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Japan aktuell: Ruß in Druckluftkompressor von Fukushima-Reaktor 5

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Aufbau des Luftdruckkompressors: Elektromagnetisches Schütz- am 25. Juli 2012)
Bedienung des Luftdruckkompressors: Elektromagnetisches Schütz- am 25. Juli 2012)
Aufbau des Luftdruckkompressors: Elektromagnetisches Schütz- am 25. Juli 2012)
Bedienung des Luftdruckkompressors: Elektromagnetisches Schütz- am 25. Juli 2012 (Foto: TEPCO)

Die Reaktionen auf den Sieg von Japans weiblicher Fußball-Nationalmannschaft gegen Kanada (2:1), bietet vielleicht einen Vorgeschmack auf die weltweite Euphorie während der olympischen Spiele in London.

Wenig sportlich ging es im AKW Fukushima zu, bleiben doch die Situation der Arbeiter und technische Probleme ein Teil der Neuigkeiten, die aus dem AKW Fukushima aktuell gemeldet werden können.

Die vom AKW Fukushima heute vorgestellten Meldungen sind in ihrer Tragweite jedoch möglicherweise weit weniger für die Zukunft des Landes entscheidend, als die Überlegungen zu einem möglichen Neustart von Reaktoren an drei weiteren Atomkraftwerken.

Doch neben den Fukushima News gibt es auch heute weitere Meldungen – im Spreadnews Japan-Ticker vom 26. Juli 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Ruß in Druckluftkompressor von Fukushima-Reaktor 5
  • Externe Fukushima-Arbeiter stärker belastet
  • Neustart von drei japanischen AKW geplant
  • Öltank vor Kesennuma nach Tsunami geborgen
  • Warnung vor Hitzewelle im August

Ruß in Druckluftkompressor von Fukushima-Reaktor 5: Am gestrigen Mittwoch kam es um 10:22 Uhr zu einem Halt des Instrumentenluft-Kompressors  A an Reaktor 5, als es nach dem Versuch eines Arbeiters, den Betrieb des Geräts zu stoppen, zu einem Alarm des Überlastungsauslösers  gekommen war. Zuvor hatte der Angestellte den Versuchsbetrieb von Druckluftkompressor B abgeschlossen.

Bei einer Untersuchung der Innenseite des Kompressors, wurde schwarzer Ruß in der Nähe des Kabels des  elektromagnetischen Schütz an der Primärseite festgestellt.

Obwohl weder Flammen noch Rauch vorhanden waren, wurde der Fund um 13:21 Uhr der Feuerwehr von Namie mitgeteilt, man bitte in der Angelegenheit um eine Untersuchung vor Ort. Der Zwischenfall habe keine Auswirkungen auf die Strahlung außerhalb der Anlage, teilte die Betreiberfirma TEPCO mit.

Externe Fukushima-Arbeiter stärker belastet: Die Asahi Shimbun scheint sich in ihrer aktuellen Berichterstattung auf die Situation der Fukushima-Arbeiter zu konzentrieren. Waren es zuletzt die schlechten Arbeitsbedingungen für die Angestellten von Subunternehmen, befassen sich die aktuellen Artikel mit der erhöhten Strahlungsbelastung und den Sicherheitsproblemen der indirekt Angestellten.

Im Bus zum AKW Fukushima am 26. Mai 2012 (Foto: TEPCO)
Im Bus zum AKW Fukushima am 26. Mai 2012 (Foto: TEPCO)

Unter Berufung auf Zahlen aus den jährlichen Berichten zur Strahlungsbelastung von Angestellten und externen Arbeitern, die von den AKW-Betreibern an die NISA übermittelt werden müssen, kommt man hier zu dem Schluss, dass Arbeiter, die nicht Angestellte des Kraftwerksbetreibers sind, fast viermal höhere Strahlungsbelastungen aufweisen, als dies bei regulären angestellten der Fall ist.

Bereits im Jahr 2010 und damit vor der Fukushima-Katastrophe lag die Gesamtbelastung von externen Arbeitern 30 mal höher, als bei den Festangestellten. Zu diesen externen Arbeitern gehören Angestellte von Firmen wie Geräteherstellern und Subunternehmen, die von Partnerunternehmen des Kraftwerksbetreibers angeworben werden.

Im Fiskaljahr 2010 waren (unter Ausnahme der AKW Fukushima Daiichi und Daini) den jüngsten Berichten zufolge 62.961 Arbeiter mit Aufgaben betraut, die mit radioaktiver Belastung einhergehen. Dabei waren die externen Arbeiter, die 88 Prozent der Arbeiter darstellen, stärker belastet als Festangestellte.

  • Unternehmensangestellte: 7.701  Personen. Durchschnittliche Belastung: 0,3 Millisievert. Gesamtbelastung aller Angestellten: 2 Sievert
  • Externe Arbeiter: 55.260 Personen. Durchschnittliche Belastung: 1,1 Millisievert. Gesamtbelastung aller externen Arbeiter: 59 Sievert

Bei der Aufteilung der Strahlungswerte in Gruppen, sinkt der Prozentsatz der Unternehmensangestellten mit der Zunahme der Strahlungsdosis.

Somit verwundert es nicht, dass in der am stärksten belasteten Gruppe von 281 Personen mit Strahlungswerten über 15 Millisievert, kein einziger Festangestellter ist. Der höchste gemessene Wert betrug 19,6 Millisievert.

Auch in den Vorjahren gab es ähnliche Zahlen.

