Start Aktuelles Japan aktuell: Scheidende Atomsicherheitskommission gesteht Versagen bei Fukushima-Krise

Japan aktuell: Scheidende Atomsicherheitskommission gesteht Versagen bei Fukushima-Krise

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AKW Fukushima Reaktor 01 am 12. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Reaktor 1 am 12. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima Reaktor 01 am 12. März 2011
NSC gesteht Versagen bei Fukushima-Krisenmanagement (Foto: TEPCO)

Nicht erst seit den gestrigen Übergriffen auf Japaner im Rahmen der Senkaku-Proteste, scheint die Informationslage am AKW Fukushima aktuell in der nationalen Berichterstattung etwas in den Hintergrund getreten zu sein.

Dennoch gibt es aus der Präfektur Fukushima heute wieder  Meldungen, auch wenn etwa das Schuldeingeständnis einer Regierungsstelle zunächst weniger spektakulär sein mag.

Doch auch Einzelheiten zu einem Leck an der Atomanlage gibt es wieder zu melden.

Weitere Fukushima News und sonstige Berichte aus Japan jetzt wie üblich im täglichen Spreadnews Japan-Ticker vom 18. September 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Letzte Sitzung der Atomsicherheitskommission NSC
  • Neue Atomaufsicht besucht AKW Fukushima
  • TEPCO mit weiteren Daten zum Pumpenleck
  • Alte Fukushima-Häuser sollen aufgebaut werden
  • Patriarch des russisch-orthoxen Kirche betet für Katastrophenopfer
  • Nach Taifun vermisster Schnorchler tot geborgen
  • Japan, China und die Senkaku

    • Zeremonie zum Gedenken an Mandschurei-Zwischenfall
    • Chinesische Proteste in 125 Städten
    • Chinesische Protestler rufen zu Krieg gegen Japan auf
    • Übergriff auf japanisches Paar in Hongkong
    • Japanischen Geschäften in China wird zu patriotischer Beflaggung geraten
    • Japaner wirft Rauchbomben auf chinesisches Generalkonsulat
    • Zwei Japaner betreten Senkaku-Inseln
    • China legt Protest gegen Landgang ein
    • Zehn Chinesische Beobachtungssschiffe nahe Senkaku-Inseln gesichtet
    • Drei chinesische Schiffe verletzen japanisches Hoheitsgebiet


Letzte Sitzung der Atomsicherheitskommission NSC:
Nach 34 Jahren wird die Behörde nun, ebenso wie die NISA, am morgigen Mittwoch von der neuen Atomaufsicht abgelöst. Bei der letzten Sitzung der NSC drückte deren Vorsitzender Haruki Madarame sein Bedauern über das Krisenmanagement der Fukushima-Katastrophe aus.

In den vergangenen 18 Monaten sei kein Tag vergangen, an dem er nicht über die Ursachen der Nuklearkatastrophe am AKW Fukushima Daiichi nachgedacht habe, berichtet die NHK. Es sei zutiefst bedauerlich, das die Kommission auf ganzer Linie, inklusive der Katastrophenschutzes und der Sicherheitsstandards, unvorbereitet gewesen sei.

Madarame, als letzter Vorsitzender der 1978 gegründeten Behörde, riet der Nachfolgeorganisation, sich nicht von bislang gepflegten Routinen beeinflussen zu lassen, sondern beständig zu untersuchen und zu überarbeiten, während man zugleich die Öffentlichkeit über diese Vorgänge besser informieren müsse.

Zuletzt war die NSC in die Kritik geraten, nachdem man ihnen Beeinflussbarkeit durch Energieunternehmen und Regierung vorgeworfen und ihr Versagen bei der Handhabung der Krise unterstellte.

Mögliche Mitglieder der neuen Atomaufsicht beim Besuch des AKW Fukushima Daiichi am 15. September 2012 (Foto: TEPCO)
Mögliche Mitglieder der neuen Atomaufsicht beim Besuch des AKW Fukushima Daiichi am 15. September 2012 (Foto: TEPCO)

Neue Atomaufsicht besucht AKW Fukushima: TEPCO veröffentlichte heute Fotos, die offenbar den Besuch von potentiellen Mitgliedern der neuen Atomaufsicht am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi am vergangenen Samstag zeigen.

Das Unternehmen machte zunächst keine weiteren Angaben zu dem Besuch. Möglicherweise sind diese beim morgigen offiziellen Arbeitsbeginn der Kontrollinstanz zu erwarten.

