Start Aktuelles Japan aktuell: Ruhende Atomkraftwerke sollen trotz Fukushima-Bericht wieder ans Netz

Japan aktuell: Ruhende Atomkraftwerke sollen trotz Fukushima-Bericht wieder ans Netz

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Fukushima-Ruine am 16. März 2011. Foto: Tepco
Fukushima-Ruine am 16. März 2011. Foto: Tepco
Fukushima-Ruine am 16. März 2011. Foto: Tepco
NISA-Bericht: Fukushima-Schäden größer als gedacht. Foto: Tepco

Die Ergebnisse der Untersuchungen des Störfalls im japanischen Atomkraftwerk Fukushima Daiichi durch die japanische Atomaufsichtsbehörde NISA werden durch die Veröffentlichung in japanischen Medien wie Fernsehen und Presse nun zunehmend auch außerhalb Japans zur Kenntnis genommen.

 

Im Vergleich zu den bisherigen Angaben des Energiekonzerns und Kraftwerkbereibers TEPCO spricht der Bericht anscheinend eine deutlichere Sprache, man könnte fast von „erfrischend ehrlich“ sprechen. Allerdings enthält er selber wenig neues, sondern bestätigt in großen Teilen die Aussagen von ausländischen Experten unmittelbar nach dem Unglück.

Trotz aller Besorgnis über die neuen Ergebnisse und der Diskussion über die künftige internationale Atompolitik sollte jedoch nicht vergessen werden, dass die Situation der Opfer die durch das Tohoku-Erdbeben und den Tsunami ihrer Existenzgrundlage beraubt wurden, weiterhin der Aufmerksamkeit bedarf und nach den Wellen des Tsunami jetzt nicht unter politischen Diskussionen untergehen sollte.

Aktuelle Informationen nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 07. Juni 2011

00:00 Am morgigen Donnerstag versorgt Spreadnews Sie mit den aktuellen Neuigkeiten über die weitere Entwicklung der Lage in Japan. Kommen Sie gut durch die Nacht.

Untersuchung zu schwer verstrahlten Arbeitern: Das japanische Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales untersucht seit Dienstag die Hintergründe der schweren Verstrahlung zweier Arbeiter von über 650 Milisieviert. So werden nun die Aufenthaltsorte überprüft und in Erfahrung gebracht, ob die Arbeiter wie vorgeschrieben Schutzmasken trugen. Sollte das Gesundheitsministerium Verstöße gegen gesetzliche Bestimmungen finden, kann dies für TEPCO ernste Konsequenzen haben. Das meldet die japanischen Nachrichtenagenturen Kyodo und Jiji.

Golf-Star will Mut machen: Nach dem Besuch des Tenno Akihito und dessen Frau in Notunterkünften hatten auch bedeutende Sumo-Ringer den Katastrophenopfern Trost gespendet. Nach dem jüngsten Besuch der Präfektur Miyagi durch Kronprinz Naruhito kündigte nun, einer Meldung der Mainichi Shimbun zufolge, auch Japans 19-jähriger Golf-Star Ryo Ishikawa an, er werde im Juli die Krisengebiete besuchen.

Grenzwerte außerhalb der Evakuierungszone überschritten: Einem Bericht der Asahi Shimbun zufolge, wird an mehreren Stellen der Grenzwert von 20 Milisievert pro Jahr überschritten.  So wurde etwa in der Stadt Date (Ortsteil Ryozenmachi) 20,1 und 20,8 sowie in der Stadt Minamisoma (Ortsteil Haramachi) 23,8 Milisiviert überschritten. Beide Städte waren durch die Fusion mehrerer Kleinstädte entstanden.

