Start Aktuelles Japan aktuell: Rohrlecks führen zu neuer Krise am AKW Fukushima

Japan aktuell: Rohrlecks führen zu neuer Krise am AKW Fukushima

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AKW Fukushima: Eingetrocknete Wasserflecken am 31. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Eingetrocknete Wasserflecken am 31. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Eingetrocknete Wasserflecken am 31. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Eingetrocknete Wasserflecken am 31. August 2013 (Foto: TEPCO)

Wie die Berichte zur Lage am AKW Fukushima heute deutlich machen, weitet sich das Problem aus.

Nach den bereits bekannt gewordenen vier Lecks an Tanks und mindestens einem Verbindungsstück, könnte die Zahl nun weiter steigen.

Das Grundwasserproblem bleibt jedoch auch auf andere Weise in Fukushima aktuell und so gibt es bereits am heutigen Montag eine ganze Zahl neuer Fukushima News – wie üblich wieder im Spreadnews Japan-Ticker vom 2. September 2013

Unsere Themen zu Wochenbeginn:

  • Extrem hohe Strahlung an Lecks von Fukushima-Verbindungsrohren
  • TEPCO entdeckt weitere stark radioaktive Tanklecks
  • TEPCO reagiert mit Arbeitseinsatz auf Lecks in Rohren
  • Grundwasser erreicht Erdoberfläche am AKW Fukushima
  • Fukushima-Arbeiter in Klinik eingeliefert
  • Reaktor 3 am AKW Oi wird heruntergefahren

Extrem hohe Strahlung an Lecks von Fukushima-Verbindungsrohren: Nach den Wassertanks wurde nun auch an den Verbindungsstücken und Rohren zwischen den Behältern extrem hohe Strahlungswerte nachgewiesen, die durch Lecks entstanden sind. Das teilte der Betreiber am gestrigen Sonntag mit.

Im Bereich H5 habe man bei ausgetretenem Wasser eine Belastung von 300 Millionen Becquerel pro Liter gemessen. Zuvor waren unter den Rohren bereits 230 Millisievert nachgewiesen worden (Spreadnews berichtete am selben Tag).

Als am Samstag dort um 23:10 Uhr Wassertropfen mit einer Frequenz von einem Tropfen alle 90 Sekunden entdeckt wurden, die an Verbindungsstücken zwischen Rohren und Behältern auftraten, habe man die Ventile der Tanks geschlossen und eine Ablasswanne darunter angebracht.

Eine weitere Gegenmaßnahme habe darin bestanden, Adsorptionsmatten um die Stellen zu wickeln und Vinylabdeckungen anzubringen. Im Fall der tropfenden Leckstelle zwischen den Tanks 5 und 6 (Bereich H5-IV) wurden diese dann zeitweise entfernt und 12 Schraubflansche nachgezogen. Nachdem eine halbe Stunde gewartet wurde, ob dort erneut Lecks auftreten, habe man die Ummantelung wieder angebracht.

Zu diesen Angaben von TEPCO merkt die Asahi Shimbun an, nachdem bislang zumindest die verschweißten Tanks als sicherer galten, stellten Lecks in Verbindungsstücken und Leitungen selbst an diesen Strukturen nun eine neue Herausforderung dar. Tatsächlich verlaufen die Leitungen an diesen Behältern direkt auf dem Boden, so dass bei einem Wasserleck besondere Umweltgefährdung besteht.

TEPCO entdeckt weitere stark radioaktive Tanklecks: Nachdem TEPCO am Samstag bereits vier Lecks an Wassertanks meldete und eines davon eine Strahlung von 1,8 Sievert pro Stunde aufgewiesen hatte, wurde am gestrigen Sonntag ein weiteres Leck entdeckt. Dieses befindet sich auf der Nordseite des selben Tanks und weist eine Strahlung von 1,7 Sievert pro Stunde auf.

TEPCO hatte noch am gleichen Tag eine Presseerklärung veröffentlicht, in der die Medien für ihre Überdramatisierung des Werts von 1,8 Sievert kritisiert wurde, da es sich laut TEPCO zum großen Teil um Betastrahlung handele, die sehr leicht durch Schutzkleidung kompensiert werde.

Außerdem sei der Wert von 1,8 Sievert nur fünf Zentimeter über dem Boden erreicht worden, bereits in 50 Zentimeter Distanz habe man nur noch 15 Millisievert pro Stunde nachgewiesen.

TEPCO reagiert mit Arbeitseinsatz auf Lecks in Rohren: Mit dem heutigen Tag erhöht der Kraftwerksbetreiber die Zahl der patrouillierender Mitarbeiter, die bislang in Zweiteams täglich jeweils zwei Kontrollgänge durchführten von bislang zehn auf 60 Angestellte.

