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Japan aktuell: Schaden an Leitung von Fukushima-Reaktor 2

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Beschädigung an Schlauch des Gaskontrollsystems für Fukushima-Reaktor 2 am 9. September 2012
Beschädigung an Schlauch des Gaskontrollsystems für Fukushima-Reaktor 2 am 9. September 2012
Beschädigung an Schlauch des Gaskontrollsystems für Fukushima-Reaktor 2 am 9. September 2012
Beschädigung an Schlauch des Gaskontrollsystems für Fukushima-Reaktor 2 am 9. September 2012

Bei unseren Lesern mag für Verwirrung gesorgt haben, dass gestern an dieser Stelle kein „Japan aktuell“ Artikel veröffentlicht wurde. Der Redakteur befand sich auf einer Fachveranstaltung, von der in Kürze an dieser Stelle zu lesen sein wird.

Somit gibt es vom AKW Fukushima heute wieder aktuelle Meldungen und wie üblich neben den Fukushima News auch sonstige Nachrichten, im Spreadnews Japan-Ticker vom 11. September 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Öffnung von Fukushima-Reaktor 4
  • Loch in Leitung von Fukushima-Reaktor 2
  • Fukushima-Thermometer wegen Messproblemen aussortiert
  • Reinigung des Puffertanks nach Einspeisungsschwankungen
  • Durchflussprobleme an Meerwasserpumpe für Fukushima-Reaktor 5
  • Radioaktiver Niederschlag in großer Distanz zum AKW Fukushima nachgewiesen
  • Exodus aus Katastrophengebieten hält an
  • Katastrophentrümmer bleiben großes Problem
Fukushima-Reaktor 4: Nach der Entfernung des Betondeckels am 10. September 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Nach der Entfernung des Betondeckels am 10. September 2012 (Foto: TEPCO)

Öffnung von Fukushima-Reaktor 4: Wie der Betreiber der Anlage, der Energiekonzern TEPCO meldete, wurde am gestrigen Montag der Reaktor 4 des AKW Fukushima Daiichi geöffnet, indem der etwa zwei Zentimeter dicke Betondeckel, der auf dem Sicherheitsbehälter ruht, entfernt wurde.

Neben den Fotos veröffentlichte die Betreiberfirma auch ein Video der Aktion, auf dem zu sehen ist, wie ein Kran den Deckel abhebt.

Einen schriftlichen Bericht zur Durchführung, der Auskunft im Bezug auf mögliche Strahlungsbelastung der Arbeiter bei der Maßnahme geben könnte, gab es zunächst nicht.

Beschädigung des Gaskontrollsystems für Reaktor 2 (inkl. Detailansicht) am 9. September 2012 (Foto: TEPCO)
Beschädigung des Gaskontrollsystems für Reaktor 2 (inkl. Detailansicht) am 9. September 2012 (Foto: TEPCO)

Loch in Leitung von Fukushima-Reaktor 2: Am Sonntag stellte ein TEPCO-Angestellter gegen 15:03 Uhr ungewöhnliche Geräusche aus einer Leitung des Gaskontrollsystems für den Sicherheitsbehälter von Reaktor 2 fest.

Das System ist im ersten Stock des Turbinengebäudes für Reaktor 2 angebracht.

Bei einer Kontrolle durch Mitarbeiter wurde ein kleines Loch entdeckt, dass als erste Sicherheitsmaßnahme mit Klebeband abgedichtet wurde.

Nach der Abdichtung verstummte das Geräusch. Eine Überprüfung der Werte von Messstationen und Reaktor ergab keine Änderungen.

Das Gaskontrollsystem arbeite weiterhin ohne Probleme, so Kraftwerksbetreiber TEPCO.

Fukushima-Thermometer wegen Messproblemen aussortiert:
Am Dienstag vergangenen Woche hatte ein Thermometer am Boden des Druckbehälters einen starken Temperaturanstieg um 1,6 Grad Celsius angezeigt. Als Reaktion hierauf war am Donnerstag ein Strömungswiderstandstest durchgeführt worden.

Aufgrund des Ergebnisses – der direkte Strömungswiderstand von 209,34 Ohm lag 30 Prozent über dem Wert von 117,84 Ohm, der zur Beginn der Krise gemessen worden war, wurde eine Temperaturanstiegsanalyse veranlasst (Spreadnews berichtete).

In einem Bericht am Samstag kam TEPCO nun zu der Entscheidung, das betreffende Thermometer nicht mehr als Referenz für die künftige Entwicklung der Temperatur zu berücksichtigen.