TEPCO mit weiteren Daten zum Pumpenleck: Gestern berichteten wir an dieser Stelle über das  Leck an der Hochdruckpumpe der Umkehrosmoseeinheit der Entsalzungsanlage. Jetzt reichte TEPCO weitere Angaben zur Strahlungsbelastung in Form der Ergebnisse einer Nuklidanalyse nach:

  • Jod-131: Unterhalb der Nachweisgrenze  (2,0×10-1 Becquerel pro Kubikzentimeter)
  • Cäsium-134: 1,0×100 Becquerel pro Kubikzentimeter
  • Cäsium 137: 2,1×100 Becquerel pro Kubikzentimeter
  • Beta-Strahlung gesamt:  2,7×110Becquerel pro Kubikzentimeter
Leck an Hochdruckpumpe der Entsalzungsanlage am 16. September 2012 (Foto: TEPCO)
Leck an Hochdruckpumpe der Entsalzungsanlage am 16. September 2012 (Foto: TEPCO)

Um den bisherigen Wasseraustritt (ein Tropfen alle zehn Sekunden) aus dem Leckbereich zu stoppen, wurde ein Schutz aus Vinyl um den Bereich gelegt.

Da Teil 3 und 4 über ein Rohr verbunden sind und daher theoretisch weiter Wasser einfliessen könnte, da Einheit 4 in Betrieb ist (wenn auch durch ein Ventil getrennt), entschloss man sich dazu die Anlage 4 um 16:00 Uhr ebenfalls zu stoppen.

Am Sonntag wurden dann am Entsalzungssystem 2 die entsprechenden Gegenstücke (4 und 5) um 8:40 Uhr bzw. 8:45 Uhr gestartet. Somit wird die Entsalzungsanlage in Abständen arbeiten, während man Überlegungen zum Weiterbetrieb anstellt.

Alte Fukushima-Häuser sollen aufgebaut werden: Während andernorts beschädigte Häuser als nicht mehr renovierenswert gelten, geht die Ortschaft Mishima (Präf. Fukushima) andere Wege. Hier wird geplant, alte unbewohnte Häuser wieder bewohnbar zu machen, damit Flüchtlinge diese kaufen oder mieten können.

Im Aizu-Disktrikt der Präfektur waren Personen im Bau- und Forstgewerbe darauf verfallen, die teilweise bis zu 150 Jahre alten Häuser wieder zu renovieren, da dies deutlich günstiger sei, als neue Häuser zu bauen. Zudem würden diese Gebäude eine Atmosphäre vermitteln, die Neubauten nicht bieten könnten.

Altes Holzhaus (Foto: KJ)
Altes Holzhaus (Foto: KJ)

Die Gruppe konzentriert sich aufgrund von Wünschen der Flüchtlinge auf etwa 100 unbewohnte Holzhäuser und versucht, abgesehen vom Einbau neuer Küchen und Sanitäranlage möglichst wenig zu verändern, um nach Möglichkeiten auch die ursprünglichen Stützpfeiler zu bewahren. Die Bereitstellung von Holzöfen als Alternative zu Elektrizität und Öl ist ebenfalls geplant.

Die Idee hierzu entstand durch das positive Feedback, dass die etwa 200 aus örtlichem Holz gebauten Übergangshäuser in Aizu-Wakamatsu und Iwaki, die im Sommer vergangenen Jahres entstanden waren, von den Flüchtlingen erhielten. Sie waren wegen ihrer Natürlichkeit und sozialen Aspekten besonders populär geworden.

Noch vor Jahresende wollen die Unterstützer zunächst eines der alten Häuser mit einem Budget von fünf Millionen Yen sanieren und es als Modellprojekt vorstellen. Das Einverständnis der Besitzer dieser alten Gebäude vorausgesetzt will man Flüchtlingen, die einen Umzug erwägen, illustrierte Informationsprospekte zukommen lassen und bei der Vermittlung der Immobilien helfen.

Gegenwärtig leben etwa 1.700 Evakuierte in Übergangshäusern in und um Aizu-Wakamatsu und dürfen dort offiziel zwei Jahre bleiben, weshalb ein Umzug für viele sinnvoll erscheinen könnte.

Da der Distrik reich an natürlicher Umgebund und die Menschen dort freundlich seien, hofft der 62 Jahre alte Genichiro Sakuma, Eigentümer eines Bauunternehmens und Leiter der Gruppe, dass die Menschen sich dort wohlfühlen werden. Eine derartige Besiedlung wäre auch zum Vorteil der Ortschaft Mishima, leidet die in gebirgiger Gegend gelegene Gemeinde doch an einem Bevölkerungsrückgang, insbesondere durch Umzüge der Bürger.

