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Japan aktuell: Roboter-Untersuchung an Lüftung von Fukushima-Reaktor 2

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Fukushima-Reaktor 2: Toshiba Tetrapod-Roboter vom 10. Dezember 2011 (Foto Toshiba/TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2: Toshiba Tetrapod-Roboter vom 10. Dezember 2011 (Foto Toshiba/TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2: Toshiba Tetrapod-Roboter vom 10. Dezember 2011 (Foto Toshiba/TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2: Toshiba Tetrapod-Roboter vom 10. Dezember 2011 (Foto Toshiba/TEPCO)

Japan hat ebenfalls seit Tagen mit schweren Schneefällen zu kämpfen und insbesondere auf der nördlichsten Hauptinsel Hokkaido kam es zu Verkehrsbehinderungen.

Eiskalt erwischt hat es auch Einwohner, die ihre Stadt unverhofft als Zwischenlager vorfanden.

Dagegen werden vom AKW Fukushima heute die Ereignisse der vergangenen Tage gemeldet.

So waren  etwa eine Roboterunteruntersuchung und ein vergleichsweise großes Leck in Fukushima aktuell. Doch neben den Fukushima News gibt es auch zur Erdbebengefahr einige Neuigkeiten.

Einzelheiten jetzt wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 11. Dezember 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • TEPCO untersucht unteren Bereich von Fukushima-Lüftungsrohren
  • Wasseraustritt nach Leck an Entsalzungsanlage
  • Stadt Misato richtete weitgehend unbemerkt Zwischenlager ein
  • Mehr Haushalte legen Notvorräte an
  • Urasoko-Verwerfung mehr als 30 Jahre lang unterschätzt
  • China provoziert im Senkaku-Streit weite
  • China zum 15. Mal in japanischen Gewässern

TEPCO untersucht unteren Bereich von Fukushima-Lüftungsrohren: TEPCO veröffentlichte heute Videoaufnahmen, die von einem vierbeinigen Roboter gemacht wurden. Dessen Aufgabe bestand in der Überprüfung des unteren Bereichs des Belüftungsrohrs an Fukushima-Reaktor 2.

Roboter in Fukushima-Reaktor 2: Blick auf das Belüftungsrohr am 11. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)
Roboter in Fukushima-Reaktor 2: Blick auf das Belüftungsrohr am 11. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)

Die Untersuchung verlief nach Angaben des Kraftwerksbetreibers problemlos. Auch wurden keine Lecks oder undichte Stellen festgestellt.

Die erwartete Strahlungsbelastung des Geräts von drei Millisievert wurde mit 1,75 Millisievert unterschritten.

Abgesehen von Zeichnungen, die den Weg des Roboters zeigen, lieferte TEPCO keine weiteren Informationen.

Wasseraustritt nach Leck an Entsalzungsanlage: Gestern um 10:55 Uhr entdeckte der Angestellte eines Partnerunternehmens auf einem Kontrollgang im  temporären Lagergebäude der Entsalzungsanlage eine Wasserlache. Die Anlage wurde daraufhin manuell angehalten und der Stopp des Entsalzungssystems um 11:00 Uhr offiziell bestätigt. Insgesamt sind etwa 96 Liter Wasser ausgetreten.

Das Wasser verteilte sich auf einer Fläche von 4×8 Metern und wies eine Tiefe von drei Millimetern auf. Es gelangte kein Wasser in die Umwelt. Eine Strahlungsmessung ergab nach Meldung von TEPCO folgende Werte (Angaben zu den radioaktiven Substanzen fehlen in dem Bericht).

  • Wasseroberfläche: 0,02 Millisievert  pro Stunde   4,0 Millisievert pro Stunde
  • Umgebungsluft:      0,01 Millisievert pro Stunde,   1,0 Millisievert pro Stunde

Als Ursache wird vermutet, dass bei Arbeiten ein Abflussventil versehentlich geöffnet worden war, was zur Lösung eines Bauteils geführt habe. Als Maßnahmen gegen eine Wiederholung ähnlicher Probleme wurde ein Warnhinweis in der Nähe des Ventils angebracht und Arbeiter auf das Risiko hingewiesen.

Zusätzlich soll das Ventil durch Kabelbinder oder ähnliches gesichert werden. Ein Neustart wird nach der Durchführung der Sicherheitsmaßnahmen angestrebt.

Stadt Misato richtete weitgehend unbemerkt Zwischenlager ein: Wie jetzt bekannt wurde, begann die Verwaltung der Stadt Misato (Präf. Saitama) bereits im August mit dem Bau eines Übergangslagers für kontaminiertes Erdreich. Lediglich Anwohner in fünf Haushalten und Stadtrat waren über die Einrichtung der Anlage auf einem Sportgelände im Bezirk Kobo informiert worden.

Gegner der Zwischenlagerpläne zeigten  sich verstimmt über die mangelnde Information der Öffentlichkeit.

Wie die Mainichi Shimbun berichtet, sollen die etwa 700 Kubikmeter an Erdreich noch in diesem Monat vom bisherigen Standort – einer Müllentsorgungsstelle südlich des Parkplatzes der Sporteinrichtung – in das Zwischenlager transportiert werden.

Die radioaktiv belastete Erde stammt von 27 Stellen der Stadt von denen sie im Jahr 2011 im Rahmen von Dekontaminationsmaßnahmen entfernt worden waren. Zum damaligen Zeitpunkt betrug die Strahlung des in 675 Kunststoffsäcke gefüllten Materials durchschnittlich 0,25 Mikrosievert pro Stunde.