Reinigung des Puffertanks nach Einspeisungsschwankungen: Nachdem es in der Vergangenheit zu teilweise kritischen Schwankungen bei der Einspeisung von Wasser gekommen war, hatte die Untersuchung eines Puffertanks kleine Schwebstoffe im Inneren nachgewiesen (Spreadnews berichtete). Heute machte TEPCO weitere Angaben.

Fragmente aus der Wasserfilterung des Puffertanks am 10. September 2012 (Foto: TEPCO)
Fragmente aus der Wasserfilterung des Puffertanks am 10. September 2012 (Foto: TEPCO)

Im Pressematerial wird anhand einer schematischen Zeichnung das Ansaugen des Wassers durch eine, in den Behälter herabgelassene Unterwasserpumpe, den Transport in einen außerhalb des Behälters befindlichen Filter, und das Zurückpumpen in den Behälter dargestellt. Die Arbeiten wurden von einer Kamera im Behälter aufgenommen.

Die von TEPCO veröffentlichten Fotos zeigen eine Probe des Wassers in einem Plastikbeutel und schrapnellartige Fragmente aus dem Filter, die aus dem hindurchfließenden Wasser entfernt werden konnten. Die zwischen Samstag und gestern durchgeführten Arbeiten dauerten jeweils von 9:00 Uhr bis 13:30 Uhr und sind nun abgeschlossen.

Durchflussprobleme an Meerwasserpumpe für Fukushima-Reaktor 5: Nach dem Absinken der Durchflussrate der Meerwasserpumpe A des Nachwärmekühlsystems für Fukushima-Reaktor 5  wurde am Freitag vergangener Woche das System zwischen 13:25 Uhr und 13:27 Uhr auf Pumpe C umgeleitet.

Der Fukushima-Reaktor 5 am 15. September 2011 (Foto: TEPCO)
Der Fukushima-Reaktor 5 am 15. September 2011 (Foto: TEPCO)

Noch am selben Tag wurden sowohl das Nachwärmekühlsystem, als auch Pumpe C um 16:35 Uhr bzw 16:47 Uhr abgestellt, um die Ursache des Leistungsabfalls zu überprüfen und eine Betriebsprüfung des Geräts durchzuführen (Temperatur des Reaktorwassers zum Zeitpunkt des Stopps 30,9 Grad Celsius).

Nach einem Neustart um 16:42 Uhr schien sich die Durchflussrate fast auf Normalwert wieder einzupendeln und der Druck des Wärmetauscher ebenfalls als gesichert galt, wurde das System um 17:50 Uhr neu gestartet.

Am Samstagmorgen kam es um 6:56 Uhr erneut zu einem Abfall der Durchflussrate, so dass um 7:10 Uhr erneut Pumpe C aktiviert wurde, während die Abschaltung von Pumpe A drei Minuten später erfolgte. Nach einem erneuten Start von Pumpe A gegen 11:21 Uhr lag die Durchflussrate zwar über dem Kontrollwert, diese Differenz wurde jedoch als nicht ausreichend angesehen.

Als Reaktion herauf lief um 11:48 Uhr wieder Pumpe C und zwei Minuten später wurde der Betrieb von Pumpe A gestoppt. Nun wird Pumpe A untersucht und ein Probelauf durchgeführt werden.

Radioaktiver Niederschlag in großer Distanz zum AKW Fukushima nachgewiesen: Ein Forschungsteam unter der Leitung von Hideo Yamazaki, Professor für Umweltanalysen an der Universität Kinki, entdeckte in Schlamm vom Meeresboden, etwa 200 Kilometer vom AKW Fukushima Daiichi entfernt, deutlich nachweisbare Mengen an radioaktivem Cäsium.

Bei den im August vergangenen Jahres an der Mündung des Flusses Okozu, der nahe Nagaoka (Präf. Niigata) in das japanische Meer mündet, an Stellen von 15,20 und 30 Meter tiefem Wasser entnommenen Proben des Schlamms vom Seeboden, konnten gemäß der Asahi Shimbun in getrocknetem Zustand bis zu 460 Becquerel pro Kilogramm an radioaktiven Cäsium nachgewiesen werden.

Ähnliche Werte waren im Vorjahr bereits an der Mündung des Arakawa in die Bucht von Tokyo nachgewiesen worden. Im Fall der Proben aus Nagaoka konnte die höchste der in Zentimeterschichten getesteten Cäsiumkonzentrationen in den ersten Schichten von zwei bis drei Zentimetern einer Probe aus 30 Metern Tiefe gemessen werden.

Weitere Konzentrationen lagen in 20 Metern bei 316 Bequerel pro Kilogramm und in 15 Metern bei 255 Kilogramm. Die vollständigen Ergebnisse sollen im Laufe des Monats auf einem Expertentreffen veröffentlicht werden.