NISA-Bericht: Stärkere Explosion durch mehr Wasserstoff
Die japanische Atomaufsicht NISA spricht in ihrem Bericht davon, anhand der von TEPCO erhaltenen und nun ausgewerteten Daten, sei man zu der Erkenntnis gelangt, bei dem Störfall im AKW Fukushima Daiichi sei mehr Wasserstoff entstanden und ausgetreten als bislang vermutet, daher seien auch die Explosionen durch die Wasserstoffverpuffungen und die dadurch entstandenen Schäden stärker als gedacht.

NISA-Bericht: Radioaktivitätsaustritt doppelt so hoch: Die NISA korrigierte ihre Einschätzung der Höhe der freigesetzten Radioaktivität – und verdoppelte den Wert. Insgesamt seien 770.000 Terabecquerel Strahlung freigesetzt worden, damit ist bei dem Störfall im AKW Fukushima doppelt so viel Radioaktivität ausgetreten als bislang vermutet.

NISA-Bericht: Kernschmelzen früher eingetreten: Die Kernschmelzen in den Reaktoren des AKW Fukushima Daiichi sind offenbar früher eingetreten als bislang offiziell geschätzt. So kommt die NISA nach Datenauswertung zu dem Schluss, die Kernschmelze in den Reaktoren 1 und 2 bereits am 11. März fünf Stunden nach dem Beben, bzw. am 14. März ereignet, während TEPCO vom 12. und 16. März spricht.

NISA: Japans Atomaufsicht soll unabhängig werden: Wie ein jetzt veröffentlichter Bericht der Regierung zeigt, der am 20 Juni der Internationalen Atomenergieaufsicht IAEA vorgelegt werden soll. ist vorgesehen, die japanische Atomaufsicht NISA von der Kontrolle durch das Ministerium für Wirtschaft, Industrie und Handel zu entkoppeln und so eine unabhängige Kontrollinstanz zu schaffen.

Blutspende aus Angst vor Radioaktivität abgelehnt: Wie japanische Medien berichten, war einem freiwilligen Blutspender bei einer mobilen Blutspendeaktion in Tokyo vom zuständigen Arzt aus Angst vor „möglichen genetischen Schäden“ von einer Spende abgeraten, und diese indirekt abgelehnt worden, als er angab aus Iwaki, in der Nähe des Atomkraftwerks Fukushima zu stammen.

Nach einer Beschwerde seiner Familie entschuldigte sich das Rote Kreuz – der Mediziner habe offenbar nicht über die nötigen Kenntnisse über Radioaktivität verfügt.

Serienfehler unschuldig an Explosion: Im Gegensatz zu den zuvor gemachten Aussagen, hält die Betreiberfirma TEPCO es nun für unwahrscheinlich, dass in den Druckbehälter zurückfließender Wasserstoff zur Explosion geführt habe. Eines der Lüftungsventile an der Notentlüftung sei so konstruiert, dass es bei einem Stromausfall automatisch schließe und so die Ableitung von Wasserstoff ins Freie sicherstelle. Nun gilt es zu prüfen, ob das Ventil wirklich schloss. Das berichtet die Asahi Shimbun.

Alte Dokumente gerettet: Briefe des Kriegsherrn Masamune Date (1567-1636) wurden zwei Monate nachdem der Tsunami sie aus einem Haus in Ishinomaki gespült hatte fast gänzlich unbeschädigt wieder aufgefunden. Nach Angaben der Yomiuri Shimbun zeigte sich ihr Besitzer, Nobuhiro Utsumi, der seine Familiengeschichte selbst 400 Jahre im Ort zurückverfolgen kann, überglücklich über den Fund.

Japan will Atomkraftwerke hochfahren: Auch wenn viele Japaner mittlerweile gezielt nach energiesparenden Elektronikartikeln fragen und fleißig Strom sparen, plant Japans Industrieminister Banri Kaieda, bislang ruhende Atomkraftwerke wieder hochzufahren, um den befürchteten sommerlichen Energieengpässen durch den hohen Stromverbrauch der Klimaanlagen zu begegnen, und bittet die Anwohner von Nuklearanlagen um Verständnis.

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