Start Aktuelles Japan aktuell: Salzsäure am AKW Fukushima ausgetreten

Japan aktuell: Salzsäure am AKW Fukushima ausgetreten

1752
0
TEILEN
Fukushima-Reaktor-3: Salzsäure-Austritt an mobiler Entsalzungsanlage am 24. Oktober 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Salzsäure-Austritt an mobiler Entsalzungsanlage am 24. Oktober 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor-3: Salzsäure-Austritt an mobiler Entsalzungsanlage am 24. Oktober 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Säureaustritt an Salzsäure-Tank der mobilen Entsalzungsanlage am 24. Oktober 2012 (Foto: TEPCO)

Nachdem zuletzt andere AKW im Vordergrund standen, gibt es vom AKW Fukushima aktuell gleich mehrere Meldungen über Zwischenfälle und Untersuchungen.

So können wir vom Kernkraftwerk Fukushima heute sowohl von einem bislang ungeklärten Säureaustritt, als auch von der Wiederholung einer missgeschlagenen Untersuchung berichten.

Weitere Fukushima News, sowie weitere relevante Meldungen, jetzt wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 25. Oktober 2012

Unsere heutigen Themen:

  • Austritt von Salzsäure am AKW Fukushima
  • TEPCO setzt erfolgreich Ballon in Fukushima-Reaktor 1 ein
  • Drei Gouverneure besuchen AKW Fukushima
  • Erdbeben erschüttert Nordosten Japans
  • Tsunami-Harley in Museum ausgestellt
  • Erneut Grenzverletzung und Spannungen im Senkaku-Konflikt
    • Chinas Schiffe verletzten japanisches Hoheitsgebiet
    • Chinesische Schiffe bereits bekannt
    • Japan mit telefonischer Beschwerde
    • Chinas Schiffe verlassen japanische Gewässer
    • China verteidigt illegale Grenzverletzung
    • Sieben chinesische Schiffe in Grenzzone

Austritt von Salzsäure am AKW Fukushima: Am gestrigen Mittwoche wurde gegen 5:21 Uhr ein Alarm ausgelöst, der eine Störung an der mobilen Entsalzungsanlage des Beckens für abgebrannte Brennelemente von Fukushima-Reaktor 3 anzeigte, was Hinweis auf eine Leckstelle war.

Ein diensthabender Angestellter begann um 5:40 Uhr einen Kontrollgang, bei dem um 6:15 Uhr die Ansammlung einer gelblichen Flüssigkeit in der Ablaufwanne im unteren Teil des Geräts, das auf einen Lastwagen montiert ist, festgestellt werden konnte. Zum Zeitpunkt der Entdeckung trat bereits keine weitere Substanz mehr aus.

Die Feuerwehr Tomioka wurde gegen 6:32 Uhr über den Fund in Kenntnis gesetzt und traf um 7:19 Uhr am Haupttor der Anlage ein um von dort gegen  8:33 Uhr den Untersuchungsort zu erreichen.

Gegen 9:00 Uhr erfolgte dann eine Untersuchung vor Ort, wobei Proben der zu diesem Zeitpunkt noch offiziell unidentifizierten Flüssigkeit entnommen wurden. Um 10:38 Uhr wurde das Untersuchungsergebnis bekannt gegeben:

Bei der Flüssigkeit handelt es sich um 25 prozentige Salzsäure, zu der TEPCO folgende Angaben macht:

  • PH-Wert: niedriger als 1
  • Leitfähigkeit: weniger als 200 mS/cm
  • Chloridkonzentration: 250.000 ppm
  • Spezifisches Gewicht: 1,119

Insgesamt sind etwa 75 Liter ausgetreten, die sich auf einer Fläche von 2,5m x 3,0m ausbreitete und eine Tiefe von einem Zentimeter aufwies. Reinigungsmaßnahmen und eine genauere Untersuchung der Umstände, wie es zu dem Austritt kommen konnte, wurden eingeleitet. Niemand wurde aufgrund des Zwischenfalls verletzt.

TEPCO setzt Ballon in Fukushima-Reaktor 1 ein: Ein erster Versuch, durch den Einsatz eines Ballons zusätzliche Informationen aus den oberen Stockwerken des Fukushima-Reaktors 1 zu gewinnen, war im August gescheitert, nachdem ein Hindernis den weiteren Aufstieg verhindert hatte (Spreadnews berichtete am 8. August 2012).