Patriarch Kyrill I. (Foto: www.kremlin.ru cc-by)
Patriarch Kyrill I. betete für Opfer (Foto: www.kremlin.ru cc-by)

Patriarch des russisch-orthoxen Kirche betet für Katastrophenopfer: Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill I. hat am Samstag in Sendai eine Gedenkfeierlichkeit für die Opfer der Tohoku-Katastrophen abgehalten.

Im Gespräch mit Einwohner sagte der Patriarch, er wolle die Gefühle der Menschen teilen.

Nach der Veranstaltung, an der etwa 200 Personen teilnahmen und im Bezirk Arahama stattfand, wo 186 Personen durch das Unglück starben, blickte das Kirchenoberhaupt von einem Damm aus über den Bezirk, berichten die Nachrichtenagenturen Kyodo und jiji sowie die Yomiuri Shimbun.

Nach Taifun vermisster Schnorchler tot geborgen: Die Leiche des seit Sonntag um 15:00 Uhr vermissten Schnorchlers Daisuke Fukuda (29) wurde am Montag etwa einen Kilometer südwestlich von der Stelle, an der er zuletzt gesehen wurde, entdeckt. Er war mit Freunden in der Nähe der Insel Ishigakijima am Schnorcheln, als der Taifun Sanba eintraf.

Zuvor war bereits eine Warnung vor starkem Wellengang und heftigen Winden aufgrund des Taifuns ausgegeben worden. Über den Fund berichtete die Yomiuri Shimbun.

Zeremonie zum Gedenken an Mandschurei-Zwischenfall: China hielt am heutigen Dienstag in Shenyang (Prov. Liaoning) eine Gedenkveranstaltung anlässlich des 81. Jahrestages der Gleissabotage zu Beginn des Mandschurei-Zwischenfalls, ab.

Einmarsch kaiserlich japanischer Truppen in Mukden/Shenyang im Jahr 1931 (Foto: pd)
Einmarsch kaiserlich japanischer Truppen in Mukden/Shenyang im Jahr 1931 (Foto: pd)

Die damalige, von Japanern durchgeführte Sabotageaktion an den Gleisen bei Mukden (das heutige Shenyang) wurde von der kaiserlichen japanischen Armee als Vorwand für die Entsendung weiterer Truppen der in die Mandschurei genutzt und führte schliesslich zur Gründung des Marionettenstaates Mandschukuo.

Shenyang-Museum zum Mukden-Zwischenfall (Foto: pd)
Shenyang-Museum zum Mukden-Zwischenfall (Foto: pd)

Im Rahmen der Zeremonie am Shenyang-Museum wurde eine Glocke geläutet – eine Fliegeralarm-Sirene erklang, und dazu aufgerufen, niemals die nationale Schande zu vergessen. Die Fahrer von PKW beteiligten sich bei der Vorbeifahrt mit symbolischem Hupen.

Wie erwartet wurde der Tag vom randalierenden Mob seinerseits genutzt um das japanische Konsulat in Shenyang mit Steinen zu bewerfen, wobei Fensterscheiben zu Bruch gingen.

Chinesische Proteste in 125 Städten: Unter anderem in Peking, Guangzhou,  Shanghai, Shenyang und Suzhou kam es zu Protesten. Die chinesischen Behörden hatten bereits zuvor die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt .

Viele japanische Staatsbürger in China blieben aus Angst vor Übergriffen heute zuhause, während die chinesische Regierung gestern die Mitarbeitern von Behörden angewiesen hatte, sich nicht an Demonstrationen zu beteiligen.

In Shenyang beteiligten sich 2.000 Personen an den Protesten vor dem japanischen Generalkonsulat, wobei einige mit Steinen und Plastikflaschen warfen und Fenster beschädigten. Auch ein japanisches Restaurant in der Nähe wurde mit Flaschen beworfen.

Mehrere tausend Polizeibeamte schützten die Botschaft in Peking vor den etwa 5.000 Demonstranten –  doch auch hier landeten Plastikflaschen und Eier auf dem Gelände. Sowohl Fotos von Japans Premierminister Yoshihiko Noda, als auch die japanische Nationalflagge wurden verbrannt. In Shanghai wurden die 1.000 Protestler, geordnet in Gruppen von je 100 Personen, am dortigen Konsulat vorbei begleitet.

Chinesische Protestler rufen zu Krieg gegen Japan auf: Zu den Parolen, die von den aufgehetzten Mengen skandiert wurden, gehörten Aufrufe zum Kampf gegen den japanischen Nationalismus, den Boykott japanischer Produkte und sogar die Rückeroberung von Okinawa, sowie der Krieg gegen Japan..

