Start Aktuelles Japan aktuell: Schäden an ALPS-Behälter am AKW Fukushima nachgewiesen

Japan aktuell: Schäden an ALPS-Behälter am AKW Fukushima nachgewiesen

1110
0
TEILEN
AKW Fukushima: Markierte Ergebnisse der ALPS-Wassertankuntersuchung am 2. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Markierung der Ergebnisse der ALPS-Wassertankuntersuchung am 2. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Markierte Ergebnisse der ALPS-Wassertankuntersuchung 3. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Markierung der Ergebnisse der ALPS-Wassertankuntersuchung, Foto vom 3. Juli 2013 (Foto: TEPCO)

Wie geplant, genehmigte die Atomsicherheitsbehörde NRA heute den Weiterbetrieb von Japans einzig aktivem AKW Oi bis zur Inspektion im September.

Aktiv war man am AKW Fukushima aktuell ebenfalls, so dass nun die Ursache eines bereits etwas zurückliegenden Problems möglicherweise identifiziert werden konnte.

Dagegen zeigt eine Meldung aus der Präfektur Fukushima heute wieder einmal, dass Bürger mit ihren Problemen nach der Katastrophe oft alleine gelassen werden – manchmal sogar vorsätzlich. Einzelheiten der Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 3. Juli 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Schäden an ALPS-Behälter bestätigt
  • Bürger erhalten Dosimeter statt Hilfe
  • Neue Untersuchungen für Zwischenlagerstandort
  • Nur geringe Anzahl an Brücken repariert

Schäden an ALPS-Behälter bestätigt: Am Samstag den 15. Juni 2013 war während einer Kontrolle der Taukondensation an einem Behälter des Multinuklid-Filtersystems ALPS braunes Wasser entdeckt worden (Spreadnews berichtete am 17. Juni 2013). Eine erste Untersuchung hatte zwei winzige Löcher in der Schweißnaht des Behälters nachgewiesen.

AKW Fukushima: Fund bei der Untersuchung des ALPS-Tanks vom 3. Juni 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Fund bei der Untersuchung des ALPS-Tanks, Foto vom 3. Juni 2013 (Foto: TEPCO)

Nachdem an diesem Behälter (2A) das Leck festgestellt worden war, hatte man am 20. Juni auch einen Test am anderen baugleichen Behälter (1A) durchgeführt, auch wenn dort kein braun gefärbtes Wasser ausgetreten war. Dennoch wurde auch hier ein leichter Wasseraustritt an einer Stelle bemerkt. Daher ging man in beiden Fällen von kleinen Löchern aus.

Gestern lieferte TEPCO dann weitere Informationen: Demnach habe man den Behälter geleert und bei einer Untersuchung auf der Innenseite zehn leichte Schäden festgestellt, die jeweils einen Durchmesser zwischen zwei bis fünf Millimetern hatten. Diese Löcher seien auf Fehler in einem rostfreien Netz in der Struktur des Stahlbehälters zurückzuführen.

Offenbar war es zu einer chemischen Reaktion zwischen einer Substanz zur Entfernung von Fremdstoffen aus dem Wasser und der Stahlstruktur gekommen, so dass es schließlich eine Kontaktkorrosion gegeben habe. Als Gegenmaßnahmen sollen sowohl Reparaturen durchgeführt, als auch ein spezielles Harz auf den Stahl aufgetragen werden.

TEPCO begleitete diesen Bericht mit mehreren Fotografieren von Schäden, sowie Diagrammen zur Verdeutlichung, an welcher Stelle man die Untersuchungen vorgenommen hatte.

Bürger erhalten Dosimeter statt Hilfe: Nachdem am Samstag bekannt geworden war, dass die Regierung aus Kostengründen auf die geforderte Durchführung einer zweiten Dekontamination eines Bezirks der Stadt Tamura verzichten will und den früheren Einwohnern angeboten hatte, stattdessen moderne Dosimeter zu erhalten, um sich selbst darum zu kümmern,  scheint ein Tiefpunkt erreicht.

Dekontamination mit Gebläse am 25. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Dekontamination mit Gebläse am 25. Juni 2012 (Foto: TEPCO)

Nachdem das Ziel von einer Maximalbelastung von einem Millisievert (0,23 Mikrosievert pro Stunde) nicht erreicht wurde und in vielen Wohngebieten immer noch durchschnittlich zwischen 0,32 und 0,54 Mikrosievert pro Stunde gemessen wurde, hatten die evakuierten Einwohner mehr Einsatz der Regierung gefordert.