Der jährliche Grenzwert für Angestellte beträgt außerhalb von Katastrophenfällen 50 Millisievert pro Jahr. Zwar wurde dieser Wert in keinem Fall überschritten – allerdings gibt es bislang keine einheitlichen Angaben über die Langzeitwirkung geringer Strahlungswerte

Bereits auf einem Symposium im Oktober 2008 hatte Professor Kazumitsu Nawata gewarnt, durch die Abhängigkeit von den vertraglich gebundenen Arbeitern in der Atomindustrie werde es schwierig werden, den Schutz dieser Angestellten von Radioaktivität gewährleisten zu können.

Neustart von drei japanischen AKW geplant: Nachdem Kansai Electric gestern melden konnte, dass die beiden gestarteten Reaktoren des AKW Oi nun auf voller Kapazität laufen, wird nun über den Neustart von drei weiteren Kernkraftwerken nachgedacht.

  • AKW Ikata (Betreiber Shikiko Electric)
  • AKW Tomari (Betreiber Hokkaido Electric)
  • AKW Kashiwazaki-Kariwa (Betreiber TEPCO)

Über die Notwendigkeiten und Hindernisse der Neustarts berichtete die Yomiuri Shimbun.

  • Der Reaktor 3 am AKW Ikata gilt als wahrscheinlichster Kandidat für einen Neustart, da dessen Ergebnisse des first-stage Stresstests von der NISA akzeptiert wurden. Allerdings sind weitere Prüfungen bis zur Einsetzung der neuen Atomaufsicht verschoben worden.

Für den Neustart des AKW Ikata werden in der gleichnamigen Ortschaft Ikata wirtschaftliche Gründe genannt. Durch den Stillstand würden die Arbeiter, welche eine wichtige Quelle für den örtlichen Handel und das Gastgewerbe sind, wegfallen. Der Broterwerb vieler Menschen hinge vom Neustart ab.

  • Der Neustart des AKW Kashiwazaki-Kariwa in der Präfektur Niigata ist dagegen für die Finanzen von TEPCO und damit für die Zahlung von Entschädigungen von Bedeutung. Ohne einen Neustart würden die Kosten für Wärmekraftwerke steigen und zu geschäftlichen Problemen führen.

Nach dem Geschäftsplan der von der Regierung im Mai abgesegnet worden war, sollen die Reaktoren ab nächstem April nacheinander hochgefahren werden. Allerdings schränkt der Gouverneur von Niigata die Pläne ein. Ein Neustart sei indiskutabel, bis die Ursache der Fukushima-Krise gänzlich geklärt ist.

  • Das AKW Tomari ist für die Energieversorgung von Japans nördlichste Hauptinsel und die gleichnamige Präfektur Hokkaido besonders wichtig, da im Winter zwingend geheizt werden muss. Ohne das AKW Tomari ist lediglich eine Leistung von 5,35 Millionen Kilowatt möglich, der niedrigste Verbrauch im Winter des Fisakljahres 2012 lag bei 5,79

Sollte die Erlaubnis zum Neustart ebenso lange wie zuvor beim AKW Oi dauern – es wurden mehr als zwei Monate benötigt – könnte die Energieversorgung für den Winter gefährdet sein, da hierfür ein Betrieb bis spätestens September notwendig wäre. Das berichtet die Yomiuri Shimbun.

Öltank vor Kesennuma nach Tsunami geborgen: Nach 16 Monaten auf dem Meeresgrund wurde heute ein riesiger Öltank vor der Küste von Kesennuma geborgen. Bei ihm handelt es sich um einen von insgesamt 22 derartigen Behälter, die beim Tsunami vom März 2011 weggespült worden waren.

Bei der Aktion tauchten die Arbeiter 13 Meter tief, um Ketten an dem Öltank zu befestigen. Anschließend wurde das 20 Tonnen schwere Objekt mit dem Kran eines Arbeitsschiffes gehoben. In der Vergangenheit waren bereits 18 Behälter geborgen worden. Das Bergungsunternehmen plant für Sonntag die Hebung eines weiteren Ölspeichers.

Bei dem Tsunami 2011 waren große Mengen Öl aus den Behältern ins Meer gelangt und hatten sich entzündet, was zu einem wahren Flammeninferno in der Bucht geführt hatte, da die Flammen auch auf Gebäudetrümmer übergriffen. Das berichtet die NHK.

Warnung vor Hitzewelle im August: Die japanische Wetterbehörde warnt für für die folgenden zwei Wochen landesweit vor einem Andauern der Hitzewelle. Diese werde sich in den meisten Gebieten auch bis in den August fortsetzen. Für Gebiete von West- bis Ostjapan gab die Behörde Warnungen aufgrund der Wetterlage aus und forderte die Bürger auf, viel zu trinken und ihre Wohnungen kühl zu halten.

Bereits zu Beginn des Monats war es zu Rekordtemperaturen und zu Todesfällen aufgrund der Hitze gekommen. Wie die Meteorologen mitteilten, ist ein starkes Hochdruckgebiet im Pazifik für die Verlängerung der Hitzeperiode verantwortlich. Durch die instabile Wetterlage müsse auch mit Gewittern oder Tornados gerechnet werden.

An insgesamt 110 Standorten werden Temperaturen von 35°Celsius erwartet. Tageshöchsttemperaturen erreichten in Tajimi (Präf. Gifu) 38°Celsius, in Kuwana (Präf. Mie) 37,8 Grad und 35,4 in der Innenstadt von Tokyo.

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