Übergriff auf japanisches Paar in Hongkong: Laut einem Bericht, der das japanische Generalkonsulat heute erreichte, ist es in der vergangenen Nacht an der Pier der Hung Hom Fähre zu einem gewalttätigen Übergriff auf ein in Hongkong lebendes japanisches Paar Ende 30 gekommen.

In dem Bericht heisst es laut jiji, der Täter habe zunächst gefragt ob sie Japaner seien – nur um anschließend auf seine Opfer einzuschlagen. Beide erlitten Verletzungen an Kopf und Beinen und mussten im Krankenhaus behandelt werden. Bei dem etwa 35 Jahre alten Täter handelt es sich nach Angaben der Polizei vermutlich um einen Chinesen, der nicht Einwohner von Hongkong ist.

Japanischen Geschäften in China wird zu patriotischer Beflaggung geraten: Die Behörden in Peking wiesen japanische Ladenketten, oder solche mit bezug zu Japan, wie etwa Uniqlo und 7-Eleven an, Banner an ihren Filialen anzubringen, die mit dem Slogan: „Die Diayou Inseln sind chinesisches Territorium“ bedruckt sind.

Sollten die Ladeninhaber dies nicht freiwillig tun, so werde die Stadtverwaltung diese Anbringen lassen. Was vordergründig wie ein Versuch japanische Geschäftspartner zu schützen aussieht, könnte aber wiederum zu Protesten der japanischen Unternehmen führen.

Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)
Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)

Japaner wirft Rauchbomben auf chinesisches Generalkonsulat: Der 21 Jahre alte Bauarbeiter Yuya Fujita wurde festgenommen, nachdem er zwei Rauchbomben auf das Gelände des chinesischen Generalkonsulats in Fukuoka geworfen hatte. Wie die Polizei mitteilte habe er sich selbst in einer nahe gelegenen Polizeiwache gestellt.

Zu den Hintergründen befragt erklärte er, Mitglied einer politischen Aktivistengruppe zu sein und die Rauchbomben Montagnacht aus politischem Protest gegen China geworfen zu haben. Bei der Protestaktion wurde niemand verletzt, es entstand kein Sachschaden.

Zwei Japaner betreten Senkaku-Inseln: Aus bislang unbekannten Gründen haben zwei japanische Staatsbürger trotz Warnungen der Küstenwache die umstrittenen Inseln betreten. Dies bestätigte Yuji Sakanaka von der Küstenwache. Nicht bestätigt sind bislang die 1.000 chinesischen Boote die in japanische Gewässer eindringen wollten.

Die beiden gehörten zu einer Mannschaft von fünf Personen die gegen Mitternacht von der Insel Ishigaki, südlich von den Senkaku aufgebrochen und zugesagt hatten, die Insel nicht zu betreten. Beide Personen blieben für etwa 90 Minuten auf der Senkaku-Insel Uotsurijima, bevor sie schwimmend zum Fischerboot zurückkehrten.

China legt Protest gegen Landgang ein: Hong Lei, Sprecher des chinesischen Außenministeriums legte starken Protest aufgrund des Betretens einer der Inseln durch japanische Staatsbürger ein. Er forderte zudem Japans Regierung auf, Maßnahmen zu ergreifen um derartige Aktionen, die nur zur Eskalation beitragen würden, zu verhindern.

Zehn Chinesische Beobachtungssschiffe nahe Senkaku-Inseln gesichtet: Von Japans Küstenwache wurde gegen 16:13 Uhr Ortszeit insgesamt zehn Schiffe, gerade außerhalb japanischer Gewässer gesichtet und diese gewarnt, nicht in das Hoheitsgebiet einzudringen. Bereits zuvor war gegen 6:50 Uhr ein einzelnes Schiff, ein Yuzheng-35001, etwa 43 Kilometer entfernt von der Senkaku-Hauptinsel gesichtet worden.

Bis zu diesem Zeitpunkt blieb die 1.000 Fischerboote umfassende chinesische Invasion, die nach Angaben von Chinas Staatsradio am Montag von den Provinzen Zhejiang and Fujian aufgebrochen war, aus.

Drei chinesische Schiffe verletzen japanisches Hoheitsgebiet: Gegen Abend drangen drei Schiffe der chinesischen Seeaufklärung, sowie ein Fischerei-Patrouillenschiff in japanische Gewässer in der Nähe der Senkaku-Inseln ein und blieben dort für etwa 40 Minuten.

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