Die Regierung lehnte dies bei einem Treffen am 23. Juni jedoch ab und verwies darauf, dass dieser Wert sich ja nur nach Personen richte, die acht Stunden pro Tag im Freien verbringen und es aufgrund der individuellen Lebensumstände und Strahlungsbelastung naheliegender sei, wenn die Einwohner sich selbst um ihre Sicherheit kümmern würden.

Gegenüber der Asahi Shimbun, der eine Aufzeichnung des betreffenden Gesprächs vorliegt, wollten sich Regierungsvertreter nicht äußern.

Bereits in der Vergangenheit hatten fragwürdige Dekontaminationsmethoden, wie etwa beim „Umweltskandal“ von Fukushima, als kontaminiertes Laub und sonstige Abfälle einfach in Flüssen entsorgt worden waren, Fragen darüber aufgeworfen, ob die Maßnahmen überhaupt effektiv und realistisch seien.

Neue Untersuchungen für Zwischenlagerstandort: Am heutige Mittwoch setzte der stellvertretende Umweltminister Shinji Inoue den Bürgermeister von Naraha, Yukiei Matsumoto, über die Untersuchungen der Behörde auf einem Gelände in der Nähe des AKW Fukushima in Kenntnis.

Ziel der Maßnahme ist es, einen geeigneten Standort für Übergangslager zu finden, in denen künftig radioaktive Trümmer und kontaminiertes Erdreich in großem Umfang gelagert werden sollen. Insgesamt zehn mögliche Kandidaten hat die Behörde im Ortsteil Namikura ausgemacht, die nun auf ihre Eignung untersucht werden sollen.

Auch wenn der Regierung die Genehmigungen der Eigentümer vorliegen, so sei alleine die Durchführung der Eignungstests noch keine Garantie dafür, dass tatsächlich eine derartige Einrichtung gebaut werde, stellte Bürgermeister Matsumoto nach Angaben der NHK klar. Er werde die Ergebnisse der Untersuchungen sehr genau prüfen.

Bereits die Erlaubnis zur Untersuchung stellt nach Meinung der Behörden einen deutlichen Fortschritt zu den bisherigen Entwicklungen dar. Derzeit wird in drei Orten, die aufgrund ihrer räumlichen Nähe zum Kernkraftwerk als mögliche Standortkandidaten zählen, die Erlaubnis zu Eignungtests vor Ort eingeholt, bzw derartige Maßnahmen geplant.

Bislang ist es vor allem die Besorgnis der Bevölkerung vor radioaktiver Kontamination, die einen Bau der Mülllagerstätten behindert.

Nur geringe Anzahl an Brücken repariert: Japan verfügt über etwa 160.000 Brücken von mindestens 15 Metern Länge. Die hauptsächlich zwischen den 1960ern und 1970ern erbauten Strukturen wurden in der Vergangenheit auf mögliche bauliche Risiken bei Erdbeben untersucht – und bislang wenig unternommen.

Betonpfeiler einer zerstörten Brücke (Copyright: Andreas Teichert, DTRG e.V.)
Betonpfeiler einer durch die Tohoku-Katastrophen zerstörten Brücke (Copyright: Andreas Teichert, DTRG e.V.)

Aufgrund von Geld- und Arbeitskräftemangel werden nicht nur die 140.000 durch örtliche Behörden verwaltete Brücken zumeist nur visuell inspiziert und nach Bedarf repariert – von insgesamt 69.000 dieser Strukturen, die in einem Bericht vom April diesen Jahres als reparaturbedürftig eingestuft wurden, sind mit etwa 10.000 Stück nicht einmal 15 Prozent repariert worden.

Bei Brücken, die unter Aufsicht von Gemeindeverwaltungen stehen, sieht es noch ernüchternder aus. Von den etwa 37.000 Strukturen mit Reparaturbedarf sind gerade einmal 1.800 repariert worden – in 847 Gemeinden fanden überhaupt keine Reparaturen statt.

Diese Zahlen aus einem gestern durch das Ministerium für Land, Infrastruktur, Transport und Tourismus veröffentlichtem Bericht, zeigen die starke Diskrepanz zu den 20.000 Brücken der selben Länge, die durch die Regierung verwaltet und regelmäßig ausführlich und mit technischem Gerät getestet werden.

Auch das Alter der Brücken ist ein Problem, denn wie ein Artikel der Mainichi Shimbun berichtet, wird die Zahl an Bauwerken, die ein Alter von mindestens 50 Jahren aufweisen, in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren massiv ansteigen. Gerade in einem Land mit hoher Erdbebenzahl wie Japan, ist das Risiko von Zusammenbrüchen somit extrem hoch.

 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here