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Japan aktuell: Roboter entdeckt hohe Strahlung im AKW Fukushima

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Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
Arbeiten an Kühlsystem des AKW Fukushima Daiichi (Symbolfoto: TEPCO)
Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Hohe Strahlungswerte gemessen (Foto: TEPCO)

Gestern erst wurde über die Eindämmung der frei werdenden Radioaktivität berichtet – nun heisst es, sei zuvor mehr radioaktives Cäsium freigesetzt worden, als bislang angenommen. Zudem sind auch die Ergebnisse des Untersuchungsausschusses zum Verlauf der Krise am AKW Fukushima aktuell weiterhin ein Thema für einige japanische Medien. Weitere Fukushima News und sonstige Neuigkeiten aus Japan,  jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 29. Februar 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Roboter entdeckt hohe Strahlung im AKW Fukushima
  • Reisanbau in radioaktiv belasteten Gebieten zulässig
  • Menge an Fukushima-Material offenbar doppelt so hoch
  • Atombefürworter zahlt Ministergeschenke mit Steuergeldern
  • Acht japanische Hafendämme nicht sicher gegen Tsunami
  • EU verlängert Importeinschränkungen für japanische Lebensmittel
  • Tokyo Sky Tree baulich fertiggestellt

Roboter entdeckt hohe Strahlung im AKW Fukushima:  Eine der Aufgaben des Roboters Quince 2, dessen Bilder TEPCO jüngst veröffentlichte, ist die Messung von Strahlung innerhalb der Reaktorgebäude. Mit den gewonnenen Daten will man Bereiche ermitteln, in denen die Arbeit für die Angestellten des Unternehmens sicherer ist. Jetzt hat der Roboter der Nachrichtenagentur Kyodo und der Asahi Shimbun zufolge Areale mit besonders hoher Strahlung ausgemacht.

Das ferngesteuerte Gerät, dass am Montag mit der Strahlungsmessung begann, ermittelte in Reaktor 2 hohe Werte von bis zu 220 Millisievert pro Stunde, wie der Betreiber TEPCO am gestrigen Dienstag bekannt gab. Bereits innerhalb einer Zeitspanne von weniger als drei Stunden war der am Chiba Institute of Technology entwickelte Roboter einer Strahlung von 153 Millisievert ausgesetzt.

Zu den Bedingungen innerhalb des Gebäudes hiess es vom Energiekonzern, es sei für Menschen sehr schwierig dort zu arbeiten, zudem betrage die Luftfeuchtigkeit etwa 70 Prozent. Dies stellt eine zusätzliche Belastung für menschliche Arbeiter dar. Man sei besonders daran interessiert, bereits möglichst früh das Ausmaß der Schäden, wie etwa am Kran an der Decke, in Erfahrung zu bringen, da dies eine der Vorbedingungen für die spätere Entfernung abgebrannter Brennstäbe darstelle.

Reisanbau in radioaktiv belasteten Gebieten zulässig: Unter verschiedenen Auflagen, wie etwa der Inspektion von Säcken für Transport und Lagerung, sowie der Dekontamination von Feldern, soll in Gebieten, in denen im Vorjahr 2011 lediglich Belastungen von 100 bis 5000 Becquerel pro Kilogramm Reis festgestellt worden waren, auch in diesem Jahr erneut Reis angebaut werden können. Das erklärte Japans Ministerium für Landwirtschaft am gestrigen Dienstag.

Eine Reis-Rispe
Fukushima-Reis zum Anbau zugelassen (Foto: pd)

Nach Angaben der Nachrichtenagentur jiji produzierten die entsprechenden Gebiete in der Präfektur Fukushima im Vorjahr mit 30.000 Tonnen Reis etwa zehn Prozent der Reisproduktion der gesamten Präfektur.