Exodus aus Katastrophengebieten hält an: Wie die Beobachtung der Umzüge zwischen dem März 2011 und dem Juli 2012 durch die NHK zeigt, sinkt die Zahl der Einwohner in den drei Katastrophengebieten. Trotz der Versprechen der Regierung, Aufbau und Dekontamination voranzutreiben verzeichneten 107 aller 127 Gemeinden einen Einwohnerrückgang.

Alleine seit März diesen Jahres sind bis August etwa 18.000 Personen in andere Landesteile umgezogen. Damit leben nur noch etwa 76.000 Menschen in den betroffenen Gebieten. Dieser Rückgang ist nach Auskunft von Professor Takashi Abe sogar größer als nach dem großen Hanshin-Erdbeben von Kobe im Jahr 1995.

Die größten Wegzugsraten gibt es in der Präfektur Fukushima, die seit März 2011 bislang von 45.000 Personen verlassen wurde. Neben den Küstengebieten, die von 15.000 Personen verlassen wurden, ist der Rückgang auch in den Städten zu spüren. Die Zahl ursprünglich dort lebender Bürger sank in Koriyama um mehr als 10.000, in Iwaki um etwa 8.000 und in der Stadt Fukushima fast 6.500 Personen.

Diese Menschen müssen jedoch irgendwo bleiben und in der Tat kam es in 20 Städten, darunter Sendai und Morioka, zu einem Bevölkerungsanstieg von 19.000 Einwohnern. Insgesamt hat nicht zuletzt die Nuklearkatastrophe am AKW Fukushima Daiichi zur Obdachlosigkeit von 343.000 Personen geführt, die ohne Aussicht auf Rückkehr nun im ganzen Land verstreut leben.

Katastrophentrümmer bleiben großes Problem: Auch wenn die Naturkatastrophen vom 11. März 2011 nun bereits anderthalb Jahre her ist, so bleiben die vom Tsunami angeschwemmten Trümmer nach wie vor ein großes Problem. Doch obwohl etwa 80 Prozent der Katastrophentrümmer  noch nicht entfernt wurden, glaubt die Regierung an ihren Zeitplan.

Trümmer in Minamisanriku (Foto: youngfield cc-by)
Trümmer in Minamisanriku (Foto: youngfield cc-by)

Insgesamt gilt es in der Präfektur Miyagi 18,73 Millionen Tonnen Trümmer zu entsorgen. In der Präfektur Iwate wurden 5,25 Millionen Tonnen angespült. Die Regierung rechnet jedoch mit einer Verbesserung der Verbrennungsmöglichkeiten und vertraut auf die Bereitschaft anderer Präfekturen, Trümmer zur Entsorgung zu übernehmen.

Auch sollen die entsprechenden Kapazitäten erhöht werden. In Miyagi soll die Zahl der Verbrennungsmöglichkeiten von gegenwärtig 17 auf 29 Prozent erhöht werden. Dennoch gibt es weiterhin Schwierigkeiten. So läuft die Entsorgung nicht brennbarer Abfälle deutlich langsamer als jener, die verbrannt werden könnten.

An Land gespültes Boot in Rikuzentakata (Foto: Mitsukuni Sato cc-by)
An Land gespültes Boot in Rikuzentakata (Foto: Mitsukuni Sato cc-by)

Nach Angaben eines Mitarbeiters der Verwaltung von Miyagi ist noch nicht abzusehen, wann die Entsorgung der insgesamt etwa 420.000 Tonnen unbrennbarer Trümmer abgeschlossen sein wird, zumal das Aussortieren des nicht zu verbrennenden Materials kostenintensiv sei.

Auszusortieren sind zudem in der Präfektur Iwate Objekte des Fischereibedarfs wie etwa große Netze, die noch verwendet werden können, jedoch aufgrund ihrer Maße nicht einfach vom übrigen Abfall zu trennen sind. Hier haben jedoch bereits die Stadtverwaltung Kanazawa und die Präfekturleitung von Kanagawa ihre Bereitschaft signalisert.

Auch die Abnahme dieser Abfälle durch andere Präfekturen ist eher ungewiss, da diese nicht nur kontaminierte Abfälle fürchten, sondern die Lagerung von Material, dessen Volumen nicht durch Verbrennung gesenkt werden nur die Möglichkeit des Vergrabens auf Deponien übrig lässt.

Bislang sind nach Angaben der jiji lediglich 20 Prozent der Abfälle entweder recycled oder verbrannt worden. Die Regierung hält an ihrem Ziel einer vollständigen Entsorgung bis zum März 2014 fest, konnte doch bis jetzt die Zahl temporärer Lager durch die Verbesserungen bei der Entsorgung um 70 Prozent auf 184 reduziert werden.

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