Mehr Haushalte legen Notvorräte an: Eine jährliche Umfrage zu den Ernährungsgewohnheiten des Ministeriums für Gesundheit und Soziales befasste sich erstmals mit der Frage, ob die Bürger zusätzliche Nahrungsmittel als Notvorräte für Notfälle wie Naturkatastrophen lagern.

Durchschnittlich 47 Prozent der befragten Haushalte gaben an, in irgendeiner Form für Notrationen gesorgt zu haben. Nach Meldung der NHK führt das Ministerium diese Erhöhung im Vergleich zu einer ähnlichen Studie vor drei Jahren, in der nur 33 Prozent erklärten, über Extra-Nahrungsmittel zu verfügen, auf gestiegenes Katastrophen-Bewusstein zurück.

Urasoko-Verwerfung mehr als 30 Jahre lang unterschätzt: Als 1966 der erste Reaktor des AKW Tsuruga gebaut wurde, war man sich der Existenz der 25 Kilometer langen Urasoko-Verwerfung nicht bewusst. Doch bereits in den 1970ern wiesen Untersuchungen auf eine mögliche Aktivität der Verwerfung hin.

Dennoch wurde nicht nur ein 1979 gestellter Antrag auf den Bau von Reaktor 2 schließlich 1982 genehmigt – und obwohl spätestens 1991 die Verwerfung offiziell als aktiv angesehen wurde, folgten 2004 weitere Anträge auf den Bau der Reaktoren 3 und 4 gestellt.

Nach Expertenmeinung kann die Verwerfung Erdbeben bis zu einer Stärke von 7,2 auslösen. Doch nicht allein, dass man mehr als drei Jahrzehnten eine Aktivität der Verwerfung vermutete – die Regierung in Tokyo benötigte zudem zwei Jahre um zu bestätigen, dass eine Bruchzone unter dem Reaktor 2, im Falle eines Erdbebens ebenfalls in Bewegung gesetzt werden könnte.

Die Einschätzung der Atomaufsicht NRA, wie sie von der Mainichi Shimbun zitiert wird, ist daher wenig verwunderlich. Auf einer Pressekonferenz am Montag hatte ein Vertreter der NRA erklärt, wenn man von Anfang an gewusst hätte, dass sich auf dem Gelände  eine aktive Verwerfung befindet, wäre das Kernkraftwerk nie gebaut worden.

Weitere Informationen etwa zum Aufruf der damaligen Atomaufsicht NISA im Jahr 2005 an den Betreiber des AKW Tsuruga neue Untersuchungen durchzuführen, die Anerkennung als aktive Verwerfung durch den Betreiber 2008, und die Behauptung der Sicherheit des AKW Tsuruga, die 2010 trotz Widerspruchs von Experten durch die NISA gebilligt wurde, machen das Ausmaß der Fehleinschätzungen deutlich.

China provoziert im Senkaku-Streit weiter: China wird gedrängt, stärkeren Druck auf Nordkorea auszuüben. Dort wurde nun offenbar die Rakete von der Startrampe entfernt, nachdem es zuvor  Berichte über technische Probleme gegeben hatte. China dagegen funktioniert – und provoziert weiter. Die neusten Entwicklungen jetzt zusammengefasst.

China zum 15. Mal in japanischen Gewässern: Gegen 13:20 Uhr drangen heute erneut zwei chinesische Schiffe illegal in japanische Hoheitsgewässer im Bereich der Senkaku-Inseln ein. Auf die Warnungen der japanischen Küstenwache umgehend das Gebiet zu verlassen, reagierten die chinesischen Schiffe mit digitalen Anzeigetafeln.

Auf diesen wurde das japanische Küstenwachschiff zum Verlassen des Gebiets aufgefordert, da es sich vorgeblich um chinesische Gewässer handeln würde. Auch in Funksprüchen auf Chinesisch und Englisch behaupteten die chinesischen Besatzungen, China besitze die Oberhoheit über die Inselgruppe.

2 KOMMENTARE

  1. Gibt es Erkenntnisse über Vorfälle nach dem Erdbeben letzter Woche am AKW Daiichi? Kamerabilder zeigen deutliche Rauchentwicklung an drei Stellen. Ein erneutes Überhitzen der Brennstäbe?

    • Hallo Andreas,

      vielleicht der größte Nachteil von Meldungen zur Lage am AKW Fukushima Daiichi ist, dass die einzige offizielle Quelle für Informationen
      der Kraftwerksbetreiber TEPCO selber ist.

      Da weder Journalisten, noch Vertreter einer Regierungsstelle wie der Atomaufsicht NRA dauerhaft an der Anlage präsent sind, ist man, wenn man ausschließlich offizielle Quellen nutzt, auf die Angaben von TEPCO angewiesen.

      Zweifelsohne hat sich der Konzern in der Vergangenheit mehr als einmal den Vorwurf von Manipulation und Verheimlichung gefallen lassen müssen -dennoch ist TEPCO die einzige offizielle Quelle und diese meldet „keine besonderen Vorkommnisse“.

      Das die Realität möglicherweise anders aussehen könnte, kann man durchaus als „wahrscheinlich“ ansehen – bestätigt ist dies jedoch nicht.

      Mit freundlichen Grüßen

      Die Spreadnews-Redaktion

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