AKW Fukushima: Kontrolle des Rings an Behälter 4 der Gruppe B im Bereich H3 am 22. August 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Wassertank: Verstärkte Kontrollen gegen Lecks an Leitungen und Behältern (Foto: TEPCO)

Dies ist eine längst überfällige Maßnahme, denn die bisherigen Defizite zeigen sich deutlich. Jeder der Arbeiter ist im Laufe einer zweistündigen Kontrollrunde für die Sicherheit von 500 Wassertanks verantwortlich, was darin resultiert, dass für jeden Tank nur 15 Sekunden bleiben.

Da verwundert es nicht, dass bei diesen Kontrollgängen bislang auf Strahlungskontrollen praktisch verzichtet wurde, sofern ein Arbeiter keine offensichtliche Anomalie vermutete. Selbst Pfützen wurden nicht automatisch als Hinweis auf Lecks gesehen, da sich auf dem Beton nach Regenfällen öfter Pfützen bildeten.

Die Aufstockung der Arbeitskräfte wird nicht nur die Zahl der Kontrollgänge auf vier pro Tag erhöhen, sondern auf zwei der Patrouillen sollen die Arbeiter auch Strahlungsmessungen durchführen. Außerdem soll künftig jetzt Pfütze als potentielles Strahlungsleck angesehen und kontrolliert werden.

Auch in der Nacht sind dann Angestellte auf dem Gelände unterwegs, berichtet die Asahi Shimbun.

Grundwasser erreicht Erdoberfläche am AKW Fukushima: Wie TEPCO erst zum Wochenende mitteilte, war es bereits am Dienstag vergangener Woche zum Aufstieg von Wasser aus dem Boden der Anlage gekommen.

AKW Fukushima: Grundwasseraustritt an Messposten am 27, August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Grundwasseraustritt an Messposten am 27. August 2013 (Foto: TEPCO)

Die Mischung aus Grundwasser und der zur Abdichtung genutzten Chemikalie sei in einem der Grundwasserkontrollpunkte an die Erdoberfläche gestiegen und dort übergelaufen.

Neben der Meldung veröffentlichte der Betreiber lediglich ein einziges Foto zu diesem Vorgang.

Der Grundwasseranstieg auf dem Gelände wird von TEPCO auf die künstliche Aushärtung des Untergrunds zurückgeführt, da sich das gestaute Wasser nicht wie zuvor ausbreiten könne.

Nach Angaben des Betreibers wolle man an der Maßnahme selbst jedoch festhalten und lediglich den betroffenen Messposten aufgeben.

Durch diesen Schritt dürfte sich das Unternehmen aber vermutlich der Möglichkeit berauben, die Entwicklungen unmittelbar vor Ort genauer zu verfolgen.

Fukushima-Arbeiter in Klinik eingeliefert: Am Samstag klagte gegen 9:45 Uhr der Angestellte eines Partnerunternehmens, der mit dem Transport eines Fasses im Bereich von Reaktor 6 beteiligt war, über seinen schlechten Gesundheitszustand.

AKW Fukushima: Das J-Village Medical Center im Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Das J-Village Medical Center im Oktober 2011 (Foto: TEPCO)

Nach einer Untersuchung durch einen Arzt im Notfallraum, ordnete der Mediziner den dringenden Transport in ein Krankenhaus an, so dass gegen 10:46 Uhr ein Krankenwagen gerufen wurde.

Am Körper des Patienten sei keine radioaktive Kontamination nachgewiesen worden.

Genauere Informationen über den Gesundheitszustand hatte man zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Reaktor 3 am AKW Oi wird heruntergefahren: Nachdem die Reaktoren 3 und 4 seit der Fukushima-Krise die landesweit einzig aktiven Anlagen waren, begann Kansai Electric am heutigen Nachmittag damit, Reaktor 3 herunterzufahren. Dies geschieht im Rahmen regulärer Sicherheitskontrollen, die alle 13 Monate durchgeführt werden. Die Dauer der Kontrollen ist noch nicht bekannt.

Für Reaktor 4 des Kraftwerks in der Präfektur Fukui ist der 15. September als Termin anberaumt. Sollte alles wie geplant verlaufen, wird Japan ab diesem Zeitpunkt zunächst über keinerlei aktive Atomreaktoren zur Stromerzeugung verfügen. Atomenergie machte bislang etwa 30 Prozent von Japans Elektrizitätsversorgung aus.

Es wird erst das zweite Mal, dass seit der Fukushima-Katastrophe alle 50 kommerziellen Reaktoren vom Netz gehen. Zuvor hatte es bereits eine zweimonatige Auszeit gegeben, als im Mai 2012 alle Reaktoren heruntergefahren wurden, bevor das AKW Oi im Juni 2012 die Genehmigung zum Neustart erhalten hatte. Über die Wartung berichtete die Kyodo.

Für einen Weiterbetrieb stehen die Karten günstiger als zuvor, kam doch ein Expertenteam der Atomaufsichtsbehörde NRA in einer heutigen Sitzung zu dem Schluss, dass es keine aktive Verwerfung unter sicherheitsrelevanten Teilen der Anlage gibt. Es sollen jedoch noch weitere Treffen folgen, bevor man den Bericht an die Behörde weiterleitet, berichtet die jiji.

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