Die Entscheidung des Ministeriums stellt eine bemerkenswerte Ausnahme dar, da zunächst ein Anbauverbot für Gebiete, in deren Reis 2011 mehr als 100 Becquerel an radioaktivem Cäsium gemessen worden waren. Im Dezember 2011 wurde dann das Reisanbauverbot für 2012 für Gebiete mit einer Cäsiumbelastung von mehr als 500 Becquerel pro Kilogramm festgelegt. Das Verbot gilt nach wie vor strikt für das 20-Kilometer-Sperrgebiet um das AKW Fukushima Daiichi und andere Gebiete in denen eine Strahlungsbelastung von mehr als 20 Millisievert angenommen werden kann.

Ab 1. April treten dann die neuen Lebensmittelgrenzwerte in Kraft. Landwirten wird dann der Versand von Reis mit Belastungen über dem 100 Becquerel Grenzwerten verboten. Allerdings kündigte die Regierung an, den nicht verkehrsfähigen Reis aufzukaufen und so den Landwirten finanziell zu helfen, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Menge an Fukushima-Material offenbar doppelt so hoch: Die Zahlen, die gestern von Michio Aoyama vom Meteorologischen Forschungsinstitutauf einem wissenschaftlichen Symposium in Tsukuba (Präf.  Ibaraki) vorgestellt wurden, unterscheiden sich deutlich von den bisherigen Berechnungen zur Menge an freigesetztem radioaktivem Cäsium.

Mit einer Menge von 40.000 Trillionen Becquerel wird der bisher von Experten in Japan und Übersee angenommene Betrag um das doppelte überschritten. Das entspricht etwa 20 Prozent der Menge die beim Tschernobyl-Unglück im Jahr 1986 in die Umwelt austrat.

Die neuen Berechnungen basieren auf der Auswertung von Seewasserproben, die an 79 Stellen im Nordpazifik genommen wurden und gilt genauer als die bisherigen Ergebnisse aus Simulationen. Demnach sei auch lediglich 30 Prozent des radioaktiven Materials als Fallout auf Land niedergegangen, der Großteil sei dagegen ins Meer gelangt. Aufgrund dieses Umstands ist die genaue Bestimmung der Menge schwierig und die Berücksichtigung von Werten aus dem Meer von besonderer Bedeutung für weitere Berechnungen

Atombefürworter zahlt Ministergeschenke mit Steuergeldern: Der Bürgermeister der Stadt Tsuruga (Präf. Fukui), ein bekannter Befürworter des Bauprojekts des Reaktors vom Typ eines „schnellen Brüters“ am örtlichen AKW Monju, hat offenbar die Kosten für Geschenke an den Minister für die Bewältigung der Atomkrise, Goshi Hosono und weitere bedeutende Personen, über das Spesenkonto seines Amtes und so mit dem Geld der Steuerzahler beglichen.

50 Yen Münze (Foto: pd)
Steuergelder für fragwürdige Geschenke

Wie die Mainichi Shimbun berichtet, bedachte Bürgermeistert Kazuharu Kawase, sowohl Krisenminister Hosono, als auch weitere Politiker, nämlich den zu dieser Zeit für den Monju-Reaktor zuständigen Wissenschaftsminister Masaharu Nakagawa, sowie Seiji Maehara von der regierenden DPJ und Sadakazu Tanigaki, Vorsitzender der größten Oppositionspartei LDP mit großzügigen Geschenken zum Jahresausklang.

Laut Spesenrechnung hat Bürgermeister  Kawase, der zudem einer Vereinigung aller örtlichen Verwaltung mit Atomkraftwerken vorsitzt, insgesamt 180.000 Yen für den Kauf einer Auswahl von Echizen-Eismeerkrabben, die als lokale Spezialität gelten, ausgegeben. Diese kamen im November und Dezember insgesamt 18 Personen zu, darunter mehrere Politiker.

Acht japanische Hafendämme nicht sicher gegen Tsunami: Daten aus einer Simulation, die am heutigen Mittwoch vom Ministerium für Land, Infrastruktur, Transport und Tourismus veröffentliucht wurden zeigen, dass insgesamt acht Häfen beim größtmöglich anzunehmendem Tsunami nicht ausreichend geschützt wären.