Fukushima-Reaktor 1: Ballon-Aufnahmen am 24. Oktober 2012 (Foto: TEPCO)
Ballon-Aufnahmen: Blick nach Norden, Osten, Nordosten (Wasseroberfläche), Kranteile

Die jetzt durchgeführte Aktion sollte die Daten liefern, die beim ersten Versuch nicht ermittelt werden konnten.

  • Zustand der Dachtrümmer, des Hänge-Laufkrans und der Brennstäbe-Wechselanlage
  • Zugangsmöglichkeit vom großen Ladeeingang zur Transportluke und dem Abklingbecken
  • Strahlungsmessung an der Öfnnung der Transportluke

Insbesondere der gegenwärtige Zustand des Betriebsraums im fünften Stock des Gebäudes von Reaktor 1 ist für die künftige Entfernung von abgebrannten Brennelementen von Interesse.

Der jetzt genutzte Ballon war in Form und Größe angepasst worden, um ein erneutes Verklemmen zu verhindern.

Dennoch funktionierte die nach oben gerichtete Kamera nicht, so dass lediglich die drei seitlich angebrachten Kameras die Aufnahmen vom Aufstieg liefern konnten.

Dabei entstanden Bilder, auf denen etwa die Wasseroberfläche des Beckens für abgebrannte Brennelemente und einen Teil des Laufkrans der Anlage zeigen. Weder Kran noch Brennstäbe-Hebevorrichtungen stürzten demnach in das Becken, wie zuvor befürchtet.

Bei den eingesetzten Geräten handelt es sich um hochauflösende Kameras, deren Bildgröße kabellos angepasst werden konnten.

Die Untersuchung, an der vier TEPCO-Angestellte und 25 Arbeiter von Partnerunternehmen beteiligt waren, fand am gestrigen Mittwoch zwischen 11:07 Uhr und 12:48 Uhr statt. Die Arbeitskräfte waren dabei einer maximalen Strahlungsdosis von  3,81 Millisievert ausgesetzt, es war mit bis zu fünf Millisievert gerechnet worden.

Die Strahlungsmessungen in den einzelnen Stockwerken ergaben folgende Werte:

  • Über 5. Stock: 37,1 Millisievert pro Stunde
  • 5. Stockwerk: max. 53,6 Millisievert pro Stunde (Betriebsraum)
  • 4. Stockwerk: max. 20,1 Millisievert pro Stunde
  • 3. Stockwerk: max. 33,6 Millisievert pro Stunde
  • 2. Stockwerk: max. 150,5 Millisievert pro Stunde

Drei Gouverneure besuchen AKW Fukushima: Am gestrigen Mittwoch besuchten Gouverneure von drei Präfekturen aus der Kanto-Region Japans das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, in der gleichnamigen Präfektur Fukushima.

Drei Gouverneure besichtigen AKW Fukushima Daiichi am 24. Oktober 2012 (Foto: TEPCO)
Drei Gouverneure besichtigen AKW Fukushima Daiichi am 24. Oktober 2012 (Foto: TEPCO)

Damit handelt es sich bei Shintaro Ishihara (Präf. Tokyo), Masaru Hashimoto (Präf. Ibaraki) und Masaaki Osawa (Präf. Gunma) um die ersten Vertreter von Präfekturen, die seit der schweren Nuklearkatastrophe vom März vergangenen Jahres das Atomkraftwerk besuchen.

Ursprünglich hatten sie lediglich an einem Gouverneurstreffen der Region Kanto teilnehmen sollen, bevor sie ihre Pläne änderten und einen zwei Stunden dauernden Besuch der zerstörten Anlage in ihren Zeitplan aufnahmen. Die Besichtigung erfolgte im Wesentlichen von einem Bus aus, gefolgt von Gesprächen mit den Arbeitern vor Ort.

Im Anschluss an den gestrigen Besuch bekräftigte Gouverneur Ishihara dennoch seinen Widerstand gegen den Atomausstieg und erklärte, es sei seiner Ansicht nach töricht, ein modernes und neues technologisches System aufgrund des Unfalls fallen zu lassen.

Heute kündigte Ishihara dann überraschend an, seinen Posten als Gouverneur aufzugeben und sich stattdessen der Bildung einer Partei widmen zu wollen, weshalb er in Gesprächen mit der Rechts-Partei. „Tachiagare Nippon“ steht.

