um Reaktorgebäude einig gewesen. TEPCO habe die damalige Regierung gebeten, auf eine Bekanntgabe zu verzichten, um Unruhe an den Märkten, aufgrund der hohen Kosten zu verhindern.

Mabuchi, dessen Enthüllungen mit Einverständnis der Partei erfolgen, bestätigte, dass die Regierung dieser Bitte gefolgt sei. Im Gegenzug habe das Unternehmen versprochen, mit den Arbeiten an den Barrieren gegen radioaktives Wasser zu beginnen. Dieses Versprechen wurde jedoch nicht eingelöst.

Während jiji und NHK im Bezug auf diese Enthüllungen davon sprechen, TEPCO habe sich lediglich vor negativen Reaktionen auf dem Wirtschaftsmarkt gesorgt, geht die Asahi Shimbun in ihrer Berichterstattung sogar noch weiter und berichtet, der Kraftwerksbetreiber habe Angst vor dem völligen Zusammenbruch des Unternehmens gehabt.

Neben dem damaligen Sonderberater Sumio Mabuchi berufen sie sich auch auf Banri Kaieda, der zum damaligen Zeitpunkt den Posten des Ministers für Wirtschaft, Handel und Industrie inne hatte. An ihn waren die TEPCO-Vertreter mit der Bitte um Vertraulichkeit herangetreten.

Banri-Kaieda: Japans früherer Minister für Industrie Handel und Wirtschaft. (Foto: TEPCO)
Ex-Industrieminister Banri Kaieda wusste vom Deal (Foto: TEPCO)

Die Bekanntgabe der geschätzten Kosten von 100 Milliarden Yen an Baukosten hätten dein Eindruck erwecken können, das Unternehmen befinde sich am Rand eines Bankrotts, was das Risiko von massiven Verlusten für den Elektrizitätsanbieter mit sich gebracht hätte.

Die Regierung war zum damaligen Zeitpunkt einig, TEPCO keine Regierungsgelder zu gewähren. Da Kaieda jedoch befürchtete, im Fall eines echten Bankrotts würden sich sowohl die Zahlung der Entschädigungen verzögern und die Bezahlung der Kraftwerksarbeiter schwierig werden, verständigte er sich mit TEPCO darauf, den Bau der Wasserbarrieren öffentlich als „mittel- bis langfristiges Ziel“ zu bezeichnen.

Die vom damaligen TEPCO Vize-Präsidenten Sakae Muto mündlich gemachte Zusage, im Gegenzug für diese vertrauensbildende Maßnahme werde man mit den Arbeiten unverzüglich beginnen, wurde niemals eingehalten.

Auf Anfrage der Asahi Shimbun erklärte ein TEPCO-Verantwortlicher am heutigen Mittwoch, die Ursache für das Fehlen der Baumaßnahmen sei nicht finanzieller Natur gewesen. Vielmehr seien Fragen zur technischen Umsetzbarkeit der Schutzwand aufgetaucht. Es habe jedoch in der Tat bedenken gegeben, für die Kosten des Projekts zu haften.

Hohe Erdbebenrisiken in mehreren Bezirken von Tokyo: Die Verwaltung des Großraums Tokyo hat eine Erdbebengefahrenkarte veröffentlicht, auf der die einzelnen Bezirk nach ihrem Gefährdungsgrad farblich hervorgehoben werden.

Grundlage der Berechnungen war die Annahme einen Großbebens der Maximalstärke 7 – dem höchsten Wert auf der siebenstufigen JMA-Skala der japanischen Wetterbehörde.

Wohnkomplex in Tokyo (Foto: KJ)
Wohnkomplex in Tokyo (Foto: KJ)

In solch einem Katastrophenfall wären von insgesamt 5.133 Distriktsblöcken der Hauptstadt 84 als die am meisten gefährdeten Gebiete. Diese werden als Bereiche der Stufe 5 bezeichnet.

Die Tokyoter Verwaltung erneuert diese Krisenkalkulation alle fünf Jahre. In dieser ersten Aktualisierung seit dem Tohoku-Erdbeben wurde festgestellt, dass sich über 60 Prozent der Hochrisikogebiete der Stufe 5 auf die Bezirke Adachi, Arakawa und Sumida erstrecken.

Die meisten alten Wohngebiete, sowie Teile der Bezirke Ota, Nakano, Shinagawa und Suginami wurden als Bereiche der Stufe 4 eingestuft, währen das Tama-Gebiet, der westliche Teil der Präfektur Tokyo, die Stufe 3 oder niedriger erhielt und damit als vergleichsweise sicher anzusehen ist.

Im Rahmen der Beurteilung wird das Schadenspotential aufgrund von Geländemerkmalen und der vorherrschenden Bauweise, sowie der Brandgefahr durch die Dichte der Gebäude berechnet. Aufgrund der Erfahrungen durch das Tohoku-Erdbeben wurden der Zustand der Straßen zur Nutzung durch Rettungsfahrzeuge besonders berücksichtigt.

Einige Teile von Japans Hauptstadt sind immer noch in Holzbauweise vorhanden und die enge Baudichte macht Brände seit Generationen dort besonders gefährlich. Dies ist auch der Hauptgrund für die hohe Risikostufe von Adachi und Arakawa.

Aufgrund dieser Umstände wurden die Bezirke Suginami und Nakano, sowie angrenzende Gebiete für gefährlicher erachtet als zuvor, da sich der Wiederaufbau der Straßen dort verzögert hatte. Eine Verbreiterung der Straßen war es dann auch, die den Touristenmagneten Asakusa eine bessere Beurteilung gibt, als zuvor.

Natriumleck-Detektor am AKW Monju zeitweise ausgefallen: Am AKW Monju in Tsuruga (Präf. Fukui) kam es heute um 11:10 Uhr zum zeitweisen Ausfall eines Detektors, der den unkontrollierten Austritt von Natrium aus der Anlage feststellen soll.

Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
AKW Monju: Ausfall eines Natriumleck-Detektors (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Dieser Zwischenfall ereignete sich zwei Tage, nachdem die Übertragung von Daten aus dem Reaktor abgebrochen war – möglicherweise im Zusammenhang mit dem Taifun, der über Japan gefegt war.

Im aktuellen Fall war es zunächst zu einer Störungsmeldung am Detektor gekommen, das Gerät habe kurz nach Mittag wieder vorschriftsmäßig gearbeitet.

Eine Kontrolle hatte ergeben, dass ein Ventil geschlossen war, so dass die Vorrichtung kein Natrium mehr feststellen konnte. Die Ursache für das Ventilproblem ist unklar, nach Angaben der jiji geht der Betreiber jedoch von einem Fall von menschlichem Versagen durch einen Mitarbeiter aus. Ein Austritt von Natrium wurde nicht nachgewiesen.

In dem entsprechenden Behälter vor Ort werden 160 Brennelemente aufbewahrt. Diese umfassen sowohl abgebrannte, als auch ungenutzte Brennelemente, die dort durch Natrium bei konstanter Temperatur gehalten werden.

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