Aufgrund dieser Ergebnisse zieht man nun Maßnahmen in Betracht, welche die Widerstandsfähigkeit der entsprechenden Anlagen verbessern könnten.  Basierend auf  den Auswirkungen des Tohoku-Erdbebens, ging man in der Simulation von einem Beben der Stärke 8,9 von der zentral gelegenen Region Chubu, über die südwestlich gelegenen Bereiche der Hauptinsel Kyushu aus.

Dabei würden die Dämme acht der 19 wichtigsten Häfen an der Pazifikküste südlich von Tokyo von einem Tsunami überrollt werden. Betroffen wären der Hafen von Shimizu (Präf. Shizuoka) in Zentraljapan und der Hafen von Kochi (Präf. Kochi) in Südwestjapan.  Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

EU verlängert Importeinschränkungen für japanische Lebensmittel: Nach Meldung der NHK wird die Europäische Union die Einschränkungen für die Einfuhr japanischer Lebensmittel aus elf Präfekturen, darunter Fukushima und Tokyo, bis Ende Oktober verlängern. Die Bedingung an die Exporteure aus diesen Gebieten, ihre Produkte auf radioaktives Material zu untersuchen, wurde bislang alle drei Monate verlängert.

Am gestrigen Dienstag gab die EU bekannt, dass die Überprüfungen nun auf alle sieben Monate ausgeweitet wurde. Auch die Einschätzung der in diesem Herbst geernteten Produkte sei entscheidend, bis zu diesem Zeitpunkt seien definitiv Tests erforderlich. Allerdings wolle die EU ihre eigenen Stichproben um die Hälfte reduzieren, da Japan jetzt bereits im Land selbst strengere Tests vornehme.

Tokyo Sky Tree baulich fertiggestellt: Acht Jahre nachdem er geplant worden war und mit einer zweimonatigen Verspätung aufgrund der Tohoku-Erdbebens, ist nun der Tokyo Skye Tree, größer freistehender Funkturm der Welt, fertiggestellt. Die Arbeiten am Bauwerk, dass bereits im März 2010 den Status als größten Turms Japans erreichte, hatten im Juli 2008 begonnen.

Tokyo: Blick auf den Tokyo Sky Tee von Asakusa aus (Foto: KJ)
Blick auf den Tokyo Sky Tee von Asakusa aus (Foto: KJ)

Bis das Bauwerk für die Öffentlichkeit zugänglich ist, wird es jedoch noch etwas dauern. Am 22. Mai ist dann der Besuch möglich. Erste Tickets können bereits ab dem 22. März erworben werden. Den Besucher erwarten dann auf den 634 Metern zwei Aussichtsplattformen. Auf der ersten in 350 Metern Höhe finden bis zu 2.000 Personen gleichzeitig statt. Treppen laufen muss hierfür jedoch niemand: Vier Aufzüge transportieren den Freund weiter Ausblicke in gerade einmal 50 Sekunden nach oben.

Höher hinaus geht es dann mit 30 weiteren Sekunden, bis die zweite Plattform in 450 Metern Höhe erreicht ist. Dieser Bereich besteht aus Glas, so dass bis zu 900 Personen gleichzeitig den Eindruck über den Himmel zu spazieren geniessen können.

Die Restaurants, Läden und Geschäftsgebäude werden auch zur Bildung eines gänzlich neuen Orts in der Stadt führen: „Tokyo Sky Tree Town“ soll sich über eine Fläche von 2230.000 Quadratmetern erstrecken.

Freuen wird dies vor allem auch die Tourismus-Branche, könnte doch der Rekordturm, nach dem Einbruch der Besucherzahlen im Zuge der Fukushima-Krise, als Startschuss für eine neue  Touristenwelle sorgen. Dies berichten Asahi Shimbun und Mainichi Shimbun.

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