Erdbeben erschüttert Nordosten Japans: Ein Erdbeben mit einer durchschnittlichen Stärke von 5,6 erschütterte gegen 19:32 Uhr den Nordosten Japans. Das Epizentrums des Erdbebens, bei dem es sich um ein Nachbeben des großen Tohoku-Erdbebens 2011 handelt, befand sich 50 Kilometer unter dem Meeresboden.

Eine Tsunami-Warnung wurde nicht ausgegeben, das AKW Onagawa meldet keine Störungen. Auch am AKW Fukushima Daiichi, das südlich von Miyagi liegt, meldet keine Auswirkungen auf Kühlung, oder andere Vorgänge. Hierüber berichtete etwa die jiji.

Tsunami-Harley in Museum ausgestellt: Eine im April diesen Jahres in Kanada angeschwemmte Harley Davidson, die durch den Tsunami vom März 2011 fortgespült worden war, fand nun ihren Weg in die Ausstellung des Harley Davidson Museums in Milwaukee, im US-Bundesstaat Wisconsin.

Die Maschine, eine Harley Davidson Night Train, Baujahr 2004, die im April in einem Frachtcontainer an der Graham Island entdeckt und im Mai geborgen worden war, hat auf ihren Weg  von Yamamoto (Präf. Miyagi) vermutlich mehr als 65.000 Kilometer zurückgelegt.

Ursprünglich war geplant worden, die Maschine nach einer Reparatur ihrem überlebenden Besitzer Ikuo Yokoyama zurückzugeben, man habe jedoch stattdessen dem Wunsch des Besitzers entsprochen, das Motorrad in seinem jetzigen Zustand zu konservieren und als Andenken an jene auszustellen, die ihr Leben verloren hatten, oder durch die Katastrophe für immer geändert wurde.

Die seit gestern ausgestellte Harley Davidson wird im Rahmen der Ausstellung bis zum Sommer kommenden Jahres zu sehen sein. Über die bemerkenswerte Geschichte des Motorrads berichteten etwa jiji und NHK.

Erneut Grenzverletzung und Spannungen im Senkaku-Konflikt: Chinesische Schiffe sind  nach mehreren Tagen im Grenzgebiet nun erneut in japanische Hoheitsgewässer eingedrungen und machen so wieder einmal deutlich, was die chinesische Führung unter Diplomatie versteht. Die neusten Meldungen im Überblick:

Schiff der japanischen Küstenwache (Foto: pd)
Japans Küstenwache meldet erneut Sichtungen chinesischer Schiffe (Foto: pd)

Chinas Schiffe verletzten japanisches Hoheitsgebiet: Wie die japanische Küstenwache meldet, drangen am heutigen Donnerstagmorgen zwischen  6:30 Uhr und 6:35 Uhr drei Schiffe von Chinas staatlicher Meeresverwaltunng süd-südöstlich von Minamikojima in japanische Gewässer ein, bevor um 7:30 Uhr ein viertes Schiff folgte.

Chinesische Schiffe bereits bekannt: Die Küstenwache forderte die vier Schiffe, bei denen es sich um die Haijian 61, 66, 75 und 83 handelt auf, umgehend das japanische Gebiet zu verlassen. Es handelt sich um die selben Schiffe die seit Samstag in der Grenzzone kreuzten.

Japan mit telefonischer Beschwerde: Japans Vize-Außenminister Chikao Kawai in Tokyo rief den chinesischen Botschafter in Japan, Cheng Yonghua an und legte Protest gegen die Grenzverletzung ein. Die Schiffe hätten umgehend ihre illegale Aktion einzustellen.

Chinas Schiffe verlassen japanische Gewässer: Gegen 14:00 Uhr verliessen die Schiffe nach Angaben der Küstenwache  das Seegebiet wieder.

China verteidigt illegale Grenzverletzung: Hong Lei, Sprecher des chinesischen Außenministeriums in Peking verteidigte das  Vorgehen. Die Schiffe hätten eine reguläre Patrouillenfahrt zur Wahrung der chinesischen Autorität durchgeführt, so dass es sich um eine von Chinas Gesetzen gedeckte Aktivität gehandelt habe.

Sieben chinesische Schiffe in Grenzzone: Mit Stand von 15:00 Uhr befinden sich laut Japans Küstenwache insgesamt sieben chinesische Regierungsschiffe – darunter zwei Fischerei-Patrouillenboote und ein Bergungsschiff – in der Grenzzone zu japanischem Hoheitsgebiet.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here